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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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halten gegenüber gewisse» Sirömungm z» Lhkl geworde» sei. Da« Landgericht »ahm an, daß der Angeklagte tu Folge dieser Erwägung überzeugt war, der Kaiwr Hobe em derartige« Telegramm nicht abgesandt, und d»H ihm deshalb der direkte we der eventuelle Dolu« und da« Bewußsein, eine Majcstüttbeleidignng zu begehr», gefehltß habe. Unerheblich sei dem gegenüber der al« FahrläsfLkeit zu charakterifirrnde Umstand, daß der Angeklagte tat immerhin »icht unmögliche Richtigkeit fc;4 Telegramm« nicht geprüft habe. Deshalb erfolgte die Freisprechung. — Die Revision de« Staat»anwalt« kam vor dem 1 Strafsenat de« Reichsgericht« zu Leipzig am 6. April zur Verhandlung wnrd« jedoch vom Reich«anwalt Trepliu nimt vertreten. Derselbe führte au«, daß die Revifio» nur gcltn die thalsächlichen Feststellungen aokämpfe, welche für »da« Reichsgericht maßgebend seien. Ob die Feststellunaen in alle» Richtungen da« Richtige träfen, darüber habe^er sich nicht auSzalafsen. Seinem Anträge, die Revision zp verwerfen, schloß sich der Bertheidiger, Juftizrath Romberg-Leipzig, au. — Da« Reichsgericht verwarf sodann im Einverstäudniß mit den Ausführungen de« ReichSanwalt« und Berrheidiger« die staatSanwaltliche Revision und besiegelte die Freisprechung. Ztreade» Au» dem jungst rrichienrnen .BerwaltungSbrricht über da» Jahr 1888* lheilen wir folgende« mit: Die Gemeinde ist um 4 stimmberechtigte Mitglieder gewachsen und zwar auf 484 (dou 460). Unter den neu arifgenommenm Mitgliedern wird auch d.r Rabbiner Dr. Jarpd Winter aufgezählt. E« fanden im vergangenen Jahre 18 Ehrschließungen, 44 Geburten und 33 Todesfälle statt. Von GemeinderatrSbeschlüssen dürften zwei von allgegemeinerem Jntcreffr sein: Die Ge betbuch fr» ge und die Rtuoraauisar on der Religionsschule. t Wa« die Lösung der ersten anlaugt, so sann man sie durchaus nicht a>» eine glückliche bezeichnen, während man für Neujahr und BnsöhnuagStag da» am4 weitgehendste reformirrr Strin'sch« Gebetbuch beibrhielt, führte man für die andern Festtage — auch für Sabboth uüd Wochentag — da» „Breslauer* ein (gegen die Stimmen zweier Borsteher, die sür da» „Berliner* ein traten); «och füc den FrertagabrndgottrSdiensr hat man Manche» dem Berliner Ritual ent ommen. Diese Fusion ist «ehr yne Consufion zu nennen. Dieselbe Inkonsequenz zeigt sich bezüglich de» Maflir. Die Hastara soll stet» deutsch lind nur vom Rabbinir (resp. Borbettr) g'sprochea werden; doch den Bar- Mizwa-Knabin ist r» gestaltet, dieselbe in hebräischer Sprache vorzutragen, aber an Feiertagen nicht. Wieviele Widersprüche enthält doch dieser Beschluß. Ist die hebräisch« Sprache al» die hellige die devorzugte, warum ist es dem Rabbiner nicht gestattet, sich derselben zu bedienen? Spricht er sie nicht m>t größerem Bersrändniß al» der Barmizwa, dem sie papagelmäßig rinstudirt worden? Wozu diese» Mafrir- Schauspiel mit de« Barmizwa-Knaden, die wochenlang vorher mtt dem er»eu Kapitel geplagt werden, da» sic meist garnicht verstehen? (ganz abgesehen davon, daß sich manche Haftara'» garnicht zum Uedersetzen eignen.) Was der Knabe statt desien von Religion znr Barmijwa-Feier lernt, tst nützlicher für ihn. Wir wissen wohl, daß die Eltern de» bttreffenden Barmizwa von Glückseligkeit strahlen, wenn der Knabe die Hastara nur recht laut, wenn auch ohne Berftändniß, i» der Synagoge dcüamirt, sie memen, daß dann da« ganze Wesm der Rrltgionsweih« ihres Svhncheu« liege. Die Synagoge sollte sich am allerwenigsten dazu hergeden, solche falsch« An« Ichauunge» zu nähren. Etwa« Anderes wäre es, wenn dem Knuden auch später al» Jüngling und Manu die Gelegenheit geboten wäre, auch ewe andere Hastara al« die einstudirte un Tempel oorzutrageu, aber da» ist ja hier durch den Beschluß, der die Haftara für de» Rabbiner und Eaator »ouopolisttt, eia für allemal geschloffen. Ein anderer Widerspruch liegt dort», daß der Barmizwa a» alle» Sadbathe» dt« Hastara sage» tau», nur an Feiertagen nicht; nun giebt es aber Sadbathe, für weiche ausdrücklich religiousgesetzlich vorgeschri'ben ist, daß sie nur von besonder» würdigen und jüdischen Gelehrten vor getrogen werden dürfen, wie z. B. am Bußsabbatd. am Paischa» Sochour, am Sckabba» Chason — wer stehl e« da mit lem Barmizwa? „Löset mir Graf Ditinbur, diese» Räths-l dcr Natur*.*) Auf den andern wichtigeren und erfreulicheren Gegenstand, die ReligionSs hule, komme ich en meinem Nächsten zurück. Lrrxemb«rg. «Fnremöurg, IS. April. (Or.-Corr.) Am 18. d. M. benachrichiigee Herr Staat-minister Eyschm den Rabbiner unserer Gemeinde, Herrn Dr. Blumen stein, daß S. Hoheit der Herzog-Regent Adolph v. Nasiau, ihn am lolamden Tage um 1 Uhr in seinem Palaste zur Audienz zu empfangen wünsche. Der Empfang fand in Gegenwart de« Erbprinzen Wilhelm und de» Herrn Staotsmiaister« statt und unterhielt sich der Regent in der leutseligsten Weise mtt dem Herrn Rabbiner, ihn über alle», wa» die jüdische Gemeinde und die Berhästnisie der J-raelüen betrifft genau aussragend. Der Verlauf der Audienz, sowie überhiupt alle Ansprachen und Aeußerungen de« Regmten beweisen, daß derselbe die Traditionen dr» Hause» Rafsan-Oranirn in Bezug auf un« Juden stricte fortsetzen werde. Heil ihm und seinem Volke OesterretchUwgwr«.! Me». Da» Unterrichtsministerium hat unter Aufhebung einer Latschetdung der Statthrlterci in Prag, welche den Uebertritt eine» irrsinnigen Juden zur katholischen Kirche nicht gestattete, entschieden, daß eine wegm Irrsinn unter Turatel stehende Person im Allgemeinen nicht behindert sei, einen Religion»wechsel vorzunehmen, da eine solche Curatel die zum Uebertritt zu einer anderen Religion erforderliche eigene freie Urberzeugung noch nicht au«schli-ßt. Der Vorstand der Tilmud-Thoraschul«, welcher sich an dm Gemeinderath mtt der Bitte um eine Subvention gewendet hatte, hat sein Ansuchen zurückgezogen. Damit wird dem Gemeinderarhe die Wiederholung jener widerlichen Debatte erspart, welche schon einmal bei dreier Frage und nicht zur Mehrung der Würde dr» Grmeinderathe» in weiten Kreisen unangenehme» Aaufsehen erregt hat. In verschiedenen Kreisen der Rrstdmz ist «an eraschaft g-neigt, gegm die antisemitischen Verhetzungen entschieden Stellung zu nehme». Bor Kurzem hat die israelitische Tultr'Sgemeinde eiom osficiellm Schritt >n dieser Angelegenbeit gechaa und eine Deputation an den Grafen Taaffe entsmdrt, welche Maßnahmen gegen dir antisemitischen Ausschreitungen verlangte, lieber die Unterredung zwischen Taaffe und der Dkputation wurde Stillschweigen verabredet. Auch unter hrrvorrageaoen ch ristlichea Jndustriellm und Ge chäftsleutm der innerm Stadl ist eine Agitation im Zuge, bei der Regierung Vorstellung« zu «rhedm und zu betonen, daß bei der Fondaurr der antisem tischen Sttömuag zahlreiche Wimer Firmen dem Ruine entgegcngchen, weil die angesehensten Famil en dr« Judmthum» sich von der Oeffeutlichkrit vollständig zarückziehm und chrm Au»gaben-Etat auf da« Nothwmbigste beschränkm. Die Gründung eine» jüdischen Verein« „Union* zur Abwehr de» Antisemttismu» und eine« neue» „Studentm-Verein»* zu gleichem Zweckt fand jüngst hier statt. Nähere» darüber in nächster Nr. Au» Mio« wird u»s unterm 22. April geschriebm: Unser Ministerpräsidmt Graf Taaffe tst au« Prag zurückgekehrt. Dort war der „Emtralverein für jüdische Angelegenheiten* bei ihm wegen die überhandnehmmde Wühlereien der Auttsemilm vorstellig gewordm. Diese Beschwerdm deckm sich so ziemlich mtt denjenigen, welche fast unmittelbar vorher von »er Vertretung der hiesigen Eultosgememde in einer umfangreichen Dmlschrift zusammrugefaßt und dem Riaisterpräsideute» von einer Abordnung dieser Körperschaft persönlich *) Hier in vtaadebnrg tst die Bestimm»«- getroffen, daß »icht mrr de» varmtzwa-Kaabe», saadern allen de« H«ratschen und de« lttnrgtschr» «im» dmdigen «emetudemitglled«» an gewöhnliche» »nd p.redigrfrete» Haddathe» gestatte» tst. »i« Hast«» corrert vor» Intrige«. Idled.)

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