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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 130 — Schuldigkeit gethan und den Samen de« Judenhaffe« weithin über Deutschland Liuau« in die christliche» Gemüthcr gestreut und diese auf lange Zeit hin vergiftet hat. Seine Jünger in Oesterreich überragen de» Meister, dort feiert der Autisrnmismu«, wie dcr Telegrapheudraht meldet, die wildesten Orgien de« Haffe« und der ZerstöruugSwuth. (Siehe unter .Wien".) Dem Nachruf, de» ein Berliner Blatt dem Stöcker widmet, eutoehmen wir folgend; Schlußsätze: „-ein schreienden Widerspruch, daß ein Träger de« Talais. ein Hoi» und Domvrediger sein hohe« amtliches Buschen ju einem demagogischen Treiben unchristlichster und rohester Bit mißbrauchte, ist nun endlich rin Ziel gesetzt. Die widerliche Spielan des Mafienuod Raffenhetzer« im Hofpredigergewoude scheidet aus unserem öffentlichen Leben au«. Aber Hütte nickt, was jetzt geschieht, schon früher mit derselben Leichtigkeit und mit besserem Erfolge geschehen können? Hätte nicht eine Menge von Verwirrung und Berhetzong vermieden und unserem Vaierland« die Ausbreitung einer traurigen Mißbildung erspart werden können, die der verewigte Kaiser Frtetrich als eine .Schmach" für alle Zeilen grbrandmaist half Ist der Hosprediger-Demagoge heute verwerflich und gefäbrlich, warum war er es nicht schon seit Jahr und Tag? Und hat man nicht seither durch Duldung begünstigt und grhäischrlt, was man heute zu beseitigen sür Pflicht hält? DaS sind Fragen, die sich jetzt nicht abweisen loffen, uod man kann sich des Einkruckü nicht erwedren, als ob Stöcker die Rolle des Mohren gespielt, der seine Arbeit gethan und nun gehen kann. Die schlimme Saat, die er dabei mit hoher obrigkeitlicher Erlaub- »iß ausgestreut, wird nicht so schnell verweht sein. Dennoch wallen wir unsere Befriedigung über da« Gericht nicht verhehlen, da« nun doch noch, wenn auch ziemlich verspätet, über diesen Apostel de« Haffe« hereingrbrocheu ist. Wir erblicken darin ein ermunternde« Zeichen, daß die Reaktion sich selbst ihrer grsügigstru und gefährlichste» Werkzeuge entledigt, »eil sie sich ihrer zu schämen beginnt. Vivant sognsntos 1* Stettin, 10. April. (Or--Corr.) Nicht den kleinsten Rang in Bezug auf Ausübung der Wohlthätigkeit nimmt unsere Gemeind« ein und sie kann stoiz daraus snn, da sind: der Beerdigung«- uod Wohlthätigk-itsverrin; der Verein zur Vertlniluug von Brennmaterial; Verein HachnoffaS Kallah; der Frauen-Beriin und Wöchnerinmn-Verrin; Waisenhaus; Brüdervercin; Knabenverem; Verein .Tugendreich" rc. Die Unterstützungen, die dadurch gewährt werden, gehen in die Tausende und mmn auch dir Oeffentlichkert davon nicht viel erfährt, so wird im Stillen drstomehr gewirst. Jetzt finden von fast ollen Lrrcioru die General-Lirsammlungen statt; c« würde zu weit führen, über jede zu berichten, nehmen doch alle den gleich«!» Verlauf. Die Ausscheidrnden Vorsteher werden stets wieder gewühlt, Agüatiouen finden nicht statt. Für viele Vereine fungiren gleich« Personen als Borstrher, dankend wollen wir e« anerkennen, daß sie ihre Zeit diesen Zwccken widmen. Die Versammlungen selbst sind nur wenig besucht, man weiß ja Alles in guten Händen und bekundet sein Interesse dadurch, daß man seiucn Beitrag zahlt. Wa« hier noch nöthig wäre, daist eine Alt er Versorgungs- Anstalt. Wohl wiffrn wir, daß dazu Geld, sogar viel Geld, gehört. Aber Rom ist ja auch nicht an ein em Tage erbaut worden und wenn sich nur die richtige« Männer finden, um die Sache in die Hand zu nchmen und e« an Much und Ausdauer nicht fehlen lassen, dann wird auch s. G. w. diese Sache zu einem glücllichrn Ende geführt werden. E« ziehen fast jährlich einige Familien von hier »ach Berlin, cheil« um dort da« hi« erworbene Geld zu verzehren, theil» auch um dort chr Geschäft weiter zu führen. Wenn diese ihren früheren HeimathSort, der chne» ja eine Segrn-q uell« war, zu genanntem Zwecke bedenken und durch eine grügere Spende den Anfang machen wollten, so würde «ü an Forrsrtzlnn de« guten Werke« nicht fehlen. An« chlaga» schreibt «an un«: Da« große Jutereffe, welche« Ihr geschätzte« Blatt stet« der Fördern»« der jüdischen Litteratur angcdeiheu läßt, veranlaßt mich. Ihnen beiliegend die Abschrift eine« Schreiben« au den D. I. G. B. zupfenden. .... »An den Wohllöbl. Vorstand de« D. I. G. B. Die Frage der Beschaffung von geeigneter Lektüre für jüdische Schul» und Gemeinde-Bibliotheken wird immer dringlicher. Von Gelehrten und Laien, von ganze» Versammlungen sowie Einzelnen ist die Nothwendigkcit solcher Lectüre wiederholt anerkannt worden. Diesbezügliche Beschlüsse wurden wiederholt gefaßt, aber ein praktischer Erfolg ist bisher noch nicht zu verzeichnen. Unterzeichneter, seit sechs Jahren bestehender Vereiu mit verhältnißmäßig großer Mitgliedschaft unlerhätt eine Bibliothek für Jugend und Erwachsene. Die Bibliothek wird eifrig benützt, aber da« belletristische und namentlich da« erzählendbelehrende Material für die I u g e n d ist ganz und gar uazurcicheud; neue Anschaffungen find unausführbar. Um einem Erfolge näher zu kommen, crlauben wir nn«, dem D. I. G. B. nachstehenden Vorschlag zu unterbreiten: 1. Der D. I. G. B. zieht von sämmtlicheu bestehenden jüd. Litteratur-, Mendel«iohuu. dgl. m. Vereinen einen bestimmten Procentsatz ihrer Einnahmen ein. (Kann denn d r D. I. G. B. über die Kaffen der Vereine verfügen? Red.) 2. Der D. I. G. B. zahlt selbst einen Beitrag und verwendet die Summe zu Houoraren für einschlägige Jugend-Litteratur. 3. Au« größeren, für diesen Zweck etwa gespendeten Beträgen soll er» Fond« begründet werden, deffeu Zinsen nur sür den gleichen Zweck Verwendung finden solle». 4. Der D. I. G. B. dlldet resp. «rnennt eine Eommisfiou zur Bearbeitung und Ausführung dieser Angelegenheit. Wir erlauben uns, diesen Vorschlag dem D. I. G. B. zu unterbreiten, weil ein verein, der in Berlin seiucn Mittelpunkt hat, so viele Gemeinden verbindet und deffeu Vorstand ans so vielen intelligenten und gelehrten Männern besteht, am besten geeignet erscheint, diese gute Sache zu förderst Wir sehen einer gefl. Rückäußrruug ganz ergebenst entgegen und empfehlen uns hochachtungsvoll Der verein zur Förderung der jüdischen Litteratur. Der Vorsitzende. Eduard Mamlock." (Wir kommen aus diese Augelegenhrtt, die wohl eher vor da« Forum de« Rabdiueroerdaude« gehört, bei Besprechung de« Bambergrr'scheu Schulprogramm«, da« — wie in vor. Nr. bereit« witgetheilt — diesen Gegenstand eingehend bespricht, demnächst näher zurück. Red.) Hppek». Zur Erinnerung an den verstorbenen Kaiser Friedrich hatte der hiefige Rabbiner Dr. Wiener für den 18. Oktober v. I. eine Broschüre unter dem Titel „Saul und Jonathan" herausgegeben. Er erwähnte in derselben die Schrift de« Professors Dr. v. Treitschke .Zwei Kaiser" und die durch einige Blätter gegangene Nachricht, daß der jetzige Laiser dem Prof. Trettschke au« Anlaß dieser Schrift ein Laukttlegramm gesandt habe. Dr. Wiener, welcher diese Nachricht nicht glauben mochte, knüpfte daran die Bemerkung, er halte e« für unmöglich, daß Kaiser Wilhelm die« gethan Hab« und hatte die betreffende Nachricht für eine absurde Reporter-Eute. In dieser Aeußernng wurde vo» der Staat«- anwattschast eine MajestätSbelridiguug erblickt, aber da« Landgericht Oppeln, welchr« am 29. Januar er. gegen Dr. Wiener »erhandelte, sprach den Angeklagten frei. Derselbe hatte geltend gemacht, daß er »ach der bekannten Rede de« Abgeordnete» Grasen Dougla« annehme» mnßte, Kaiser Wilhelm mißbillige da« Treiben der Antisemiten »nb könne deshalb unmöglich seinen Dank für eine Schrift ausgesprochen haben, in der seinem verstorbene» Vater, de« Kaiser Kiedrich riue keiuesweg« schmeichelhaft« Lrint in Bezug ans sei» Brr»

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