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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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12- — luag. Daß von eine« Avaucement im Sinne de» Wortes in beiden Füllen kein« Red« sei« tat«, selbst wenn der jüd. Lehrer Mtttelschullehrrr und Rector ist, dürfte längst bekannt« Thatsackie sein. Bei und trotz alledem gründet man jüd. Präparandenanstalten, gründen oder gründete« stellenlose oder unabhängig sein wollende Rabbiner Lehrerseminarien. alle» au» purer Rächsten- — ich will sogen — Eigenliebe. Also um der eigenen Besserstellung wegen glaubt man da» R-cht zu haben, wodlbegadten, hoffnungsvoll,« Jünglingen, die auf anderen Gebt««, Bedeutende» «reichen könnten, den LebenSaang und die Lebensstellung zu verleiden und zu verdnben. Ein Streben für das Judenthum durch Heranbildung von Lehrnn zu wirken, kann doch hierin wahrlich nicht «blickt werden, wo durch offenbare UebriProduction den jüd. Gemeinden da» Streben noch Blsferstellung ihr« Beamten genommen wird. .Wir bekommen für Einen — Hecht eS dann imm« — fünfzig und wenn auch für g«,ng«eS Gehalt." WoS soll darau» mit der Zeit werden, wenn dieser Gründersucht nicht endlich rin eu«gischrS Halt zugerufea wird, wenn ohne Zweck und Ziel neben d«, im Uebermaße vorhandenen jüd. Seminarien und Piüparandenanstalten noch neue gegründet werden und zu diesem Zweck oft Alarm geschlagen wird, um die Milbherzigtrit uni«« Gloubeilübrüver wachzurusen, während unsere Beamten darben müssen und in eventuellen Fälln dem Betülstab» anbeimfallen. (Reuerding« will man in Siegburg und Cöln Präpurandenanstalten gründen, schlecht situirte Lehrer wollen juiige Leute ebenfalls für'» Seminar vorb«rlten. Für'» Großherzogthum Hessen wünscht man Seminaristen zu erwnben» um sie als Lehr« (oder als Schacht«? Jedenfalls werden sie Lehrer genannl) für die dortigen erbärmlichen Stellen auSbilden zu lassen. D. B«f.) ES gilbt wohl uns«« Meinem, nach And«e» zu thuv» al» unnöthige Seminarien zu unt«stützen, od« gar zu gründen, e» gilbt AndneS zu thon, als Lehr« auSzu. bilden, die keine ordentliche, ihren Fähigkeiten entsprechende Stelle bekannten lönnnen oder zritledcu« .am Hungertuche nagen müssen, während die Herren Seminargründ« und ihre Nachtreter von den g,sammelten Geldnn, die sich oft Manche am Munde obgrsparl, großthun und üppig leben können. Od« lst e» deswegen nölhig, überzählige Seminarien zu erhalten und neue zu gründen, damit noch mehr Lehrer, denen der Beruf nach kurzer Amtirung gar sehr vnleidet wird, sich anderen Berufen zuwenden? Es ist Thatsachr, daß eine vnhällnibmäßig große Anzahl von Kauflmtcn — BersicherungSinspectoreo — laschere Wnnhändler und andne Händler — aus dem Lrhrrrstande, namentlich' au« dem süddeutschen, hnvorgkgangen ist. Soll dem nup noch mehr Vorschub gel«sttt wnden, al» biih«? Wir glauben. Summen, die überzähligen und unnöthigeu Seminorien. wie übermäßig reich dotirten und wmign nüthigen Stiftungen zufallen, fänden bessere Anwendung durch Gründung von Provinziallassen, au» denen uubcmütelte Gemeinden, invalid« Gemeindebeamte und d«en Hinttrbliebenrn unterstützt würden, damit letzter« nutzt der öffentliche» Müdchätigkeie anheimfallen. Ja, da» Judenthum hat hi« eiue Schuld abzutragen, an deren Einlösung e» noch nicht gedacht hat! Man muß endlich aufaogen, von unten nach oben zu baue» und nicht umgekehrt. Erst Sorge für würdige, auskömmliche, defiuitive Stellen, Sorge für Alt«, Invalidität ic, und dauu Ausbildung der «ochweudigm Anzahl von Kräften. Wir sehen imm« mehr, daß der b«»h««ge Modus ein verfehlter ist, denn trotz all« Seminarien und der Tüchtigkeit ihr« Zöglinge hat sich die Stellung de» jüd. LehrnS nicht nur nicht gebessert, sondern «heblich verschlechtert und die» sowohl in pecunrär«, wie in social« Beziehung. Wie könnte e» wohl auch and«» sein, wen» man heutzutaße schon für ein Gehalt von 1506 Mk. und wenig« einen rite vorgebildeteu Rabbiner »«laugt und bekommt? Eine Gemeinde, d«e einen Religion»lrhrn braucht, der ab und zu einen Vortrag halten soll, »«langt schon für ihren sehr karg bemessenen Sold eine» gymnasiale und akademische Studien absolviit habenden Rabbiuer und wenn auch dadurch Gemeind« und Schule den Krebsgang «acht; den« der junge Herr Rabbin« — bekanntlich wrrden am liebsten auch in den kleinsten Gemeinden nur recht junge Eandidaten engagirt — verläßt bei d-r «sten besten Gelegenheit die gering dotirte Stelle — Beweise sind hierfür in Menge vo,Händen — und Gemeinde und Jugend sitzen nach kurzem Zeittaum wieder da ohne Lehr« und Leit«. Da sich nun ein wirkliche« Bedü'fniß nach ein« neuen Kraft vor den hohen Fesitagln nicht fühlbar mrcht, so kann ja die liebe Jugend wird« alle» v«oessen, wa« sie nicht g-l«nr hat, während d« kaiserlosen, d« traurigen Zeit. Und wa« die Herren Alten betrifft, so mögen sie noch wie vor auch während de» Jnicrreanum» b:im Gottesdienste ihre g-schäst.ichen Angelegenheit n orvnen und erlevigen. Derartige Schauspiele wird, w« fleißig die Rabbineroacanzrn studirt, sich leicht vorstrllen könne«. Kleine Gemeinden — gleichgültig ob in Kamerun, Brandenburg oder Pommern — verlangen und bekommen Rabbiner, ohne auch nur im geringsten den Willen und die Mittel zu besitzen, solche Männer d« Würde gemäß zu honoriren und zu respectiren. Selbstredend kann hier nur die Rede sein von Rabbin«-Doctolrn, die auch die - Gymoafialstudien, ebenso bei den Lehrern vo« den rite vorgebllderen, da wir andere Gemeindebeamte zweifelhaften Kaliber«, die der regelrechten Entwickelung de» jüd. Gemrindelebea» eher schaden als nützen, «lcht anerkennen dürfen, sobald wir e« «nft mit der Sache meinen. Wenn nun die Rabbiner» und Lehrerseminarien mit ' ihrer starken Frequenz sich brüsten so zeugt die» von einer Unkenntuiß der Verhältnisse uud d« Lage der Gemeinde» beamten, wie sie krasser nicht gedacht werden kann. Der Rabbiuer wird in der gegenwärtigen Zeitströmung noch eher und schneller Verwendung finde», wie der Lehrer, wenn er nicht g«ade Schächter ist. Der Rabbiner ist übrigen» jetzt von der Gesellschaft so anerkannt, daß « unter Umständen mit dem Arzt und Rechtsanwalt rangirt, so daß auch sonst genügend für ihn gesorgt ist und er demgemäß die Früchte seiner Studien eivzuheimsea vermag. Es ist nur bedauerlich, daß die Herren Rabbiner-Doctoren zweifelhaft« Qualität trotz unv«dienter Würden an bei« Früchten der «steren theiluehmea und oft sie noch leicht« und schneller genießen können. Der jüd. Lehr« hingegen und namentlich der geprüfte muß nach wie vor darben »od warten auf den Himmelslohn. der ihm einst von oben h« zutheil werden soll. Wenn nun verschiedene Lehrerseminarien alljährlich mit d« großen Anzahl ihr« Abiturienten vor d« Oeffeotlichkeit renommiren wollen, so ist die» thatsächlich eher traurig al« erfreulich, namentlich, wenn man sich nach deren Unterbringung näh« «kundig». In jüngst« Zeit macht sich sogar eine Bewegung uni« den ehemaligen Zöglingen de» Berliner jüd. Lehrerseminar» bemerkbar, die durch Gründung eine» V«eio», der stellenlosen Abiturienten dies« Anstalt Stellen Nachweism soll, wenn auch schlechte und «därmliche. — Also so weit ist e» gekommen und all dem sitzt die Krone auf der nrueste Erlaß be» preuß. CultuSministeiS v. Goßln. Wa» ist also nun zu rhu? Gerichte u«d Corresporrdeuxen. Deutschland. Megtzeßnrg. Da» Fest d« Befreiung hat seine alte Kraft bewährt, e» hat un» von dem politischen Agitator und Begründ« tar Autisemitenhatz, Hofpredig« Stöcker, befreit. Bor »t« Alternative gestellt, cutwed« seine politisch-agitatorisch« judenfeindlich« Thätigkeit eiuzustelleo, od« da» damit «noerträgltche Amt eine» Hofprrdig«» nied«zulegeu, hat der Borkämpfer de» Antisemitismu» t§ vorgezogrn, sich von der demagogischen Laufbahn »auf feist geistliche» Alleulhell" zurückzuzieheu. Leider geht der Mohr «ft, uachde« er seine

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