Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 17.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/5369809-5935066-5956581--7095-5373149- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
besohl«»« Menschenliebe keine Schranke», keine Ausschließung, kein Nebeniuterefft (1212 NIlNV rnmo kenne» dürft. — Da« gaaze J«rael soll e« sei» — rHS *5np ‘w bxicr — lautet die Vorschrift de« Peßachfeste». Rabbiner Dr. Rothschtld-Llzey. „WaS kau« «ud soll geschehe«, «m die Stellung der Rabbiner zu einer gesicherte« und würdigeren z» gestatten?" B«> Dr. Siegmund Keßler, Rebbiuer, Laudaberg a S- II. (Fortsetzung oon 9}r. 7.) Woher stammen die vielen Schäden, die sich fast in einer jeden deutschen Gemeinde, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, z.igrn? Mit dieser Frage hoben wir unseren ersten Artikel geschlossen. Um jedoch die vorhandenen Uebelstände einigelwaßen in da« rechte Licht zu setzen, müssen wir, ehr wir zur Bear.twottung dieser brennenden Frage schreiten, der wir dann einige Vorschläge folgen lassen wollen, deren Berücksichtigung noch unserer unmaßgeblichen Meinung eine Bisserung herbeizuführen geeignet ist. noch einige Thatfachen zur allgemeinen kennrmß bringen, ohne aber auf eine erschöpfende «larteguug der Mißstände Anspruch zu machen. In einer kleinen Gemeinde der Provinz Posen, der Domäne einer .reubochdeulschrn" Orthodoxie, die sich schmeichelt, alle Frömmigkeit nur sür sich gepachtet zu haben und ganz allein das echte und rechte Judenthum zu vertreten, trotzdem sie sich mehr die Anzettelungen von Wirrnissen in solchen Gemcindeu angrlrgere sein läßt, in denen wackere und treugesinnte Rabbiner liberaler Richtung suvgiren, als, wie einst die Frommen in Israel, tem Studium der GotteSlrhre ihr« Zeit und ihre Kräfte zu widmen, also in einer kleinen Gemeinde der Provinz Posen g> fielen sich einige Gemeinde» mttgl »der, welche von irgend einer Seite aufgesrachelt wurden, darin, daß fie ihrem Rabbiner sogeuaonte Berlegenheiteftagen vorlegtrn, wodurch immer mehr und mehr Mißhelligkertin entstand« n, dr« endlich der Beschluß gefaßt wurde, dem Rabbiner die Stelle zu kündigen und chm nur unter der Bedingung noch e ne kurze Galgenftiit zu gewähren, daß er sich bereit erklärt, rin Protokoll zu unterzeichnen, da« keineswegs in sehr ehrenvoller Form abgrsaßt war. Den weucru Verlauf der Angelegenheit kennen wrr nicht, wissen jedoch, daß diese« Rabbinat von einem gesiiinuugetüchtigeu Man«, der sür dasselbe in Aussicht genommen war, unter dem Hinweis auf jene Vorgänge auSgefchlageu wurde. — Nur noch einen Fall wolle» wir ansührrn, der so deutlich zeigt, mit welchen Wünschen man in der Gegenwart an den Rabbiner haastritt. „Mau will Sie in R. zum Rabbiner wählen", mit diesen Worten kam eioeS Lage« ein hochgeachteter schr ge» lehn» Mann zu einem jungen Rabbia«, .allem eh« man Sir wählt, will man vou Ihnen dir bindende Zusage, daß Sie beim Relegumsunterricht nicht» von da Bedeutung de« Sabbath erwähnen I" Diese Zumuchung wurde natürlich zurückaewieseo. Diese und ähnlich« Fälle lassen zur Genüge erkenne», daß e» in vielen ttzemeiudeu au der autoritativen, religiösen Noi m, welche vor Allem vou da Gemeindevatretnng respeklitt wird, gewlssamaßrn an eina allgemriu gültigen religiösen Grwruideversassung fehlt. Wir haben wohl Gemeindestatuteu, welche ab« lediglich die Administration da Gemeinden regeln, ohne jedoch die religiöse» Augelegenheiteu »esp. die Jnsti» tutionen, die ol» da» noli me tangere ein« jüdischen Gemeinschaft aogefthrn werden müssen, genau zu bestimmen, daen Föiderung oda Vauachiässlguug vielmehr von da jrweäigen. Batte,ung obhängt. Daher kommt «», daß zu» stUeu der Rabbi»,r, da von einer Vertretung gewählt ward«» ist, eina andern inzwischen urugewählte» Übertretung da Gemeind« ol» ungaignet erscheint. Da Rabbina kann daha ohne sei» Verschulden unvasehen« eina Opposition gegenüberstehen, mit da « rntwed« paktiren muß, indem a da« leiseer faire et aller gegen seine Ueberzeugimg als mockus vivendi bettachtrt, oda. wenn a seinen Prinzipien nicht untreu werdm will, «ine andae Gemeind« suchen kann, die augenblicklich seinen religiösen Standpunkt theilt, ohne aba die Garantien zu bieten, daß die« nach einigen Zähren und nach einer Neuwahl de» Vorstandes noch imma da Fall sein wird. Sollte e« angesichts da Vaschirbuog und Verwirrung da Begriffe wa» religiös heißt, was wir keineswegs den Gemeinden zur Last legen wellen, was vielmehr eine Folge unsner politischen wie sozialen Berhältaiffe ist. sollte r», fragen wir, den jüdischen Gemeinden in Deutschland nicht einleuchten» daß «S nunmehr an da Zeit sei, auf einem Delegtrtevtag, wo Laien und Rabbina sich gegeuseitig die Hände reichen würden, eine Art magna Charta auszuarbeiten, die von allen Gemeinder» als Grundlage de« GemeiadelebenS gelten könnte, damit da» religiöse Leben endlich wird« seine Auferstehung feiere, damit da» Judenthum nicht, wie eS Manche wünschen, sich allmählig verblute? Sollen wir denn warten, b,S da Abfall, da immer größere Kreise gewinnt, un« Nicht« m,hr zu rrorgarnisirrn und neuzubelrben übrig läßt? Sollen wir denn warten, bis man von jena Seite, auf der man nicht ungern den Baroth und den Abfall sieht, uns einen .Ordnungsruf atheilt? Fürwahr, dann können wir ad calendas graeoas warten! Zwar, wa» in Badnr, Baiern, Württ>»bag zum Nutzen u> d Frommen de» Staate» wie zum H»ile da Gemeinde seit vielen Jahren in« Leben gnusen worden, wa» gegenwärtig in Oesttacich als Entwurf bereits vorliegt — dir Gemeiudeordnung — sie kann ja auch bei uneinmal zur Wahrheit wndea und wir glauben sogar, daß da derzeitige EultuS- und UutarichtSministrr, da vor einigen Wochen da» inhaltsschwer« Wort gesprochen: .Da Staat ist nicht indiffaent, soweit eS darauf ankommt, daß Volk religiös zu aziehen und unterrichten zu lassen", gewiß auch unseren Bestrebungen seine Untnstützuug nicht versagen würde; allein biSha hat man in unserer Mitte nicht« gechan, um mit Wünschen und Borichlägea in dem oben angrdeutetru Sinne an die Regiaung haanzutrrlen. Die Autonomie da Gemeinde aba, auf welche man so stolz zu sein scheint, hat, wie uns bedünken will, nicht den Segen gebracht, den wir vvn chr gehofft, und ist dieselbe mehr eine leckae Kost, an da da» kranke Judenthum sich zu Tod« sätt gen kann! Wa» einem ESra und Rehemia gelungen ist, wa» da Versammlung zu Uscha geglückt, wa» die für die Religion der Väter degristaren Männer zu allen Zeilen arerchea konnten — dir Stärkung und Kräftigung de» Jndenthum» durch rin gemeinsame» Vorgehen, durch eme allgemeine Reorganisation auf historisch« Basis — «» wird «uv muß auch un» gelingeul Wir beschwören daher die Gemrindru, die außa da Stenrrrolle auch noch da» Judenchum kennen und pflege» wolle«, wir beschwüren die Vorstände und Batreta, die gleich un» dr» Niedergang de» Jndenthum» dura beklagen; wir beschwüren Alle, die für unsae große Vagaagenhe» noch nicht jede» Baständniß Valoren haben, welchen Standpunkt sie auch eiaaehmeu, sich aufzuraffen zur gemeinsamer» ThechlfTN 2112 .171VN11, denn nur tunheine gemeinsame Berathuug kau» un» geholfen »erden. (Schluß folg,.) 3«r jüdische« Lehrerfrage. n. Roch viel schlimmer al» mit deu öffentliche» jüd. Lehrern ist », wie allgemein bekannt, «st den jüd. Lehrern alü Gememdedeauiteu, also i» uichtöffrutlicher Siel- .