Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 15-16.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 15-16.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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jnrtftilsem %qf* unk an« rinn: 6au>nünn| M« feTIntctun«tu U> Motet ■**, -tar aM «aMt Mm E .HtM*" (rta han. rin «»ft. in km ftüdshettssprüche, «IbeTu|«ittu erftne *mrt «btu am» Mm MtUIMni titfftaatgt-kaka*j|Hkcuttuk(CSMa Mn. Set kü<lifH«t Hk urft *fm ftmkn Welt; ft «ft da «ach, an* Mi ilf* brtan«g»l«fn Mikn taaa. b) Eta gratn TheU krt jüdischn «Uten. kt« ftarfct, xtaitft kn tilmk gln|ltt, behanpiet «bet gleich» mftl, kaft ft« glftnbigc Jude» («in. Dt« |tadt« fcrag* wnft. wBcflidl «noauata, miiial autkra. ftkiftl krt fein kkfff aat Jsoel Mttftibrt, Inden gab «• (a znseiner Ml »och n‘dt web« ««(«4, an» trgnb «in« israelitisch« kMea» gtkvifl hat (ich »tt kn BeMpnseu Skntll in «tchl-Isfl deschüs. itat; kt« •rf«kfl«btiti| ftker 9Wn«i> Vethkr »tt fei«« gthltt «tun ta ko« fUbcatc varschrNiliche Jqükunkert. Mosaisch tft Mefe flkftftjikaag aatSrltch rtcht; ab« ft« »tankt kn Jabn nicht, RiMjnden zn b». ftchien Nab za brttftgca. Wotzl aber eaihttlt ft« feftianunnpen, M« unk nicht g«(«Sn Haan. Otooftl ich bia Srthverflündiger bei Zalaink bin, so glaubt ich fftt «KaHft tt(«brn zn ktksn, baf b«t ia bet |»«itn -tag« fsnaulitt* Satz i» Xalmab nicht ft «kt; Io «oben, so Ungebildet, sa salatztz pflegt kei Latmnk ft» nicht anszndrftcken —Ja kn Aenher» nagta M imitn Eztzertn. bfi tzrn. Piosessor Dr. »oheu, »erkn svlgende Anfisten entwickelt: .llat>r km Warle .Gclw" sink lediglich Gstzendiener verftanbn Dtejenign »oji«, bi« nicht Götzendiener (Ink, (ich tzo« ver» krochen fer» halte«, ftiik na» talmndisckm aak jüdischem Recht« kn Inden voftftlndig gleich zn achten, ft« (oftn ber e»tgn Glückseligkeit cheilhaftig werden. Latz »ar den cht'ftiichn Gelehrten iafiebenuhäteu Iahe ka adert bereit« bekannt." — Hterans (ragte (tat Dcatkntgci Hrozeß) der Prllfiden : .Sie verntineii also di zMette graut?" Sachver» ftSadiger: .Die vernein« ich ia jeder Fon» and finde für jede gegen» theillg« Belianptnng keinerlei Entschnldignng. Ein« gegentheilige ve» hanptang kann ich nur oll Küljchnag bezeichnen." — »nf Brsragen des Benheidigers bemerkt der Sachver ftöndig«: Ich geh« zn, kak «• i» Xalmnk einige ceschmacklose, fagat verwersliche Stellen giekt Dies «r» flixt fi». bak ia de» Xalmab Jausend« von Gelehrten twkonrraltrt ihre »afichtea niedergeiegt haben. Lies« wenigen Stellen verschwind« gegen di« vielin, riesen Sittnlehrn, dm sich im Talmud befinden." I» leg« den Akren noch die Siebe des Marburg« Staatsanwalts bei. »tlche das negativ« Resultat der Expertise konftotirt. nnd ich glanb«, bah mir ans Experten verzichten (kann. Das in diese» Prozeße ergangen« llctheil, Welches Keller zn Gelüngnih vernrtheilt, enlhi lt »>. svigend« Glotiv«: .Rach diesen Anssühnmtzen der beiden Sachverftün» digen hat das Gericht es weder fftt erwiesen erachtet, dah im Talmud «in derartiger Satz fleht, noch dah er nicht darin steht. Der Umstand, dah di« klare vea»t»ortu,g der Krag« rau wissenschaftlich nicht leicht m lösend« Ausgabe scheint, hat in Verbindung mit der Xhatsach«, dah der Angeklagte sein« Eenntnih über den Talmud nnr aus der Lektüre antisemnischer Schriften geschöpft hat, dozn geführt, anznnchmen, dah der Angeklagte «inen derartigen Satz de» Xalmnb in guten Glauben zngeschrieden hat- Zm lledtigen ist es für di« Schuld der Angeklagten nnerhedlich, ob sich ein oetattiger Satz i» Xalnnb befindet, denn es bandelt fich i» vorliegenden -all nicht u» «in« Beschimpfung einer Lehre der jüdischen Religionsgesellschast, di« als solche straflos («in würde, sondern tun di« Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschast selbst. Die Beschimpfung einer bestimmt, n Lehr« einer Religionsgesellschaft ist nicht mir der veichimpsnug einer Religionsgesellschast »egen einer bestimmten Lehr« identisch. Ans Stunk dieser Gutachten ist nur das für erwiesen erachtet morden, dah de» Talmud in den jüdischen Gemeinden Denischlaud« in religiöser Beziehung Bedeutung deigeiegt wild. In wie meft sich dies, Bedeutung erstreikt, insdesonrrr« ob der Talmud als Quelle göttlicher Offenbart, ag angesehen wird, mag dahingestellt bleiben. Denn es, handelt fich, »ie oben ausgesfthrt, hier nicht um Beschimpfung einer ' Einrichtung der jü.ischen Retigionsgesellschast." — Ich Hab« auch aus die mrschiedenen Phasen des Marburg« Prozesses gestützt, weil man daraus die lleberzeugung gewinnen kann, »ah man Untecht thut, bet -tagen dies« A« bei Eierten seine Zuflucht zu nehmen. Es ist ja wahr, dah di« beiden Experten einig waren, in der Brtnemung bet zweiten Kroge ab« augefichrs d« Wider» sprüche, in welchen fie fich dewegen, Hütte d« G«icht«hof keine L«- urtheiluug ergehen lafte«, wwm « nicht in Bezug aus itzojim die Ge» wigheit gehabt gütte, dah dieft Gttll« im Talmud nicht stehe. Eine derartiae Eutscheid ang in dies« brennenden Krage, «lasten von einem Richterkollegium, welches alle Msttel der visteuschast d« ftlelehrten Deutschlaud's zur Bnsüvnng Hane, um fich Ausklärung zn »«schaffen, rmhült für uns «in« kostbare Belehrung. Das ist rat unbestrittenes Argument gegen di« Ansprüch« d« Verth«idigung, um aus (fjpaten gurüüzugreisen. Eine derartige Ezp«tis« ist ein säst übermensthllche« und in ihr« AN überflüssiges Verl. Und in d« That, d« Talmud, in welchem es fich um di« in» Eleinst« gehende Korschung handelt, ist kein gewöhnliches Buch, iks ist schm« eine genau« Definition dieses eolostalen Werke« zn geben. Ein Schriftstell« (G r ü tz) Hut mit viel« Getechttgkest von dem Talmud gesagt: »Das ist eine eigen« Welt, welche nur nach ihren den Gesetzen deuriheilt sem will." Da» tft in b« Thai eine un» mre Auhüusnng von Doenmrmen, welch« Ü0 Jahrhunderte de« v£tn Volksleben« umsaht. (Karts, folgt.) — 124 — «m,in,«WlBileM Dlii^nftikmii. von «akb. Dr. »«ulsch tat tdi in. wir führen gewöhnlich auf Friedrich Heinrich Jscokt, der durch sei«. Streit mit Me»de>sf«h« über die Stelltwg Lesfings zu« SpiuoztAmo» auch für die. jüdische Geschichte eine Bedeutung gewonae» Hit, die Anschauung zurück, daß di« «eligi», ihre» Urtftmg. nicht von dem prüfe»d«u Bsrstand«, sondern Mi de» empfinde»d«n Herzeu nnk Gemüttze herleite. Ich will uicht sage«, daß hilft mit Unrecht geschieht,' de»» oh»e Zweifel hat Jalokj diese Lehre «tt oslle« Le» » ußtse i u zum erflenmale auilgesprochen, aber die Gm Pf indüng, daß il» Hetze»' der Sich des religiöse» FühleiW ist, habe» vor ihm schon onder« gehakt. Ohne Zweifel war dieser Gedanke d« hauptsächlich« Triebkraft t» Austreke» «. der th» zuerst die Un,ftllänaltchkrit. der. scholastische» phte erkömen ließ »ad th« de» Ausspruch diktiäe: .daß dreimaleins eins sei, läßt fich nicht beweise», aber wer's glaubt, wird selig". Ich geh« weiter «ud behaupte, daß der talmudische Ausspruch: .Gott will nur das Herz" ebeusalls indirekt sage» will, daß die Wahrheit der Retigiou nicht mit dem prüfeudeu »ud zersetzenden kritischen verstand«, sonder» mit dem fühleudeu und empfindenden Herze» begriffe» wird. Darum ist die Fra», bet welcher das Gemüthslebe» das verstaudeslebe» überwiegt, für die Religion empfänglicher als der Mann nutz besonders ia unserer Zeit, wo di« äußere Pflicht der Religion dos Leben des Mannes lang« nicht mehr ia dem Maße beeinflußt, wie das ehemals der Fall war. Unsere Alte« habe» nach dieser Mchtuug mancherlei gesündigt. Sie habe» das Weib als nicht zur Gemeind« gehörig betrachtet. Unter ihre« Berhältuiffeu nicht mit Unrecht, da dem Weib« ja immer im Hanse ein hinlängliches weites Feld für die religiöse Thätigkeit übrig blieb. Anders aber heute, wo auf der einen Seite die Kran in den meisten Fälle» nicht mehr die viele» Auläffe benutzt, welche iu der Bergangeuheit dem jüdische» Weibe Gelegenheit boten, in ihre« Hanse Gott zu dieueu, «ährend auf der andern Sette di« gesellschaftliche Stellung der Fran ihr die Ansprüche ans weiter gehende Berückfichtiguug im syaagogalru Leden aufdrängt. Line solche größere Lheilashme des Weibes am Gottes» dienst« muß nun wohl deu Rabbiue» vorgeschwebt haben, Äs er die einleitende» Worte bei der Offenbaruug, .so sollst du spreche» zu dem Hause Jakobs »nd reden zu de» Kindern Israels" zuerst auf di« Frone» nnd dann «ms die Männer bezogeu wiffeu will (Rascht aus MechUta). Auch jede kräftigere Regung des religiösen Gefühls hat dahin gewirkt, daß mau de» Frane» «ehr Aufmerksamkeit znwendele. E» erinnere ich mich iu einer der Streitschriste» R. Jakob Emdens gelesen zu habe» — ich glaube in nttpn min, welches mir gegenwärtig nicht zur Hand ist — daß einer »ou deu erste» Gründer» der Lhajfidimsecte mU einer Thorarolle in der Hand tu der Frauensyuagoge zu Mtoua gepredigt hat. Nu» liegt mir nichts ferner als di« Ehasstdim-Rabbts, »ie fie heute als eiukommeusteuerpflichtige Erwerdstreibeud« bestehen als unser Master hinzustelleu. Niemand aber darf leugne«, daß das erste Auftreten der Lhasfidim eia« berechtigte Reaktion gegen das finstere, pedautisch-erust«, trocke« Wesen der talmudisch geschulten Rabbiner «ar. Wie aller Mhsticismus hat da« erste Auftreteu der Lhasfidim zu Ende des 17. Jahrhunderts da« Empfinde» gegenüber dem knechtische» Formeuwesen zu seinem Rechte gebracht. Uud so ist es die gleiche Erscheinung, wenn zu Beginn diese« Jahrhunderts WolfHeideuheim, em iu seiner Herzeusftömmtgkett und profunde» Gelehrsamkeit nicht genug gewürdigter Man«, es unternahm, die Festgrvete tu ordentliches Deutsch zu übersetzen oder wenn au« demselben Grund« vou reformaiortscher Seite einzelne deutsch« Gebete uud Gesäuge iu de» obligaten Gottesdienst rtugefügt wurden. Der Hinweis ans dies« Beispiele soll nicht dazu diene», »m den Frauen das Recht etuzaräume», zur Thora gerufeu zu werde», ja nicht einmal