Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 15-16.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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welcher ste sich jetzt befindet, sowie auch di« dqm erforderliche» Kößereu Geldmittel herbeizuschaffru. Herr Bauer sprach t Oberschnldrhörde für ihr Entgegenkommen. dem GeMnnde- Borstande für sein Iuterrsse für die Schule, Herr« Dr. S. P. Rath au, dr» ältesten, fett etwa 40 Jahre wirksamen Lehrer, der e>a Jahr laug provisorisch da» Amt einet Direktors beklridrl halte, sowi« sämmtlichm Lehrer» seinen Dant aus, und nachdem er auch die Linder auf ihre Pflichten den Lehriri, gegenüber hingewiesm und sie ermahnt hatte, begrüßte er den neuen Direktor. Den Schluß der Red« bildete die Erstehung des göttlichen Segen» für da» fernere Gedeihen der Schule uud Alle, welch« dazu Mitwirken. Rach ihm ergriff Dr. Rathan da» Wort, um zunächst seine» Lehrer», de» seligen Chacham B e r n a y », und seiner Berdienste um die Schule zu gedenken, der dieselbe nicht al» Blumengarten, sondern al« Saals« ld betrachtet wissen wollte und drüekte er seine Freude darüber au», daß er sein provisorisch ei» Jahr verwaltete» Amt so bewährten Händen, wie de» Dr. Goldschmidt, der viele Jahre s:iu College grwesen, übergeben könne. Er wie» auch auf die Tüchtigkeit > der Schule hin, welch« sich auch dadurch dokuweatire, daß j von den seit dem Jahre 1877 (?) zum Freiwilligeu-Examen Angkmeldetea nur der sechzehnte Theil nicht bestaadm habe vnd dezeichnlte r« al» gute» Omen, daß die Einführung de» Dir, clor» am 1. Riffan vor sich gehe, dem Monats in welchem Israel in Egypten die geistige Frühest*) zu Theil ward. Der neue Dir«clor Dr. Goldfchmidt rntwickelte zunächst wie er die ihm gewordene Aufgabe zu lösen gedenke: daß er da» Werk, welche» vom Oberrabbmr Stern so schön geschaffen worden, in gleicher Weise weiterzuführen Willen» sei, aber etwa» mehr auf die körperliche Entwickelung der Lräfte der Schüler Rücksicht nehmen werde. Er hoffe, daß Las kameradschaftliche Brrhältniß, wie «» bisher bestanden, auch unter seiner Führung die Lehrer verbinden werde und wie» darauf hin, daß der Beruf d«S Lehrer» der schönste uud tankbarstr sei, wrrn die Schüler sich b,wußl würden, daß Alle» nur zu ihrrm Wähle geschähe, sie zu tüchtigen Bürgern de» Vaterlandes berauzubilden. — Am Tage zuvor harten zwei Lehrer, die Herren Jfaac und Worms, ihr 25jährige» Jubiläum an der Schule gefeiert. Aranüfnrt «. M. Der zwölfte Jahretbericht über die segensreiche Thätigkeit dr» hiefigeu .Mädchenstift»- giebt j wieder de» erfreulichen Beweis de» ruhigen und stetige» Fortschreiten diese» Justrtut». Die Anzahl der Pfleglinge belief sich auf 24, «elche Zahl infolge »er räumlichen Berhältuisse nicht überschritte» werden kam». Bon denselben waren elternlos 6, ohne Bater 12, ohne Mutter 2. Ihrer Heimath nach waren 6 an» Frankfurt a. M.. 2 au« Bayer», 3 au» de« Großherzogthum Heffm. 2 au» Baden, ü au» der Provinz Heffru-Raffau, 2 au» der Rheru- Provinz, 1 au» Westfalen, 1 Schlesien, 1 au» Hamburg. 2 der Zöglinge bilden sich zu Lehrerinnen au»; eine, welch« die Lehrerinueuprüfuug bestanden hat, ist au einer hiesigen Lehranstalt beschäftigt uud erthellt außerdem Privatmuerricht; eine ist al» Lehrerin de» Kuuststickeu» au der Schule de» Fraueudildungsvereiu» angestellt; zwei bilden sich ' im Dr. Hoch'schen Couservatorium, die eine zur Gesang» lehrrrin, die andere zur Llavierlehreriu au»; eine besucht! eine höhere Mädchenschule; nenn widmen sich gewerblichen Fächern; die übrigen habe» in hiesigen Geschäften Stellung! gefunden. Die Finanzen gestalteten sich im abgelaufeuea Jahre recht günstig. Die Einnahme» beliefen sich auf rund 15 98V Mk., die Auögabeu aus 15 027 Mk., so daß ein Ueberschuß von 953 Mk. verblieb. •) Durch bta Auszug «u» Egypten erhielt Israel >ur sein« leibliche Freiheit, erst am Siuai di« wahre pistige: nVH^TI ^5 riTTTI rmrti6Knnnmt Da» .Mädchenstistle,t ei» glänzende» Zengaiß von de» «ohlthätigteittsinn der Kraukfmter Frauen ab, denn e» sind fast lauter Frankfurt eriunen. die durch ihre Mitgliedschaft! nud sonstige Liebetgabeu diese» Institut erhalten uud fartdauernd fördern. — Zweck deffelbeu ist »ach K 1 der Statuten: ^)erana«Wnchs»n«n «»d »leer tRigatten hkstgen Han»liwsd» «M» - - te traten Ritte« — Mi »kt« omer 16 nab nicht Ster 2« Jahren — Md4c sich einem «ehr al« Elementarbildung erforternten Veens, Widmen, den San, die« gearbieien nnb gestneien tzanewesen« zu gemähten, ko»«» auch, fall« b>« «ittel baz« ausiechen, bi« VelegenheU zur Fortbilbnn, «n v-rs«haff«n. Elternlos« Waisen nab nach b'esen solche, »elche ten Vater ober bi« vtnner vwloren hateo, lon»e XMtrt htefiger Eltern find bei der Ansnabm« tevorznat; teloiber« verückfichNgnag Raten solch« Wateten, welch« sich dem Lehroernse mibmea. Für bi» Leistnngen der Aiktelt ist »ine vergütniq von SV Mk. moaailich zu entrichten. In »-«nabmesölltn kann auch »in« unentgeltliche Ansnaha-e i,nb Lerpflgung gewahrt werten. Dem G»suä»e nm Ausnahme ist teiznlegen: ». da Gebnrtsnnb Jmpficheiu, d. ,tn vdnnbtetiezengnih. o. ein Schnlzengnitz. cl. bet «lintersahriften bi« sStristlich« Einwllignnz tes Vater« ober besvormantes.- — EbrenpraSbeniln ist?r«n Eharlott« Speyer, oek. Stern (Gnilletstrahe 2l), Syristjührer: H-rr Adols Teolse, (vr. Pfiagst» werdstrahe 10.) Die vorponbsmitqlieter, sowie Franldn Theres« Weyerowicz (Nückotstrahe S), find zur Entgegennahme von veilrittseittSinngen nnb Waten sür den Verein stet» bereit. Ce sterretchUwgarw. Wien Aus der Nasfischeu Rede de« Profeffor» uud Univerfitälsdirrktor» Dr. Sueß im Abgeorduetenhause am 30. März sei folgende Stelle hier wiedergegebeu: .Ich habe mich neulich au einem Abende vertieft in die Lektüre jener wuudervarm ältesten Zeiten der Religion»» bilduog, in welchen man in de» glänzenden Reiche« de» alten Jndim da« Leben de» Menschen verglich mit einer Welle auf dem Strome, «elche oustaucht, verschwindet und rndltch. hinausgetrage» wird in den große» Oceau der Bergeffenheit Nirwana. Am nächste» Tage noch war ich ergriffe» von der großartigen Schönheit diese« der Natur entnommenru Bilde», al» wich mein Weg über die Asperubrücke führte. Link» neben der Asperubrücke im Schnee stand ein schmutzige», häßlich auSsehende» uud in zerrissene Lleider gehüllte» menschliche» Geschöpf, ein alter Jude. WaS that der alte Jude? Er murmelte Gebete in den Fluß und der Fluß trug seine Gebete fort, wie da» vor vielen und viele» Jahrtauseudeu brr Fall gewesen sein mag, und indem ich diese» Schauspiel vor wir sah, da war e», wie wenn auf meinen Wanderungen manchesmal die ganze Höhe eine» mächtigen Gebirgszuge» sich dem Auge enthüllte, von tief unten, den fruchtdarm. Thälera Indien» bi» zur verwitterten und vereinsamteu Menschengestallt, die hier vor mir stand. Und indem ich diese» Abhang der Entwicklung menschlicher Gedanken übersah, erblickte ich auf dem Abhänge auch dm schöum uud herrliche» Baum de» Christmchum», der hier so wuuderbar ewporgesproffeu ist, und unter deffm Schalten e« gut ist zu leben. Und während ich mich diesem Gedanke» htugab, kam ein Straßenjunge und er verspottete dm alten Juden, und zwei elegante Herrm standen an der Ecke und riebm sich die Hände und lachtm vom ganzm Herzm dazu. Der Jude wischte sich mit dem Arme über da» Gesicht mb verschwand. — Ich aber dachte mir, ist da» da» Lhristmthu« von heute? Steckt nicht tu dieser eleudm Mmscheugestalt ein Herz wie da» unserige, pulstet nicht Blut wie da» uusrrige tu seium Adern, ist diese Lreatur nicht zur Welt gekowmm, wie wir alle, Fürsten uud Bettler, liebt sie nicht ihre Linder wie wir, und wird nicht einmal für diese Lreatur. wie für uu« alle, ei» letzter Mommt dr» Scheiden» uud die abrechueude Frage kourmm: Was hast Du tu Deinem 8rbm vollführt an Werkm der Liebe, und wa« hast Du vollsührt an Berten de» Hasse»?- S» charakterifirte der Redner dm AutisemitismN» al» um hereiugebrochme Barbarei, welche die edelftm Lehrm der Religiou verlmgnet und die Gmrüther verroht.