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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 15-16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 15-16.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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betreffenden Behauptungen des Vorstandes bezüglich der christliche« Gemeinde« »hatsächlich znlreffen. Glaubt aber der verehrliche Vorstand, daß di« »aleriell« Richtung der Zeit schuld trag« an de« von uns beklagte« Hanget an Jatereff« kür das Judenthum, so meinen wir, dah es dan« gerade um so dringender ist, dem Uebelftaade durch die Erbauung von Bethauser» und die Errichtung von Religionsschule» rntgegenznwtrken. Daß wir in der Erbauung der Synagoge in der Ltndenstraß« «in» auib nnr irgendwie ausrrichenk Besriedignng der vorhandenen vedürfntße nicht erblicken können, brauchen wir hier nicht erst zu betone», dieser Punkt ist bereits In unserer ersten Eingabe des Specielleren «usgesührt worden. Für überaus weseniiich aber halten wir das Zugeftäadnlß des »«rehrltchea Vorstandes, daß die finanziell« Krage der Erfüllung unserer Forderungen nicht hinderlich im Weg« stehe; diese« Zugestsndniß wird ficherlich neue Kreise unsere» Bestrebungen zugänglich machen, bisher Zitzernde zu dem Anschluß an unser« Forderungen bestimmen. Das Argument, daß es an den ersorderlichen Beamten. Rabbinern, Vorbetern re für die neuen Synagogen fehlen würde, könne» wir nicht für stichhaltig ansehea. vir rechnen mit Zuversicht daraus, daß di« erforderlichen Kräfte sich finden werden, wenn sich erst der entsprechend« vedarf nach ihnen geltend mache» wird. Die Dhatsache, daß der Vorstaad der jüdischen Gemeink von Berlin, der größten in Deutschland, in einer Zeit, in der di« Mttalieberzahl derselben um da» vierfach« gewachsen ist, die Zahl der Raobiner nicht erhöhte, konnte allerdings talentvoll« Jüngling« nicht zur Ergreifung des theologlfchen Berufe» ermuntern, wußte sie vielmehr davon abschrecken. Aehnliches gilt von dem Religionsunterricht; ha« es doch der Vorstand anq in dieser Hinsicht nach seine« eigenen Zugeständniß in der lleberficht des Haushalt» der Gemeind« für 1883/85 bei den Zuständen von 1854 bis zum Jahr« 1886 bewenden lasten. Und wenn der verehrliche Vorstand in seiner Erwiderung vom SO. Februar er. «»führt, daß abgesehen von dem von uns hervorgehobeaen Mangel an birligionsschulen, mancherlei sonstig« Schwierigkeiten den Besuch des Religionsunterrichtes beeinträchtigen, so erblicken wir in demselben nur so viel Grund mehr dafür, daß di« Gemeiad«, was an ihr ist, dafür thue, den Besuch de» Religionsunterrichtes den Kindern der Gemeind« zu erleichtern. Haben wir es nun schon schmerzlich bedauert, daß der verehrliche Vorstand uns uichi die Erfüllung unserer Korderungen i« Allgemeinen »ugesagt har, so vermiffen wir in der an uns gerichteten Antwort um so mehr «ine Zusicherung betreff» Abhilfe des von uns am dringendsten »«klagten Synagogen-Rothstaades an den hohen Festtagen. Anderrrseit» glauben wir auf di« Anregung de» verehrlichen Vorstandes, daß unsererseits weitere praktisch« Vorschläge uemachl «erden, nicht eingehen zu sollen, denn, soweit solch« sich in der Sphäre der uns obliegenden virksamkeit bewegen, haben wir dieselben bereit» ln unserer eisten Eingabe gemacht, u. A. indem wir diejenigen Stadt« heil« bezeichneten, in denen nach unserer Auffaffung das Bedürsniß nach der Errichtung von Synagoge» und Religionsschulen am dringendsten ist. I« fiebrigen aber sehen w>r, wie der verehrliche Vorstand dies erwartet, unser Mandat mit der Einreichung unserer Vorstellungen an den Vorstand nicht als beendigt an, und indem auch wir die zuversichtlich« Hoffnung auf die ichueßlich« Ueberwindung der Schwierigkeiten avssprechen, denen einstweilen noch die Bestrebungen der vo» uns vertretenen Gemeinde-Mitglieder begegnen, zeichnen wir mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst (folgen die Unterschriften wie oben)" Itertiu. Daß es dem geschäftsführeudcu Ausschuß der 75 er Sommifflon ernstlich darum zu thu» ist, bei deu tu diesem Jahre bevvrsteheodeu Repräseutantmwahleu eiue hervorragcude, ja leileude «olle zu spielen, beweist die nachfolgende Eingabe desselben, womit die veröffentlichte ,Correspondeuz" zwischen Ausschuß und Vorstand vorläufig abschließt und ersterer zu erkennen siebt, daß er deu Schwerpunkt der Entscheidung in die neuen Wahlen legt. Die Eingabe au den Gemeiudrvorstaod lautet: „Berlin, den 28. März 1888. von der gewiß zuireffenden Voraussetzung ausgehend, daß der «rehrltche Vorstand mit uns in der Ansicht übereiasttmmt, daß die bisherig« geringe Berheiligung an den Gemeind«wählen zu beklagen «ud eine regere Theilnayme erstrebeaswerth ist, erlauben wir «ns -ergebenst zu beantragen: Der verehrliche Vorstand wolle bei dem Königlichen Polizeipräsidium hterfelbst alsbald die Genehmigung dazu erwirken. daß di« Wahlen zum Repräsentanten-Collegium in je einem Locale in den Bezirken: ilentrum, Osten, Süden, Westen, Norden stattzufinden haben. Motiv«: Der Zweck aller Politischen, kommunalen, kirchlichen »ud sonstige» Wähle» ist, den Willen der Mehrheit der Wahlbermhtigten klarzulegen. Hierbei gilt es allen hierzu berufene» Behörde» als wirksamste» Er» sarderuiß. ein« lebhafte «ahlbetheiligung herbeizusühren, das Wählen pr erleichtern, die Wahllokal« in di« Mitte »der unmittelbar« Nähe der Wähler zu legen. San» im Gegensatz« zu dieser Auffaffung steht kt bisherigeHlhimodu« kt hiestam jidffche» Gemeinde Di« «ftglteder de^eibea vertheilea sich stft gleichmäßig über alle Bezirke unsrrrr weit ausgedehnten Stad«. Die bisher gültige Bestimmung, wonach all« Wahlberechtigten nur in «ine» etiulge» Lokal«, der Ge< «eindeftub«. von welcher di« «eisten G-meinde-Mitgliekr stundenweit entfernt wohnen, ihre Stimmen abzugebea haben, ist eia« nab llige Erschwerung der Ausübung, jo «tu« thatsächliche Beschränkung des Wahlrechts, »nderersett« aoer ist dt« Abfertigung vo» nur 60 Prozent der gegenwärtigen circa 11,000 Wahlberechtigte» in kn 4—5 Tagesstunden, in welchen sich ersahrungsmäßig die Abgak der Stimmen zusammendrängt, in einem einzige» Locale überhaupt unmöglich. Einer Beseitigung der nachgewiesene« Uebelftänk durch Erfüllung unsere» Antrag«« stehen di« gesetzlichen Vorschriften im Gemeinde» Statut nicht entgegen; dasselbe besag« in 8 20a Alinaa 2: .Die Wahl findet in der Regel in der Gemeinkstuk statt.» Es ist demnach der Eintritt von Umständen vorgesehen worden, welch« ein Abweichen von dieser Regel oder die Aufhebuug derselben zur Rothwendigkeit machen. vor circa 30 Jahren, zur Zeit der Abfassung des Statut», wohnten unser« Glaubensgenossen fast ausschließlich im Leun»« Berlin», also in unmittelbarer Näh« der Gemeindestuk, und die angeführt« Wahlbestimmung war kn damaligen verhältniffen angemessen. Seither haben sich aber die wahlberechtigten Mitglieder unserer G«. meink mehr als verdreifach«, die vertheilung derselben über die einzelnen Stadttheile sich in kr Weis« vollzogen, daß dt« früher« Bestimmung kr Abänderung im Sinne unseres Antrages bedarf. Eine» baldigen geneigten Bescheik darüber «»Igeaensehend, ob wir auf die Berücksichtigung unseres Antrages rechnen dürfen, zeichnen wir mit vorzüglicher Hochachtung «rg^enst Im Auftrag« der 7ber Lommisfion: Der geschästsführend« Ausschuß, gez. I. Weinberg, Dr. L, Wolfs, Vorsitzender. Schriftführer." (Für die Billigkeit dieser Forderung ist di« „Wochenschrift" schon wiederholt eivgetreten.) Ka«t»rg, 2. April. (Or.-Eorr.) Heule fand in der Talmud-Tora (höh re Bürgerschule) die Einführung eines Directo r» statt, deu dieselbe bislier nicht besessen hatte. Die Leitung der Schule ruhte bi« zu seinem Tode io den Händen de« Oberradbinn« Stern, welcher gLeicfr seinem Vorgänger, dem Ehocham B er nah«, den Xitel eine» Ephoru« führte. Die Oderschulbehörd« forderte aber einen pädagogisch gebildeten Mann für diese Stelle und so fand die Direcrion nach langem vergeblichen Mühen in der Person des Dr. I. Ä u l ds ch m i d t, der feu acht Jahren Lehrer an d:r Hirsch' scheu Schule in Frankfurt a. M. und bereit» früher zwölf Jahre Lehrer an der Talmud-Tora gewesen, den Mann, wie sie chn suchte, sowohl vom Standpunkt der Religiosität, als der wiffmschastlichm Schulbildung. Zur Theilnahme an der Feier waren außer dem Vertreter der Oberschulbehürd«, Dr. Hoche, Mitglieder de« Gemeinde« und Liquidotwas-Borstaad««, sowie de« Repräseatanteu-Tollegium» erschienen, auch war n sämmlliche Mitglieder der Direction und de« Lehrer-Tollegium« anwesend und hatten außerdem Freund« «ud Förderer der Schule Einladungen erhalten. Von den Zöglingen der Schule (etwa 700) waren nur die beiden oberen Staffen vollzählig, die unterm Staffen waren nur durch Einzelne vertreten. Der Präs«« der Schule, Herr Ph. L Bauer, begrüß» die Versammlung und mtwarf in schwungvoller Red« ein Bild von dem Institute bei semem Entstehen im Jahre 1804 begründet durch zwei Wohtthäter, Michel L e m a« «ad I. M. Rüben, welche ein Hau« zu dem Zwecke fchevktm. >a der 3. Elbstraße belegen. Die Ansprüche waren damals sehr genüge uud beschränkte« sich fast auf dm Uoterricht im Hebräischen, auf Bibel und Talmud. Auch die Zahl der Schüler war ewe genüge, sie überstieg sechszig nicht. Erst ad» im Jahre 1822 Isaak Bernah» al» Geistlicher der Gemeiudr an die Spitze der Schule trat» dthnte er die Gchmstände de« Unterricht» so weit au», wie sie jetzt etwa in der BolkAschule gelehrt werben, währmd der rm Jahre 1851 gewählte Obmraddiaer Stern in die Fußtapfm seine« Vorgänger« tretend, doch auch dm Ansprüchen und de« Bedürfuiffe der nmm Zeit Rechnung tragend, «namüdlich thätig genese», die Schule zu hebe» uud sie auf die Höhe zu driügm, auf

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