Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 15-16.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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118 Gerichte »»d Csrreft»»»derye«. Arestck». (Einige Bemerkungen zu dem »KallBernsteins Es ist tief betrübend, wenn rin junger Mensch, der io seiner Heimatd al» Scküler geradezu ol« Inmen galt und dann, d n frommen Eindrücken de» Elternhaus»« folgend, sich für den Beruf eine« Lehrer« der Religion autbitver. auf so entsetzliche Abwege gerüth. bafc ft, der dir Hoffnung seiner Eltern mar, später die Sch a n de derselben wurde, daß er, der bei seinen Lehrern und Mitschülern beliebt gewesen ist, jetzt von chne» gemieden wird und wie, auch immer der Ausgang diese« Proceste» sein mag. der Tod für ihn bester wäre, al» solch rin wir Schuld und Schande belastetes Leben. Aber noch betrübender ist die Ausnutzung eine« solchen Elend« für irgend welche Zwecke. Hier haben wir auch ein ernste- Wort mir den orthodoxen jüdischen Blättern zu reden. Was hat der Umstand, dag diese Berirruug von eine« Schüler des Beeslauer Seminar« begangen worden ist, mü dieser Anstalt, mit ihren Lehrern und Lettern zu thua? Und doch wurde die Zugehörigkeit diese« Jüngling« zu der Breslauer Anstatt so geflissentlich betont, al« sei irgend rin innerer Zusammenhang zwischen diesem Verbrechen und einer Pflanzstätte, au» der so viel treffliche Männer hervorgegangeu sind, fei» muß konstatirt werden, daß dieser Uuglüclltch« von vielen Sntea wegen seiner Beredtsamkett, «egen seine« Eifer« mit freundlichem Auge betrachtet wurde. Und wie toll und widerlich vollends war da» Gebühren mancher politischen Organe. Warum hat sich da« »Berliner Tageblatt' den Ausgang de» ersten Proceste« telegraphisch melden lassen? Welches Jutereste hat r« für die Wett, wenn ein jüdischer Student in BreSlau zu drei Monaten Gefängniß verurth«,lr wird? Das .Berliner Tageblatt* wird al» Judrnblatt denuncirt; aber wo stt da die Juden freundschüft?*) wird durch ein solche» sensationelle« Aufbanscheu nicht dir antisemitisch« Sippe geradezu eivgeladeo, Radau zu mache«, denn wrs war der autisemittsche Lärm über den Prozeß andere, al« ganz ordinärer Radau? In dem frommen Paderborn wurden sofort die Rohling' scheu Broschüren über den Christenmord wieder ausgeboten, wer glaubt daran, daß diese Herren err stltch da» Verbrechen de» B. als Bestätigung de» verrückten und niederttächtigen -Märchen» bettachten, da« zur Paffahzrtt so viel Roth über die Juten gebracht halt«? Aber ist e« nicht ein Abgrund von BoSheu, mit dem Feuer zu spielen? WaS in Dattschland unter grünnungSloseu Lüeraten al« rin boshafte« Spiel getrieben wird, um die deutschen Jaden zu ärgern, daS kann m uutlittwirttn Ländern zur Fackel werden, dre weithin Verheerung trägt. Es ist nicht wahr, daß Einer außerhalb de« Irrenhauses m Deutschland glaubt, ein Mensch, der ein deutsche« Gymnasium besucht hat, der an einer deutschen Universität Jahre lang studiert, der am Geist der Tora gebildet stt, üb« au» religiösen Gründen solche Unthateu; aber e« stt leider Thastache, daß sonst hochgebildete Menschen vor derartigen rohen Verirrungen, wen« eine böse Anlage vorhanden stt, uiqr brwahtt bleiben. Der Bertheidiger des B. stt getadelt worden, daß er auf die Gisstaat nicht bedacht gewesen stt, die au» der Ver» uttheilung semeS Klienten wegen Mißhandlung hervorsprießen könnte; wir finden die Vorwürfe nicht begründet, der Mann that wa« seine» Amte« war; aber wie vor Zette» Schurken christliche Leichen zur Pastahzeit in jüdische Häuser emgeschmuggelt haben, so werden jetzt Verbrechen in unsere meligion emgeschmuggett; diese beiden Versuche stehen auf •) Wir verlange» vo» de« Tagesblitttera gar leise besondere Jndensrensdschast, uu» gesügt, neu sie unr von aller Gehässigkeit ge«.» die Jude» sich fern halte». Freilich »» sich vo» dem schreckliche» Bewurf, ein .Judenbla«- zn sei», retn^lwaschen, »mh vo» Zeit zu ASF auch et» jüdische» Opfer falb«. (Med.) derselben S'ufe der llnsittlichkett. S« stt nicht «au, werthlo», bei solchen Anläffen zu erfahren, gegen welche« Pöbel wtt ua» wehren wüsten. ‘ G. Sp. Werk», 7. April. (Or.-Corr.) „Audiatur «t altera pars. Nach diesem Grundsätze habe ich die verehrt. Redaktion der .Israel. Wochenschr." stet« verfahren scheu und deshalb möchte ich bitten, da die Antwort de» Gemeinde- Vorstände» auf die Petition der 7ö er Lomwisfion in der Nr. 12 veröffentlicht worden, baß auch die Prtttton selbst Ihren Lesern mttgetheilt wird. Meiner Meinung nach dürfte so Mancher alsdann die .Thätigkeit" der 7ver Eommisfiou doch etwa« ander« brurlheilen, al« es der Herr Correspoudeut in derselben Ruwmer gethan, der e« nicht begreifen zu können scheint, daß mau sich für eine al« dringend nothwendig erkannte Sache ohne jede Nebenabsicht begeistern kann. — Auf den Inhalt der bettrffeudeu Lorrespoodeuz behalte ich wir vor, w einer der nächsten Nummer« näher einzugrherr." — Dem Wunsche de« geehrten Einsender«, der nunmehr tu, Druck erschienenen .Eorrespoudeuz betr. Synagoge» und Reltgiourschule» — heraoSgrgeben im Aufträge der 7ver Eommisfiou vom geschäst«führe»deu Ausschuß", Berlin de« 6. April — können wir dem ganzen Umfange nach scho» au» rein technischen Gründe» nicht Nachkomme»; der vollständige Abdruck würde eine» zu großen Raum unsere« Blatte» in Anspruch nehmen; zudem haben wir de» Inhalt der Eingabe in den ausführlichen Berichten über die Bersammlungen und Verhandlungen der 7S er Eommisfiou in mehreren Nummern unsere» Blatte» eingehend besprochen, so daß unsere Leser genügend orierttirt find. Dennoch wolle» wtt da« etgenttiche Petitum — obwohl bekamt — hier nochmal« wörttich wttdergebeu: .Wir beauttagea (heißt «» zum Schluß) 1. im Westen. Süden und Norden Berlin» so schleunig wie möglich Synagoge» zu errichten, während der für den Bau der betreffenden GoUe«häuser unumgänglich erforderlichen Zett aber jedeufall» für eine würdige Befriedigung der gotte»dienftlichen Bedürfniffe, namentlich au de» hohen Festtagen, Sorge zu ttagen, damtt dem spekulativen ltttfug auf diesem Gebiete in wirksamster Weise gesteuert werde; wtt beauttagea 2. in alle» Stadtgrgendeu Religion«sch»leu zu errichttu." Der geschäft»führeude Ausschuß: fienso Benjamin. I. Blmsesthal. Siegfried ffoto. Smu-A. Dr. »1b. Eohn. Wich. Boldschsridt. War Jaeodia». Eiegsr. Leichtestritt. M Gottschall Lewy. Dr. D. Loewe» stein, »ros Meyer. Eonr. Schätzer. Sigismund Simneel. I. Weisberg. Redaltesr Wteuer. Rechtsanwatt Dr. Wolfi. Dagegen hatte» wir e» für unsere redaktionelle Pflicht, dtt Rückantwort der Lommisfio» auf da» tu Rr. 12 mitgetheitte Antwortschreiben de« Vorstände» hier vollständig zum Abdruck zu dringen. Da»selbe lautet: .Eine« Hochlöbliches Lorstasd der jüdisches Gemeinde hier. »sf da» geehrte Schrelbes vo« 20. Februar er. gestatten wir ss» snter dem »»»drucke de» Bedauern», bah der Hochlöbliche vor» panh sn» die Erfüllung der in unserer Eingabe vom Io. Januar er. erhobenes Forderungen sicht zugefichert hat, Folgende» zs erwidern: Ja der Ihatkacke, daß eise große Zahl von GkSteisde-Milgliedern sich der Uebelstäade in Bezug auf unsere Bet Häuser und Naigiöns» schulen bewußt geworden ist, vermögen wir einen befriedigendes Beweis dafür, daß in der Gemeinde eis lebendige» Interesse für da» Judenthum besteht, nickt zu erblicken. Die Frage auttuwerfen, ob der Mangel an Synagogen und Aeligion»fchulen die Ursache oder die Birlnsg de» von ua» beklagten Mangel» an Jstereffe für da» Jndesthum sei, sehen wir al» irrelevant für die Sache selber an, de« bestehenden Mangel ist eben in jede» Falle abzuhttfen. Den Hinwei« de» verehrlichen Vorstand«» darauf, wie e» um Kirchen, Schulen und religiöse» Interesse in den christlichen Gemeinden steht, glauben wir bester ubergehen zu sollen, er ist für da» Verhaltes, da» jüdiicherseit» einzuschlagen ist, durchaus gletchgiltig, abgesehen davon, dag e» un» mindesten» sehr zweifelhqt zu sein scheint, ob di«