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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 15-16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 15-16.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Danun ist die Vorschrift aifcret Ultra, da» Passah. Mt wie eine alte, halb^erblaßt« Erinnerung zu seien,, soudera wie «in Gegeuwärtige» uud voruufera«ugra sich voll^ehende»-). im Grande ziemlich leicht zu erfüllen. wie die Jugend eine» reiferen Menschen, der unter un» lebt, nicht ga»z vergangen ist, soudera sortdauert durch die deutlich «rlennbariu Einflüsse, die die Jahre der Entwicklung auf di« Jahre seiner Reift ausgeübt haben» so ist auch die Zugeud eine» Bolle» wie da» israelitische, da» oft geworden ist aber nicht gealtert ist, noch nicht eutschwunde», und wenn unsere Widersacher einen Mose schelte», so gilt dafür d-S Wort der Schrift (Deut. 32,81): .Ja unsere Feinde sind unsere Richters — sie würden deu »eit über drei Jahrtausende todtr» Man» nicht zum Gegenstand ihre» Ln griff «»machen, wen« er nicht lebte in seinem Bolle, in seinen Werken, in seinen Wirlungen. Ja, der Au»zug der J-raelitm au» Aegypten ist noch heute für alle Welt ein Ereiquiß, da» der Beachtung würdiger ist, a!» so viele gewaltige Katastrophen, über die oft einige Jahrzehnte hivweggeschritten sind, uud wa» un» der Talmud al» Pflicht auserlegt, un« at« Zeugen und Genossen diese« Lu»zuge« zu betrachten, unsere Phantasie zu beflügil», daß sie über weite Zeiten und Räume zu den Ufern de» Schüft meer», zu den Zeiten der Pharaonen fliege, ist weit leichter, al» e» den Anschein hat, denn da die Kette der Geschlechter nicht unterbrochen ist, so wirkt die» Ereigniß wie der elektrische Funke vurch entlegene Fernen. - Nur Völker, die »ergangen sind, haben eine abgeschlossene, gleichsam eine tobte Vergangenheit. Und wenn Israel heut angefeindet wird, wenn wir fort und fort eine». AuSzuge» au« Aegypten bedürfen, ist nicht auch da« ein Zeugniß einer unverwüstlichen Leben«kraft, die diesen Au«zug fort und fort sich auch erzwingen wird? Ost be> schleicht un« die Sorge um die Zukunft unsere» Glauben«. Da» Passah sagt: Gotte« Gedanken sind nicht de« Menschen Gedanken. Unsere Feind« müffen un« mehr zutraucn, al»! wir selbst un« in bangen Stunden; sie würde« nicht so! gegen un« anstürmen, wenn sie un« für siech und absterbend | hielten. Israel wird getadelt, c« wird auch gelobt über Gebühr, die« ist ein unbefangene» Zeugniß, daß wir «ine triebkräftige Cegmwart, daß wir eine Zukunft haben. In allen Stürm« n und Nöthen der Zeit sehen wir da» walten de» großen und guten Gotte», der un» au» Mizrajim geführt hat, der seitdem un» so oft geführt hat au» Drangsal u. Enge, der di« Stürme toben läßt, die den Frühling bringen; wir träum der Stimme, die auch au« dm Stürmm zu un« redet: Israel stirbt nicht; die Arbeü und die Wunder so vieler Iahrtausmde wrrdm nicht vergrbm» sein. Gerade da» Unrecht, da« wir erdulde«, die Feindschaft, di« un« da» Lebm verbittert, ist ein Zeugniß, daß wir viel mehr bedenten, al« un« nach unserer Zahl zukommt, uud daß ein große» Ziel uu» blüht. Prof, vreßlsm «. die „vreSleuer Schule". Die.Mitthrilunge» de» D. I. G. B." brachte» vor einigrr Zeit einen Bericht über die Berhandlunaen de» Ge- «eindetage», der im Frbraar 1S88 in Berlin stattgefunden -U'-LVV kt «in 1V10 ioss n* mm1? «me hat. In diesem Berichte finden wir von Herrn Professor Breßlau die Motivirun«, für de« Au»schl»ß de» Prof. G r aetz von der histocischm Kommission für Beschichte der Jubm in Deutschland. HerrPros.Breßlau behauptet zwirspäter, .mein Taftzefühs hat «ich verhindert, dm Ramm Grätz zu nennen-. Aber wir apprUirm au Alle, die di« Red« Breßlau'». welche diefm wortm vorangeht. grlrsm habm, ob Herr B. nicht Grätz schon durch rein äußerliche Merkmale so deutlich gezeichnet hat, daß kein Mensch in Zweifel sei« konnte, wer gemeint «st. Ist e« also nicht geradezu ei« unehrlicher Kniff, da» rigme Taftgefühl zu preisen, «oeU der Name nicht gmannt ist, wmu auf dm Mann so dmtlich hingewiesen wird? wmn da« die .deutsche EhÄichftitist, die Herr Birßlau in die jüdische Wissenschaft tragm well» so werden wn de» Segmt nicht feoh werden. Herr Br. hat Rech», die jüdischm historischen Qvellmschristen müfsm der deutschm Historiographie zugänglich geuwcht werden; aber wer kann die» leistm! Doch nur der, der auf beiden Gebieten zu Hause ist. wer, wie Herr Breßlau. kein Hebräisch versteht, der kann kein Helfer sein auf diesem Gtbiete, da er selbst der HUfe bedürst'g ist. Herr Br. proftumnt für die historische Wiffmschast deu Zunftzwang; nur wer zur Zunft der Historiker gehört, darf Geschichte der Judm schreibe«, kein Orientalist, kein Theologe; wer einige und vierzig Jahre sich wie Graez mit jüdischer Geschichte beschäftigt, der wird darum noch nicht in die Innung aufgmommm; kann er sagm, bei welchem Meister er gelernt hat? Herr Geh. SR.Kristeller, Herr Prof. Steint hol, beide Universitätidocenten, beide Leute, die vom Judmthum mehr verstehm und für dasjelde mehr empfinden, al« B>eßlau, find freüich für Einkitt Graep'« in di« Kommissioi.; und solltm die Herrm nicht wenigsten« so viel vom wissmschastlichm Jnnongöwesen verstehm, um die Frage brurthrilen zu könnm? wamm ma-kirt Br. seine' Feindschaft mit solchm Scheingründm? Br. findet, Graetz'» große» Geschicht«werk sei tmdmziö«, sei apologetisch, sei nicht objeciio. Gewiß. Graetz ftpmbt mit dem Herzen, er ist ein Kämpfer, er schreibt ja nicht die Geschichte China'«, sondem die Geschichte einer Rehglon, einer Gemeinschaft, die unzähligen, ungerechten Angriffen au«a,setzt ist; soll er da nicht war« werden? Versteht Breßlau sein Fach so schlecht, um nicht zu wiflm, daß jeder Geschichtsschreiber bei aller Objeftivität, bet allem wohrheiMstredm Theilnahme für dm Gegenstand seiner Darstellung haben muß? Breßlau erzählt, daß die Art, wie Graetz jüdische Geschichte schreibt, innerhalb der gelehrten Kreise der Historiker einer der Gründe war, der viele in da« Lager de» Antise« miu«mu« geführt hat". Herr Breßlau drückt sich sehr vorstchtig au», so recht au» dem Hinterhalt, .einer der Gründe", also die Herrm hatten noch audere Gründe, und am Ende wären auch die andern Gründe «»»reichend gewesen, sie zu Antisemiten zu mache«! Herr Br. sagt zu« Schluß, .wir können den Theologen ebensowenig rin maßgebende« Unheil über unsere histoNschen Arbeiten zugrstthm, wie vir un« aumaßen, die Werk, der Theologm zu deurtheilen.- Herr Breßlau hat sich in seiner Rede da« Letztere allerdings angemaßr und wir finden da» ftine»weg« verdammlich, aber die Theologen habm eben, wert sie keine Historiker sind, weil sie nicht zur Zunft gehörm, nach der Ansicht Br. kein Recht, einen Mitarbeiter der Herrm Geiger und Breßlau zu tadeln, wmn dieser z. B. Mmdel«sohn al« dm ersten Zudm erklärt, der jemal» in der Landessprache geschrieben hat, und dabei die iwmmse arabisch-jüdische Litteralur außer Acht läßt. Der Aerger Breßlau'« beweist, daß dre Kritik der .Theologm" doch manchmal wunde Punkte getroffen har. Daaegm finden wir e» erklärlich, daß der D. I. G. B. eine Ovation zu Graetz'» sftbzigsten Gebun»tag unterlaffrn hat. Da« Sprüchwort sagt: ,vmn um» sich zankt, küßt man sich nicht.

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