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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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die anbtrn beider, Wechsel aber gleich verbrämt. Sie (affat mm da» Geld ans dev Wage» lade«, fahre« damit za meine« Vater, bezahle« ihn «ad laffe« sich Ihre Weqiel qoittirt herausgeben." — Der alte M. war froh, al» Joel so prompt die 8000 Thlr. brachte, verbat sich aber alle ferneren Geld- Geschäfte mit seinem Sohne. — So geschehen im achtzehatea Jahrhundert; wie viel könnte man im rrunzehnteii nicht davon lerne«? — Einen speciellen Bericht über die hier startgehabte Feier halte ich für überflüssig, er würde ja nur den vielen gleich laaten, die wir schon an dieser Stelle gelesen. Durch Gesang and Predigt wuide dem schönen Tage seine Würde verlieben- Beim Aufruf zur Thorah wurde reichlich gespendet. Besonder« reichlich war die Spende »nsere« Herrn Vorsteher« Laut« Löwensohn im Betrage von 300 M. 21.8. Dresden. Im hies. .Brüder-Brrein" hielt Hr. Rabbiner Dr. Winter «imn Vortrag übir da« Thema ,Jm mohammedanischen Babel". Der Vortragende führte die Zuhörer nicht in da» Babel det, Nebukadnezar und der Semiramis; jene» fruchtbare Gebiet zwischen Euphrat und T-gris halte seitdem oft seine Herrscher gewechselt, Babylonier, Perser, Macrdonier, Parther, Neuperser und zuletzt Araber, die mit Schwert und Koran, mit dem Ruse.,Allah ist Gott und Mohammed sei» Prophet" einen großen Theil Asten«, Afrika« und Europa« eroberten. — In den Euphrat-Länderu wohnten nun von jeher zahlreiche Juden, deren Geschichte eine sehr wechselvoll« toar. Viele große Städte waren ganz oder grüßteathril» von Juden bevölkert; sie wiesen reiche« Leben, emsige Thätigkeit auf. Der Handel war jchoch hier nicht angesehen; über ihm stand der Art er bau. (.Bester ein kleine« Maß von Acker, ein große« von Waarenlagern" ) Hier kam um da« Jahr 800 da» Sammelwerk de» Talmud zum Anschluß. Der Jelam, der die jüdischen Siämme in Arabien vrruichlere, tmcfkc mues Leben, ca b,e von Mohammed vertriebene» Juden Ausnahme fanden. Mohammed,-selbst Schüler von Juden, war dem Judenthum erst freundlich, dann au« ver» fchmähter Lieb« ihm Feind. — Um die Mute de« 7. bi« zum 11. Jahrhundert nun eaifalrete sich unter den Juden dieser Evphrailänder ein reiche« Gemeinwesen. Die Wissenschaft fand Stätten der höchsrea Pflege. Die Juden, die von den letzten neupersischen Herrschern arg bedrückt worden waren, unterstützten im stjeren mit den christlichen Nestorianern, die al» Keru der Bevölkerung ausschlaggebend in Kriege« waren, die Eroberungen der Araber. Diese lohnte« dafür durch Ercheiluug großer Privilegien. Unter de« Titel eine» Exilarchen erhielt die jüdische Bevölkerung ein politische» Oberhaupt, deren erster au» David» Stamm sein Wappen führte Reben diesem war der Gaon da» geistliche Oberhaupt, der : der Hochschule zu Sura, während der Hochschule zu Pum» deditah ein zweiter geistlicher Würdeuträger Vorstand. Der Extlarch hatte eia fürstliche» Aussehen und große Rächt (Steuereinziehung. Ehreoerweisuugen, zweimal jährliche Huldigungen). Auf den Hochschulen blühte da» Geistesleben, sie waren für die ganze Judenheit maßgebend auch in Bezug auf RechlSau-spxüche. Vorträge und Vorlesungen wie auf unser« Uuiverfitäte» machten sie zum Eulmination»- punkt aller damaligen WiffenSforschung der Juden. Anlaogend die politische Verfassung, »o bestand die gesetzgebende Gewalt in 1 Präsidenten, 1 Oberrichter. 10 Borstehern, von den Gemeinden gewählt, außerdem 2 Lyahedriu», eine Art Abgeordneten-Kollegium, von denen da« kleine 23, da» große 71 Mitglieder zählte. Der Gerichtshof war so berühmt, daß er selbst schon zu einer Zeit de» Niedergänge» de» Exilarchat» noch Anfragen von alle» Theilen der bekannten Weit erhielt. Tie GSetorbunng ist hente noch erhalte». Dir Abgeordnete« hatten nicht sowohl richterlich« al» notariell« Befugniffe, al» auch religiös« Eutschetduugen zu treffe». Große» Eiuflnß hatte da» Araberthnm auf die hebräisch« Sprache, Ltterainr, Poesie, ja ans di« Schrtftzetchen. Trotz. de« weist selbstverständlich die neuhebrätsche Porste im Gegensatz znr arabische» ein synagogale» Gepräge auf. In religiöser Beziehung spalteten fich die Inden i» babylonische und arabische. Sekten entwickelten fich i« Verlaufe der Zeiten, wie Rabdaviteu, Karäer. Saadia den Joseph war der erste Vertreter der wiffenschaftlichen Richtung, ein Begründer religiösen Wifien« (sein Hauptwerk .Glauben und Wifien"): auch war sei« Verhalten zu dem Sohne und Enkel seine« Todfeinde«, de« Exil-rchen, sehr edelmüthig. Al» i« 11. Jahrhundert der letzte Hnlarch ermordet ward, da» Exilarchat erlosch, begann der Verfall der Hochschulen au» Mangel au Schülern und Mitteln. Durch Sendboten, die nach Spanien verschlagen wurden, blühte dort da» in Babel dem Nirdergaug verfallene Judeothom, seine wifienschaftliche» Hochschulen, seine Porste und Litterator von Neuem auf. In» München liegen uns drei R.cheujchastsberichte pro 1888 von: 1. der de« .Studien- und Arbeitsbeförderung«- Bereine» für Israeliten in Bayern" (Borsitzender: Rabbiner Dr. Perle»), der im abgeloufenen Jahre nicht blo» eine Vermehrung oer Verein-Mitglieder har, sondern auch eine» Zuwachse» von Spenden und Legaten zu erfreuen hatte. Die Renlirrs-Chelkute Herr Ludwig und Frau Rosa Beramann haben zum ehrende« Andenken an ihre» zu Augsburg verstorbenen Vater resp. Schwiegervater Herrn Lazarus Bergmann dem Vereine die Summe vou 5 200 Mk. zur Begründung einer ihren Namen trauenden Stiftung übergeben, au» deren Zinsen alljährlich am Todestage dr» sel. Herrn Lazarus Bergmann zwei Stipendien, und zwar eine» an einen Srudierrnden der israelitische« Theologie, da» andere an einen Studierendm gle-chviel welcher Kathegorir gewährt werdrn sollen. Roch andere beträchtliche Legate und Schenkungen, die i« Liuse de« Jahre» dem Vereine zuflofien, 2 & 200, 3 i 100, 4 4 60 Mt weist da» Verzrichniß auf. Stipendien wurden an 3048 M. ver» theilt und zwar an 18 Tand, der Universität, 10 Polytechniker, 1 Schüler der Akademie der Künste, 1 Baugewerkschüler, 3 Musikschüler. 8 sonstige Schüler, 12 Handwerker. 2. Der ,i«r. Waisenstiflung" sind i« Lause de» Jahre» 1888 für den Stammsond» 6008 Mk. zugegangen, so da» da» Kapltalvermügon auf 110.280 Ml. augewachsen ist. Hinzu kommt noch der gesondert verwaltete Fond der Joseph Freiherr von Hirsch'schen Waisenftistung von 21,278 Mk. an ErziehungSkosten wurden >m Ganzen vrrau»gadt 2180 Mk. (Der Bericht girbt Rädere» über die Zahl der Warfen, und in welcher Weise diele dieselben untergrvrachl find, nicht an, was io Zukunft recht erwünscht wäre). 3. Der ,i»r. Frauenverein har die beträchtliche Anzahl vgn 687 ordentlichen und 18 außerordentlichen Mitgliedern. An Jahresbeiträgen nahm derselbe 4044 Mk. eia, an Geschenken 3334 Mk. (darunter Schenkungen von 1000, 800, 400, 200, 8 a 100,7 & 60 M>); auf Unterstützungen wurden verwendet 7400 M. Da» Gesammweimögen drnägt 123.88 Mk. 48 Pfg. — Den Borltand bilden 7 Damen und 7 Herren (nebst 2 Vereinsärzten.) Vefterretch-Mdgedr«. Me», 31. März. (Oc^Lorc.) Die letzten Gemrurderathswahlen haben neaerdlug» mehrere Antisemiten in diese Körperschaft gebracht. Aber die Vorgänge, die sich abspieften, blieben nicht ohne Eindruck auf die Parteien der anständigea Leut', deren es Gottlob noch genug hier girbt. Wenn im Abgeordnetenhaus« bisher von >nd über Zudea gesprochen wurdi, -so geschah diese» von fetten der Antisemiten. Ja jüngster Zeit haben e» jedoch hervorragende Mitglieder de» Abgeordnetenhäuser, wie Freiherr v. Pirquet und die Grafen Hokelberg und Wurmbrand für angemessen gefunden, de« Antisemiten entgegeuzutrelen. Wie «» scheint, wird da» Gesetz betreff» der Regelung der äußeren RechtSverhältnisie der israelitische» Religion»- gesellschaft in der jetzigen Session nicht mehr i» Abgeord- »tteahanse zur Berachn g kommen und doch wäre e» im höchst»« Grade wüuschenSwerth, wenn dir Sache zum Avschlnffe..

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