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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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' Zkzey, 81. März. tOr.. Lorr.) Für die Achawa, de» bekannten Beret» zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lehrer, wie bereu WIttwen und Waise«, geschieht s-iteo« der Gemeinden und Eiuzeloen viel zu wem». Daß der Verein leben«- und leistungsfähig ist, beweist dessen Stand deweise» dessen Leistungen, wovon sich jeder durch eiuen Einblick iu den alljährlichen Rechenschaftsbericht, dessen Resultate auch iu den Zeitungen veröffen'licht werden, überzeugen kann. Wir halten es für Pflicht der Gemeinden, mit entsprechenden Beiträgen dem Vereine brizutreten. ihre Eultusbeamten und Lehrer einzukaufeu, oder deren Einkauf zu veranlassen und deren Bei ein«rechte aufrecht zu erhalten. Die Gemeinden sollten es um der Beamten willen thun, die fie in ihrer Noth ja doch unterstützen möchten, ohne es immer und dauernd ,u können; sie sollten es um ihrer selbst willen thnu, da ihre Mittel meisten« beschränkt find, wie auch um dem Mangel an tüchtigen Lehrern abzuhelfen, indem mehr und bessere Lehrer gewönne» werden, wenn wir ihnen ein au«reichendc« Einkommen geben, ihre Stellung heben und ihre Zukunft fichern. Die B:awten selbst sollten aber auch darauf briugen. daß e« so geschehe. E« giebt wenige Gewerudeu, wo für die Lehrer ausreichend gesorgt ist, wo für fie genügende Hilfsmittel vorhanden find io Roth- und Unglück«-, tu Krankheit«- und Sterbefälleo, für Penfion«-, Wittwengeholte und Waiseounterftützuogeu. Gleichgültig kSnoen die Gemeinden auf die Dauer nicht gegen die Lehrerfragr bleiben. Eine Abhilfe wird iodirect durch die .Achawa" geboten; dethalb müssen die Gemeinden dafür ioteresfirt werden, und Lehrer. Rabbiner und Vorsteher haben die Pflicht, die« zu bewirken. Daß die« möglich ist. beweisen die wenigen Genieiudea, io denen die Sache mit Erfolg angeregt worden ist. Aber ganz Deutschland muß es sein, denn die Lehrer von ganz Deutschland find unterstützung-berechtigt, und für diese reichen die verhandeueu Mittel noch lange nicht, so erfreulich auch ihre Zunahme ist. E« ist Pflicht der Gemeinden, den Lehrerstaod durch Aufbesserung der Gehälter, durch gesicherte Stellung, durch Altersversorgung und Fürsorge für seine Relikten zu heben. Ruch der Staut hat die Stelln' g der Lehrer gebessert; ahmen wir diesem Beispiel nach. Darum frisch au die Arbeit I E« gilt, Bausteine zn sammeln, um der »Achawa*, welche jetz« 25 Jahre besteht, ein JubiläumS-Denkmal zn setzen. Alle sollen daran Theil nehmen, Alle daran ihre Freude haben. Die Großstädte mögen voraageheu, und die kleinen nicht zurückbleibenl Auch für die Rabbiner in Deutschland giebt es keine bessere und solidere PeufionSaolage für die Zeit ihrer Invalidität und keinen billigeren Morn« der Berforgung ihrer Wittwen und Waisen, al« durch die»Achawa*. Durch die einmalige Au«gabe eine« nicht hohen Eintrittsgeldes — je nach dem Alter 15 bi« SV Mk. — und einen steinen Jahresbeitrag von S Mk. erwirbt er da« Recht eiuer Reute für die ganze Zeit seiner Dienftuafähigkeit, und für seine Hinterbliebenen da« eiuer ständigen jährlichen Subvention, die fich — wenn etwa 100 Rabbiaeu bettreten*) und iu ihren Gemeinden für Ehrenmitglieder der .Achawa* sorgen würden — leicht auf 4—500 Mk. pro Autheil heben würde. OsMttmu«, 22. März. (Or. Eorr.) Am 18. März feierte die hiesige Gemeinde den Erianerungstag der vor 25 Jahren erfolgten Einweihung ihrer nenerbautrn Synagoge. Ausführliche Berichte über dergleichen Feierlichkeiten sind oft in diese» Blatte zu lesen; allein, diese meine Mittheiluug dürfte wohl schon darum ein besonderes Interesse für sich in Anspruch nehmen können, weil ich dabei Gelegenheit habe, eine« Ereignisse» zn erwähnen, da« in der Geschichte de« ShnagogeudaueS nicht viel seines Gleichen hat. Ich meine die Beihülfe von christlicher Seite bei der Herstellung eines jüdischen Gotteshauses. Dieser Zug wahrhafter Toleranz *) Lt» jetzt p»b — kau» glaublich — unter de» will Atitglteberu erst merzest» »addtner i l und wirtlicher Ha>na»ltä1 zeigte sih bei d-r Erbauung der hiesigen Sy-eaange im allerschönsten Lichte. Nicht weniger al« 5000 Mk. wu->en da mal«, ohne daß von den Judeu di» geringste Ane-gu ig dazu erging»», theil« von den christlichen Bürgern der diesige, Stadt, cheil« von den ländlichen christlichen Besitzern de« hiesigen Kreise« durch Sammlungen aufgebracht und der hiesigen Gemeinde al« Beihülfe zur Erdauung ihrer Synagoge zur Berfügnng gestellt. Schreiber dieser Zeilen hat zu der jetzigen Erinnern ugSfrier ein Denkschriftchen ausgearbeitet und aus dem ihm daber zu Gebote gestandenen Material manche» an religiöser Duldsamkeit zu verzeichnen gehabt, was da weil abliegt von de« Judenhaß der ua« den Antisemitismus in die Welt gefetzt hat. Unter Anderen fand ich auch in einer älteren Urkunde folgende Aufzeichnung vor: In der von Sr. Majestät Friedrich Wilhelm I. König von Preußen 1724 neubegründeten Stadt Gumbinnen wobnten bi« zu« Jahre 1787 keine Israeliten. Im genauuten Jahre ertheilte de» König« Majestät, de« au« Rinro» in Rußland gebürtigen Graveur und Steinschneider Daniel Joel da« preußische Schetzprivilegium für Gumbinnen. Auf die uaterthänige Bitte de« Daniel Joel vom 20. Juli 1785, seine Tochter Esther mit dem Jacob MoseS au« Flatow in Wrstpreußen vcrheiralheu und al« erste« Kind auf sein Privilegium in Gumbinnm an setzen zu dürfeo, haben die Königl. Majestät da« Schutzprioileginm für den Äose» aus fertigen zu lassen geruht, nachdem derselbe sich zuvor über seine Vermögenslage auSgewirsen und Vorschrift«« mäßig für 800 Thlr. Porzellan au« der König!. Fabrik erkauft und solche» außer L«nde« exportirt hatte. Joel hatte sich durch sein ehrenwerthe« Benehmen und seine damals nickt gewöhnliche Bildungsstufe, die besondere Zuneigung de« Referendar M. erworben. Al« derselbe nach Berlin zum Examen resste, nahm er denselben kostenfrei mit, um sich dort sein nur al« Graveur erhaltene« Privilegium auch al- Kaufmann auSdehaen zn lassen. Joel dankte für die ihn erwiesene groß« Gefälligkeit sebr, bemerkte aber, eti könne ihm wenig helfen, da er kein Bermögeu bssäße, um Kaufmann werden zu können. M. tröstete ihn mit der Hoffnung. daß wenn eia ansehnlich großer Credu chm eröffnet werden würde, er auch al« Kaufmann sein Glück machen werde. Referendar M. der einzige Sohn eine« sehr reichen Kaufmann« in W. verschaffte ihn mittelsfeiner Eonnexivaen bissen im Werth v» i 15000 Thlr., Joel fuhr dann nach Leipzig, aber sittt hier gangbare Artikel einzukaufen, brachte er größtenthssls die iu seiner H.imath, russisch Litthauen, tragbaren Zeuge, als schwere Selbenzeuge, Gold- und Silbrr-Damast mit. Ec hatte aber auch noch durch starke« Ereditiren große Verluste, und da er niemals Kaufmann gewssen war. so konnte eS nicht fehlen, daß er üi seinem Geschäfte anstatt vorrückwärts kam. M. der bereit« in K. angestellt war, schrieb ihm daher einst: .Kommen Sie nach St. und bringen Sie Geld mit, w.-nn r« aber nicht angeht, schadet eS auch nicht«. Reisen Sie mtt einem großen Leiterwagen, der mit vier Pferden bespannt ist, und erwarten Sie mich (m einem näher bezeichnet«!, Gasthof) vor dem Thore* Al« Joel dort aukam, fand er M. bereit« seiner harrend vor: »Denken Sie sich, lieber Joel, wie eS mir geht,» — sagte -r zu diesem — »ich habe meinen Schreibsekretair zu verschließen vergessen, mein SBatJt kommt zufällig in mein Zimmer, und da er den Schrecksekrelär offen findet, siehc er iu oeu kleinen Schudlädrn die 3 von Ihnen erhaltenen Wechsel 4 5000 Thlr. Ec machte m,r die härtssten vorwürfe, daß ich Ihnen so viel Geld geliehen. Ich suchte iadeß seinen Zorn mit der Versicherung zu beschwichtigen, daß e« nur eine« Brisse» bedarf, um von Ihnen da« Geld zurückzncrhaltcn. Da ich mm darauf rechnete, daß es Ihnen bet Ihren schlechten Gsschäfteu nicht möglich sein wird, da« Geld hrrznschaffen, jo habe ich 8000 Thlr. selbst mitgebracht,

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