Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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tttnc. Bielleich' fbtbcn di« >»tisrmiten auch darin, daß die Jude« bi« Herrschast habe». A« Muß««, 81. März. (Or. - Eorr.) Wem, der Eorrespondeut der sehr grsch. .Wochenschrift" jüngst hervor» gehoben hat, daß e» de« Judrnthum an Mordechai'« fehlt, so sei damit keiarsweg» gesagt, daß wir der großen hoch» herzigen Männer, der edlen, hochfühlige« Frauen völlig ermangelten. aber r* fehlt leider an PeesünUchlriten. die mit der autoritativen Haltimg in der Religiontgesellschaft auch die im Staate verbinden u»d dem Judenchum Theilnahme, Berstäadniß und opferfreudige Hingabe eatgegenbringeu, Lremieux und Montefiore stad noch nicht ersetzt; obschou wir auf die Hrn. Barone Hirsch und König»warter u. s. w. mit Stolz Hinweisen könnten. dnglml. Kredegar Rev. Jacob Philip Hs hielt am 88. Februar im Rathhause Hierselbst unter Vorsitz de« Baptisten» Priester» Rev. Pe ter William» vor einer ansehnlichen Zuhörerschaft einen Bortrag über den Talmud. Nach einer sorgfältig auögearbeiteten Skizze über die Geschichte der Talmudguellen beschrieb Redner den Inhalt dieser großen Schatzkammer der Gelehrsamkeit und führte eine Menge Legenden, Parabeln. Aphorismen, Apologie«. Sagen rc. zum Beweise für den hohen moralischen Standpunkt de» Talmud mi. Nachdem Redner sich auöführlich über die Beziehungen de» Talmud zu den nicht jüdischen Glaubensystemen verbreit« hatte, ichloh derselbe mit der Bemerkung, daß der To'mud dir Rationalität und Einheit der jüdischen Raffe! aufrecht erhalten und diese ermuthigt Hab«, sich den Staat«» gesrtzen zu unterwerfen, so wie daß er da» Wissen unter dem jüdischen Volke in jeder Weise gefördert habe. Al« llnwiffen» heit und Laster die Welt erfüllte«, al» Rationen in den Sumpf de» Verderben» und in dir Abgründ« der Verworfenheit »«sanken, hatten die Juden ihren Führer — den Talmud. Die Red« machte auf alle Zuhörer einen ttefen Ein» druck, welcher sich denn auch in einem Sturm von Beifall», bezeugungen kund gab. Auf Beranlaffung de» Vorsitzende» wurde Herrn Philipp» für srmen lehrreichen vorttag eia reicher Dank votirt. Japa«. Kotio, 12. Februar. Kür Japan wurde bekannttich jüngst «ine neue Constitution durch den Mikado (geistliche» Oberhaupt in Japan, neben dem Taikum, dem weltlichen Oberhaupt« stehend) verkündet. Die Eoustituüon errichtet eia Herreahau» — dessen Mitglieder thril» erblichen Sitz haben, theil« durch eine Wahl berufen und theil» durch dm Mikado ernannt wordm und «in Hau» der Gemeinm, au» 300 Mitgliedern bestehend. Wahlberechtigt »st Jeder, der da» 88. Lebensjahr zurückgelegt hat und eine jährliche Steuer von mindesten» 28 Dollar bezahlt. Religio»» uno Redefreiheit, so wie da« öffmtllchr versammlung-recht sind gewährleistet. Da» Parlament soll gesetzgeberische Kraft und beschräufte Finanzcon» Hole haben. Hierzu demerft der „American Jsraelite", sehr zu» irrffmb Folgende»: „So steht also da« heidnische Japan über dem christlichen Rußland, sogar über de« christlichen Frankreich, Deutschland und Italien vor 1VV Jahren. W»e in England, so schuf auch in Japan Handel und In» dostrir die bürgerliche Freiheit, nur mst dem Unterschiede, daß England, welche« eine Lande»kirch« hm, dir Religion»fteiheit nicht mir ernem Male gewährm konnte, während Japan, welches keine Lande«kirche hat, diese» mtt einem Male tbat. E» «st hierbei bemerkea«wenh, daß di« beidm äußersten Endm der alte» Welt, welchr fast dieselbe geographisch« Lage haben, die Sache der bürgerlichm Freiheit zu erst u, die Haud nahmem Hiernach scheim e», dag geographische vrr» hältniffe «ehr auf die Frrcheü wirken, al» Religion»- und Raffenverhältotffe.' Per«isch1e mrd «taufte Mmtzrichte». Vtagdsburg. Dt« Thelluahme au der Schulbildung ist m Breuhen »ach der .Statist. Korrew." verschieben je nach der Kouftssto». lluter je ICO Mitgliedern der Schulbevilkerurg jede» Brkeuutaiffe« gchSrr» <m Lvt.ng«lisch« Kath-likea sonstig» Christen Juden ». Universitäten 0,25 0,18 0,87 1,60 bhöber« Lehraoftaltea 3,35 1,48 8,56 21,29 c. Mittelschulen. 4,87 1,18 7,82 24,40 d. Bolksschulev 91 64 97,21 88,26 52 71 Die .Statist, ftomfp" hebt hervor, daß auf diese« »erschi,:dm« Lerhälratp vo, E nsluh ist der Umstand dag die evangelische Uevölkermig und noch «ehr dir jüdische Bevölkerung tu weit hötere» Prozentsatz tu de« Städte» mit höheren Schalanualten lebe» al« die kaitzoitsche Veväll ruug. Sodann komme »er Grad der verschiedenen Wohlhabenheit tu Betracht. «erli», 3. April. Den unter de« Pcolektorat der Kaiser tu Friedria stehende» .AnerbachschenWaisen-Erziehungl-Aaftalten" ist t« Auftrag« der Hahr« 8*«» da» Bilbuih de« Hochs«!igen Kaiser» Friedrich durch den UntrrrichtSmttiister übereignet worden. Die weide»«»« Lederguhe de« Bilde« hat in Gegenwart de« Borstand«« und der Ehre--- damen der Austalteu gleichzeitig mit der Entlassung der au« deasklbim scheidende» Zäqliuae» vorgeftrrn staftgesaudeu. — Di« Kaiserin Augusta har der Al-rr»o«isorgung«a»ftall «tuen Beitrag von 500 Marl zukommer. lassen. Berti» Fas» genau 100 Jahr« nach dem Tode de« Dr. B. de Lewa«, de« Later« der bekannten Henriette Herz (18. März I78!>), di« 1779 den Doftor Mark»« Herz heirathe^e, ist eine Ruhte der letzteren. Krau Hosräthia Her», am 12. Mär» im 89. Leben»jahie ge» storben und am 16. begraben worden. Sie theilte mit ihrer Tante bi« in da» höchste Alter die Geschicklichkeit, der allüeliebte Anziehungspunkt für wette Kreise zn sei», sowie die warme Rächsten» und «later» landaliede. Au« ihrem Besitz gehen nun durch letzwillige Verfügung di« trefflichen Oelbilder der 18jährigen Henriette Herz, die «in« aain» hafte Künstlerin de» vorigen Jahrhundert» al« liebreizend« Heb« darstellt«, und ihre« Man..e«, ferner de« Vater« de Lemo«, sowie «ine Lüste der berühmten Schönheit, von Schadow gearbeitet, nebst mehreren anderen Oel emälden in'die Sammlung der Rationalgallerie äbn. säraukfnrt a. fDt. Der Verein zur Bekleidung bedürftiger israelitischer Schulmädchen bekleidete im Jahr 1888 149 Mädchen (gegen 130 im Vorjahr). An Geschenke» erhielt derselbe Mk. 1220 igtgcu Mk. 1952 in Barjahr), an Jahresbeiträgen Mt 947, an Zin,«n Mk. SCO. Da« Bermögen beläuft sich auf Mk. 7620. Hamb»». Die Eltern der Konfirmaad-r. werdrn durch den antilemttischen Berein in di« Judenhetz« »u ziehen »ersucht, indem man an dieselben für sie besond«'» bestimmt« Flugblätter schickt mit der Aussoiderung. Konfirmindenttetd-r nicht de! Juden zu kaufen. Sr. Esse«. 31. März. (Or.-Eorr.) In einem kleine» Orte in der Nähe von Lüdenscheid waren die meisten evangelischek. Bewahrer au» der Lande«kirche ausgetreten. Al» vor kurzem tuier ihnea jemand gestorben war, verweigeite der Kirchenvorstand die Ausnahme der Leich« auf dem Kirchhof. Da war guter Rath teuer. Tn« Juden Lüdenscheid« aber waren toleranter und liehen die Leiche tr« evangelischen Christen aus dem jüdischen Friedhof begraben. Auf welcher Seit« ist da di« wahre Toleraaz? Gr»ft9l«. Hier stad vor einigen Tagen bei Kanalarbeitea in einer Tiefe von 2 in interessante Funde gemacht worden. In der Judenaais« stießen die Arbeiter auf die Grundmauern der um da« Jahr 1050 erbauten üynagoge, welch« bei der durch die Flagellantrr verursuchte« Judenverfolgung im Jahre 1349 mit dem übrigen Besttzthum der Kölner Juden, bestehend in 24 Häusern und 30 Grundstücken, tatkitt um die Shnagoge, dicht vor dem jetzigen Rathhausportal lagen, durch Feuer zerstört wurde (23. August 1319). Bekanntlich hatte sich damal» der Rath der Stadt Köln vergebe»« der Juden angenommen. Di« Jude» vertheidigten sich gegen di« Angreifer aus« tapferste, uuter» .agen aber der Uebermacht, worauf sie mit eigenen Händen ihr« Htusrr anzündeten und in d«a Flammen de« Tod suchten und fanden. Oehri»»«» (Württemberg), 29. März. Die hiesige israelitisch« Gemtind« feierte heute di« Einweihung ihrer neuen Svnagog«. Zu derselbe» hatten sich Kirchearath Dr. v. Wassermann, Rabbiner 4>r. Engelbert und eine große Zahl Ehrengäste ooa hier und au»l»a i> eingesunden. Der »«»gegründete Sha«gogen-EH»r, unter Leitung de« Lehrer« Schlohmann, führle di« Gesäuge iu gelungener Weis« au«. vezir:»rabbtner Dr. Engelbert hielt di« -oeuso ged.egen«, «l« vo« Geist der Duldung und Lieb« getragene Fesiprebcht. Die Schluhwotte und da» Schluhaebet sprach Kirchearath Dr. v. Wassermann. Abend« fand ein au» alle» Ständen zahlreich besuchte« Fest-Bankett im Würltei-r» bergrr Hof statt. Boa den hierbei ausgebrachten Toasten ist der de« fink Landgerichtsrath» Weizsäcker auf dir seruere Eintracht der Mitglieder jeoweden Glauben« hervorzuheben. ft»«»*». Der Mörder der jüdischen Eheleute Kat ner «« hier wurde vo» den Geschworen«» zum Tode oeruttheiit.