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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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an. — dir anderer Eiuwaud ist gegen die Satzuna: »Böses mit (intern zu Vergelten" erhoben. Aber die Hinweisung auf die Strafgerechtigkeit Gattes, welche da« Böse nicht dulden und bestehe« lasten könne, beweist das gerade Gegrnrheil. Die RLchuug der böse« Thal, d. h. die oer> geltend«, züchtigende und besternde Strafgerechtigkeit. ist Gotte«, nicht des Menschen Sache, ist Aufgabe des an Gottes Statt sitzende«, die Gerechtigkeit Gottes vertretenden und im Namen Gottes urtheilenden menschliche» Strafrichters, aber nicht Aufgabe jedes einzelnen und gewöhnlichen Menschen. Für diesen gelten die Aussprüche: .Alle vergehen deines Nebenmeuschen decke mtt dem Mantel der Liebe zu" (Sprüch. 10,12); .wean deinen Feind hungert, gieb ihm zu efleu du sammelst dadurch feurige Sohlen auf sein Haupt und Gott wird es dir lohnen" (das. 22, 20); so dich jemand haßt und beleidigt, stet' ihn zu Rede, aber trag' ihm keine» Haß nach «ad sinn' nicht auf rachsüchttge, boshafte Vergeltung, denn auch der Feind ist dein Bruder und Nächster, mid lieben sollst du »deinen Nächsten wie du" (d. h. wie wen» du es wärest, oder wie du es für dich willst)" (Lev. 19,17). Aussprüche wie: Der dir flucht, sei verflucht, oder de« werde ich (Gott) fluchen, weise» auch nur auf Gottes Ettasgerechtigkeit und überweisen de» MiffethSter der göttlichen Bergelioog. Denn die« ist der Sinn de« Fluch«: mau »endet sich ab von der oerabscheuungswürdigen Thal und spricht: Gott möge darüber richttu. Der Fluch gitt nicht dem Sünder, sondern der Sünde; diese soll von der Erde schwiuden, und dafür wird die Hilfe Gattes augerufen und zugesagt. Dies ist die höhere Anschauung, welche dem Judeuthum eigen ist. Die Mahnung, Böses mit Gutem zu vergelten, will deshalb nicht da« Böse dulde», rechtfertige» und unterstützen, sondern hat de» Sinn: Thoc dem Feinde Gutes, um ihm die Gluth der Scham, röche in« Gesicht zu treibe», »amtt er vom Bösen ablaffe und Gutes thue. Dr. Rothschild. Wir konstattren: Herr Dr. Rothschild vermuthet eine Tendenz, die der D. I. G. B. nicht aussprtcht, spricht von Einwändeu, die er (Herr R.) unterdrückt habe, leugnet, daß dtt 15 Sätze ei» fertige« und vollständiges Moralsyftem find. San» mau es dann Jemand verargen, wenn er in einer so hochwichtigen Sache es scheut, sich mtt seiner Unterschrift zu biudeo, statt sie mit Reservatione» zu gebe»? Zterki», 31. März. (Or.-Corr.) Bon befteundeter Sette wttd mir dtt jüngste Nummer des »Centrol^Orgaus für dos orthodoxe Judeuthum" vorgelegt» in welcher dtt in meinem letzte» Bericht über dtt sogenannte »75 er Commission" angeführten Thatsachen von dem Borfitzeudeu dieser Com» Mission, Herrn I. Weinberg anfaugs als »unwahr" bestritten, aber schließlich doch ganz deutlich zugestaudeu werde». Wen» Herr W. den Thatsachen entsprechend zugebeu muß, »daß die Gründung eines Vereins zur Vorbereitung der Wahlen beschloffe» wurde", und daß »allerdings dtt in diese« Jahre bevorstehenden Wahlen nicht unbenutzt vorübergeheu sollen" — so ist es wohl ganz dasselbe, wenn ich behauptete, die 75er Commission habe sich zu einem Wahlvereiu constttuirt, um dtt nächsten Wahlen vorzubereittu. Es gehört sophistische Wortklauberei dazu, um hier einen Unterschied herauszufiuden I — Genu ferner auf den wohlwolleude» Bescheid des v-emeindeoorstaudes: »daß Stt Ihr Mandat durch Einreichuug Ihrer Vorstellung nicht als beendigt aneheu und daß Sie uns demnächst durch praktisch« Vorschläge unterstützen werden" — dtt 75er Commission •) Sir geben zu. daß der Verfasser die L>»«ä»d«, Li« aegea diese» Cay i» «t»«r Sorr»spo»de»z ans dem Hann Soerswen »«gebracht ward»» stad, ri«ng widerlegt. >ber damit ist dieser Sag in seiner Aggemeüchett «ich» gerechesertigl; «0 bleibt dadei: Da sollst allemal VssrS mtt 9nt'» vergelte» d. h. der Spitzbube »mb »och im* rpia betomine». Satz solle» dem gegmüber die Sitott ber heiligen Schrift? Hier «rllSit ein Sah den andern; da» find keine allgemeine» SrundsLtz«. (Xi* vielen ander» in d-n letzten tz Lnmmer» gemachte» Einwendungen hat Herr Dr. R. gar nicht erst zu widerlegen oeesacht, sonder» ,« dre zwei z» gestanden schwächsten.) nicht einmal einen Versuch zu einem Vorschläge «acht, vielmehr nur ans die in dem erste» Gesuch ansgesprochene» Wünsche hiugewieseu wird, so ist es wohl ebenfalls dasselbe, wen» ich 'agte, dafi die Aufforderung des Vorstandes in ablehnende,» Sinne vraniwortet wurde l Und es gehört schon eine große Porttou von Kühnheit dazu, solche Thatsachen »unwahr" zu bezeichnen. Die oben angesührte Aufforderung des Vorstandes ist also nicht erfüllt worden, die Herren waren weder Willens noch im Stand«, die gewünschte» »practtschen Vorschläge" zu wache», (sonst hätte« sie dieselbe» ja sicherlich eiugereicht, zumal der Vorstand eine eingehende Prüfung derselben zusagt; selbst auf die vermnthete Gefahr hin, »daß der Vorstand die Sache nur dilatorisch bis nach den Wahlen htuziehen wollel"). mithin ist es amy zweifelsohne klar, »daß die Commission ihr Mandat durch Einreichung ihrer ersten Vorstellung als .beendigt" ansehen kann — sie hat sich selbst da« Lebenslicht ausgeblasen und sich selbst ihre Existenz- Berechtigung entzogen I Sie geht jetzt vielmehr einem anderen Ziele entgegen: »Der Gründung eine« Wahlvereins!" — Herr W. sagt, ..dtt Commission wird unbeirrt ihre Thötigkeit fortsetzeu", nun, »ach der bisherigen »Thätigkeit" braucht man auf die Fortsetzung wahrlich nicht sehr gespannt sei»! I Ich könnte Ihnen noch viel über diese sogen. »Thätigkeit" .'berichten, aber ich will Ihre Leser nicht noch länger mtt diesen unerquicklichen Verzettelungen beschäftigen, sie werden ohnehin genügend deurtheüeu können, welcher. Werth dtt »Erklärung" de« Herr« W. haben kann. Nur eine Bemerkung möchte ich mir noch erlauben: daß diese Antwort des Herrn W. in dem »CeutralOrga« für da« orthodoxe Judeuthum" adgedruckt erschiene» ist, wirst ei» ganz neues aber helles Licht aus dtt Bestrebungen und auf die Bundesgenossen des genannten Herr» und de« »neu zu gründenden Wahloereins" l! Stpienti nt I Mentße» $./$•» 31. März. (Or -Corr.) Da« hiesige seit wehr als 1'/, Jahren verwaiste Rabbiuat ist iu de« letzten Tage» durch de» Amtsantritt des Herrn Rabbiners Dr. Kopfstein, bisher in Ems, endlich zur Besetzung gelangt. Erfüllt von der hohe« Bedeutung diese« Ereignisses für das gesummte religiöse und geistige Leben in unserer Gemeinde, hat die Vertretung derselbe« dem mit Sehnsucht erwarteten Rabbiner eine» zwar nicht rauschenden, aber innigen und würdigen Empfang bereiter. Freitag Abend erfolgte in uuserm neuen reichgeschmückteu Sitzungssaal in Gegenwart des Vorstände», der Repräsentanten, der Vorsteher dir wildthätigeu Vereine und der Aeltesteu der Gemeinde, hierauf iu der dichtgefüllteu und blumenbekränzte» Synagoge dtt ofsttielle Einführung des Rabbiner« iu sei» Amt. Die Sonnabend Vormtttag gehaltene AntrrttSpredigt legte ein schöne« Zeugniß ab von der tiefernsten Auffaffung der erhabenen Ausgaben des Judeuthum« und der Verkünder deS Gottesworts, gipfelnd iu Wahrung des Gemeinde» frieden« unter Aofrechterhaltuug der Wahrheit und Pflege der mit Wohlthuu gepaarten Gerechtigkeit (Jesatas Cap. 16); eine besondere Fürsorge heische dtt Erziehung unserer Jugend zu guten, edlen und brave» Israeliten. Die warme Empfindung und tiefe Ueberzeugnug de« Redners, dtt seine Worte dnrchzittertt, fand bei der iu Andacht und Erhebung lauschenden Gemeinde eine» lebendige» Widerhall »nd weckte dtt allgemeine Zuversicht, daß diese» verheißungsvolle» Worte» eine thatkräftige Erfüllung folgen werde. — Go ist denn zwischen Rabbiner und Gemeinde et» Bund geschloffen, der, gegründet auf allseitigem vertrauen und hiuzielend auf gemeinsame ernste Arveit zur Ehre des Judenthums, ei» neues segensreiche« Gemeiudelebeu iu Herryj liche Aussicht stellt, welches »ach dem treffende» Worte unsere» Gemeinde-Vorsitzenden bei der Etnführuugsfeier dtt . Jj Bereinigung von P* T1** fTTin, der Traditionen mit. M zeitgemäße» Eiurichtunge» austreben soll. '

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