Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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•eilet nicht« als feie Annahme der Elter» hindnrch ihrem Sohne ei» bescheidene«, aber ziemlich stchere« vrot für die Ankunft dielen zu können. Und doch, wie falsch erweist sich diese voraussetznngl — Allerdings, wer den jüdische» mit dem christlichen Lehrer vergleicht, mag wohl Recht habe« »nd die« wird wohl auch hierin da« Bestimmende seiten« Milchen Eltern in ihrer Kurzsichtigkeit bei der Wahl de« Lehrerberufe« für ihre Söhne liegen — doch weit gefehlt! Zwischen dem jüdischen und christlichen Lehrer ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen gar kein Vergleich denkbar. Ersten« fallt hierbei in« Gewicht die geringe Anzahl jüdischer öffentlicher Lehrerftrllen für die enorm große Zahl geprüfter jüdischer Lehrer» und zweiten« ist noch gor sehr zu berücksichtigen die Verschiedenheit der Leben-verhältniffe und der Leben-weise de« jüdischen Lehrer« von dem de« christlichen Eollegen. E« machen sich hier kolch augenfällige Gegensätze bemerkbar, daß ein nähere« Eingehen auf dieselben faciisch ganz überflüssig sein dürfte. Würden wirklich so viele geprüfte jüdische Lehrer, .Schächter und Tantoren" werden, oder ein denkbar unangenehmster, schwankendster Position al« „Mädchen für Alle«" verbleiben, wenn ihnen auch nur im entferntesten Gelegenheit geboten würde, ihrem ursprünglichen Berufe, dem sie ihre Jugend durch gründliche« Studium und Absolvierung verschiedener durchaus nicht leichter Examina geopfert al« Lehrer ,ür die profanen wie religiösen UnternchtSfächer in sicherer Stellung an öffentlichen Schulen im Kreise gebildeter gleichgesinnter Eollegen nachzugehen? Würden nicht viele, sehr viele jüdische Lehrer mit dem christlichen Dorfjchullehrer der oft ähnlich einen Fürsten im Streife seiner Untergebenen thront, tauschen wollen? Gewiß hat auch dieser Stand seine Schattenseiten, hat auch dieser den Kampf de» Leben« zu kämpfen, um die jungen Dorfbewohner mit den Elementen der Künste und de« Wissen« vertraut zu machen, doch wa« will die« olle« heißen im vergleich zu den Demüthigungen und Kränkungen, die dem jüdischen Gemeindebe amten oder Lehrer trotz redlichsten Ruhme« und Schaffen« infolge der denkbar schwaukendsten Position und der vielseitigen An prüche, die an ihn gestellt werden, für den überaus kärglichen Sold zu erdulden hat? Der Dorfschullehrer weiß ja wenigsten« wofür er arbeitet. Er hat sein Hau«, seinen Garten, sein Feld und dazu seinen Gehalt; wozu noch Alterszulage, persönliche Zulage und Stellenverdesserung kommt; e« ist bei ihm für Pension eventuelle Invalidität und einst für seine Hinterbliebenen gesorgt; und ist er tüchtiger Landwirlh, so ist er davon allein schon in der Lage seinen Lebensdedürfaisseu zu genügen. Wa« die Sorge für seine Kinder betrifft, so kann er sie mit Leichligleli uua uqiic erhebliche Unkosten allen nur erdenklichen Beruf«arten zufühlen; sind e« Töchter, dann werden sie gewiß leichter untergebracht, wie die eine« jüdischen Lehrer«. Wer zu lesen versteht, für den wird sich infolge «eurer Ausführungen die Amwort betreffend die Verhältnisse de« jüdischen Lehrer« selber ergeben, doch muß ich auch diese wenigsten« mit wenigen Sätzen berühren. Für drn jüdischen Lehrer gtebt e« selbstredend kerne Dorfschutftelleu im obigen Sinne, er muß meist in der Stadt j ein Unterkommen finden, und da find die Einkünfte im Verhältuiß zu den Laudstelleu so genug, daß eine jüdische Familie dabei nicht bestehen kau», selbst daun nicht, wenn der ReligionsuMerricht extra houorirt wird. Ferner ist noch ei» Andere« zu erwähne», was nur ganz alleiu dem .jüdischen Autisemiti«mus" znzoschreiben ist; daß jüdische Familieu selbst bei gleicher und besserer Qualifieatiou lieber bei christliche« als. bei jüdische» Lehrer« ihren Kindern PrivMuMerricht ertheile» z» lassen, versteht der jüdische Lehrer beispielsweise iu Sprache» und Musik zu unterrichte», so wird mau doch sei» Kind lieber zum Ehrifteu schicke» «ud nur — weil'« »«ruehmer klingt. Mir steheu für «eine Behauptung eine solche Meuge Thatsacheu zu geböte — wie ich überhaupt hier »ur aus Erfahrung spreche, — daß eventuell uur Aus- Nahnren coustatieN »erde» könnte». Man berücksichtige ferner, die thenere Lebensweise einer jüdische» Familie, selbst naier den bescheidensten Verhältnisse», Ausbildung und Versorgung der Kinder, und für jeden billig Denkende» wird sich die vestätiguug unserer Behauptuug von selbst ergeben. Und bei alledem sehen wir bei uns die auch sonst rächselhaste Erscheinung der Lehrerüberproduktiou. (F. f.) Gerichte «ab Correspondenreu. Demtschland Magdeburg, 31. März. Au« Alzey ging uns von unserem geschätzten Mitarbeiter, und — wenn wir nicht irren — langjährigen Delegieren de« deutsch-irraelitische» Gemeindebunde«, Herrn Rabbiner Dr. Rothschild. der nachfolgende Artikel zur Rechtfertigung der .15 Sätze" zu, den wir io redactioneller Unparteilichkeit hier an erster Stelle veröffentlichen. Freilich jo weit konnte unsere Unparteilichkeit nicht gehen, denselben, wie e« gewünscht wurce, .ohne jede Gegenbemerkung" zu geben; du« Recht der freien Meinungsäußerung und Kritik müflen wir wie unfern Herren Mitarbeitern doch auch der Redaction wahren. — Der Artikel lautet: Alzey, 21. März. Die 15 Sitlengesetze de« D. I. G. B. mögen Einwendungen unterliegen, aber dieselben sollen wohl*) auch nicht al« ein fertige« und vollständige« Moral- System gelten, sondern zur Widerlegung von Anklagen dienen, welche Jlrlhum und Bosheit fälschlich gegen Juden und Judenthum ersinnen. Damit man nun auch nicht selten« der Gegner behaupten könne: Einzelne, durch christliche Eioilisatioa gehobene Juden mögen besser denken und handeln, da« Judenthum aber lehrt, und die Masse der Juden denkt und handelt ander«, erschien e« nothwendlg. die Anerkennung der Rabbiner, al« Lehrer und Träger der jüdischen Religio», einzuholen, von diesem Besicht-Punkte habe ich die Sache beurtheilt und unterstützt, etwaige Einwendungen aber unterdrückt.**) Wie oorstchllg man übrigens mit solchen Einwendungen sein muß. beweisen zum Theil die vorliegende». Man sagt: E« könne Fälle geben, wo man der Obrigkeit nicht gehorchen dürfe, wenn diese nämlich antireligiöse oder gar unsittliche Forderungen stelle. Solche UaterfteUunge» sind gesucht und können durch Mißdeutung gefährlich wirken.***) Außerderdem ist e« bekannt f) daß Gott und der Moral stet« der Vorrang gebüre. Bei Aufstellung eine« vollständige!» Moralsyftem» hätte freilich eine solche Beschränkung Ausnahme finden müffeu. Im Allgemeinen aber, und hiervor ist in den vorliegenden Satzungen die Rede, ist e« sittlich und religiös nicht gestattet, al« Meister und Kritiker sich über die Gebote der Obrigkeit zu stelle» und al« loyaler wie nationaler Bürger ihnen den Gehorsam zn verweigern. Die« ist biblische und talmudische Forderung, und die« festzustelleo, darauf kam e« in vorliegende« Falle *) £ic|ct beweist, daß bei Herr Sctftffcc so lacau wie wir siche: weih, was der D. I. ®. B. bezweck». Der D. I, 9. P. qiebt rt al» et» fertige» u»d vollständige» Moralsyftem. »Birg! besaader« auch die Vorrede zu Dem Herxheimerschen Religion«» buch«'. **) Also Herr De. R. hatte auch Einwendung«»; kommt e» nicht i» der Sach« aus rin» herau«, ob eirer trotz der Einwendungen unterschreibt, »der »egen der Einwendungen nicht uuterschretbt? Kana der D. I. •. v. «ft solche» llnterschrtften grob Staat mache»? ***) Wir bitten de» Bersaffer noch «t»»»al »»sere Sätze zu lesen» er wird dann wohl bezeugen, dag wir jede Gefahr der Mißdeutung «-glichst au«g«schloffe» habe«. t) Gewiß ist es bekc>u»t, aber ist denn da« Andere, wa« in de» «rund,ätze» steht, ni«: auch bekannt? und ift ein Aaisatz, der sich »die EthU tat Judenthum«" nennt, nicht ein vollständige« und fertige« Morallyfte«? Nirgend« wo ift zu lese», daß der Auf'atz nur gegen bi« Antisemiten gerichtet ist. Kerne Gefahr von Migdeutung kan» uns entich ilbtgen, wen» wir der Mahrhe i» ausweiche». So »klug" solle» mir i» religiöse» und fittllchca Dingen »ichr sei».