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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 106 — meinden?* * ***)) Da widme« sich verschiedene deutsche Jüngling« dem Robbinerstoode, absolvirrn ihre Gymnasialstudie«, absolviren mit Erfolg ihre akademische« und rabbinischeu Studien, sind aulgerüstet mit echt deutscher Bildung und getragen vou echt deutschem Geiste — aber bei eurer Bacanz. bei welcher meisten» eine l/j ftüodige Probepvdigt entscheidet — finden sie tone Gnade bei dem Borstande und «in Sohr au» den saurmatischen Ebenen oder ein Sohn der „Pußta» triumphirt über den sonst so talentvollen deutschen Tandidaten.—) Sind dnartige Fülle ermuthigend für talentvolle junge Männer, sich dem geistlichen Stande zu widmen. Bon Prottction, NepotiSwn«, Heirathlprojesien u. s. a., die ja auch bei vielen Bacavzen ihren Schatten wetthi« »erbretten »nd sich von Einfluß erweisen, wollen wir gar nicht reden. Gs kan« passiren, daß in der Provinz ein Rabbiner von hervorragender GelrhrsamKit, tüchtig und erprobt in Allem, wa» zu dem theologischen Lehramte befähigt, bei der Berliner Lacanz nicht berücksichtigt wttd, weil er dem Vorstand« „zu selbstständig und eigengeartet" erscheint und die Herren vom grünen Tische „Macht gegen Macht« fürchten. Da» sind ja wahrlich traurige Zustände, die chre düster« Schatten auf die Zukunft unsere heiligsten Interessen werfe«. Welchen Lebenslauf auch immer rin talentvoller jüdischer Jüngling in Deutschland wählt, überall hat er mehr Aussicht, es zu etwa» zu bringen, als wenn er die rabbinische Earriere wählt. Der Berliner Borstand «xemplifirirt auch aus dir Verhältnisse in der christlich« Kirche, aber hier sind die Eandidaten des geistlichen Lehramtes wenigsten« durch ihre Vorgesetzte Behörde vor der Willkür der Gemeinde» Vorstände geschützt. Uebrigen» ist der ManAl an fähigen Rabbinern nicht so groß, denn es girbt noch viele Ettern, die nur „um Gottes willen« ihr Kind diese« Berufe widmen, weswegen Biele sogar im Auslaude amtiren; bei einrr vacanz einer gut dottrten Stelle meldet sich gewöhnlich ein halbes hundert Eandidaten; so habe« sich um die Baseler Rabbinerstelle Vs Eandidaten beworben.—) Di« einzige Berlrgenhett, in der sich da der Borftond befindet, ist die „Verlegenheit der Autwahl« und je nach de« Angebote stellt dieser dann seine Bedingungen. Zur Beseitigung der religiösen Uebelständ«. wie solch« in Berlin nach der Petition der 7ver Eommijsion unstreitig vorhanden, sind übrigens nicht gerade „Rede- und Sangeskünstler« uüthig. Eine Bemerkung sei mir noch zum Schluß gestattet; Da» Verdikt, welchS der Berliner Vorstand über den ganze« Stand der jüngeren deutschen Rabbiner gefallt hat, ist. wie wir gezeigt, ntcht nur ungerechtfertigt, sondern es iuvolvirt.gleichzntig eine» Mangel an Taktgefühl gegen di« Rabbiner der eigenen Ge¬ *) Aergl. den tehrrzi-nlswerlhenLeitartikel i» Rr. 7 dies. Bl.: „Vas kau» vnd soll geschehen, um di« Stellung der Radbiaer zu einer wgr» kigmr. z» gepälren?« Bon Dr. G. Kehler. Di« demaichft folgenden Amisetzungen beten die Wißpsnd« noch «ehr hervor and weisen auf di« Dmel zur Beseitigung derselben hin. (Red.) «") Ob iie Farben bei der Schilderung der in Deutschland geborenen RolMntt vorn Verfasser des obigen Artikels doch nicht etwa» gor z» grell -usgetragen find? vir wollen'» seine« Wser zvgnte hauen nab obig«, Satz dr-rchgetzeu lassen, obwohl wir wiederholt uns schon »egen das Hiudnzuh» der Rationalität in Kragen wissenschaftlicher Brsshignng energisa; autgrsprochen haben. (Red.) ***) Zu der jüngst mit MOO 3k. ansgeschrlebenen gkadbinerpelle in Halle haben sich ea. 30 Aabbiner — daruMrr Rarnen von Klang — gemeldet. Med.) meinde, denn diese — mindestens die jünger« Herren — werden ziemlich deutlich als „Verlegenheitsrabbiner« hingestellt. Quidam. S«r jüdische« Lehrerfrage. i. Die neueste Berfügung de» preuß. EnltuSmtuisterS «nd ihre Sonsequenze» für «n». Durch di« Tagesblätter läuft 'jetzt folgeuder Erlaß des Luttusmiuisters vou Goßlrr betreffend die Unterstützung jüd. Lehramtsaspirauteu seitens des Staate«. „Jüd. Präparauden wird jetzt bei dem Besuch vou Präparandeaauftalte» zur Borbereituug für die Schullehrer» semiuare eine Uuterftützuug aus Staatsmittel« nicht wehr gewährt, weil bet dem scheu vorhandene« Uederfluß jüd. Lehrer ein Bedürfniß für deu Eintritt i» die Präparaudea» anstatt nicht »achgewtesen werden kann." Wer Augen hat zum Sehr« und Ohre« zum Hören, deu dürfte dieser Erlaß de» Eultusministers über die Ueber« Produktion au jüd. Lehrern trotz grgeachettiger Berichte in deu jüd. Blättern zur Genüge belehren. Während sich ein Mangel an christlichen Lehrer» fühlbar »acht und der Staat Mtttel und Wege ausfindig zu macheu sucht, diese« Maugel zu steueru, ist hier das gerade Gegentheil der Fall. Wem» vor kurzem eiue Notiz aus der Provinz Posen di« Runde durch die jüdische» Blätter machte, wo «folge einer läogereo vacanz einer jüdischen öffentlichen Lehrerftelle auf eiueu jüdisch« Lehrermangel htozewiesen wurde, so war dies« Annahme grundfalsch. In Bezug auf Besrtzuug einer Lehrerftelle au einer öffentliche» Schule ist eben die Gemeinde sehr «achläsfig. nota bene wenn nicht ei« anderer durchaus uueutbrhrlicher Posten damtt verbunden ist. So kommt es selbst bei größtem Ueberflvß an geeigneten jüdische» Lehrkrästeu oft vor, uamrntlich au «rhrklasfigen Schulen, daß Lhristeu Inhaber oder jahrelang Vertreter jüdischer Lehrerstelleo find. Und daß es gegeowärtig nicht anders sein wird, liegt beim Jndifferentismu« unserer Glaudeasbrüder iu manchen Gegenden klar auf der Hand. E« ist also coustatirt, daß nicht nur teta jüdischer Lehrermangel vorhanden, sondern vielmehr eine enorme Ueber» productiou sich gar sehr fühlbar macht, den» sonst hätte vou einem Erlaß, der jüdischen Proparaudeu entgegen dem bisherigen Usus vou Unterstützungen ausschließt, keine Rede sei» können; denn jrdensall« wird der Coltusminister von deu Proviuzialschulbehördeu durch dir übergroße Aazahl von Be« Werbungen setteus jüd. Lchrer um selbst schlecht dottrt« Lehrer« stellen auf stagliche Ueberproduktio» aufmerksam gemacht worden seia, so daß jeuer Erlaß aochweudtg erschient» ist. Mau erzählt, daß um die geringste, schlecht dotierteste Lehrerstelle einer kleiuea Stadt der Provinz Pose» — dem Eldorado der öffrutl. jüd. Schulen und jüd. Lehrrrstelleu ohne Nebenamt — sich 40 und mehr Bewerber und darunter außerordentlich tüchtige fiudru. „Es ist dies nicht mehr schön z» neune»," bemerkte vor kurzem ein Provdrzialblättchen hierüber, „es giebt dies höchsteo« Beraolaffung für deu kärglichsten Lohn die höchsten Anforderungen zu stelle» und die Stellung der Lehrer, die ohnehin noch schlecht genug ist, zu einer schwankenderen und unfichereru zu machen." Nun spreche mir nach diesen Erfahrungen Jemand »och von de» übermächtigen, materiellen Gelüsten der Inden, von de» übermäßigen Strrbeu derselben nach Hab und Gut. Woher sollten auch die viele« Lehrer kommen, wenn letztere Be« haupluug richtig wäre! Ja, der Jude ist genügsam, selbst mit der bescheidensten Existenz nimmt er für lieb, wen» er fich nur einigermaßen sicher in ihr fühlt. Was bietet wohl das Amt des jüdisch« Lehrers Brr lockendes, daß fich heutzntage «och so Biele ihm widme»! Es ist doch wohl

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