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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 100 — hoffentlich fehlt eS kann auch nicht an ke» nöthigen Sriifte», ktans hierin z» unterstützen bereit find. Dr. Rahmer"*) Tie „Erklärung" lautete: Auf Grund vou Bibel und Talmud, in denen die schriftlicher, ReligiouSlrhreu de« Judenthum« und die traditionelle Erläuterung und Entwicklung derselben' enthalten sind, anerkennen und bekennen wir ol« die religiös-sittlichen Grundsätze und unverbrüchlichen Moral, gesetzt, deren Beobachtung und Befolgung Allen obliegt, die zur jüdischen Gemeinschaft sich-rechnen, ohne Unterschied der Bildung und der LebenSrichtong, ob sie orthodox confervatio oder liberal-fortschrittlich gesinnt find, Folgende«: I. TaS Gebot der Thora: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst-, und die Erläuterung de« weisen Mischnalehrer« Hillel, die er einem Heilen, der dem Judenthume sich onschließen wollte, al« die Summe und den Mittelpunkt der Thrr» gegeben hat: „WaS du nicht willst, daß man dir thue, laS thue auch Andern nicht', umfaflen alle Menschen ohne Unterschied der Abstammung der Sprache, der Nationalität der Staa Sargehörigkeit und de« covfesfionellen Glauben«. Jeder J«raelit ist verpflichtet, seine» Nebenmenschen, Juden w,e Nichtjuden, al« ein im Ebenbiide Gottes geschaffene« Wesen und al« ein Mitglied de« Menschenbunde« zu lieben, ihn al» seinen Mitbruder zu betrachten, brüderlich und liebevoll zu behandeln, ihm nicht« zuzufügen, wa« er nicht will, daß mau ihm selbst thue. DaS Judenthum spricht auch keinem Menschen, in welcher Weise und durch welche Formen sein religiöser Glaube und sein Gotte, dekenntniß in die Erscheinung treten wöge, die Seligkeit ad, sobald sein Leben«wandel den Forderungen de« im Laufe der Jahrhunderte zur sittlichen Norm oller earepäischeu Eulturoölker gewordenen jüdischen MoralgrsetzeS entspricht: stellt ihn vielmehr als einen „nicht-jüdischen Frommendemjenigen gleich, welcher im Judenthum geboren ist und deffeo Satzungen und Gebote beobachtet. IL Gleichwie da« biblisch.talmudische Judenthum im Punkte der Nächstenliebe keinen Unterschied zwischen Jaden und Nichrjuden kennt, sondern da« Band der Liede um alle Nationen und Eoosesstoaen, um die gesummte Menschheit schlingt uud sie dadurch zu einem Bruderbünde macht; ebenso ist ihm eine solche Unterscheidung im Handel und im Berkrhr, in alle» bürgerlichen, staatlichen und socialen Beziehuugen vollkommen fremd. E« verlangt von seinen Bekevuern Rechtlichkeit, Redlichkeit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Gewissenhaftigkeit, Treue dem gegebnen Worte, der gemachten Zusage und de« geleistete« Eid« schlechthin, unbedingt, ohne Borbehalt, ohne Einschränkung. ohne Ausnahme gegen j e d e u Menschen, welche« *) Diese Erklärung fand wie zu erwarten war, vielseitige Zustimmung seiten« der tzH. Rabbiner und Vorsteher; wir nennen vorden tu den salzenden Nummern jene« Jahrgang«« verifseutlichter un» begangenen Unterschriften der erster» hier einige: Oberrabbiner Dr. Z uckerman de l»Trier, Landrabbiner Dr. Dessauer.Meiningen, Dr. ZonaS-Hamburg, Oberrath ». Will stätter in Karlsruhe, Be, zirtdrabdiner Dr. Schwärz»1karl«ruhe, Distriktsrabbiner Lebrecht- Schweinfurt, Dr. Fröhlich-Halle. Dr. Äoldschmidt-Aeilburg, Dr.Opp e n he i m-Thora, DrKopfstei n-Pasewalk,K u «n t tz k i-Bavremh, Dr. Gronemann-Trnzig, Roth-Konitz, Dt. Blum enstein« Luxemburg, Landrabbiner Dr. Adler-Kaffel, Oberrabbiner Dr. Lau« dau-Dredden, sämtliche Rabbiner de« Königreich« Würltembng: Oberkirchenrath Dr. Wassermann, Dr. Heilbronn»Weiter«heim. Dr. Stlberstein-Mühningen, Dr. Engelbert-Heilbron, Herz- Göppingen, Berlrnger»Braun«bach, We ima nn»Luchau, vun zenbauser-Megciitheim, Han«»Freudenthal, Oberdörfer, Kahn« Laupheim. Laupheimer-BuNenhausen, Bezirttrabbiner Dr. Hochstädter^km«, Dr. Süßkind»Wie«baden, Dr. Deutsch-Sohrau, Dr Krone c-Brandenburg,Dr. Leimdörfer-Nordhausen, Or tzanooer- Wand«be<k, Dr Rülf»Memel, Dr. Lewi u.ikoblenz sieht Freiburä und viele andere. — Die „Erklärungist z. Z. auch vom Red. d „llttiv. i«r.- in« Kranzöftsche übertragen und warm befürwortet worden. — (U< hieraus im selben Jahre die Idee einer Versammlung der Rabbiner Deutschland« behus» mündlicher verathung einer .Erklärung'- von un« angeregt wurde, sistirteu wir di« fernere Veröffentlichung von Beitrittserklärungen. Volke, welchem Staate und welchem Glauben er augrhören möge. III. Da« biblifch-talmudische Judenthum gebietet alleu seinen Bekenaern, die in der Zerstreuung in allen Welttheileu leben, treu uud ergeben zu sein dem Baterlaude, welchem fie angehören, seinen Gesetzen stch zu unterwerfen, seiner Obrigkeit zu gehorchen, den Regenteu de« Lande« al« hehr und heflig zu ehren, die Sicherheit, die Macht, die Ehre nnd den Ruhm de« Baterlande«, im Kriege wie rm Frieden, zu wahren und zu fördern, de» Mitbürgem ohne Unterschied der Coufesflon sich innig und brüderlich anzuschließeu, mit einem Worte: da«Wohl de«Baterlande« j al« ihr eigene« z« betrachten. IV. Da« biblifch-talmudische Judenthum schärft seinen Bekennen« mit unerbittlicher Strenge ein, alle« zu vermeiden und zu unterlassen in Wort und Thal, wodurch der Name Gotte« entweiht, die Lauterkeit des israelitischen Glaubensbekenntnisses getrübt, die Ehre de« jüdischen Namen« verdunkelt werden, überhaupt alle«, wodurch auch nur der leiseste Schatten auf Israel« Namen udd Israel« Glaube» falle« kömite, mit einem Worte: Chillul ha-Schem; dagegen kein Opfer, und wäre e« noch so groß, zu scheuen, wenn e» gilt, den Namen Gotte« zu heiligen, d. h. vor der Welt Zeugniß abzulegen, daß da« Judenthum die reinste GotteSerkenatniß, da« strengste und lauterste Sittengesetz und allpemeine Menschenliebe lehrt, mit einem Worte: Xiäänsch ha-Schem. Die Männer, welche für diese Heiligung de« göttlichen Manne« ihr Leben geopfert haben, werden daher in J«rael .Heiligegenannt. V. Da« diblisch-talmudische Judenthum bestärkt seine Bekenner in der Hoffnung, daß alle Völker durch immer fortschreitende Erkeontniß und Veredelung, herbeigesührt durch da« Zusammenwirken ihrer weisesten Männer und besten Geister, zu einer solchen Höhe sittlicher Vollkommenheit fich emporringen werden, daß da« höchste Ideal der Liebe, de« Frieden» und derverbrüderung unter den Mensche» auf Erden erreicht sei» wird, und legt e« ihnen — seine» Bekenner» nämlich — an« Herz, selbst mit dem Beispiele voranzugrheu, in Friede» und in Eintracht brüderlich uud liebevoll mit alleu Menschen zu rerkehren, um dadurch beizutrageo, daß dieser ideale Zustand allmählich herbetgeführt «erd«, ein« Zeit, in welcher kein Volk über da« andere herrsche», sondern frei für sich und friedlich mit den übrige» leben wird. Eine jüdische Weltherrschaft kennt uud lehrt da« Judenthum kurchau« nicht, sondern eine Gottesherrschaft oder ei» Gotteßreich allgemeiner Liebe und all» gemeine» Frieden«. Dr. A. Jellturk, Prediger der Mi. LulmSgrmemd« in Wiru.- Kerichte rrrrd Correspondenzen. D««tfchla»d. pa|irf«(|. «u« rem Brief eiue« christlichen Geistlichen in St. Loui« an den Redakteur eine« daselbst erscheinenden jüd. Blatte« verdienen folgrvdr Sätze eiue weite B.rbreitung: »Sk. Loui«, Ftbruary 26, 1882. Geehrter Herr Redakteur I Ich kann Ihnen meinen tiefsten Abscheu über die fortgesetzte Verfolgung der Juden, de« alten Gotte»volkr«, durch sogenannte Christen nicht in Worten auSdrückrn. Ei» wahrer Christ wird weder durch Wort, «och durch That irgend ein lebende« Wrsin verfolgen, am allerwenigsten einen Juden. Di« Juden habm un» een Heiland gegeben. Die Apo,t«l waren Juden. Di« Juden haben der Welt die heilige Schrift gegeben uud erhalten. Me«, wa« die Christen besitzen, kommt von den Juden. Und heute sind Gotte« Fürsorge für dieselben, sein Schutz, welche» er diesem Voll« de« Altrrthum« angedeihe» läßt und di« Scheidewand, welche er errichtet hat, damit sie nicht in de» Rest de« Menschengeschlecht« aufgehen, ebenso große Wunder, wie sie die Welt

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