Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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99 — Qu mtftrtn Gebete» spreche» Mir et feierlichst ■»«, daß wir nur z» Gott bete». »Thatsache ist, daß in de« Rede» und Sprüchen Jesu«, wie fie i» de» drei erste» Evangelien gegeben find, kaum ei» einziger Setz enthalte» ist, de» wa» bei de» alte» Rabbiaen oder i» alte« Testame»t nicht wiedergefunde« hat". Der Redner faßt am Schluß da« Ergebuiß in dem Satz zusammen: .Jesnö war ein Mensch, folglich war er kein Gott, folglich kann er kein Segenstaud der BrrgStterung fei», darf e« nicht fe>n, nicht der Gegenstand der Anbetung." Der Berf. glaub», daß feine Religion einfach, klar und Mächtig genug ist, um die Religion der gebildeten Mensch, heit zu werden; wir theileu diese» Glauben, denn sein Ehristrnthum ohne Ehrtftu« ist da« alte Judeothum. der Glaube an den ewzig Eine», de», wie Goethe meint, Abraham, Mose«, David und auch Jesu« bekannt hat. — Die Broschüre Schwalb« ist klar und tief wie ein Bergsee; keiner wird nach ihr greifen, ohne von ihr ergriffen zu werde», ohne »aß sein ganze« Gedankenlebea aufgewühlt wird. Schwalb ist einer der edelsten Priester der Religion der Wahrheit, wir fühlen e« nach, wie heiß er nach Er» keantniß gerungen hat. Auch jüdische Theologen können von ihm lerne», daß e» sündhaft ist, überkommeoe Formeln ge» dankenlos uachzureden. Innerhalb seiner Kirche wird seine Rete für kühn gelten; für un« besteht diese Kühnheit darin, daß er einen achtzehn Jahrhunderte allen Jrrlhum ein» gesteht. _ Da» Kür ««d «ider betreffs „der 15 Sätze"«.') Die letzte Nummer der .Jtr. Wochenschrift" brachte einen Leitartikel gegen die 15 Sätze und eine Korrespondenz de« Herrn Dr. Lew in zu Gunst:» derselben. Ader wir wurden bei den geistvollen Auseinandersetzungin dr» Herrn Dr. Lewin an dir parlamentarische Erfahrung erinnert, daß sich mancher Redner für eine Borlagr einschreiben läßr und gegen dieselbe sprich». Der Leitartikel ist seiner ganzen Tendenz nach gewiß höchst be> achirvswerth; nur scheint er un» in den Borwürfen, daß die drei in dies« Blättern »orangegangeaen Besprechung« dir 15 Sätze nicht erschöpfend genug find, nicht da« Richtige zu treffe«. Den» brauchte der Tadel erschöpfend zu sei,-, um da» zu erreichen, worauf es hauptsächlich ankommi, nämlich die Ablehnung der Unterschnft zu begründen? wenn nur rin Punkt verfehlt ist, so ist die« hinreichend, um Ickten zu rechtfertigen, der sich »»«schließt, der seine Unter, schrift verweigert. Sodann sollen die ftühern Artikel nicht »entschieden genug sein, um al« entschiedener zweifelloser Widerstand Geltung zu gewinne»". Ist der Tadel »irklrch so schwel? ein Einzelner erhebt seine Stimme gegen die nach laug» jähriger Erwägung von einer ganzen Kommission fertig gestellte Arbeit, und zu dieser Kommission gehüeen G.UHcte, Denker, Schriftsteller ersten Range», und da sollte e» ein Unrecht sein, sich vorsichtig zu äußern und nicht sogleich schroff abzuuriheilen! Wir danken dem Beifasse'', daß er richtig herauSerkannt hat, wie wir nur zögernd die Bedenken gegen eine Arbeit so ausgezeichneter Männer vorgeb.acht haben; die Bedenken ganz zu verschweigen, soweit konnte unser Rrspctt nicht gehen, aber daß wir ängsttich waren, ob wir nicht am Ende doch auf lolseher Fährte find, sollie man und die« mit Grund Verargen? Inzwischen hatte srellich di« Zirstimmung Vieler un» darüber belehrt, daß wir auf drm richtigen Wege waren. Auch der Berf. de« Leüartikel« in Rr. 12 gehört zu diesen, 1 K find an» viel« Artikel, Lorrespoudenze» und briefliche Mit» tbeilmigeu öder die »15 Sätze" zuaetzanae» — «eist gegen, eine für dmelien; wir »erde» sie, soweit sie nicht Gesagte« wiederholen, zur Klärung dieser hochwichtigen Angelegenheit in Mn nächste» Hummern M*!«. denn obgleich er unsere Einwände nicht erschöpfend findet, so hat er sie doch im Wesentlichen nur wiederholt. Wa» nun Dr. Lewin vorbringt, trifft in kurzen Worten .den Nagel auf den Kopf. Mit diesem Borbehalte ist die Unterschrift ein Ad der Höflichkeit, nichts lveiter. Aber der Gemnndebund und die Kommission sagen »o« alledem nichts, was ihnen Lewin in den Mund legt. So ist selbst diese Unterschrift mir Borbehalt dem Mißverständniß aulgesetzt, und vielleicht wäre es richtiger gewesen, erst in Berlin an» zufrage«, eine positiv« Erklärung seiten« de« Gemeinde» duudä herbrizuführrn und dann zu unterschreibe». Wir können den Brief Lewin« nur ansrhen al« eine sehr gute Begründung für die Verweigerung der Unterschrift. — Jedenfalls eröffnet da» ivtereffante Schreiben einen Einblick in du Art und Weise, wir viele Unterschriften zu Stande gekommen sind. Der B:ief Lew'nS ist werthvoll, dir Unterschnft ist als Zustimmung zu der Arbeit der Kom- Mission nahezu werihloS. Denn immer wieder muß gesagt werden: gerade bei dieser Arbeit sollte die Untnschitst nicht ein ungefähre« Einverständaiß bedeuten, sondern eine Verpflichtung. Alle« zu billigen, wa« die 15 Sätze enthalten, und sich damit zustiede» zu geben, daß so Biele«, was Thora und Talmud an Sittenlahren enthält und wa« in unsere Rellgiontbücher übergeganqen ist. fehlt. Die Bitte, die der Berf. d«S Leitartikel» in Nr. 12 an den Gemeindebunh. an die Kommtjfion, an Alle, die unterschrieben haben. richier, nochmal» zu prüfen, scheint uns nachdem wir LevinS Brief gelesen haben, nur um so dringlicher. Im Anschluß hieran taffen wir — unserer Zusage in vor. Nr. gemäß — hier den Wortlaut der vor länger als 6 Jahren in unserer .Wochenschrift" (Jahrg. 1883 Nr. I) veröffentlichten, von Dr. Jellinek in fünf Sätzen zn» sammengeftellten .ethischen Grundlehren de« Indent hum»" folgen. Wir geben auch die in jeurm Leitartikel von un« varaugeschickte Einleitung, die heute in mancher Beriehvng von Jnterrffe sind. Der Artikel lautet: „itwrzgefaßle» ethische» Glaubensbekerrntniß" über dir Beziehungen der Juden zu Rtchtjuden. Wir können den vierzehnte» Jahrgang unserer .Woch-n» schrift" nicht würdiger — wir möchten fast sagen: weihevoller — eröffnen, als indem wir an der Spitze deffelbrn dir nachfolgenderi. von Tr. Jellinek zusammengestellten Grundlrhrr« des Judenthums über dir .Beziehungen der Juden zu Rtchtsnden" setzen. Bohl wtffe» wir. datz keinem religiös gebildeten Juden damit Irgend etwas Reues gesagt wird, aber der leider in ntchtsüdtschen ttrttira etngetrrteue Begriffsverwirrung, bei den aus der Tagesordnung ftehrudeu Verläumdungrn und Fälschungen der Reltgtonsleyren de» Judenthums ist eine solche klare und prägnante -zusammen, strllung der religiöse« Grundprtneipten. nach weichen sich unser — am meisten verdächtigtes — Verhalten zu den Betennern anderer Reltgionen zu rrgeln ha», zur dringenden Rothwcadigkrit geworben. Wir hatten aus diese Rothwendtgkeit bereits vor drei Jahrrn, als in Berlin vir Hochfiuth des Aulliemitismuo erst in Sicht war, hin gewiesen, und zu diesem Zwecke die Siuberusung eines autzerordenittcheu deutsch-israelittscheu «emeiuvetages geiordert, dem eine solche von Rabbinern der verschiedensten Dichtungen uusgearveiirte Vr» tlärung »orgrlegt werden sollte, welcher sodann sämmtliche 'Gemeinden in einer einstimmig zu faffendcn Resolution beitrrlen sollten. Diese Resolution sollte durch die Tagesdlättrr verisstniltchr. tu alle Kreise des Antisemitismus gesandt und in Sontcrabdrücke verbreitet werden Man gab stch adcr damals in den leitenden Krrtsen de« GemeindrbundrS der (von uns wtdersprochenn» «ustcht hi«, es werde die ganze künstlich erzeugte Bewegung bald im Sande verrinnen — wir wurden vom D. I. (4. B. abschläglich brschtrdrn. Run, die seitdem gemachten traurige« Erfahrungen, die tmmrr «ehr und immer hrstiget uw stch grrifmde aattsemtttchc Bewegung hat gezeigt, datz teue so roftg in die Zukunst schauende» Herren vom Ausschuß de« D. I. «4. B. sich gründlich geirrt hallen nn» was damals der Deutsch-israelitische i4emrindedunb nicht ge» thau, da« unlrrntmml nun rin Einzelner, Dr. Jrlltnet. Ritzen Radblaer, Prediger, indische Gelehrte und vor «Um die berufenen Vertreter der Gemeiaden — möge« fie zu« D. I. S. v. gehören «der nicht — ihre Znftsmmungzu diesem .Bekrnntntß" zu erkenne« geben, wir wurde» die Hanne in diesen Blätter» veröffentliche» und dann diese «rttgtonSertlärung mit den K* >««ten llntrrfchrtste» in großer Anslagr besonders addrnckrn e» und ihr dir größtmöglichste Krrdrrilung zu geben suchm 361481