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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Selbst die sogenannte Himmelfahrt de» Elia» wird vcn seinen Zeitgenossen nn prophetischen kreise mit ziemlich nüchternen Augen angesehen; sie juchen ihn auf Bergen ur d in Thälirn und finde« ihn allerdinas nicht; ober schon deß sie suchten, ist doch immerhin ein Zeichen der Skepsis» mit mit der sie Elisa'» Bericht aufnahmen. Wa» ei« Mensch sieht oder zu sehen glaubt, wenn rin Bl'tz uiederfährt und hart an seiner Seite einen Menschen nirde, wirft, der dann vom Sturme fongetragen wird, da» hat mit dem Bericht von 4Hatsachen nur entfernte Aehnlichk.it. Elia» wird sonst nicht zeride als ein Heiliger hingestrllt, vielmehr als rin Mann, der die Bolschait und die Gesichte Gottes oft nicht begriff. Es ist ferner ctne uralte That der Bibelkritik, daß da» Buch Daniel, io welchem an Prophetie und Wunderwerk n das Großartigste berichtN wird, mehr al» von allen andern ProphNen zusammen genommen, nicht in den Kanon der prophetischen Schriften ausgenommen ist. So wacht es uns Juden die Schrift leicht, uns vor Mrnschrnvergötterung zu hüten. Damit ist nicht gesagt daß di: jüdische Gemeinschaft vor solcher Beiirrung zu allen Zeiten behütet worden ist. Es ist eben in der Menschernatur ein Sklaveusinv, (Johannes Scherr hat e» „ftncdjlschaffen heit" genannt), der einen grcßen Menschen, auch wenn er zum Halbgott sich gar nicht eignet, zu einem mythischen Gebilde umwandrlt und über das Irdische hinaushebt; das sehen wir in frappanter Weise an unser« m Bismarck; auch die Juden sind zuweilen der B rsuchung erlegen, und erlieg« ihr noch, irdische, oft allzu irdische Gestalten zu vergöttern; eS ist interessant, daß der Prophet Elia» ein Halbgott, ein Engel geworden ist, während sich der Aberglaube nicht an Moses httangewagt har. Eckwolb rrürtett nun da- Thema der Menschenvergütteruug an der Gestalt Christi und wir können nur sagen, daS Jutenrhum würde einen viel schwereren Stand haben, sich in seiner Eigenart aufrecht zu erhalte», wenn auf allen Lauzeln der civilisi.ten Welt Mänrer vom Schlage Schwalb'» zum Volke redeten. Gegenüber der orthodoxen Kirchenlrhre macht e» keine großen Schwiengkeiten unser Judenlhum al» da» Bernunfigemäße zu erweisen; die vielen Uebrrttitte bckunden nicht das Gegentheil. für die meisten der ursprünglich jüdischerr Konvertiten liegen die Gründe znm Uebertritt ganz wo ander«; der „ReichSanzeigrr" oder da« „Standesamt" veröffenllicht sie nicht festen kurz nach der Tanfe; aber wenn Schwalb mehr wäre als eine ganz vereinzelte Ausuahmr, wenn sei» Geist, der uns wahrlich kein unheiliger zu jein scheint, die Friedenstaube wäre, dir über allen Kirchen schwebt, dann hätte das Judeuthum es nicht so leicht sei» Sondersein zu vertheidigen, aber freilich es auch nicht so nöthig, denn oft genug sind wir in der Lage dem trefflich!» Manne znzurufen: „Wahrlich ihr selb ein Jud', ein besserer Jud' war nie.» Di« jüdisch« Theologie, di« durch keiu Kirchenthum eingeschränkt ist, die keme Bchörde, welch« die Bücher auf dea Index sitzt, oder Prediger, trotzdem die Gemeind« zu ihnen hält und ihr Cliarakter tadellos ist, vor ein Glaubensgericht ladet, hat de» Judeuthum befreit von allem abergläubische» Wust und horcht mit Freuden aus die verwandte» Töne au» dem Muud« dieses Doktor» der christlichen Theologie. Folgen wir dem Prediger auf seinen Zügen in eine Gedankenwelt, die den meisten seiner Glaubensgenossen ei» unbekannte» Land ist. Dr. Schwalb sagt: »Wir Protestanten »eine» doch, daß die Berfaffer der biblische» Schriften, als sie die Hauptthat ihre« Leben» thateir. al« sie die biblische» Schriften schrieben, eigentlich gar nicht Mensche« mchr war« , sondern ganz einfach Werkzeuge de» in ihnen redenden, wirkrnderi, göttlich« Geiste»." Sind aber den Inden die Propheten wirklich nur di« Sekretäre Gotte», die da» ans» schreib«, wa» Gott ihn« in di« Ficker dcktirt? Wir erinnern daran, daß der Talmud dm Hesekiel mit einem Dorste-. »ohner vergleicht, der m die Residenz de» König» kommt und doa nur d« Prnok de« Throne» steht und beschreibt, im Geaensatz zu Jesaja«, dem der P«uk de» Hofe» gleichgültig ist und der da» Walt« de» König» schildert. Wer solche Begleiche wogt, dem ist der göttlich« Geist der Propheien der menschliche, der nach den Höhen stiebt, der verschieden ist je nach der Persönlichkeit, nach dm Scheck» sali», den äußern Einflüssen aller Art. Gewiß, auch unter uns Jud« gab es Leute, die. indem sie die Bibel schlechtweg als Werk Gottes proklamirtw, die Würde der Prophet« al« hervorragmder Persönlichkeit«, die wie andere Dichter und Denker ihr« Geist und ihr Herz «n ihr« Worte hauchten, vernichtet«. Aber wir find nicht gezwungen zu bitf<.T mechanischen Auffassung der Prophetie.*) Tiefsinnig weist der weise Redner die in gewissen Schrank« berechtigte Menschmvergötterung nach: r« ist schön, ja e» ist noihwendig. nm die Ziele der Erziehung zu sichern, wenn da» Kind den Elte« eine göttli he Verehrung entgegen» tiägt; eS ist die Blüthe de» Lebe,«, wenn der Liebende in der Geliebten etwa» Heiliges, etwa» Göttliche» verehrt; und die großen Denker und Sänger verfehl« ihre Wirkung, wen« wir nicht dm Hauch dr» heiligen Geiste» spüren, der von ihn« ausströmt. Aber trotz alledem bleiben uns diele W sen menschlich nahe, denn sie sind Kinder Gotte», und dearoch Geist von uvscrm Geiste. Am Beispiele Jesus versucht der Autor zu zeigen, zu welch« Nachtheil« die Vergötterung eines Menschen führ« kann. Au» der Vergötterung Ehristi leitet Schwalb d« Judenhaß, die Judenverfolgungen her: „Zur Schande uusere« Jahrhundert-, de» neunzehnl«, de» Jahrhundert« de» Licht», der hoh« Bildung gehört e», daß di« mittelalterlich« Judenhetzen sich wieder erueueru, ja daß st« ein« Herd und ein« Ausgangspunkt gefunden haben tu der Hauptstadt der deutschr» Intelligenz, in Berli», und ein« Apostel m einem Hofprediger. Mau quält sich mit der Jadeufrage und diese Judeufrage ist sehr schwer zu lösen. Sir wäre aber gar nie entstanden, wenn die Ehristeuheit von ihn« nicht die Berlmgnuug de» Glauben» verlangt hätte, iu dem Jesu» gelebt hat und gestorben ist, dr» Glaub«» au einen Gott, der Himmel und Erde gejchaff« hat. Weuu mau die Jud« heute noch aufnehme« wollte in die christliche Kirche ganz einfach im Namen diese» Gotte» und mau ihn« nicht zumuthete, fich taufru zu lassen iw Namen de» Dreieinigeu, au welch« die Täufer «eist selbst nicht glaub«, so würde» gar viele Jud« sehr bald iu der Ehristmhett verschwinden. Judmfrage uud Judmverfolguuge» gtrbt e» nur, weil mau Jesu» von Nazareth zu einem Gott gemacht und zu dm Jud« gesagt hat: „Ihr habt unser» Herrgott gekreuzigt". Wir habe» gegen diese Gedanken »ur de« Eiuwurf: wozu wir eigentlich Christen »erden solle», wen» wir dabei nur den Namen wandeln uud die alte Wahrheit beibehalteu. „Jesu» sagt mau, ist unser Vorbild: welche Täuschung, er ist gestorben, al» er ungefähr dreißig Jahre alt war; er hat kein Weib gehabt, kein Kind, vnd eigentlich auch kein« Freund. Uud nun soll er da» Vorbild sein der Greise, der Arbrtter, der Krieger, der Frau«, der Minner i Ach da» ist eine starke Zumuthung, wahrlich." Dies« Satz Schwalb'» könum wir un» nicht gauz aueigukv, dm» der Dreißigjährige kan» sehr wohl Tugend« «twickel», die für d« Greis »achahmenöwerth find. „E» ist eine Verdunklung der Religio» überhaupt, weuu mau immer vou der Nothweudigkeit eine» Mtttler» spricht. Wir find göttltch« Geschlecht»." Dieser Satz ist echt jüdisch. „Ihr seid Kinder de« Ewig« Eure« Gotte—) Du hast dem Mensch« weut, fehl« lass« au einem Gotte".—) •) K«t »«» Mose heißt «» in de» hagaddische» Schrift«: «*wö bv wü -pno -me rraan ••) 6. B. «. c. 1 ~ —1 ff«!« «.«.

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