Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 12.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Helsen um so weniger geeignet, al» die Zeit de« Religou«- unterricht« nach der Einrichtung der «eltlicheu Schulen auf dieselben wenigen Stunden io der Woche beschränkt, in dieser Rückficht aber mit der vermehruug der Scholen die Zatl der Lehrer um so größer. sein muß. — Aber alle diese Schwierigkeiten werden überwunden werden. Angesicht« der Bestrebungen derjenige» Geweindemitglieder, in deren Aufträge Sie da« Wort ergriffen haben, sprechen wir diese Hoffuung om so zuversichtlicher au«, al« wir erwarten dürfen, daß Sie Ihr Mandat durch Gin* reich«»« Ihrer Vorstellung nicht al« beendigt onsehev, und baß Sic uo« demnächst durch praktische Vorschläge unter, stützen werden. Sie dürfen Sich überzeugt halten, daß dieselben eine eingehende Prüfung erfahren werde». Der Vorstand der jüdischen Gemeinde, gez.: Siegln. M-eyer. Herz. „Snnow.- Ztzertr», 18. März. (Or.-Lorr.) Wenn ich Ihnen Milte Januar berichtet hatte, daß die fogenanule 7öer Eommisfton ihre so geräuschvoll iuscenirte»Thätigkeit" damit begonnen hat. daß fie eine Petition an den Gemeinde- Vorstand am Beschaffung von Synagogen und Religion«- schulen richtete, — so kann ich Ihnen heute melden, drß fie mit dieser Petition auch ihre .Thätigkeil" (oder deffer Uuthätigkeit) schon beendet hat. Die 7S«r Lommisfiou existirt nickt mehr, sie hat ihren ursprünglichen, geheim gehaltenen Zweck nunmehr offenbart indem sie sich zu einem .Wahlvereiu" coastituirte, der die nächsten Repräsentanten- Wahlen verbereiten soll, oder richtiger, der ihren Seilern und Stimmführern Siye in der Reprälentantca-Bersaiumlung verschaffen soll. Da« war von vornherein, wie wir wiederholt audeutetea, de« Pudel« Lern! Wohl jede« einzelne Mitglied der Lommisfiou heot die stille Hoffuung, einen Sitz in dieser Körperschaft einnehmen zu wollen, — aber wa« von Männern zu erwarten ist, die bi«her nicht einmal «ine» Vorschlag machen kounten, wie dem jetzigen Nothstaud idzuhilfrn. sei, da« wird die Zukunft lehren, fall« e« den Herren gelingen sollte, «inen Sitz zu „erstreben-. Auf die oben erwähnte Petition hatte nämlich der Vorstand dem betr. Ausschuß eine lehr- und iohaltreiche Antwort ertheilr, die mit rer Aufforderung schloß, ihn mit praktische« Vorschlägen zu unterstützen. Anstatt dieser Aufforderung, mit der die Thäli,keil der Lommisfiou eigentlich hätte beginnen sollen, nun endlich Folge zu leisten, hat die Lommisfiou ihren Leistungen die Klone dadurch aufgesetzt. daß fie dem Vorstände rine ablehnende Antwort zugeheu ließ. Wenn die Herren doch wenigsten« ihre Ansicht getußert hätte», wieviel Synagogen und Rrligion«sch«len fie für uölhig halten, oder in welchen Stadttheileu diese errichtet werden sollen, dann hätte man doch gesehen, daß fie einigermaßen fich ernstlich mit der Sache beschäftigen wollen l Ader fich einfach ablehnend verhalten, agittre», räsonnireu, petitiouiren und schließlich sich al« .Wahlvereinetadliren, da« zeigt doch» daß mau zwar groß im Tadeln ist, aber sehr klein im Beffer-macheu. Indem die 75 er Eommsfioo in ihrer letzten Sitzung den Beschluß faßte, sich der eutgegenkowmeude» Antwort de« Gemeindeoorstaude« gegenüber ablehnend zu verhalten, hat fie damit sich selbst da« Todr«urtheil gesprochen, fie hat gezeigt, daß fie entweder die Fähigkeit oder den Sillen nicht besitzt, ernstlich mitznarbeiteu au der Abhilfe der »ou ihr gerügtes Mißftäude. Um bloße Wahlagitationen zu treiben, dazu wurdeu aber die Herren in de» vielbesuchten Herbst-Versammlungen nicht gewählt, und einigen Hauptfaiseur« di« Steigbügel zu halten, »amü fie da« hohe Roß zu» Ritt nach dem E-püol in der Orauienburgerftraße Nr. 30 besteigen, da« ist doch wahrlich keim« Manne« würdig. Bon solche« Gebahren muß man fich fern halten; da« entspricht ganz und gar nicht dem Bilde, da« die heilige Schrift von Männer» entwirft, die zu GemeindeSmteru befähigt fiich, diese sollen »or Alle« »Männer »er Wahrheit fern von jegliche« Eigennutzsei» — (J13 Ivlv nOK TTJK) — der schlimmste Eigennutz aber ist die Besriedigung de« Ehrgeize«. Da« durchschaut jede« einigermaßen denkende wahlberechtigte Mitglied der Berliner Gemeinde, da« sich kein X für ein U machen läßt. Areitzurg, Purim 5649. Geehrter Herr Redakteur I Eie fordern in der jüngsten Nummer der W.-Schr. die Motivirung der den 15 Sätzen ertheilten Zustimmung in so dringender Weise, daß ich den ersten Augenblick der Muße benutze. Ihnen eineAbschrffr der Antwort zu senden, welch« ich dem G. B. habe zugehen loffen. Die Autorisation zu deren Veröffentlichung gebe ich zugleich. Hochachtungsvoll Rabbiner Dr. Lewin. „Freiburg 25. Februar 1889. Indem ich gern anerkenne, daß die 15 Sätze, welche Wohl derselbe unter der Auffchrfft: »Grundsätze der jüd. Sitten lehremir hat zugeben lasten, vollauf im jüd. Schriftrhum begründet sind und zu den Grundsätzen unserer Religion gehöre», indem ich also nicht mit meiver Unterschrift zögere, erachte ich e« al» meine Pflicht, aus Folgende« aufmerksam zu machen: Diese 15 Sätze sind in einer Zett entstanden, in welcher e« nöthig ist, gehässige Angriffe obzuwehren. Daher betonen sie fast durchweg da« Verhalten geaen Andere, da«Thun in seinemEinwirkrn auf Andere!*) Höher aber steht un« die vom Judenthum gelehrte Sittlichkeit. Nicht slvll VMS »wegen Erhaltung der Ordnung-, sondern der Selb st Heiligung wegen hat die Riligtou ihre Lehren. Gesetze und Borschritten gegeben. Auf IllB. M. 19'»Heilig werdet(?),hr sein, den» heilig bin ich. der Ewige, euer Gottruht unsere Sittenlehre. Deshalb kennen die zehn Bundr-wort« (in dem 6., 7., 8. Gebot) kein Objekt. »Du sollst nicht stehlenu. s. f. heißt r« allein, weil die Religion vor Allem zu bewirken such», nicht, daß Niemand beiiohlen werde, sondern, daß ihre Bekenner keine Dieb - we cden! D c Pflicht der Selbsth.-iltgvuz oder Selbstveredelung sühn zur Berinnerlichung. So -gebietet da« Judenthum nicht nur. wie e« 8 8 heißt: »unverbrüchlich die Wahrheit zu bekennen-, fonderu wahr zu sein. »Der Wahrheit spricht in seinem Herzen- (Ps. .15) »Gotte« Siegel »st Wahrheit- (Sabb. 55»). Da« Sätzchen „unser ja u.s. w.- hätte au« formalen Grunde« ander« lauten dürfen. Hoffentlich kommt bald die Zeit, in welcher man allseitig bestrebt sein wird, ohne an die Wirkung auf die Außenwelt zu denken, dem Juden zu sagen wie er sich verhalten, wie er sein Denken und sr:n Fühlen gestalten muß, um den Forderungen seiner Religiun zu entsprechen, um in Wahrheit ein Jude zu fein!" Oelfenttrche» Ein hiesiger Anti emitenführer, ei» Herr vom Berg«, der mit seiner antisenitischeu Gefinnuug nicht hinter dem Berg« hielt, ist wegen grobe» Unfug« in der zweiten Instanz zu 30 Mk. Geldstrafe verurthetlt worden. Der Genannte hatte rin Bild de« Düsseldorfer Maler« Gehrt« »Jüdische Schnorrerausgrstellt. -) Wenn die« die Absicht de« I. S. « und seiner Mithelfer gewesen, nur «inen kleinen Theil der jüd. Sirienlehr« herauszu» greifen und al« „glrundsätze der jüd. Sittenlehre" zu proklamiren, dann har« er da« aus'« Nachdrücklichste, wen» nicht ,n der lieber« schrist, so doch zum mindesten in dem gedruckten «»schreiben an die HHr. Rabbiner hervorheben müffen — so aber müssen wir sagen! der D. I. B.B." will 2*^)5 ausstellen, doch»lg>2>N — klebrigen» wollte der D. g. ». ». — wie Herr Rabb. Dr. Lewln!u seiner Entschuldigung annimmt — nur die.Pflichten gegen «ndereormuliren, dann hat er erst recht sich und der «ommlsswn unndthi« lrbeit gemach«, denn da« hat Einer — und zwar kein geringerer als Dr. Jellin ek — bereit« vor 6 Jahren In ixm von un« an der Spitz« de» 14. Jahrgang» dieser .«ocheuschrrft» ,Nr. I. 1Ö88) .»urzaesatzrrs erbliches «laubeusdekrnntnttz über die vniehungrn «er Jude» zu «ichtjude»-. in fünf »ach Inhalt und Form vortrefflichen «rundsStzen gethan. £» jener .«rtUhunflhattea viele Rabbiner ihr« Zustimmung «ntzeitt. «Mt werden dteselbe in nächster Kr. durch Abdruck in Erinnerung bringen.