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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 12. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 12.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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-1 — W|a Mcfcr Halbheit bedenklich. für de» Nichtjnden. aber der buch fie jede» Mißtraue« avfgebeu fall, iw Gegeutheil nur eise » » » e Quelle für Verdächtigungen. Li» halbe», nicht genügend grorbuete», von den Haupt, gruudsätze» der Gottesfurcht, Lieb« zu Gatt uud Heiligung nicht «»«gehende» Werk zu vrrbreiteu. wie eine finaitische , Offeudaruug durch Zustimmung aller Kenner de» jüdischen Schriftthum« erklären zu lassen, ist eine so bedenllichr Sache, daß wir e» für unsere Pflicht hatte», die üeuner de» jüdischen Schrifttum« vor Unbesonnenheit zu warnen, wollt Ihr, Lenuer, die Verantwortlichkeit auf Euch laden, eine solche Lehre al» Juden thum zu verbreiten? Wollt Ihr einstehen für olle die Jrrnngen, welche au» dieser Lehre entstehen müssen und werden? Wollt Ihr den Gegnern unserer heiligen Religion neue Gelegeoheit zum Spott und Hohn, zu Berdächtigungeu und Auklageu geben? Wir bitte» instäudigst die Herren Dr. Hilde«heimer, Jo öl und Lev in, die Sache doch nochmal» zu prüfen, und bitten den D. I. G. B. und seine Kommission, fich nicht durch Unbeugsamkeit und falsche Empfindlichkeit lritru zu lassen. Die Sache ist zu ernst, al» daß es nicht besser wäre, fie unterbliebe lieber ganz, ehe fie s o fich gestalten soll. Da« Judentum wirb nicht auf schriftlichem Wege durch Abstimmung feftgeftellt; da» Judentum, dazu noch etwa» so Große», wie seine Sittenlehre» soll die gottbegeisterte Arbeit von Personen sein, die im mündlichen Austausche ihrer Gedanken, in gründlicher Forschung, in weiser Besonnenheit, von den heiligen Urberliefrrungen unserer Väter geleitet, nicht kalte philosophische Grundsätze al» Jodenthum in die Welt schieüeu, sondern die Herz-erwärmden uud Geist-crleuchtenden Lehren und Vorschriften unser heilige» Thora im Glanze gdttlicher Wahrheit klar darlegcn und verbreiten. Gerichte n«d Gorrespondenzen. - Magdeburg, 18. März. Wie wenig berechtigt e» war, über den Fall Bernsteiu bisher zu einem abschließenden Urtheil zu gelangen, zeigt die neueste Phase, io welche die Angelegenheit grtreten ist. Auf Grund anonymer Zuschriften, wie verlautet, sah fich dir Behörde ueuerdiog» zu weiteren Erhebungen veranlaßt, tu Folge derer B. in Untersuchung». Haft genommen wurde. Somit wird der Fall nochmal» in öffentlicher GerichtSfitzuug — diesmal wohl vor den Geschworenen — verhandelt weiden, und e» empfiehlt fich, bi» dahin mit jedtw Urtheil und jeder Bermuthung zurückzuhalteo. Rur da» Eine mag hier ausgesprochen melden: .Je wehr Licht in die duvkle Angelegenheit fällt, je mehr Klarheit uud Wahrheit über den Fall verbreitet wird, um so besser für un», sitr die Gesawmtheit de» Judenthum», die da» Licht und dir Wahrheit nicht zu scheuen braucht." Daß diese» heute «och in unserem Laude ««»gesprochen werden maß, ist wahrlich tief verletzend für «n»I Marti», 15. März. Auf die Petition, welche die sg. 75er Ko mmisfion au den Vorstand der Havptgemeinde wegm verwch rung von Synagogen und Reltgio»»schule» im Januar c. ger ichiet hat, erging a» den geschäftSsühreudeu Ausschuß der genannte» Kommisfiou die nachfolgend« Autwort de» Borstaude»: »Lerltu, den 20. Februar 1889. La» de» Inhalte der am 15. ». Mt», riugegangeneu vorstelluug habe» wir «tt lebhafte« Interesse kruutniß ge»«»»«». Die Thriluahme. welche Ihr« Bestrebungen bei seine« sehr große» Theilr der Gemrtndr-Mitgliebrr gefunb-m habe», giebt ua» dir Gewähr dafür, daß Ihre Klage, Eltern ks> Kinder seien der Andacht entwöhnt und der Religion entfremdet «orden uud r» sei ein grober Theil der Gemeinde - Mitglieder gegen da« Judenthum gleichgiltig geworteu, nicht in lhrrm vollen Umfange begründet ist. Sollte indeß Ihre Wahrnehmung richtig sein, so bliebe e« doch immer eine zweifelhafte Frage, ob der Mangel an Synagogrn uud ReligiorSschulen al» Ursache oder al» Wirkung jmer Erscheinung zu betrachten ist. Die Gleichgiltigkeit gegen religiöse Interessen wird in allen Lirchrogemeiadeu beklagt und auch den christlichen Gemeinden wird der Mangel an Kirchen zum Vorwurf gemacht. Nicht ganz im Unrecht dahrr scheinen diejenigen zu sei», welche den Grund jener Gleichgiltigkeit in ter materiellen Richtung unsrer Zeit erblicken. Diese Rich ung macht sich nicht weniger geltend im öffentlichen, w e im Familienleben, und ist auch in dem Umstande erkennbar, daß bei oller Wichtigkeit, welche mau der Belriedigung de» rellgiösen Bedürfnisse» beilegt, mehr al» auf dem Geriete de» praktischen und Grnußleden», die Frage nach der Bequemlichkeit der Befriedigung in» Auge gefaßt wird. Seltsamer Weise concurrirt in anderen Religionsgemeinschaften mit dem Borwurf de» Mangel« an Bethiusein die sehr begründete Klage über den spärlichen Besuch d<« Gottesdienste». Mit einer gewissen Befriedigung dürfen wir e» aussprrchen, daß unsere Synagogen zeitweise verfällt find und au hohen Festtagen die Zahl der Beker ner nicht aufzunehmen »ermögru. Wir verkennen den hierin liegenden Uebelstaid nicht, und, um ihm abzuhelfen, ist. wie den Herren Antragstellern b:- könnt, der Bau einer neuen Synagoge in der Livdenftraße beschlossen worden. Wir sind un« bewußt, daß hierdurch dem vorhandenen Bedürfniß nicht voll Rechnung getraqen werden wird, und wir haben deshalb die Frage wegen Errichtung weiterer Synagogrn niemal« au» d:n Augen verloren. Die Schwierigkeiten aber, welche sür die Verwirklichung solcher Pläne zu überwinden find, sollten nicht unters chä tzt werden. Am wenigsten bedenklich sind die finanziellen: wir haben die Ueberzeugung, daß die Mitglieder unsrer Gemeinde dir Opfer, welwe mit der Inangriffnahme der erforderlichen baulichen, auch bei der größten Einfachheit kostspieligen, Anlogen rerbnudrn find, freudig bringen »erden. Die wesentlich« Schwierigkeit besteht in dem Mangel qualifizirter Personen, deren Mitwirkung bet Einrichtuvg eine» würdigen Gottesdienste» unentbehrlich ist; e» f e h l t an Rabbinern (Predigern), an B o r b e t er n, an Ehor- Dirigeuten, an Singer«.*) Mit der bereit» erwähnte» materiellen Richmng unserer Zeit hängt e» zusammen, daß in den letzten Jahrzehnten eine sehr geringe Zahl talentvoller, junger Männer fich dein geistlichen Stande gewidmet Hot. Auch in christlichen Gemeinden wird hierüber geklagt. Wir selbst haben, so oft r» sich io unserer Gemeinde um Besetzung einer Rabbiaerftelle handelte, in dieser Beziehung die Verlegenheit am schwei stru empfunden. Ebenso fühlbar ist der Mangel a» Religion»lehrera">; unsere Lrhrer-Bilduug«-Anstalt, trotz vortrefflicher Leistungen uud trotz der Anerkennung, die ihr Seiten« der Vorgesetzten Behörde zu Theil wird, ist von einer verhältnißmäßig grriageu Schülerzahl besucht, und jene« Mangel völlig abzu« *) Diese Angabe steht im »ffenbaren Widerspruch mit der Thals ache, dag bei Ausschreibung einigermagea au« »atirrer Stellen die Zahl der Bewerber au» de« Rabbiner- und ilantorenstand« fie:* eine sehr arog« ist; dasselbe gUt unsere» Bissen» von den besseren Religio«»lehrerstellea. Durch de» jüngsten ikrlag de» Aultu»minist«rl, »ns den wir nächsten» zurückonnnen, ist sogar eine Ueberproduktirn an jüdischen Lehrern constatiri. (Red.)

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