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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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fl‘t l t( t:{foQ. ßDa» ist eint contradictio in «djaoto. Joseph sagt ausdrücklich zu seinen Brüdern: Ich bin nicht an Gotte» Stelle, d. h. ich erweise Euch Ante», da ich nicht di« Aufgabe d-.be das Böse zu vergelte«. Dasselbe steht in den Sprüchen Salomos: Sprich nicht, ich will Böses verpelien, baffe zu Gott, so wird er helfen. Brgl. auch Ps. 35 ferner den letzten Gesang MoseS (Deut. 32 35) worin e« heißt: Mein ist die Vergeltung. Warum wollen die „Grundsätzepäpstlicher sein al» der Papst und die Bibel noch übertreffen. Bleiben wir doch bei der überlieferten Lehre, die uns gebietet, unter Umständen mit aller Energie und Schärfe dem Bösen entgeqenzutrnen. 5J WaS sollen ferner die Linder damit machen, wenn man ihnen sagt, daß man die Noch de» Nächsten nicht ausbeuten dürie? Biel anschaulicher ist da» Beispiel, daß dcs fünfte Buch MoseS oussiellt, daß man selbst vor drm Erlaßjolir den Armen liihen möge, selbst aus die Gr» fahr, tas Siiniae niemals wieder zu bekommen. Der ganze gefä östliche V.ikebr ist sozusagen eine Art AuSbeutuna. alle» richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Oder sollen die Schlagwoiter des Anti'emirismuS im Religionsunterricht eiugeiührr werden! — Da sei Gott vor! Daß wir der Obrigkeit gehorchen sollen, ist ja gewiß, aber indem uns die Verfassung das Wahlrecht verliehen, felltn wir nach bestem Gewissen dieses auSüben, und üben wir es nicht in der der Regierung genehmen Weife, so verstößt dir» (trotz LazoruS) nicht gegen unsere Pflicht als 8ta a t Sbürger. — Wie wir zu unserer Freude erfahren, haben unsere Landrobbiner — wenigstens niest alle — ihre Unterschrift zu den 15 Gn-ndsätzen nicht gegeben. Kamüurg, d. 8. März. (Or.-Corr.) Sestern vor acht löage« fand die EnthülluugSfeier de» von der Dirrcttou der Talmud-Thora-Echule de» verstorbenen Oberrabbiner Stern, al» früheren Ephoru» derselbe« z« Ehre« gesetzte« Leicheusteiv» auf seinem Grabe iu Langenfelde statt. E» hatten sich auf erfolgte öffentliche Einladung etwa 100—120 Leute zur Theilnahme an der Frier eiugesimden. Die Halle war zu dem Zwicke mit de« florumrahmte« Bilde de» verewigte« geschmückt und auch die Sauzel dementsprechend mit Flor umwnndeu Der Rabbiner Dr. Ca heu au» Fulda bettat dieselbe etwa um 11 Uhr zu einem halbstündige» Borttage. Ihm folgte der älteste Sohn de» Dahiugeschiedenen, schildnte die Wirksamkeit seine» Later» io seinem Berufe sowohl al» auch im Hanse und der Familie und schloß mit dem Wunsch«, daß die Principie» desselben auch ferner in der Gemeinde Geltung behalten möchten. Ein El mole raenamim beendete die Feier. Der Leicheustrin ist in Form einer Pyrawche au» Graust gehauen. Die Ausfordemag der Dstrcttou der Schule o« den Vorstand de» Syuagogen-Verdaude», sich bet den Losten de» Leichenfteiu» mit einer Summe zu bethestigen, wurde von diese« «ud de« Delrgirten fast einstimmig abgelehut- Um, wie da» Vorwort constattrt, der Nachwelt rin Bild von dem zu hiuterlaffen. wa» der Oberrabbiner für die Ge, meinte geleistet, erschien fast gleichzeitig mst obiger Feier eine 42 seitige in Hannover gedruckte Vrochüre, im Berlage eine» Beamten der Laogenfelder Beerdigung»»Gesellschaft (wenn wir die di» jetzt noch nicht cooftstuirteu Mitglieder so neunen dürfeu). Sie enthält außer einer Zusammenstellnng der Verbandluv gen in Betreff de» Ohl»dorser und Langenfeld« Friedhof» die Gutachten de» Oberrabbiner» Stern, de» DiftrittSrabdiner» S. B. Bamderger in Würzbnrg, de» Oberrabbiner» Jizchak Elchanan Speetor in Lowno, de» Oberrabbiner» Dr. N. Adler in London, de» Rabbiner» S. R. Hirsch in Frankfurt a. M. und de» Oberrabbiner» Dr. I. H. Dünner z« Amsterdam. Wst haben nach Durchlrseu der verschiedenen Gutachten die Ansicht gewonnen, daßjdie meisten der Berfaffer zu eine« andern Urtheile gelangt waren, hätten ihnen anstatt der zwei Kragen de» Ob«- rabtiner« dst wirklichen Verhandlungen d« Gemeinde »st den Sevotskommiffarien Vorgelegen. So geht z. B. an» dem hebräisch abgefaßten Gutachten de» Lowno« Oberrabbiuer», da» sehr gründlich und ausführlich ist, hervor, daß « die Sache so oiifgefaßt hat, al» wäre die Ueberlaffung de» Begräbuißplatz.« auf «ine bestimmte Zeit beschränkt und d«- . selb« dann zu räumen bedungen worden! E« gelangte dah« Herr Dr. Hildesheimer, von dem sich auch ei« Schreiben »orfindet. zu eiw:m andern Resultate, weil « eben mit dem Prüfe» und dem Secretair der Dentfch-Jsraelitischen Gemeinde persönlich »«handelt hatte. Der Rabbi«« Sal. Spitzer, welch« auch um ein Gutachten ersucht worden war, beschränkte fick» darauf, z« koustatiren, daß d« neue von d« Wien« LultuSgemeind: gewonnene Begräbnißplatz im Centralfriedhofe nicht Etgenthum d« Israeliten, üd«die» nicht mit eine, Umzäunung resp. abgetrennt ist, rc. Zum Schluffe möchten wir noch wiederholen, was wir vor Jahre» bereit« in der „Israelitischen Wochenschrift' h«vorgehoben, daß wir üb«ze«gt sind, der Langenfeld« Begräbnißplatz n»«be viel eh« für andere Zwecke nutzbar gemacht w«deu, al» der Orl»dorfer und zwar au» dem Grunde, weil letzt«« di« ä«ß«fte Grenze dr» Hamburger Gebiet» bildet und »er Ort selbst nur zu ein« Todtenstadt umgeschaffeu worden, während erster« mstte« in bewohnten Ortschaft«« lstgt. Daß fermr d« bisherige Hamburg« Friedhof nur gegen eine jährliche, noch jetzt zgr entttchtende Recoguitionssumme, d« Gemeinde überlaffer: worden ist, daß dies« im schönste» Theile der Stadt, laitlcn an d« Promenade belegen, und daß es trotzdem den Behörden nicht in de« Sinn gekommen ist, eine Räumung de» geschloffenen Friedhof» zu fordern, noch dem Oderrabdin« Stern snt dem Antritt seine» Amt« bi» zu seinem Lode ein B denken, üb« die Zulässigkeit diese» Begräduißplatze» am Grindel zu äußern; geschweige, daß die von Rath und Bürgerschaft rrtheilte Zusage eine bei weitem größere Garcmtte biete, al» da» für jede» Prirat-Eigenthum anwendbare Exproprtatiou«- Grsetz. Auch hi« ist e« wieder die Form, n« welche sich Alle» dreht, nicht d« Lern. £i(«. Da« Euratorium de» hiesigen „ iSroelrt. Asyl» sür Kranke und Altersschwache' veiöffrnsticht einen B«utzt üb« die Wirksamkeit desselben während brt Trieuutum» 1885—1888. Wir «fahren daraus, daß sich wiederum dst Rothwendigleit herausgestellt hatte, dst Anstalt zu »«größer« und zwar durch einen zweüen, dem ersten sich.anschließende» Anbau. „Ls hauen sich — heißt e» im Bericht — i» Verlause d« Zeit die Gesuche um Aufnahme in uns«e Anstalt aus Rheinland und Westfale« und darüd« hinaus dermaßen gestrigen, daß wst, um den leidenden und hülftbedürsiigen Mitmenschen u«s«n Beistand nicht versage» zu müssen, ein« oochmallge» Bergröß«n«g nicht an« dem Wege konnten. Ein stattlich« Flügelbau, auf d« Rordseste de» Hause« im Garte« gelegen, ausgrsdrttet mst alle» hygienischen Emrichtungen, schließt sich daseibr de» Ganze» harmonisch an. Unsere Anstatt steht statutenmäßig jedem Mitmensch«» ohne Unterschied de» Glauben» und Stande» offen; wrr lassen den Lra-kea durch unseren Hautarzt (Herrn D:. Auerbach) die aufmerksamste ikdchandlung und forgsamsst Pflege angrdeihen; Lttersschwaa»« «rledeu de» Abend ihre» irdischen Dasem» ohne Sorgen «nd Lumm», ruhig, still, behaglich, wie in eine» Friede» athmende» Fannlieuhause.- (Alljährlich am Slnbetage d« Frau Salomon Jacob Eltzbach« (im Monat Scheda ly) stad« als Eriuneraug de» Stiftungstag«» der Anstatt eine Gedächtaißfst« für dst verstorbenen Gönn« und Wohlthästr d« Anstalt statt, bei welch« H«r Ratbin« Dr. sZraak die Lsturgt« vollzieht.«nd erue «bauende Predigt hält.) „Zwei ideale Gedanke» haben unser« Anstatt in» Lebe» gerufen: Liebe gegen nochleidende Mstmeirsche», Pietät - gegen lheure pSerstorbene. Möge» beide Gedanke» stet» unser« Anstatt neue» Leb«, und urue Kraft zu« Wirle»^^

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