Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5369809-5935066-5956571--7043-5373104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«nt Dtifer und besser werden; kann uns ein Serk nicht belehren und erbauen, auch wenn da und dort eine Unrichtigkett -ch zeigt? Aber welche Zuwuthung, sich gebunden und geschnürt dem Gemeindebund hinzngebenl All' die Herren, die die 15 Sätze abgefaßt haben, find doch Männer freien Äeiste» und nun wollen fie gerade nn» knechte«. .Eine Schrift ist ein Schwert' hat man vor jene« Jahren unter den Inden gesagt. Daß im Großen und Ganzen da» Richtige getroffen sein wird, ist ja selbstverständlich; aber gerade weil die Uebereinftimmung in der Hauptsache selbstverständlich ist und sonachnicht erstdurch die Unterschrift erhärtet zu werden braucht, kann die Unterschrift nur bedeuten: Wir stimmen auch im Pünktchen vier dem i überein, wir billigen Alles was ihr sagt, w t e thfS sagt, «ad auch dafür, daß ihr Bedeutsames verschweigt, habt ihr «nsere Billigung. Wir werden daraus hingewiesen, um zu dem in früheren Nummern diese» Blatt»» Erwähnten noch einige» hinzuzufügen. daß da» Verbot des Selbstmord», de» Duelt» nicht scha-f genug betont sei. Uud gerade diese Frevel haben ja in neuerer Zeit auch unter un» um ftch gegriffen; im einzelnen Falle ziemt e» sich nicht, streng zu richten und wir würden keinem Rabbiner dazu rathen, so schroff wie die Vertreter anderer Bekrnntniffe, jede Vrtheiligung. jede» Troste»worl bei der Bestattung von Selbstmördern abzu» lehnen, den einzelnen Kall >ollen wir mild beurtheilen, aber die Gesammterscheinung, die ungeheure Steigerung de» Selbstmorde«, ist eine tieflraurige. § 12 behandelt da» Thema vom Gehorsam gegen die Obrigkeit. Wa» hier der Bund vorschreibt, wirb im Allgemeinen Jeder unterschreiben; aber wenn auch wir Juden in Deutschland den Gedanken nicht zu erörtern brauchen, daß die Obrigkeit vielleicht einmal etwa» von un» fordern könnte, wa» unser religiöse» Gewiffen mißbilligt und al» Sünde derechnet, die.Grundsätze" stnd doch nicht nur für un» in diesem andr berechnet, und irg-ndwie angedeutet müßte unsere» Erachten» der Gedanke werden, daß unser relig. Gewiffen unser oberster Richter ist, daß wir lieber da» Schlimmste dulden »üflrn. al» eine Handlung «»»führen, die von unser« Gewiffen verworfen wird, und sei e» selbst die Obrigkeit, die diese Handlung vo» un« fordert. Die jüdische Geschichte ist «n» tu vielen Parthieen ein verschlossene» Buch, wenn wir diese Einschränkung nicht gelten laffen. Die Obrigkeit war nicht immer da», wa» sie heute in Deutschland ist. Die .Zeitung de» Judenthum»' vom 7. März bringt eine Eorrespondrnz au» Berlin, die die 15 Sätze mit großem Wohlwollen bespricht. Aber zum Schluß heißt e» doch: .Wa» wir vermissen ist, daß diese Ethik zu selbstständig und zu wenig im Zusammenhänge mit der Gotte»lehre und mit dem Leben in Gott anfgebaut ist, «a» doch ein integrirente» Element der jüdischen Ethik «ach der heil. Schrift ist. Auch ist da« Familienleben mit Stillschweigen übergangen» wa» doch schon die zehn Gebote mit in den Vordergrund de» jüdischen Leben» stellen." Wir möchten diese Einioände nicht vollständig zu den ««srigen machen, aber wir haben diese» Urtheil registrirt, um zu zeigen, daß nicht nur in diesen Blättern Einwände erhoben «erden. Der Eorrespondent der »Zeitung de« Jndrnthums" kann unmöglich «wischen, daß die Unterschrift der sämmlltchen Rabbiner Deutschland» den Eindruck erweckt, der Gemeindrdunb hat mit diesen 15 Sätzen Alle» gesagt, wa» dt« jüdische Sittenlehre un» bietet. Andererseit» können wir nicht verschweigen, daß zu nn» Wt.frtÜidj unverbürgte Lunde gekommen ist, über 100 deutsche Rabbiner hätten schon ihre Unterschrift gegeben. E» wäre gut, wenn diejenigen, die unterschrieben haben, ihre Gründe öffentlich erörterten. Denn e» ist ja nicht böser Wille, sondern G««isjen»pflicht, wen« manche mit der Uwerschrift zögern, »der fie »orlätifig verweigern. Schon der K 1 läßt an Klarheit Manche» zu wünschen übrig; daß .ein Sott un« alle erschaffen hat", läßt immer noch die Möalichkeit offen, daß die jetzige Menschheit von verschiedene«Menschenpaaren stammte, daß r» verschiedene Raren giebt. .Der Mensch ist ein Ebenbild Gotte» und wir alle stnd Sproffen eine» Menschenpaare»', erst die» begründet die Gleichheit und Brüderlichkeit. Allerding« der Wortlaut de« Gemeindebnnde» ist dem Propheten entnommen. Aber der Prophet Maleachi brauche doch den Satz in einem wesentlich andern Sinne al« der "emeindebund. Nicht da« ist da» Wichtigste, daß überhaupt etwa« zu Stande kommt und äußerlich die Uebereinftimmung aller deutschen Rabbiner sich darftcllt. Wichtiger ist e», daß Keiner sich zu einem solchen Schritte zwingt oder gezwungen wird, wenn er ihn nicht mit ganzer Seele billigt. Darum CSnSTS nm erasn »Ihr Weisen, seid vorsichtig mit Euren Worten" — aber mehr noch mit Euren Unterschriften.* **)) Kerichle und Torresporrdenzen. Deutschland. Magvevnrg. <£« sind uns von mehreren College» (auch de« Au«land») Zustimmungen zu dem Leitartikel in vor. Rr. betreff» der .15 Grundsätze" zugegangen. Nur au» zweien derselben seien einige Sätze wörtlich mitgetheilt. .Ich habe — schreibt der Eine — ehe ich den Artikel la», da» Vorgehen de» D. I. G. B. al» eine unberechtigte, unnöthige, ja bedenkliche Handlung betrachtet, ebenso College ..... wir habm beide geantwortet, daß wir nicht unterschreiben. — Auch da» Verfahren de» Ausschusses auf dem vorjährigen Gemeindetag hat mich «nd viele Aiidere sehr unangenehm berührt." ... — . Der Andere schreibt: .Noch che ich den Artikel in Ihre« gesch. Blatte gelesen, habe ich an den Grmrindebund da« Ersuchen gerichtet, mir den Motivenbericht zu den Satzungen einzusendrn, habe aber bi« heute leine Antwort Ausführlicher ist eine Eorrespondenz au« dem Hanuiverischen, worin vollständiger Abdruck gewünscht wird, wir geben dieselbe i« Nachfolgende», jedoch mit Hinweglassung der pädagogischen Einwendungen, denen wir nicht ganz zustimmen können. An» de« Kannmwr'sche». (Or.-Tor.) Obwohl wir vom pädagogischen Standpunkt Manche« gegen die Einführung der .15 Grundsätze der jüdischen Sittenlehre" in dir jüdische Volksschule rinzuwenden haben» wollen wir diese Skrupel jetzt unterdrücken und nur auf den materiellen Inhalt der Grundsätze etwa» eingehen, der in manchen Punkten doch etwa» gewagt erscheint. Ein Beispiel möge die« erweisen. Die Bibel erzählt, daß Abraham zur Befreiung seine» Neffen auözog, trotzdem dieser die bessere Weide für sich beanspruchte, daß Joseph seinen Brüdern, die chn verkauft, alle» Gute erwiesen, daß Abraham für Sodom, Rose» für Pharao und selbst für da» Volk, da» ihm mit Undank grlobnt, gebetet hat; sie lehrt, daß man den verirrten Esel de« Feinde» diesem wieder zusühren müsse. Aber sie lehrt auch, daß Isaak in dem Segen, den er dem Jakob gab, sagte: Die Dich segnen. seien gesegnet, die Dir fluchen, verflucht. Dasselbe sagt Gott zu Abraham, und Bileam sagt Aehnliche» in seinem Segen. Die Sache ist also gar nicht so einfach, daß sie in einem knappen Grundsätze abgemacht wäre. Zunächst ist «« falsch, daß man Böse» mit Gutem ve r> •) Lin dritter Artikel, der da» in diesen 16 Lrnndsätzen Fehlend» au» der Mischen Tirtenlehr« zusammenstellt, und da» vedenkiche einer schriftlichen Abstimmung, de« jarnrs in vsrb» magUtri, nachweist, folgt in nächster Nummer. **) Bon dritter Geile geht un» heute kurz vor Nedakiion«schluß ein Eilbrief zu de» Jnbnll»: ,Zch halt, e» für geboten, einen Dr in g» ltchi«tt»antrag beimLentralauelaiuh »e«Nabdinerveibande« zu steten, daß dt» Lollegm ersucht weidei. JSO? ihre Unterschrift nicht zu geben, resp. sä znrüttzunehmenl"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.