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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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82 — von einer reinen, ungetrübten Nationalität, mm spricht von einer Befehdung oller iw Land« herrschenden Ealawitäteu. — «enn man et nur inließe, die Inden — freilich mit der Vernichtung derselben geht es hente nicht — in die alte Rechtlosigkeit und Ausschließung zniückzudräugen. Zerstreut unter den Völkern und zerrissen unter sich — und die Haman's, die Händler mit Menschenleben und Mens henrechten, »erden nicht weit sein» um Kapital aus der innern Zersetzung der Juden zn schlagen. Und an diesem Uebel wären sicherlich damals die Inden im Reiche Achaschwerosch's zu Gründe gegangen, wem nicht die Vorsehung in Gestalt Esther'« für sie helfend und rettend eingetreten wäre. Allein die Vorsehung tritt niemals für den einzelnen Menschen oder für ein ganzes Volk ein, wem beide nicht zuvor in eigener Pflichterfüllung das Jhnge zur Abwehr des Uebels und zur Rettung aus der Roth gethau. Darum war das ernste Wort Esther'«, das diese au Ä?iardcchaj richtete: »Gehe hin, versammle alleJuden, die in Schuschau sich vorfinden.- Versammle und vereinige sie zu dem Ganzen, da« sie bilden sollen, das sie bilden müsse». um der Hülfe »er Rettung werth zu werden. Und an dieser Einigkeit der Juden scheiterte der Mord, plan Ham»«'s, und an der Einigkeit der Juden werden sich die Haman's aller Zeiten die Stirn zerschellen, was sie auch für die Unterdrückung derselben zu bieten haben «erden. Hat i« doch der moderne Hamau, Stöcker, einen Unterschied zu machen gesucht zwischen .schweinefleischeffeuden und nicht schwemefleischeffenden- Juden. Wir »ollen. — wiewohl ion (eineu freundschaftlichen Gefühle dabei geleitet, — dem Manne ras Unrecht nicht anthm. anzunehmen, daß er da« Gesagte buchstäblich meint. Ader es lag ihm daran, einen Riß, ein Schisma bei den Juden nachzuwetseu, um ihre innere Schwäche und Werthlosigkett offenkundig zu wachen. Der gute Mann ist dabei sehr fehl gegangen. Die Inden der Erde find in ihre« innersten Bekeuntniß alle ein s. Die Juden der Erde mögen in ihren politischen Anschauungen tmsendfach gelheilt und mit ihrem Natioualgefühl je de« Lande, in dem sie leben, angehörig sein. — in der ©er* tretung ihre« Glaubensbekenntnisses umschließt sie da« festeste Band, wa« frellich vielen recht unbequem sein mag. wa« wir Inden aber mter allen Umständen zn erstreb:n und festzuhalten haben. Wa« wir indeß streng von uu« weisen, da« ist die Solidarhast unserer Gesammthert für die wo» ralischen und politischen Vergehen Einzelner au« unserer Mitte. Hier ist es aber, wo ms unsere Feinde in merkwürdiger Weise zu einem Ganzen machen wollen. Wenn Einer gesündigt, so haben e« Alle gethau. Warum nicht auch! Auch der alte Hamas fand e« für viel zu .verächtlich', eine« einzigen Juden wegen die Anklage zu erheben, — er wollte sich mit Kleinigkeiten nicht adgeben — und unternahm e« daher, dafür die Juden in ihrerGesammtheit auf's Koru zu nehmen, kann daher unseren modernen Judenfeinden ein einzelner Jude, wenn er gegen das Gesetz verstößt, genügen? Rein, alle müffen «»sein. So baut denn der Antisemitismus den Galgen auf, worauf die Rechtsgleichheit aller Juden abgtthan werden soll. Wer e« nur vermag, legt Hand dabei an. Der Professor lehrt tue Rationallofigkeit der Juden vrm Katheder und schreckt dabei nicht zurück vor der Entstellung der Unparteilichkeit, deren sich der Historiker zu befleißigen hat. Der Prediger verkündet die Schlechtigkeit aller Juden von der Kanzel und denkt dabei wohl an alles Mögliche in der Welt, nur nicht an den Gott der Wahrhaftigkeit. Die .Krenzzeitungschwelgt in dem Stolze auf ihre Ahnen, die .edlen- Quitzow's, und muß daher Alle« da«, was die Juden thun. für schlecht finden; selbst wenn fie fir's Vaterland sterben. Ein verrückter jüdischer Student thnt etwa« fittrich Verwerfliches, was christlicherseits von gar Vielen — auch von unverrückten Pastoren, Geistlichen und Lehrern—schon geschehen, da ist es gleich die g a n j e Judenheil, die nach »Chrißeublntlechzt, kurz, der Galgen ist fertig. Schmutziger aber als der alte Haman zeigen ftch indeß die des neunzehnten Jahrhunderts. Jener bot für die Vernichtung der Inden 10,000 ktkar Silber«, diese hingegen nehmen für die Uuterdrücknng der Jaden — von diesen selbst 10,000 Mk. Ja, im Rehmen von den Juden hat bisher noch Riewand ein Haar gefunden, und indem die Stöcker-Partei die vouBleichröder erhaltene Gabe von 10,000 Ri. schmunzelnd in die Tasche steckte, — von den Tausenden, die man den jüdischen Bankier« für die christliche Mtsffon entnommen, ganz zu schweigen — da hielt st« gewiß die Juden für ein sehr .hingehende«- und sich selbst für gar sehr .begabt-, aber in der Ehrlichkeit stand fie doch ttef unter dem ersten Haman. So scheint denn dafür gesorgt zu sein, das, die Purim» tage nicht au« dem Gedächtuiffe der Juden schwinden werden. — Die Hamaugestalten fie werden immer auf« Reue sich zeigen, und der Geist Amalek« lebt fort, unbeeinträchtigt von den erleuchteten Anschauungen der Eultnrläuder und Cultur» zeiten. Die Haman's, fie werden immer vorhanden sein; ein Glück nur, daß auch die Lharboua's niemals fehlen, wie ihn jüngst Stöcker in Crem er gefunden» der die von diesem bereiteten Gistpillen ihn selbst schlucken ließ» und wie der Prediger Witte so zeitgemäß die Funktion de» Lharbonoh übernahm. Und wer möchte in dem Umstande, daß gegen die .Lreuzzettuugdie AnAage wegen Majestttsbeletdignug erhoben »erden konnte, nicht eine Art Lharbouaischer Lhätigkeit wiederfinden? Da« ist die Handder Vorsehung, — aber wir Inden sollen niemal« da« D'TVPn DM DU3 au« unsere« Gedächtniß schwinden laffeu: .Sammelt Euch, seid einig —- alle Jud eul- Uochm«l» die IS GrimdsLtze de- D.J. G.V. Der Vorstand de« D. I. S. B. ist, wie wir gern glauben wollen, vom besten Willen beseelt; um so bedauerlicher ist e«, daß er sich so oft in den Mitteln vergreift, um dem deutschen Judmthum aufzuhelfen, daß er so olt eine Variation de« Luftspielthema'« giebt: Viel Lärm um nicht«. Wa» für Staub hat seiner Zeit der Normal-Lehrplan für jüdische Religiousschulen aufgewirbelt, und wa« ist badet zu Stande gekommen l Al« daun die Eommisfion für Geschichte her Juden in Deutschland gegründet wurde, wurde einer Keinen Clique zn Gefallen, bei der zum Theil von den Vätern vererbte Feinschaft obwaltete, Profeffor G r a e tz nicht berufen und dadurch nicht gerade dieser Manu, aber unzählige seiner Schüler und Verehrer ttef verletzt. Herr Gehetmrath Krifteller selbst trug e« schwer und Profeffor Stobbe, der hervorragende christliche Historiker und Rechtslehrer, dem die jüd. Geschichte viel ve» dankt, äußerte sein Erstarren darüber; der Mann war gewiß eompeteut zu mthetlen, wer in eine solche Eommisfion hineingehöre; da« war ein arger Verstoß des D. I. G. B., denn es ist Waffe,' auf die Mühle unserer Feinde, wenn wir unsere Größen nicht ehren. Nun kommt der D. I. G. ist. mit den .fünfzehn Sätzen-. Es ist wahrlich keine Auimosttät gegen den Bund, wenn mancher Rabbiner mit der linterschrift zögert. Wir Theologen zeigen es schwer, daß den Gemeinden oller Zusammenhatt fehtt, und wenn auch »er Bund unser« Ideal nicht entspricht, so ist er doch immerhin ein gea»iffe« Zengniß, daß die deutschen Juden den Versuch machen, fich als eine Einheit zu fühlen. Ader die Lielgischäftigkeit des Bunde« hat ihn hier auf Bahnen gefühst, auf die ihm nicht alle Rabbiner folgen können; gerade weil der Vorstand de« D. I. G. B. kein Feld geordneter Tätigkeit hat, kommt er auf allerhand eitle Gedanken; der D. I. G. B. ist leider nicht da«, wa« der Name sagt, er hat keine Autorit ät; er ist der Schatten eine» Schatten«. Wir haben nicht gegen da« FlvHblatt als solche« etwa« einznwenden; Jeder der e« lieft und beherzigt kann dadurch

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