Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Handlungen Mischen der jüdische« Gemeinde, dem Staat« und der Stadt. OesterretchUw-wria. Hfrag (Nekrolog). Am 23. Februar nachmittag» durch, zitterte die hirfigen wissenschaftlichen und geselligen Kreise die Nachricht von dem jähe» Tode de» weithin rühmlichst bekannten Professor» der Hygiene an der Prager deutschen Universität, Dr. Isidor Soyka. Der helle Geist diese» (uugen Gelehrten und Forscher« auf dem Gebiete der Gk» undheitlpflege, hatte fich in den lctztea Ta»en seine» Leben» in d<« Maße verfinstert, daß die kunstgeübte Hand, welch« fich bei den bocteriologtscheu Präparaten seinem forschenden Auge dierstbar machte, in jenem verhängnißvollea Momente dir tödtende Waffe ergriff und seine« der Wiffenschaft mit dem ganzen Ernst eine» gründlichen Gelehrten gewidmeten Ledra ein rasche» Ende bereitet hat. So ist der echte, mit immenser Gelehrsamkeit geharnischte Ritter vom Geist inmitten seine« wissenschaftliche, Siege»laufr» einer finsteren psychischen Macht rrleg-u, kaum 39 Jahre alt, ist der fruchtbringende Baum, dessen fusche Geisteoblüthen gar Manche erquickten, jählings gefällt worden. Kaum zu ersetzen ist der Verlust, den sein Hintrrtt für die Wiffenschaft im allgemeinen, für die medic'mschr Facultät der Prager deutschen Hochschule insbesondere bedeutet. Der Verblichene ist ober nickt allein der Wiffenschaft und der Menschheit überhaupt, sondern auch dem Judenthum, dem er treu anhing, eine Zierde gewesen. Uebrr seine» Lebenslauf entnehmen »ir orr „Lvhemia" die nachfolgenden Miitheilungen: Soyla war 1860 geboren, hatte Ach Ende der Sechjiger-Jahke an der Prager Universität den medizini'chen Studien gewidmet und wurde hier auch zur» Doktor der gesammten Heillunde promoviert. Schon in seine» Studenieniahreo entwickelte er eia ernste« wissenschaftliche« Streben und machte sich durch seine von umfaffenden Studien zengeaden vortiäae in der medicinischen Sektion der Lese- und Redehalle der deutsche» Studenten bemerkbar. Der Drang nach wiffenschaftlicher Fonbildung und Entwicklung sühne ihn bald daraus nach Münch«» zu dem berühmten Schöpfer der experimentellen Hygiene, Map von PNtenkoser, ,ju besten hervorragendsten Schülern und Mitarbeitern Dr. Soyka aldbald zählte und an besten wistenschaftlichen Arbeiten er «inen nicht unwesentlichen Lniheil Hane, Rach Prag zurickgekrhn, habilitien« fich hier Dr. Soyka a» der medizinischen Fakultät al« Privatdocent für patholog sch« Anatomie, und segle hier gleichzeitig seine hygienischen, tn«besondere bakteriologischen Forschungen fort. Seinen Bemühungen Cing e«. da» Unterrichtsministerium zur Systemisierung einer Lehrzel für Hygiene an der hiesigen deutschen Universität zn veranlasten, nnd im Jahre 1884 wurde Dr. Soyka zum außerordentlichen Prosestor und Borstand de« hygienischen Institute« ernannt. Mit de« ihm «igeien Flei, und Eifer ging nun Soyka an die Organisirun« und Entwicklung de« hygienischen Institute«, welche» sich schon nach kurzer Zeit de« besten Ru e» in der «ekehrteawelt erireute. «rohe Erfolg« erzielte Soyka mit de« von ihm geschaffenen bakteriologischen Museum, einer wistenschaftlichen Leistung allerersten Range«, mjt welcher er ans verschiedenen Ausstellungen in Europa wahre Bewunderung hervorrief. Er Hai 60 Arten der kleinsten Lebewesen, die fich auf der Grenze zwischen Thierreich und Pflanzenreich bewegen, theUS undurchsichtig auf feste» Rährboden, theil« durchsichtig in ursprünglich flüssigem, dann erstarrtem Material, au« wenigen Exemplaren zu ganzen Lolonien ausgezüchtet. Dr. Soyka ist e« ferner gelungen, den Rachwei» zu erbringen, daß di« vaclerien sich nicht willkürlich auSbreiten, >oudern in derselben Cibnnng auswachsen, wie sie dem Rährboden eiugeimpst werben. Ueüerdie» hat Dr. Eoyla mehrere Arten von Bakterien neu entdeckt und auch der möglichen Zahl der Bakterien in ecuem Wasser» tropf«» eingehende Studien gewidmet. Er kam in diese« Beziehung zu dem Resultate, daß di« Zahl der Bakterien iu eine« Waffertrvpsen zwischen 19 Millionen und lf» Billionen variiren kann. Da» baeteri- »logischr Museum Soyka« erregte im vorigen Jahre bei de» Ausstellungen in Brüstet und in Kopenhagen berechtigte« Aussehen und biltete eine» Glbazpunkt beider Ausstellungen. Dr. Soyka selbst »nrdru bei beiden Ausstellungen wiederholte Auszeichnungen zutheU, I» Brüste! hatte er Gelegenheit, der Uönigiu und den Mitgliedern der königliche» Familie seine hochiaterestante» Au«ftellung»oh>«kte zu erläutern. Die Königin sprach ihre Anerkenuuna in der schmeichelhaftesten Weise mit den Sorten au», daß sie sich freu«, einen so intereffanten Maun kennen gelernt zu habe». Auch in ic open Hagen »»cd« Dr. Loyka vielfach ausgezeichnet, u. A. wurde Ihm vom König der dänisch: Tanebrog-Vrdeu verliehen. Ein« hervorragend« Rolü spiclre Dr. Eoyka auch ein Jahr vorher bei der hygienischen Ausstellung zu Wien im Jahre 1887. Eiu« reg« Thätigkeit entsaltete Dr. Soyka al« Fachschriststeller; sein« gediegene Schrift über »untersuäuuige» zur Eaualtsativn" erschien «ft eine» Borioort Max von Pettenkofer«, sicherlich di« beste Empfthlnaa fstrdies« PublikMio». Da» Leichenbegängniß de» Prof. Soyka gestaltete sich zu einem imposanten, die Theilnahmr an demselben zu einer großartige» Trauermanifrstation Lange vor der bestimmten Stund« füllten sich die H»fräume de» deutschen A-nversftätSgebände«, mit Trauergästrn. zu denen die Elitder Gesellschaft Prag» zählte. Auch der Herr Statthalter FML Freiherr v. Krau», der Btcepräfident der FiuanzlaadeSdirectioa Baron Chertrk» Herr Hoftath Polizeidirrctor Ritter von StejSkal waren zu der Leichenfeier erschienen. Die deutsch« Universität nahm mit de« Rector Herrn Prof. Dr, Ullmaan und fast dem gesammtei, Profeflorencollegium an derselben theil, ebenso auch der Rrctor der deutschen technffchen Hochschule Herr Dr. Puluj, der Decau der cechischen medicinischen Fakultät Herr Prof. Dr. Jwu», der Bürgermeifter-Stelloeitreter Herr Kaadert und Mitglieder der Prager Stadtvettretung. In dem schmarz drapierten Trauergemache, in welche« der Hörsaal für Hygiene, wo noch vor wenigen Tagen Prof. Dr. Soyka seine Vorträge gehalten, erhob sich von exotischen Gewächsen umgeben, ein einfacher Holzsarg, in welchem die irdisch« Hülle de» so plötzlich vom Tode dahingerafften jungen Gelehrten ruhte. Zu Häuptea de« Sarge« brannte eine Wachskerze. Ring« um denselben lag eine Fülle prachtvoller Kränze, Palwenzweige und Bouquet«, welche auf breiten Schleifen die Widmungen trugen. Bor dem Eingänge iu da« Trauergemach bildeten Chargierte der einzelnen Studenten-Berbinduogrn in vollem Wich« Spalier. Im Trauergemache selbst versammelten sich die Profefforrn und di« engeren Freunde der Verblichenen. Ein Bruder deffelben war zu dem Begräbmffr au» Kiew nach Prag gekommen. Da« Rabbinat war der der Leichenfeier durch Herrn Oberrabbiner Hirsch und Gemrinderabbiner Herrn Regierung«- rath Prof. Dr. Kämpf vertreten. Nachdem der Universitäts-Gesangverein Liedertafel der deutschen Studenten einen erhebeuden Trauerchoral angestimmt hatte, widmete zurrst der Decan der deutschen mroirinischen Facultät Herr Prof. Dr» Hofmeister namen» derselbe» dem Verstorbenen einen tirfempfnndenen Nachrnf, in welchem er die Verdienste desselben um die W ffruschaft hervortzob, hierauf ttat der Obmann der .Concordia" Dr. Alfted Klaar an den Sarg und gedachte der geistige« Borztge und Tugenden, durch die fich da» »junge, ehrlich« und thatrnreich« Leben" de» Verstorbenen ausgezeichnet, m schwungvollen und ergreifenden Worten. Hierauf wurde der Sarg von Bediensteten der i»r. Beerdigungäbrüdeischast in den Leichenwagen gehoben und der imposant« Traurrzug setzte sich zum i»r. Friedhofe m Bewegung. Hinter dem Wogen, welchen Couleurstudenten mtt gesenkte« Rappirren umrahmten, folgten die Verwandten de» Verblichenen, chnen brr Pedell der deutschen mediciuische» Facultät in seiner Amtstracht, an diesen schloffen sich die erwähnten Rabbiner im Ornate, der Decan mit der goldene« Kette und die übrigen Trauergäste. (I. G. Z.) «wgland. London. I« Folge eine» Gesuche« dt» Lordmayor» vermcudete fich Rev.Dr.H. Adler am verflossenen Sabdach in der Vay«water-Syuagoge zu Gunsten de« Fond» z«r Linderung der Hnngeräuoch iu China. Cr sprach von den furchtbaren Leiden, welch« durch da« Zusammentreffen verschiedemr Calamttäteu, von welchen die uar«»stlicheu Provinzro dr» Laude» hrimgesucht worden find, über dies« herringebrochen feie». Wege« gänzllche» Mißwachse» und Mangel an allen 8eb«u»mittrl« steht mau Kranen und Kinder zu Tauseuden tobt auf der Sttaße iltrgeu nnd die vor Hunger sterbende» Männer machtlo», ihnen helfen z» könueu. Indem er zu Betttäge» «uffardertr, bemerkte ßcrr Dr. Adler, daß »ach einer ausgestellten Beroch auug ein Beitrag von 4 Schilling da» Lebe» eine» Mensche» rette« kdnutr. Im Brr folg seiner Red«, welcher die Worte Je-'-'si fajah 49,12 zu Gründe lagen, sprach «edw.i ausführlich.. 2