Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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spreche» bade», Mfe hn $ 8 die Stellung de» Judenthvm« zu de» übrigen Religionen <e« giebt ihrer «och mehr als Jndrnthum, Chrisimthum undJ-law) viel zu wenig präei» gefaßt ist. Würde Herr Prof. Lazarus wirklich nicht« da« gegen haben, daß in Indien sich die Wittwrn verbrennen? Auch gegen dir andern Sätze haben wir noch Biele« auf dem Herzen. Aber schon au» dem, wa« wir vorgebracht haben, ergiebt sich, daß die Kommission selbst, über einzrln« Punkte fich noch nicht klar ist; wie kann sie nun von un« verlangen, daß wir ohne Weitere« unterschreiben? Soll rin solche» Blatt Autorität haben, so dürfen ferner die wichtigsten Stellen au» der Thora und den Propheten und dem Talmud nicht fehlen, au« denen diese Sätze sich ergeben. Wir müfle« der. Beweis führen, daß diese Lehre he« Lazaru« in Berlin auch in Wirklichkeit die Lehre de« Mose am Sinai ist. Am letzen Ende aber möchte,-- wir da» ganze Opu« als überflüssig bezeichnen. Eine wissenschaftlich Ethik de« Jaden» thum« versprach unS Lazaru» vor Jahren; die mag er un« geben und wir werden ihm dankbar sein. Aber di'se magern Sätze — oui bono? Offenbar sollen sie uns ein Schild nach außen sein; ober den Böswilligen überzeuzen sie doch nicht; konservative Blätter haben sich vor Kurzem so gestellt, al» wenn sie glaubten, am Breslauer Rabbi,,erscminar werde, wenigstenandlutung«we>se, gelehrt, dir Juden brauchten Ehristenblut: kein Brrnünftiger auch unter unfern Feinden bezweifelt, daß die jüdische Eittenlrhre zur Menschenliebe und zur Tugend führt; wohl un». wenn wir sie alle befolgten. Ueberdie« hat der Rabbinerverband, sogleich al» er in» Leben trat, scharf den Standpuntt de» Juden!hum» formuliert. Wenn wir aber solche Sätze hienau» in« Leben »nd in unsere Schulen tragen, so müsien sie klarer gefaßt und bester begründet sein. Vielleicht Probirt es der Ge» meindebund und verlangt von den Rabbinern und Lehrern nicht sogleich die Unterschrift, sondern zuerst die Unter» suchung, die gründliche, unbefangene Prüfung dieser Sätze. de» Kinde unvLrsttndlich und daher für die Jugend uw wirksam, wenn e« auch im Kreise der Erwachsene» eine» mächttge» Eindruck heraorriefe. Auf der ander» Seit« ist es aber eben so uöthig. daß wir uns davor hüte», de» Jugendgottesdieust ganz and gar auf ueugeschaffeueo Grundlagen aufzubaueu und ihn etwa nur au« drutschenGesängen und Liedern bestehe» zu lasten. Ganz besonder« wäre diese« ein Fehler an solchen Orten, wo der Jugendgotte-dienst obligat gemacht werde» kau», was er ja im Grunde soll, denn er ist ein Theil der religiösen Erziehung, welche mit zu de« Aufgaben de« Religionsunterrichte« gehört. Sagen wir un« von allen Traditionen lo«, so wird da« Publikum darin sehr häufig eine bloße Plackerei sehen und folgerichtigerweise wird auch in der Jugend da« Gefühl Platz greifen, daß sie mit dem Veiuche de« Gottesdienste« nicht eine religiöse, sondern bloß eine Schülerpflicht erfülle. E« soll aber die Loutinuität de« religiösen Leben« gewahrt bleiben, deren Segnungen mit der Zeit auch im Gemeindeleben zu. Tage treten «erden. Man versammle daher die Jugend aw. Sabbath je nachdem e« die lokale» Verhältnisse zulasten, zu einem Mussaf- oder MinchahgotteSdienst. Empfehlen«- «erther wäre wohl da« erste, weil da« Muffafgebrt nach der Anficht eine« allen Lehrer« (Berachot 4, 7) und auch nach der. herkömmlichen Anschauung der eigentliche Hauptgottesdirnst der Gemeinde ist. Freilich ist dabei der Uebel» ftaod in Betracht zu ziehen, daß die Thoraabschuitte für den Sabbathmorgrngolte«dienst viel zu lang sind und ihre Borlesung darum Zerstreutheit oder gar, wa« wir leider auch in der Gemeinde beklagen wüsten. Unfug wecken. Auf dcr andern Seite würde sowohl die Lürzuug de« Thoraabschnittr«, sowie auch die Abhaltung de« Mustafgedete« am Nach mittag, welche» ja die Mischnah (id. 1) ausdrücklich gestattet, die oben geschilderten Bedenken wach rufen, daß dieser Gottesdienst künstliche Mache sei, darum wird sich da» Minchagebet mit seinem kurzem Thoraabschnitte am beste» empfehlen.*) Im allgemeinen wird für un« maßgebend sein wüsten, daß wir die Bereinigung der beiden Ziele, Erweckung de« Interesse« am Gottesdienst bei der Jugend, und Verbreitung der Erkenntniß seine« Bedürfnisse« bei der Gemeinde erreichen und »da« Herz der Bäler zuführen den Lindern und da« Herz der Sinder zuführen den Vätern.- (Maleachi 3,24.) Moderwe Bedürfnisse veS religiöse« LebenS Von Mobb. Di. Deu isch in Britz IL Die wesentlichste Frage bei diesem Jugeudgotte«die»ste ist da« »Wie-, denn da« Alle reicht nicht au« und etwa« Reue» hat iunuer seine Bedenken. Da« Alte reicht nicht »»«, weil Misere Schuljugend mit de» Gesetzen unsere« Eultu« nicht vertraut genug ist, »m volle Theilnahme an dem Gottesdienste zu zeigen und weil da« bloße hebräische Gebet mit dem Anhvren der Thoravorlesnug an «nd für fich auch deu Theil der Jagend nicht zu fesseln vermag, welcher schon einigermaßen sozusageu eingebetet ist, darum meine ich, daß eine Linderpredtgt zu jede» Jugendgotte»» dieuste gehör!, wie die Predigt im Grunde auch keinem Sabbathgottet dienste fehle» sollte, wozu freilich noch ein weiter Weg ist., Diese Predigt muß von der Predigt in der Gemeinde der Erwachsene» geschieden sei» und zwar nicht bloß nnch ihrer Form, sonder» auch nach ihrem Inhalte. Ich rreiae damit hauptsächlich jene au« der Schule der alte» Darschauim herübergeuommene Lunst, in deu Bibel» tert immer da« hiuetnzulegen, wa« nicht darin steht. Bietet doch die heilig« Schrift so viel de« Erbaulichen, wenn «an st« in ihre» eigensten Siuue auffaßt, daß man nicht »vlhtg hat, gewaltsam da« und jene« in sie hiueinzupreffen. Auch »uß tai» LtndeSledeu i» Schule und Hau« »ach seiner Wgwlthümllckkett derückfichtigt werden, da« hohe Patho« ist Gerichte und Correspoudemeu. Deutschland. Magdeburg. Nach dem jüngst veröffentlichten Rechnung« - Abschluß der hiesigen Israelitischen Beerdigoag«» Gesellschaft beträgt die Einnahme de« verflostenen Jahre« 4000.45 Ml. E« ist dabei ein Laffendestand au« dem Vorjahre von 627 94 Ml., die MitgUrderbeiträge beliefen fich auf 1245 Mk„ die Einkaufsgelder auf 162 Mk. Unter deu übrigen Einnahmen find noch zu erwähnen für Grabstättengrlder 231 Mk., für Nummernsteine 24 M., für Erbbegräbnisse 450 Mk., Ratenzahlung der Gemrinde für den derselben verkauften Acker 500 Mk., für Ackerpacht 180 Mk. u. s. w. Unter deu Ausgabe» befinde» sich für Baulichkeiten und Unterhaltung der Utensilien 263.84 Mk., Beerdigungskosten für Arme 331.80 Mk., Unterstützuug«- koften für arme kranke Mitglieder 107.50 Mk., für Li«- solduug der Beamten 590 Mk., für belegte Kapitalien 1532.45 Mk. u. s. w., zusammen 3280.28 Mk., so daß ein Bestand von 720.17 Mk. verbleibt. Da« Gesamwl» vermögen der Gesellschaft besteht gegenwärtig au« 10,578.37 Mk.; im vorigen Jahre betrug dasselbe nur 9468.14 Mk., *) Wo in Deutschland ein Jugendgotte-dienst eingeführt ist, findet derselbe unsere- Wiffenin Verbindung mit dem Minchagotte-dienst statt: di« Barmiiwa-Knaoen werden zur Thora aufgerusen, da- Ein» und >n-heb«n der Thora geschieht in derselben Welse wie beim Morgcn» gotw-dienste. (Sied.)