Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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— 74 — m fern Sinne, tote e» i« .Litteratnrblatf verfangt worden ist. Spricht die» für die Gründlichkeit de« Berfahren« seiten» der Kommission. zumal der Text bei J»«l anch sonst noch mehrfach von den offiziellen de» Gemeindebundes abweicht?•) Iber auch bei de» neuen Titel kann sich vielleicht Der »nd Jener noch nicht beruhiaen. E« gab einmal einen Kantor, der da» Knnsiftück fertig brachte, einen Fehler zu machen, bevor er anfing; er sagte uämlich: W»jigdal. So hat di« Kommission vor „Grundsätze" etwa» fortgelaffen, wa« sie nicht fortlafsin durste. Wir. und vor Allem unsere Schüler, wollen die Grundsätze der jüdischen Sittenlehre er. fahren, nämlich alle, nicht nur ein Paar nach Belieben au«, gewählte; e» war ein »Fehler vor dem Damnen" die» »die" vegzalaffen. Freilich die Kommission hat mit Bedacht gesehlt. denn sie giebt gar nicht alle Grundsätze der jüdischen Sittealehre; es steht z. B. kein Wort drinoen von der Liebe zu den Eltern; eS ist gar nicht, wie e« im Jo«lsche« Buche heißt, »die Ethik de« JudenthumS"; aber nach welchem Grundsatz hat die Kommission die Auswahl der Grundsätze getroffen? Dieser Fchler »or den Anfang macht un» die ganze Arbeit problematisch; wir müssen doch wissen, ob unsere Unterschrift bekräftigen soll, daß diese Sätze die Ethik de« Judenthum», d. h. die ganze Ethik sind, oder nur Grundsätze, neben denen e» noch andere giebt. Noch einige Beispiele, wie sich die Kommission selbst demmtirt und da» zurücknimmt, »a« fie bei Herxheimer-Joäl nach mehrjähriger Arbeit veröffentlicht hat. In Rr. 2 wird bei Zoöl du» Gebot der Nächstenliebe al» da« »wesentlichste" der jüdischen Religion, in der Zuschrift de» Gemeindebunde« »)Bii lassen hier ben Text nach der letzte» Fassung der Kommission folgen und geben die Sbtoeichnngen im Herrheimer-Jotl in Klammern. »rnndsitze der jüdischen Litten »ehre (Die Ethik >de» Jndenthnm» in lb knappen Sätzen zusammengefaßt.) 1 DaS Judenthum lehrt die Einheit de« Menschengeschlechts. Wir haben alle einen Bater, ein Gott ha« un» alle ersLaffen. 2. Da« Jndenthnm gebietet: ^Liebe Semen Nächsten wie Dich selbst- und erklärt diese« alle Menschen umfassende Gebot der Liebe al» Hauptgrundsatz (da« wesentlichste) der jüdischen Religion. E« verbietet daher: gegenüber Jedermann, gleichviel welcher Sb« stawmung er sei, welcher Ration er angehöre und zu welcher Religio, er sich bekenne, jede Art von Gehässigkeit, Neid, Mißgunst und lieblose« Verhalten; eS fordert Recht und Redlichkeit und verbietet Ungerechtigkeit insbesondere jede Unredlichkeit in Handel und Wandel, jede Uedervortheilung, jede Benutzung (Ausbeutung) der Roth, de« Leichtsinn« oder der Unerfahren heit eine« Andern (zum eigenen Lortheil) sowie jeder Wucher und jede wucherische Ausnutzung der Kräfte Anderer. 3 DoS Judeuthum gebietet: da« Leben, die Gesundheit, die Kräfte und den Besitz de« Nächsten zu achten (und sein Recht gegen Eingriffe eineSDriten zu schützen». E« verbietet daher: durch Gewalt oder List oder in sonstiger widerrechtlicher Weise den Rebenmenscheu zu schädigen, ihn um kein Hab und Gut zu bringen oder' ihn gegen r«ht»w,drige Angriffe hilflo« zn assen. «. DaS Judenthn« gebietet: de« Rächsten Ehre heilig zu halten, wie die eigene Ehre. E« verbietet daher: jede Herabsetzung de« Nächsten durch üble Nachrede, jede Kränkung desselben durch Spott und Beschämung. b Da« Judenthum gebietet die religiösen Ueberzeugungen anderer zn rchten. E« verbietet daher: jede Berunglimpfung oder Nichtachtung religiöser Gtbräuche und Abzeichen Andersgläubiger. «. Da» Jndenthnm gebietet: Barmherzigkeit gegen Jedermann zn üben, die Nackten zu kleiden, die Hungrigen zu speisen, die Kranken zu pfiegen, die Trauernden zu trösten. E» verbietet daher: die Fürsorge aus da» eigene Wohl und da« Wohl der Angehörigen zu beschränken und bei fremden Leid «heil» nahm«!»« zu bleiben (Theiluahmlosigkeit bei fremden Leid und bloße Fürsorge für da« eigene und der Angehörigen Wohlergehen.) T. Da« Jndenthnm gebietet: die Arbest zu ehren; jeder an seit« Stell« soll an der Thätigkeit der Gesammtheit durch eigene wuerliche cder geistige Arbest Theil nehmen: im Fleiß de« Schaffen« »nb Wirken« die Eignungen de« Leben« suche». —. al» »Hauptgrundsatz" derselben bezeichnet. Trotzdem ma» sich ftr die zweite verbesserte Fassung aus Hillel berufen könnte, so gefällt un« die bei JoSl doch besser, denn der Haupt, grundsatz de« Jndenthnm» ist: e» giebt nur einen Gott; da» Hauptgebot: die Nächstenliebe. — Die Kommission und der Gemeindebund können sanach an« ihren eigenen Er» fahrungen die Lehre entnehmen, daß die gegenwärtige Fassung noch kein fertige« und unumstößliche« Werk ist. In Satz 3 mißfiel un», al» wir da» Herxheiuter'sche Buch anzeigteu, die Stelle »da« Judenthum gebietet, da» Recht de» Nächsten gegen Eingriffe eine« Dritten zu schützen", wir hielten die» für eine Aufforderung, sich wie Don Quixote zu benehmen, e« freut un« zu sehen, daß tu der ueueu Version dieser Satz gestrichen ist; da» ist ja ei» Fehler vieler Moralsysteme, daß fie ihre Forderungen überspauueu, und dadurch mit dem gesunde» Recht»gefühl de» Volke» i» Eouflikt gerathen. E» genügt hierbei nicht, nur fich da» Rechte'zu denken, mau muß e» auch saget». 6o heißt e» j. 8. § 10: »Da« Jndenthnm gebietet, Böse» mit Gutem zu vergelten"; da« ist in dieser Allgemeiuheft — eine maßlose Uebertreibung. Den» da»« müßte jeder Bestohlene sofort den Spitzbube» auffuchen, um ihm »och extra wo« zu gebe»; oder »er krank geschlage» worden ist, müßte, sobald er genesen ist, nicht nur dir Doctoreurechnung bezahle«, sonder» »och etwa» für de» Schläger bereit halte». Da» ist offenbar nicht die Anficht der Lommisfion. tz 6 2. Th. ist gleichfall» ganz umgearbeitet. Ja 8 13 ist ebeufall» eine formell kleine, aber doch nicht nnwesentliche Senderung zu verzeichnen. Wa« den Inhalt betrifft, io möchten wir nur noch einmal hervorheben, wa« wir schon im „Litteraturblatt" an«ge» ES fordeit daher: die Pflege, Ausbildung und thätige Anwendung unserer Kräfte und Fähigkeiten. E» verbietet dagegen: jeden trägen, arbeitslosen Genuß und den; im Vertrauen auf die Unterstützung durch Andere, v. Da« Judenthum gebietet: unverbrüchlich die Wahrheit zu bekennen; Wahrhaftigkeit zu üben, daß unser Ja — Ja. unser Rein — Rein sei. E« verbietet daher: jede Entstellung der Wahrheit, jede Vorspiegelung, Heuchelei und Gleißnerei und jede An von falsche« Schein. S. Da« Judenthum gebietet: in Demnth zu wandeln vor Gott und in Bescheidenheit vor den Menschen. E« verbietet daher: Ueberhebung, Hochmuth und Hoffahrt, vordringlichen Dünkel. Prahlerei und Geringschätzung fremder Verdienste. lv. Da« Judenthum sordert: Verträglichkeit, Lersöhulichkrit, MIlhe und Wohlwollen; e« gebietet also: Böse« mit Gutem zu vergelten, eher^Unrecht zu leiden al» Unrecht zu thuu. E» verbietet daher: Rache zu üben, Haß zu hegen, »troll »achzutragen und selbst den Widersacher ohne Hilfe zu lassen. 11. Da« Judeuthum gebietet: Keuschheit, Sittenstrenge und Heiligung der Ehe. " ' ' ‘ ' Zuchtlosigkeit, Maßlosigkeit und jede Lockerung E« verbietet daher der Familienbande. 12. Da« Judentb hast zu befolgen, die Ob Et verbiet daher Obrigkett und jegliche um gebietet: die Gesetze de» Staat« gewissen» rigkeit zu ehren und ihr zu gehorchen. Auflehnung gegen die Anordnungen der der Gesetze. gebietet: da« Wohl der Mitmenschen zu befördern, de. Einzelnen oder dersen) Gesommthett(en> nach de« Maße seiner Kräfte zn dienen. E» verbietet daher: jede träge Gleichgilttgkett gegen da« Gemeinwohl und jede eigensüchtige Abschließung von den zur Wohllhätigkett und zur Veredlung der Menschen geschaffenen Einrichtungen der Gesellschaft. 14. Da» Judenthum gebietet: da» Saterland zu licken und für dessen Ehre, Gedeihen und Freihett Gut und Blut willig zn opfern. 1L Da« Judenthum gebietet: de» Namen Gotte« »nrch unser Thun z» heiligen und dazu mitzuwirke», daß jene gett heran nahe, in welcher alle Rmnschen geeint «ein sollen in der Liebe zn Gott und in der Licke z» allen >Wwu»utzchlu.