Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Hause auzüudet. wen» er dieseu vom Ehristenthum «surpirtrn Gebrauch sich und seine« Kindern zum Vergnügen in seiner Familie Raum girbt, — sn mag hienn wohl die Gedankenlosigktit Ihren Ausdruck finden, aber eine antisemitisch« Gesinounq erkenne ich darin noch nicht. Allein wir haben einen Schlag von Juden, die mir Recht als Antisemiten bezeichnet werden können, jener Tdeil unserer G'aubruSgenoffen. die mit der Parole B*US <1713 „wir wollen ganz so sein, wie die Bülkrr um uns her", jede» Sonderzeichen schwinden wachen möchten, welchesie als Israeliten erkennen läßt. Sie bleiben indeß dabe» nicht ruhig stehen, daß sie selbst in ihrem Leben und Streben alles Spevsiich-Jüdisch« negiren, sondern sie tadeln und verspotten all« diejenigen, die ihre diesbezüglichen Anschouunaen nicht theilen, die ihrem Aufklärung?fluge nicht Nachkommen können und bei der praktischen Uedurg des Judenlhums ver» harren. Ja, ti giebt Antisemiten unter den Juden. Sle lochen darüber, wen» man die statistisch nachgewiesene geringere Sterdliä keit der Juden auf die Sprisegesrtze zurück« zusühren unter» immt, sie spotte« Darüber, wenn man zu behaupten wagt, daß den Juden ihre Keuschheitsgrsetze den Fortbeslaud gesichert, wo jo viele andere Bülkrr uaterge» gongen, und sie geratheu in eine Art edler Entrüstung, wenn sie an das atto baohartona denken, welches sich die Juden zu bete» eetouben. Diese, und nur dies« sind die jüdischen Antisemiteu, welche sich an der Unduldsamkeit Stöckers und Eonsorten begeistert, einen gleiche« Geist ihre« Judenthume gegenüber wolt»n lassen. Wahrlich, wenn auch Stöcker sonst keine Ursache hätte, mit Fnude auf sein Wirken hmzublicken, so mußt« er schon darin eine gewisse Genugthuung finden, einen Mutterschlag gezüchtet zu haben, von dem Ämter Raiur sich mir Widerwillen adwende« muß, deon de»',Antisemitismus unter Juden m u ß als eine Unnatur, «roe Mißgeburt, erscheinen. Uns Juden aber flößt er do» Gefühl der Beschämung ein. ja noch «ebr, wir tuhlen uns augewidert von der booealosea Untennrniß des Judrnthums, i» welcher jene sich befinden, dir io solche Gesi ioungslofigkrit verfalle» können. Denn wer da» Judenthu« und seine Geschichte auch nur rinigrrmoßen teonr, der wird, wie er auch sonst über einzelne Gebräuche drfflben denkt, — den nach Jahrtausenden zählenden Bau des Ganzen seine Ehrfurcht »chr voreuthalten können. Wenn einzelne Steine an demselben auch verwittert sich zeigen — das Judenthum schon ,a seiner geschichtlichen Lrscheiaon,, wird dem unparteiische« Beobachter immer rin Gegenstand höchster Bewunderung bleiben. — Atreolo«, 25. Februar. (Or.«Eorr.) lieber dir Wirksamkeit der Lsmmerzieurath Fraeukel'sche» Stiftung zur Besördeiuug der Küufte und Handwerke in den letzten drei Jahren gehen uns folgende Notizen za. die den stattfiischr» Beweis von de» segensreichen Leistungen auch dieses Zweiges der großartigen Stiftungen jenes unsterblich» Wohtthäter» liefern. Bei Beginn des Jahres 1886 wurden 17 Lehrling« ans dem Borjahre übernommen, von pclchea 6 als Schneider, 4 als Schlosser, 2 als Tischler und j, 1 alS Schriftsetzer, Schriftgießer, Mechaniker, Buchbinder und Drechsler a«Sgedtldet wurde». Zu diesen traten i» Laufe des JahreS 8 neu anfgeuommrnr Lehrling«, von denen 2 al» Schriitsetzer, je 1 als Lithograph, Tapezierer, Schlaffer, Schuhmacher, Kunsttischler und Mechaniker in die Lehre gebracht wurden, »ährend gleichfalls 8 aulschiedeu. von letztere» wurden 8 als Gesellen entlassen; 1 Lehrling verzog mit dem Meister, bei welche« er lerme, von Breslau, 1 wurde wegen seiner Führung von der Stiftung auSgeschloffen. von den 17 verbleibende» wurden je 3 al« Tischler und Schneider, je 2 als Schristfetzer tu b Schlaffer, je 1 al« Buchbinder, Schrift- Metzer, Lithograph, Mechaniker, Schuhmacher, Drechsler, Tapezierer ««gebildet. Zu diesen wurden i» Laufe de« Jahre« 1887 12 Lehrling« neu ausgenommen, vop denen 3 bei Schneidern, je 2 bet Goldarbeiter» und Kunstschlosser», je 1 bei einem Steinmetz, Drechsler. Kausttischler, Schriftsetzer und Färber in die Lehre traten. Ben den 29 während diese» Jahre» in InsbUdoog befindlichen Lehrlingen schieden 6 an» und zwar 3 weil fie al» Geselle» entlaffea wurden, 2 weil sie fich zur Ansbildung al» Handwerker nicht eignete», 1 «eil er von Breslau verzog. Unter de» znm Jahresschlüsse oeibleibruden 23 Lehrlingen befanden fich 4 Schneider, 3 Schriftsetzer und Schlosser, 2 Tischler, Goldarbeiter und Drechsler, 1 Schubwacher, Färber, Buchiiade, Lithograph, Schriftgießer, Mechaniker und Steinmetz. Im Jahre 1888 traten 11 Lehrlinge hinzu, von denen fich 3 de« Schneider-, 2 dem Klrmpuerbavdwerk widmete», während je 1 bei einem Eouditor, Frismr, Schuhmacher, Schlaffer, Lithograph und Buchbinder in die Lehre kam. Entlassen wurden im Laufe de« Jahre» 6 al» Gesellen, 2 wurden wegen schlechter Führung ausgeschlossen, so daß zu« Schluffe de» Jahre» 1888 im Ganzen 26 Lehrlinge verblieben, welche fich »och gegenwärtig und zwar 5 bei. Schneidern, 4 bei Schlossern, 3 bet Schriftsetzern, je 2 bei Tischlern, Lithographen und Klempner», je 1 bet rt»e»> Schuhmacher, Buchbinder, Eonditor, Steinmetz, Mechaniker und Friseur in der Ausbildung befinden. Autzerdem worden in diesen drei Jahren Stipendien an 14 Studireude der technischen Hochschule, 26 Schiller technischer Fachschule» und 8 Besucher der Akademie der Küufte, sowie eine Anzahl ztnSfteter Darlehn« au Personen gewährt, di« ihre Ausbildung durch die Stiftung erhalten hatte«. Aontünrg» den 22. Februar (Or.-Eon.) Der Ihnen von hier erstattete Bericht in Bezug auf d>« Rabbiner-Wahl, welcher in Rr. 8 der .Israelitischen Wcche,,schuftenthalten ist, bedarf einer Berichtigung. Herr Oberrobbiner Hirsch in Prag hat e» keineswegs o bg elrhn t, die Wahl, über welche brrett« seit läageier Zril schriftliche Verhandlungen g, pflogen worden waren, an» zunehmeu. er hat nur verschiedene Bedingungen trau» gekoüpst, welche die beiden Boisteher de« Eyaagogrn-iveibaadr» allein ihm nicht zu gewähren im Stand« wirr«, dir aber von der Bertiauruscommissioa angenommen wordrn stab. Es unterliegt daher wohl kaum rmem Zweifel, daß diese Angelegenheit baldigst zum Abschluß gelangen wurd. — (Ein üsterreich. Blatt meldec hierüder a>» Prag wie folgt: Zu Anfang diese» Monate« schon verdreürte sich das Gerücht, daß hervorragend« P«rsoneu in Harabur, mtt dem hiesigen Ober-Rabbiner in Berhoudlung sluate», wegen likbernahme de« dort vakanten Rrbdiuerpostentl. Man schenkte diese« Gerüchte keiurn Glaube«, da weder «aterlelle noch moralische Bort heile bei diesem Lausch« ersichtlich schienen. Da geschah das Unglaublich«, der Odei-Rabblaer tirsch mochte unserer Repräsentanz Mutheilung von der Halsache jener Luerbirtungeu und »heilte bald a»ch de» bei ihm erschienenen Repräseutanzmitglierera m-t, daß er einem an ihn ergehenden Rufe nach Hamburg Folge leisten wollen wenn «au ihm nicht durch Annahme m.hrerer Punkte, die er seit Jahren im Interesse s«u>rs Amte« und der Religio« ansttebe, ein Vertrauensvotum gebe. Da» g,wünschte Bertrauensvotum wurde jedoch nur mit sechs gegen sechs Stimmen dadurch beschlossen, daß der Bo»sitz »de «>t seiner Stimme sür die Forderungen den Auo,charg grd. Ja eingewichten Kreisen kann kn» Zweifel darudr hensche», daß die» nicht zum gewünschten Ziele führen tauv, aamentUch» dman sich deeüte, schon Tag« daraus da« Rijnltat nur Angabe de» Stimmeoverhättnisse« zu veroffenliichea. Dennoch giebt man di« Hoffnung nutz» aus, b-ß der (sterr Ooerrobbiner der yiftigea Gemeind« erh«lten daidl.) — Ein« «igenthümllch« Klage »ao »iwuthlich in nächster Ze»r zur grrichiliche» Entscheidung kommen. Der Vorstand de» Shnagogen-Berdaad«» veilougt ncimlich von «iqe» jungenEqrpaare, hip chm vom Ravt» «utoieuorsrr bei ber Trauung übergebene Ketnbah znück, well, »« d«selbe behaupt«, «»« Täuschung vorgtsige» hatte. Dw junge ..