Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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»Wir Dif n nicht nab mögen es auch gar nicht erfahren» ob die besudelnde VerlSumderzunst der Cntifr* mit tu sich mit ihrem Schmutz auch an dies«» qroßoitiaen edlen Wobltbäter der 9lrofd)bctt heran wagen werde, aber der einfachen radtrn Thatsad e gegenüber, daß ein Glauben«- grnofse die ungeheure Eumuie von 62 Millionen heraiebt, um seinen armen, unglücklichm Menschenbrüdrrn ein bessere« Schicksal zu bereiten, w»d unsere Brust mit freudigstem Stolze erfüllt und wir sind berechtigt, allen unseren Feinden, Widersachern und Berlüumdenr da« Wort zuzurusen: Seht, da« ist. da« thut rin jüdische« Herz! Ein jüdische» Herz erbarmt sich der Armen und Elenden, die in Finsterniß wandeln, ein jüdische« Herz beareift, daß da« Wohl der Menschheit in Unterricht und Bildung begründet ist, rin jüdische« Herz tämpft argen den Unglauben und den Aber- Saubev, rin wahrhaft jüdische« Herz kann die Fesseln eine« . füb» und lichtloien Fanotidmu« nicht ertragen. Licht, Luft, Bildung. Fortschritt und wahre Menschenliebe stad die Lebenabediugungen eine« jüdischen Herzen« und neben den unzähligen und unermeßlichen Gohlihaten, die der Schenkung de« Baron Husch entsprießen werden, erachten wir nicht al« die geringste, daß er der staunenden Mitwelt und d-;r sein Andenbm segnenden Rachwelr die glorreiche Kraft de« jüdischen Herzen« gezeigt hat.- Und dennoch »üffru wir'« erleben, daß diese 'edelste» Bestrebungen diese« größten unter den zeitgeudsfischen Philanthropen nicht >mr vou de» Antisemiten — roa« wäre diesen heilig! — begeifert, sondern auch — und da» ist dal Schmerzlichste bei der Sache — von jüdischer Seite vertäu»t werden. Wa« zuuiichp die Erster«» anlangt, so schreibt Hr. Dr. Ieil ine k Folgende« darüber: Die »Unverfälschten Deutschen Worte-, gegründet von Georg Ritter von Schönerer, erscheinen in der 4. Nr. vom '16. Februar d. I. tief beküiamert wegen der zwei großen Stiftungen de« Baron Hirsch für die Juden tu Galizir« und in Rußland, viel Unheil — sagen sie — wird an» deuselbra für da« christlich-germanische 8o:t hervorgehen. Den» ersten« werde» »ach zehn Jahren di« erste» Pfleglinge der rnsfistheu uad polnisch«, Judeuichule» her«r»tr«ea und die deutsche» oder dentsch^ftrrreichischeu Uoiversttäten wie Henschreckenschwürwe überfallen- Zweiten« ist e« kl«, daß au« dem Bar«, Hirsch'scheu Legote auch zahllose Stip«dten für jüdische Hochschüler werd«, gestiftet »erden, deren Träger nach Oesterreich und Deutschland fich wendeu »erden. Dritten« ist Baron Hirsch ein »fanatischer Jude-, vierten« gab dieser Bar«, Hirsch ««der den Deut,che, «och den Franzos«» ctmUi vou seinen Mllionen. Da« find di« schweren «Sorge», die anf der antisemitischen Gemeinde, deren «red, die .Unoerftlschte» Deutsche» Wortestad, lasten. Zur Beruhigung derselben und znr Erleichterung ihrer Gewiss«, theile, wir ihnen mit, daß Baron Hirsch, dieser «wergleichlich« Phllanthrop mit sei«, Gtüstnnge, nicht« Andere« erreiche» will, al« die heranwachßuch«» jüdische» Gmwrationea in Galizien und Rnßland mit de» VUdmw«. rlrmentrn, welche die VolkSschnlc gewährt, ausznstatteu, «w sie dann znr klrdeit al» Hrndwerker und Ackerdaner »uznhaltrn. Er hh mit aller Eirtschiedenheit dagegen, daß a»« sei«» SttftnugUgelder« junge Männer für die Universität erzöge» oder mit Stipendien während chrer akademischen Stndte« - versetz«» werde», «kr will Arbeit, nicht« als Arbeit «nwrstüiftn, will de» ärmere» Klasse» es möglich machen, daß st« dmch ihrer {4tibc Arbeit sich ernähren und überläßt r» Andere», die lchhere» Universität« stndieu zu strdern. Die <Schüler, welch« die von ihm gegründeten Schulen befncht haben werde«, weche» da», >1» Lehrling« bei Hmidwirtrru «ch Ackerdaeer» nnterg«bracht »erden, nimmermehr ater Mttrrstützt amR«, «n höher, Lchranstaltm desnche, z» kchwen. Bakon Hirsch wird auch nicht wenig erstaunt sein, daß er •I« fanatischer Jude verschriee» wird. Er ist rin Jude, in welchem der Trieb zur Wohlthätigkeit zur höchsten Ent-- Wickelung gelangt ist, der t§ al« seine höchste Lebensaufgabe betrachtet, seinen Glanbenögenosse» zu einem Menschen» würdigen Dasein zu verhelfen, fie der Eivilisatiou zuzuführen, dort wo sie durch mannigfaltige Eivflüffe zurückgeblieben find, ist aber frei von jerem confelsioaeUcn Fauatismu«, sucht da« Elend zu lindern ohne Unterschied de« Glaubeuöbekenvtniffe«, spendet in Pari«, Pest und Wien täglich bedeutende Summen, um Allrn. die momentan leiden, oder in Roth gerathen find, zu Helsen, ohne Unterschied, ob fie eine Synagoge oder eine Kirche besuchen. Wenn Baron Hirsch weder für Deutsche, noch für Franzosen eine besondere Stiftung errichtet hat. so ist e« begreiflich. Weder unter diese», noch unter jenen gieb: e« eine Klasse, die so bedrängt und gehetzt würde, wie die vou den Antisemiten gehaßten und verfolgten Juden. Wenn e« von ihm allein abhinge und wenn er dem Zuge de« Herzen« allein folgen könnte, so würde er auf iaterccnfessioaeUein Gebiete großartige Stiftungen errichten, vor einigen Jahren zog er mich zu Rathe «egen der Gründung eine« Waisenhause« in Wien, in welchem jüdisch« und christliche Waisenkinder gemeinschaftlich verpflegt und erzogen «erden sollen und wollte zu diesem Zwecke eine Million Gulden bestimmen. Ich erwiderte ihm, da« dieser Plan christlicher seit« auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen dürste, da die Vertreter der Kirche e« kaum zugeben möchte«, daß jüdische und christliche Waisenkinder zusammen erzogen würden. Gäbe e« lauter solche confrssionrlle Fanatiker wie Baron Hirsch, dann würde Friede und Eintracht unter Juden und Christen herrschen, ein heiliger Wetteifer würde beide begeistern, echte unverfälschte Menschenliebe an einander zu bethätige», der Antisemitismus wäre unmöglich und die »Unverfälschten Deutschen Wortewürden zu erscheinen anfhören - — (Fons^ung folgt.) Gerichte ««> 6*rref>*iifcett?eit. Demtfchland. Sp. Magdednrg. Jüngst lu» ich in dem Buche: .Ein halbe» Jatuhuadeit. Eeinnerunge« und Aufzeichnungen vor Aoo's Friedrich Graf von Schack (vd. L S. 273) folgende Sage: In Nadlu«, dem alten S>chem, besuchten wir die Kirche d«r Samariter, welche uralte Gemeinschaft hier ihren Sitz Hot. Ihr Priester, eia würdiger Greiö mit langwallen. dem weißem Bart, sprach mit höchster Verachtung von den Juden, al« einer ganz jungen Seite und sagte gerade zu: di« samaruauische Religion sei die einzig wahre und jede andere r n schnöder Jriwahn.- — Wer bedenkt, welch einen «vendltch kleinen Bruchtheil der Menschen die Samaritlr (!) dildeo» der kann nicht umhin, über solchen Dünkel zu lachen; aber steht derjenige anderer Glauden-qemeinschaften ihm viel an Beschränktheit und Ttzorhrit nach? Uedrigen» gesteh« ich rin, wegen de« barmherzigen Samariter« «ehr Sympathie für dessen Volk, al« für irgend einen der 12 jüdischen Stämme zu hegen. — Welch oberflächliche« Uitheil diese» sonst so feinsinnigen Poeten! Wegen eine« »dormherzigeu Samariter«- gegen ein gauze« Volk, dessen Geschichte der Graf von Schock schmerlrchen kennen wird. Antipathie zu hegen! 8. Gstprenis«», 22. Februar. (Or.-Lorr.) Zum Kapitel dr« »jüdischen Lntisemiliämu«- ist in jüngster Zrtt manch wahre« und wichtige« Wart an dieser Stelle gesprochen worden. Allein di« eigentliche Abnormität, di« in dieser jüdischen Eharafterdildung lieg», ist dadei nur gestreift, nicht aber « ihrem Grundzug gezeichurt worden, wir «eiar» die Mißachtung, wir welcher n« Theil unserer Glaubensgenosse« -de« Gesrtze« ««d Gebräuche» de« Jndenthnmö gegenüberftrht und Re gehässige Unduldsamkeit, die sie dadei z» Tage treten laste». Wen» ein Jnd« einen vechnachGban« in sei««»