Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/5369809-5935066-5956569--7024-5373087
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Radikale» leugne» da» Bedürfnis »ach ueue» Kultnsformeu, »eil sie da» Bedürfnis eia es Salta* überhaupt leugue». uud sie leugueu da« Bedürfuiß eiur» Kultus, »eil sie die gSUliche Quelle der Religio» le»g»e». >»ch »erschließe» sie sich der Religio» als geschichtlicher Thatsach« uud sehen in ihr die Erfindung listiger Priester, »elche die Menschheit nur durch die Vorstellung voo eine« Wau- Lau jenseits der Wolke» ängstigen »olle», tun sie desto bester beherrschen z» können. Sie stehen zur Religio« »ie di« Anhänger des Bolapiik zur Sprache, iudew sie eiue Erfiuduug a» Stelle des geschichtlich Gegebenen setzen. So kounueu beide Regner der modernen Entwickln ng des religiöse« Lebens auf verschiebe»«« Wegm iu einem Punkte zusamweu. Für die Ei»e» ist di« Religiou uud ihre Quelle et» »»» Himmel gefalleues Meteor, »elche» auf die Erd« gelangt, starrer, schwarzer Stein bleiben muß. für die »»der« et» i» der Kü»stler »erkstätte erfnndener strmrdcher Mechanismus, der nur so lange di« Maste» bleudet, als man sein Räderwerk nicht betrachte» ka»u uud über beide sagt der Prophet Jesaiah (2 9. 11.) „<E* ist euch di« X». schaumig »ou de« alle» wie die Wart« eines verschloste»e» Briefes, vo» dem der «tue sagt: ich ka»» ih» »icht lese», »dl er »ersiegelt ist, und der «»derr sagt, ich kau» es »icht, »eil ich es nicht zu lese» verstehe' We»u »ir aber i« Gegeasatz« zu diese» beide, eben gekenuzdchnete» Richtn»geu di« Religio« als das göttlich gegebene und »«»schlich gestaltete erfasten, so rutsteht di« Frage, »elche find di« modernen Ansprüche an de» Knltus der Synagoge? Ich autworte: Jugendgottesdieust uud Heranziehung des weibliche» Geschlechtes zum religtöseu Lebe», Ge«ei»degesaag »ad Predigt. vir «olleu zuerst über de» Jugeudgottesdieust spreche», «icht, »eil »ir ihn zufällig obenan gestellt habe». f,»bct», »eil er der wichtigste Gegeustaud unserer »rbdt für die Belebung »»seres Kult»« ist. Wir habe» alle das Bewußtsein, daß Misere Jugend sich iaacr »ehr der Religio» entfremdet, aber wir habe» auch das Bewußtsein. daß »icht bto di« allgemetue» Zeitverhältnifle, »elche di« materialistische Geistesrichtung verbreiten und die religiöse beeinträchtig», a» dieser Sch»öchung des religiöse» Lebe»« Schuld trageu, daß der at* Zwiespatt »wische, de» Bedürsntste» der G«ge»»art und der iu u»sere» Kultus überlieferten Inschammg der verg«»geuheit darau Schuld trägt. Es giebt frdlich auch Leute, die meinen, man müffe der Jugend das BerstiUlduiß für uosereo herrschend«, Lultus detbri»,e», da,» »erde die Sach« schon vo» selbst gehen, uud dt« Knaben «erbt«, wenn sie zu Männern Heraugewachse» sind, ebenso wie die jetzig« Generation die Thdlnahme u unserem synagogalea Leben als v«dürs»iß empfinde». Dieses Ziel ist aber in volle» Maaße »«der erreichbar »och erstrrde»s»erlh. Erreichbar ist es nicht, »eil wir, wenigste»« i» de» gr tßte» Theile unserer Gemeiudeu uud ganz besonders tu »user» Großstädten, keine coafesstouelle Schaleu habe» uud dt« zum Ersatz derselben gegründete» Religio»«- schule» «,r vo» »eutgeu Schüler» besucht »erde», und überdies ihres nicht - obligatorische» Etzarakters »ege» bet »serer an dir Strenge des Schulzwanges ge»»hatr» Jugeud der oSlhigcn Autorität e»tbehrr>. Und würde» fie selbst bet ihre» krchbler» mnstertzaft« Resnltat« erreiche», so bliebe »och immer die Mehrzahl der Jugeud, »elche nur de» zweimal »öcheutlich obligate» Religiousuuterricht genießt, für de» Lultus unserer Syuagog« unempfäaglich «,d kalt. Somit glaub« ich Recht z» habe», »«» ich sage, da» Ziel, unsere küustize Geuerati«« z« einem Lultus im bisljerige» Sinne zu erziehe», ist unerreichbar. Es ist aber auch nicht eimoal im »olle» Maaße zu erstrebe». Die alt« Zeit hat ihre kleiulich« Rechthaberei tu Frage» der Gottesdienst, »rduuug sehr »st zu »eit getrieben. Wir erinnern uns alle, welche Unruhe, ja »elche Erbitleruag sich der fleißige» Lnach- Leser bemächtigte, uw»» der Borbeter uuglitcklicher Weise etwa am 14. Adar oder am 15. Schewut de» 20. Psalm betete, wobei mau fich garuicht eeinueru wollte, daß der schöu« Satz »Gott erhöre dich i» Tag der Roth' .»der er gebe dir »ach deinem Herze, n»d oll« deine Begehre« möge er ersülle«,' zu keiner Zeit rttoa» Sündhaftes, enthalte. Ebenso «nß man immer mit dem Umstand« rechne», daß die groß« Mehrzahl der Ecmeiude der Liturgie der hohen Festtage gar »icht mit de« Berstä»duiß folgen kouutt und darum zum Theil sich an das unwürdige Betrage» i»u Gottei Hause gewshmte, wekhes nur »och heute nicht zu banae» vermögen, oder de« Lastus äußerlich als pflichtgemäßes Absolviere» «iurr lästig«» Aufgabe bettachtete, ganz i« Gegensatze zu der schöne» talmudischen Aeußeruug: »Laste dein Gebet nicht sei» eine ttockme Pflicht, sondern eine innige Vitt« um Erbanne» iwr de« Allgegevwärttgen." Ru« kau« »vhl der Erwachs!»«, der das eine oder a,d«rr mal im Jahre ei» Bedürfuiß »ach einem Gottesdienst fühlt, sich an dea überkommenen Ritus erbauen, ja er wird es um so leichter treffen, je weniger ihm saust die religiöse Andacht Bedürfnis ist, »eil nicht i» der Art »ad iu de» Inhalte seines Gebetes, sooderu iu der mächtigen Nachwirkung de« hnerzogene» Gefühls sei« Erbauung liegt. Die Jugend aber, der von jeher «ose! Lultus etwas Fremdartiges war, wird von diese» Faktoren »icht mehr bewegt. Dar»« soll sie zu einem Gottesdienst erzöge» werden, der heute auf sie wttkt, um später uach,iike» z« könne». Zu alldem kommt noch ei« wett wichttgrrer Umstand, der wohl der wichtigste von allen ish die für das Bedürfniß eiaes besondere» Jugeudgottesdienstrs spreche», töoll der Besuch des Gottesbauses Bedürfuiß werden, muß er vo«' Jugeud a» n» ««scheu erzöge« werde«, llnfm: Jugend, welche die öffentlichen Schule« besucht, ist aber «löst in der Lag« an dru Hm-ptgottesdieust am Sadbach theil»chmeu zu köuveo. Mau muß ihr daher eiue» gesonderte» Grätesdieust schaffen, de» sie regelmäßig besuchen kan». (Forts, folgt.) „W» jüdische» Herz" — verkKRKt. Au der Spitz« der Rr. 50 de» vorige» Jahrgangs brach««« wir einen Leitartikel mit der lleberschrist: »Ei» jüdisebes Herz', in welch,« »ir der großartige« 62 Will»«»-Schenkung des Bar»« Hirsch zur Bei« deffrnuag der soziale» und «irthschattlrchen Lag« unserer Glaubensgenosse« tu Rußland und G ilizie» durch Gründung jüdischerBolks-, Lehrlings-, tzand»erkor» und gewerblicher Fachuud Fortbildungsschule« nebst Gewährung von Kost» Bücher» uid Darleh««,, «»« de» , geisttrtt Betrachtung widmete». Der Artikel schloß mit.den' , Worte»: . "

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.