Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/5369809-5935066-5956568--7019-5373083
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

•egt in Ir«« Pfltitzterfüllnng ftinrt heilig« Intci wavrt«, .Himwllsche« zu pflanz« und Irdische« zu festigen". — Herr Dr. Porge» pries »der nicht nur den beaeifterten schwungvollen Pedig«. sondern würdigte auch die Verdienste dr« Entschlafenen al« Reorganisator de« Gottesdienste« und als Begründer der hiesigen blühenden Religionsschnle. E« würde di« Grenze eine« Zeitungsbericht» »eit überschreiten, wenn man e« versuchen wollte, die ganze Trauerrede hier zu skizzir«, darum sei nur noch de« LbschiedSwortS Erwähnung gethan, da« der Redner dem Heimgegangenen Namen« der Gemeinde nach- , gerufen. Dasselbe lehnte fich in finniger Anspielung auf den Namen de« Todlen an den BibelverS: .Und Abraham lehne in seine Heimath zurück". Unter dem mSch'igrn Eindrücke dieser Red« erhob fich die Gemeinde and sang >m Vereine mit dem Chor da« Lied zur Seelenseier: .Wenn der Stifter der Geschlechter uns'« Lieben zu sich ruft.' Feierliche Trauermufik der Orgel begleitete die Leiche au« dem Golte'hause. Ein unabsehbar« Zug bewegte fich hinauf nach dem Friedhof, woselbst H«r Rabbiner Dr. Winter au« Dresden und die Vorsteher (Wnlhauer. Finkelstein und Dr. Fürst) tiefempfundene Worte dem Be-ftorbeuen widmeten, deffcn Andenken in unser« Gemeinde znm dl übenden Segen fortdauern wird für alle Zeit. JtaA-u. Ft««. 3)« obriste Rath für Handel und Industrie hat für da» Jahr 1889 einen jüdischen Bivpräfidenten, Herrn Luigi Luzzatti, firn« einen jüdisch.n Schrift, sühnr, Herrn A. Padoa und zwei jüdische Rüth«, dir rrrn Leoprldo Franchetti, Parlamentsmitglied, und Philipsohn. In t« obersten Rath Versammlung fitzen drei jüd setze Mitalied«, die H«ren Franchetti, Cavalieri und Romanru Jocur. Herr Artib, Mitglied des Parlament«, ist von dem Ministerpräsidenten ersucht worden, dir HnauSgabe de« halb- »fficreUen römi chen Journal« zu übernehmen oder, wenn er e« verziehen sollte, ein neue« und wichtige« Miuift«ialergan in Ma land in» Leben zu rufen und dessen Leitung zu ür«. nehmen. Mailand. D« Eaidinal Laoigerie, da« Oberhaupt d« römisch katholischen Kirche in Rordasrika, hielt hiersrlbst einen Bortrag zum Zwecke seine« Areuzzuge« gegendie Sklaveuhöndler. Im Verlauf desselben sprach « auch über die vrrschiedentu in Aftika zerstreut lebende« religiösen Seelen, bei welchen « Spuren jüdischer Abkunft «kannte. Natürlich gehören zu denselben auch die Falascha«, und diese hält der Cardinal alle für Semiten. Diese von Sr. Eminenz »thrule Auskunft gaben auch schon früh« H«r Joseph Halevy und and«e Reisende, wrlche Abhsstnirn besucht Die Angaben de« Eardinal« znsammenfaffeud gelangen wir zu der Gewißheit, daß die Falascha» den biblischen Saddath beobachten. Die Beschuetduug find« bei denselben am stebmten Tage und nur, wenn dieser auf einen Sabbath fällt, am achten Tage nach d« Geburt statt. Sie sind aufrichtiger und redlicher al« die sie umgebenden Völker; auch ihre Frauen genießen mehr Kr«heit, al« die d« Abhssiuier. Tie Priester der Falascha'« tragen auf der Brust eine Art mit farbigen Sternen besetzten .Efad«". Tie Bibel schätzen fie sehr hoch, haben «d« keine Semttniß vom Talmud. Ihre Hauptbeschäftigung ist d« Ackerbau. —Di« Ernennung de« UmverfitätSproseffor« Herrn Graziado Ascoti zum Mitglied« de« Senat« ist eine wohlverdiente Auszeichnung, durch welche uns« König einen d« größten Gelehrten de« Königreich« belohnt hat. Unter den Inden Italien« giebt e« eine große Anzahl, welche in d« Gelrhttenwelt besondere Berühmtheit «langt haben. In d« Thal steht auch die Anzahl d« jüdischen Profrfforen au den Uuiversttüten und Akademien in einem außergewöhultch günstigen Berhältnifie zu dem Pro«ntsatz«. mit welchem fie umrr der Gesammtbeoölkerung vertteteu find. D« erste Platz uut« diesen Lorhphäen der Wiflenschaft gebührt aber > ohne allen Zweifel dem Profeffor Ascoli. -welch« für eine» d« größten Philologen der Welt gehalten wird. ^a»da» E« wird gewöhnlich geglaubt, daß der Gebrauch de« Minjan (Zchnzahl veim Gottesdienste) ausschließlich jüdisch sei. AuS einem Artikel in einer d« letzten» Nummern des .Family Churchman" geht aber hervor. daß auch die englische Kirche nicht bloß Mimau» männer, sondern auch Minjanfrauen kennt. In nächst« Zeit wird in d« St Botolphs-Kirche ein feierliche» Coirclave stattfinden, um nach den Testamentsbestimmungen eine« Christoph« Tamworth eine vacant gewordene Grelle unt« den Stipendiaten dies« Kirche wieder zu besetzen. Diese» Testament datirt aus dem Jahre 1624 und gewährt s e ch S armen Männern und vier armen Wittwen, die keineArbest haben nnd zu der besagten Pfarre gehören, eine jährliche Unterstützung von je 40 Schilling unt« der Bedingung, daß sie au de« oorgeschriebeoen Gottesdienst« in d« genannte» Pfankirche theiloehme». Die zu erwählend« P«s»u führt den Titel .Prayer Mau" entsprechend dem jüdischen .Miujan Man". E« ist ein seltsamer Zufall, daß die Zahl dieser Stipendiaten auf ze h n beschränkt ist — gerade .äJctn* Jan“.*) Christoph« Tamworth war offenbar ein Mann, der tu die Zukunft schaute. Er muß vorau«gefrheu haben, daß eine Zeit kommen würbe in welch« in Folge der Bevölkerungsbewegung die städtischen Kirchen au« Mangel au Besuch«» leer stehen könnten und wo da« Bezahlen ge>viff« Prrfouen für ihre Anwesenheit beim Gottesdienste fich al« Nothweudigkeit Herausstellen könnte. In jedem Falle kannte er nicht« Unnatürliche« darin erblicken, eine Anzahl P«s»u«u für da« Velen und eine andere für da« Zuhörea zu bezahlen. Daß « die Zahl der Stipendiaten auf zehn festgesetzt hat. ist wahrscheinlich, wie schon bem«tt, nur ei» Zufall und steht zu dem jüdischen .Minjan" durchavs in kein« Beziehung. Es unterliegt ab« krinem Zweifel, daß die »bucht Cariftoph« Tamworth'«, bestimmmten Personen, welche am GoueSacenste thestueliaen, eine jährlich« Uatnstützung zu gewähren, ans denselben Eirund zurückgeführc w«den muß, der auch da» Bezahlen von Minjanmänrrrn der Synagoge nöthig gemacht har Beide Ideen resulturen au» dcm Wunsche, die wenig ehrerbietige Erscheinung, welch: in Folge der Richtanwesenheit ein« respedablen Mmimalrahl Andächtig« beim Gotteodienst zu Tage treten würbe, zu vtthüten. Diese Minimalzahl wurde im Judenthum auf zehn und zwar männliche Perionen, welch« da» 13. Jahr «reicht halten, ftstgesetzi, und muß luerbei bemerkt w«den. daß diese» Mmjansy'tem ursprünglich doch etwa« andere» al» eine Mieth- und Kaufange legen» heit war. Die Miujanmänn« der früheren Zesten waren die zehn Nlvp). welch« Zeit halte,, den täglichen Gottesdienst zu besuchen und sich dies« hrüiarn Pfl'ch unr au» Liede zur Sache, nicht um Gelbe» willen unterzog«. Erst in spät«er Zeit, al« die Menschen ewstger, ab« auch filzig« wurden, mu^e der Ausfall a» krewilltzen Beluckieru durch bezahlte Miujanleute gedeckt werden. Da» System an sich muß demnach jedem Gläubigen Achtung eirfilößen Schwede«. Ktockßol«. (Or. - Corr) witdeium bin ich i» d« angenehmen Lage, über einige Auszeichnungen, die ni'sere» Glaubentgrnoffen bi« zu THÄ geworden, berichten zu Unneu. Bei Gelegenheit der Jubiläumsfeier unsne» König» i«lteh derselbe den Schlohintendonten Prosessor E. Jakobsohu den St. Olafsord«. H«r Josef Rudeusohn wurde Ritt« .de« Rordstnnorven«. H«r A. Nachmann «hielt den Basaorden und Herr Eonsul I. Philips»!» tu Ronköpinq wurde Eommandrur dc» Basaord«» 1. Klasse. Ein« sehr ehrenvollen B«vfuug «freute sich auch der Canror *) «och «erkwürbiger ist, daß oach eine, jnlcht aettvttli«) ficht t« Dil».» auch »NKnzatzl von ,,ch» »«««> gomtgz. (»«.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.