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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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61 Freudigkeit kür die erzieherisch» Aufgaben der Schule wirke« Ullei» H wm in de» Crafmaje« tot oft der pädagogische . Grundsatz übersehe«: »I« der Beschränkung zeigt sich der Meister." Dill «a« etwas erreichen, so darf ma« nicht zu« Viel auf einmal verlange«. <ks ist gerechtfrrtigt, daß «»an den Kchächtd'eust vom Ledreramt entfernt »iffeu will, weil das Schächten, obgleich EHüIIuug einer rituelle, Bo, schritt, doch immer nur ei« T üdteu ist, weil ma« de« Gemeinde«, welch« der Meinung sind, sie brauchen nur einen »Birhtüdter" nicht entgegenkomme« braucht, und mell es der Würde des Lehrers nicht entspricht, daß er mit seinem Einkommen auf die Schechsta angewiesen ist. Anders verhält es sich mtt dem Bordeteramt. Daß dieser der Würde des Lehrers nicht entspricht, wird wohl Niemand im Ernst behaupte«. Aber es wird die Uebrrbürdnng des Lehrers, der gleid zeitig Vorbeter ist, bervorgehoben. Wie solle« es denn die llei. «ere« Grmeinden anfavgen? Sie haben doch ebenso sür den Gottesdienst als für die Schule zu sorgen uu» bei einer Wahl zwischen beiden wird sedenfalls der erstere tu den Vordergrund trete«. Andernfalls aber könnten sie mtt Recht sagen: Auch uns ist der verbeterdienft eine Ueberdürdnng, denn das Bei piel unseres verehrten Lehrers ist uns maßgebend. Wetrde Zustände würden daraus erwachsen? Zudem ist d»r jüdische Religionsunterricht thatsächlich ei« sich anlehuender. b. h. er lehnt sich an den Gottesdienst an. und hat dieser erst seinen Einfluss verloren, dann wußte ich gar nicht, welchen namhaften vrrfittlichenden Einflüß der Religiavsunterricht haben soll. Dahl hat ei« Lallege in einer Reihe van Artikeln de« so,;, systematische« Religionsunterricht das Dort geredet; allein so gediegen seine sonstigen Ansichten find, ,n diesem Punkte steht er wohl allein da. Sr meint auch wohl den .methodischen" Religionsunterricht — doch lasse« wir dir — Fremdwörter. Die Durchdringung mit dem Geiste unserer herrlichen Gebete, da« Lesen <selbstoerfiändlich verftändntßvolle) unserer Bibel t» Urtesste wird durch kein Mittel der Lehrkunft überflüssig gemacht werden können. Ader die llinder müssen auch vor Augen sehen, welche Deihe diese religiösen Erzeugnisse auf die Erwachsenen ausübt — das ist auch «in Anschauungsunterricht und zwar ein nicht zu unterschätzender. Der Lehrer nun soll mit gutem Beispiele vorangehen. Wen« •ir am Jomkippur den ganzen Tag fasten, so ist da« auch eine Anstrengung, und wen« »ir die Synagoge nicht verlaffrn und daselbst den Tag mit Beten znbringen, eine noch gröxrr«, aber der Lehrer soll sich derselben gern unterziehen — haben doch früher große Gelehrte und Rabbiner es sich zur Ehre geschätzt, in den Synagogen vorzubeten! Ader auch würdige Privatleute*) möge« vorbeten» dadurch ist der Uederbürdnng der Lehrer vorgedeugt. Eden «e»l tch gegen den Ausschluß der Privatleute diu, stimme ich dafür, daß sich der Lehrer dem Borbeter« dienste nicht entziehen soll. £ttU« (Sachsen), 12. Februar. (Or.-Lorr.) Einen bedeutenden Schritt in ihrer Entwicklung hat unsere Gemeinde jüngst gethan. Auf Ameguug »er Frau Dr. Pinuer wurde ein Aufruf an di« Frauen der hiefigen Glaubensgeuoffen zur Bildung eine« Franen-Hilfsveretns erlaffen. Drffeu Ziel soll sein: ») hUfsbedürftige Frauen und Mädchen |i unterstützen, b) ihnen in Krankheitsfällen ärztliche Hilfe und Pflege zu verschaffen und o) auch begüterten Mitgliedern in Kraukhriisuns Sterbefällen helfend und ttvstend betzuftehen. Ohne Ausnahme erklärten sich di« Anfgerufenen zur Gründung des Vereins bereit, und bei der am 5. d. M. in der Wahrung der Frau Dr. Pinuer anberavmten Versammlung fehlten nur Diejenigen, »elche durch äußere Zufälle am Erscheinen verhindert waren. Das provisorische Lomttee hattc schon vorher rin Statut entworfen, diese« wurde unter de» vorfitze de» Herrn Dr. Piunrr, und als •) » biift« an» Hm« M «ch «chscht» frfm. dieser abgernfev. werde, unter dem Vorsitze des Herrn Glaser eingehend und sachgemäß besprochen und mit wenigen Iradrrunge« angenommen. Hierauf fand die Dahl dreier Vorsteherinnen statt. Es wurden gewählt: Frau Dr. Pinuer, Frau Glaser, die Gattin des verdienstvollen, langjähriger, Vorsitzenden unserer Gemeind:, und Frau Neubauer, die Gattin unseres Predigers und Religiouslehrers re. Die erste Thiitigkeit der Vorsteherinnen bestand in den: Entwürfe eines Rundschreibens zur Zeichnung eines Grün dungsfouds. Schon vorher war zu diesem Zwecke von der Fron Kronhei« in Glogau, der Mutter der lZrau Dr. Pinuer, ein ansehnlicher Beitrag eingegangen. Wester« Beiträge sind bereits erfolgt und stehen noch in Aussicht. Neben der Ehewra Kadischah, welch« von den Herren N. Goldstein und B. Kristeller musteichast geleitet wird, und au welcher sich eine unverhältnißmäbia große Z »hl von Mitglieder« «ersthätig becheiligt, haben wst nun dm .Krauen.Hilfsverrin* als Ergänzung. Wir wünsche« dem »mm Vereine, daß seine Hauptthätigkeit sich auf Sammlum» von Speudm bei srmdigm Gelegenheiten beschränk« und daß ihm zu seine« Bestrebm, dir Roth zu linder«, dm Schmer» zu mildem, in unserer Gemeinde nur selten Gelegmheit Jebotm werde, aber, wmn sie sich darbietet, die ausreichende sils« auch zur Hand sei. J. Leipzig, 12. Februar. (Or.-Lorr.) Die von der hiesigen israelitischen Religionsgemetndr an dem. nach vrr Tradition so bedeatungsoolleu Tage, dem 7. Adar, bekanntlich de» Geburt«- und Sterbetage des großen Lehrers Mose, veranstaltete Trauerfeier für thrm, am 5. d. Mt«, verschiedenen greisen Rabbiner Dr. Abraham Meier G o l d s ch m t d t, legte ein erhebendes Zeugniß inniger Verehrung und pietätvoller Liebe für dm Heimgegangmm ab, der nahezu drei Jahrzehnte da« geistliche Oberhaupt der» selbm war. — Schon Abends vorher versammelten sich der Vorstand, die Cultusveamten und Mitglieder der Lhebra Ledoscha im Trauerhause, um nach einer kurzm Andacht, an welcher die Hinterbliebenen thestgenommen, die irdische Hülle des Verewigten in die uaheaelegrne Synagoge zu überführen. Eine kleine, ausrrwählte Gemeind: Leidtragender war «S, welche in nächtlicher Stille dieser Bahre dis ins Gotteshaus das Geleite gab. Dort, in der Näh« der Kanzel, der einstigen Ställe seiner segensreichen Wirksamkeit, wurde der Sarg des verblichenen aufgebahr», mit dem einfachen, schwarzm Leichmtuch bedeckt, aber ucngrbm von reichm Blattpflanzen, Kränzen uuo Blumengewinden aller Art. Die Synagoge selbst war schwarz drapirt, die brennendeu Landelaber mit Trauerflor umwodm. Die eigmtltche Traurrfeier begann Frestag, 1s'/, Uhr vorm, tu der Synagoge, unter allgemeiner Bethriltgnng der Gemeinde. Am Fuße der Bahre hatten die Gattin des verftorbmm, die weithin bekannte Frau Dr. Henriette Goldschmidt, sowte zwei Söhne, dte Herrn» Rechtsanwalt Or. jor. Julian und Dr. med. Siegmnnd Goldschmidt, beide tu Berlin wohnhaft, (der dritte, in Dien lebmde Sohn» Herr Benno G., war zu seinem Schmerze behindert, an der Feier theUzunrhmm) Platz gmommm. Nach einem Orgelprälubtum und darauffol,eudem gemischten Lhorges»«,. bestieg der gegenwärtige Rabbiner Herr Dr. Porges di« Kanzel, um seinem Amtsdmder Dort« »er Trauer und ehrender Anerkennung in's Jenseits nachzurufm. An der Hand des Texte» Jes. bl.18: .Und ich legte wein Dort in drtnm Mund, i» Schattm »einer Hand barg ich dich, zu pflanzm den Himmel und zu gründrp die Erde, und zu Zion zu sprechen: Mein Volk bist du", entwarf er ein treffliches BUd des entschlafmm Seelenhirten, des gottbeguadetm Kanzelredner«, deffm Worte alle Zeit die ihm andächtig zuhörmde Gemeinde mächtig ergriffen, der bald in sanftem, lieblichen Tone zu« Dohlthu« und Frieden mahnte, bald »wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt", die Lauen und Gleichgültigen zu» Gottesglauben anfeuerte und so ment.

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