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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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58 — Ganz noch bat socialistisch-demokrattsch« Prinzip nnfocc Lage. Hierin liegt em« falsche De»tu», de» Prinzip» von der Freiheit und Gleichheit oller Mmschen. Denn Sott hat ebens» wen!, m der Natur», rne in der Menschenwelt alle» gleich geschaffen; überall herrscht Mannigfaltigkeit in der Einheit. «nch in der Natorvelt sind Kräfte und Leistungen nicht überall gleich, und ekensoweuig di« Ansprüche und Rechte. Ta« eine Thier lebt von Pflanz«»., da» andere von Fleischkost, der ei« Bogrl hat ein mehr schöne«, der andere riu mehr «arme» Gefieder, da» eine Pferd ist zum Lastttageu- und .ziehe», da» ander« zum Reiten geeigntt. So ,st e» auch in der Menscheuwelt. Leistungen und Pflichten richten sich nach den Kräfte« und Anlagen, der eine ist zu« Denker, der andere zum Arbeiter geeignet. Rach den Leistungen und Pflichten richten sich auch die Ansprüche und Rechte- Bon Niemand kann Unmögliche» gefordert und geleistet werden; wa» und so viel Jemand gegeben ist, de» und so viel hat er zu leiste». Do» Zukömmlichr hat demnach auch jeder zu beanspruchen, sei» Recht hat jeder zu fordern und kann Niemand verweigert werden; Niemand aber kann auch etwa» andere» al» sei» Recht fordern, oder Forderungen über sein Recht hineu» stellen. Rechte und Pflicht« der Menschen find demnach nicht absolut gleich, sondern von Kraft und Leistung bedingt. Diese aber Hab« in Gott ihren Ursprung Gott ertheilt die Kräfte und bedingt die Leistung« der Mensch«, er giebr dem ein« dies«, de« nndern jene Anlage und Bestimmung, giebt de» ein« viel, dem andern wenig. Gott giebt demnach eb«sowmig All« gleiche Rechte, wie er All« gleiche Pflicht» auferlegt; nur da» Princip, daß sich die Pflicht« nach Kraft und Anlage und die Rechte »ach den Pflicht« und Leistung« richtm, ist für alle gleich, da» Maß der Pflicht« und Rechte aber verschieden. Bo» einem D«ker kann keine Lastttägrrarbeft gefordert werden, wie von einem Lastträger keine Denierarbeit. E« köno« darum auch nicht alle ob« steh«, e» muh auch der« gebm, welch« ontm steh«, dmu e» können weder alle D«krr, noch alle Lastträger sei».*) Diejenige», welche ob« steh«, auf der Spitz« de» Mastbaum», auf der Höh« de» Berge», seh« weiter al» diejenigen, welch« unt« steh«. Darum tönum und soll« die unt« Stchmd« nicht stet» die ob» Steh«» d« meistem und glauben, Alle» bester wist« und mach« zu köuum. Würde »au aber auch die Uaterm zu Ober« mach« und auf die Höhe stellen, e» würde ihn« »st der Fanblick de» Gestte» fehl«. Mose» und Ahron könnt« darum mit Recht sag«,, daß sie von Gott gewählt und an ihre Stelle gesetzt sei«, d«u sie hattm die geistige Ansrststung, die Kraft dazu von Gott erhalt«, sie hattm sich diese nicht selbst gegeben. Anch darin stt diese Erzählung bed«t«ag»voll: Korah ging unter, die Empörer unterlag«. So ist e» sttt« mtt all« Empörung« nah Revolution« gegangen; di« Geschichte weist e« nach: sie Hattm alle kein« dauand« Erfolg uud Sieg.- *) Hxifteitb» forderte darum mit Unrecht zu seiner Bedienung Sklave» «nd rechtfertigt« hiermit di« Sklaverei; Arbeit ist vielmehr ein« freie tzflichi. Bedienung konnte er beanspruch««, aber nicht Sklavenarbeit. Die Franzosen feiern in diese« Jahre da» Leuten arium ihrer Rmolution. Die ob« standen, kam« noch unten, die unt« stand«, nach ob«; — aber nur für ku»z« Zeit. «» ttat bald Wech rl «in, und wie oft ist wäh» read dieser Hunde« Jahre gewechselt wordmi Mehrere Republik», verschiedene Königshaus«, mehrere Kaiserreiche, augenblicklich zwar wieder Republik, aber auch dies« ist schon wieder bedroht und in Frage gestellt. B.-A. Kronprinz Rudolf uud die Juden. Da» wichtigste Ereiguiß in der österreichisch-ungarisch» Monarchie, da» auch die jüdische Bevölkeruug in Athem hält, ihr Leben uud ihr Jateresse lief berührt, bildet noch immer der Tod de» Kroupriuz» Rudolf. Hat stÄ der Freundschafiäduud zwischcu unserem uad dem d«ts h« Reich« gleich» «am dadurch ttaurig bewährt, daß er auch zu« 8«ideu»b«»d geworden, daß de« ein« da» Leid nicht erspart blieb, welche» da» andere vor Monat« drückte, daß über »ns ähnliche Trauerlage kam«, wie Sie sie drüben seiaerzett erlebt», hat also beide Staat» eia ähnliches Unglück getroffen, daß der Thron in düstere Trauer fich hüll» mußte, so find auch die Bekenner de» Judenlhnm« beider Reiche in gleicher Größe ooa Schmerz und Tlettnahme ergriff» «or» den und wir Hab« in gleicher Weise mit Ihnen unfern wehmitthig» Gefühl« und unserer tief» Erschütterung Ausdruck gegebeo. Wenn je die Verdächtigung der Anti» srmiten. die Jod» seien keine Patrioten, ste fühl» nicht mit da» Weh de» Laude», einer Widerlegung bedurfte, so ist fle hier geliefert «ord», denn mehr aufrichlg« Trauer und wahre Thettnahme koume Niemand bekunden» al» dies die tsraelittsch« Bürger thaten. Es macht eiaea besonder« traurig-feierlichen Eindruck hrrr. wenn an Wochentag» in der Judmgoffe alle Kaufläden grspcrcl sind, wie die» während de» vegrädniffes de« hohen Todien geschah, uud wenn Tausende von jüdischen Männern und Frauen i» di« Bet- Häuser eile», so muß eine große, ernste Stunde riuretrrteu sein. Groß und ernst wurde auch thai sächlich die Stande des Begräbnisses gehalten, dean »er damals eine jüdisch« Seele seh« wollte, der mußte ste in den beiden Gottes» Häusern der Fortschritt- und orthodoxe» Gemeinde such», wo Tranergottesdienste abgehalt», Psalmen reciti't, Gedett ,ür das Seelenheil des Hingrschieoen« und für das Wohl uud den Trost de» schwrrgeprüstm Köaigspaares »«sprach« ward«, wo in Trauerred» der Schmerz «ad das Mitleid der versammelt« erschütternden Ausdruck fand. Schreiber diese» hat in seiner Ti auerrede, zu der Hunderte aus Mangel au Raum kein« Einlaß finden könnt», auch «inen Ausspruch de« verewigten Kronprinz« »ngeführr, der fleh auf du» Judmthu» bezieht uud dem da» Audttorium erstaunt lauschte. Der reich begabte uud geistig au»«rwählte Fürsteusoha hat nämlich bi« Eindrücke, die er auf seiner Orientreis« ttr Palästina empfang», selber ntedergeschrieo» und da les» wir folgenden Paffas, welcher zeigt, daß der fürstliche Schriftsteller es nicht zu geringe fand, auch das Jidealhuw tu d« Kreis seiner Bettachtnug« und Beobachtungen zu zieh» »ad daß er über dasselbe «hr»d und oorurtheftslos dacht«. .Der erste Schritt", schrieb er, „auf de« Bod» des gelobt« Landes »st in den Städten dt« Erinnerung» an dir geordnete Macht des Judeureiche», an d» u«is» König Salomo.lebhaft ins Gedächtuiß. und am Lande zieh« dir Bilder am geistigen Auge vorüber, die »ns tu Kiuderjahrm bei» Studium d«r heUtgeo Schrift umgaukelten. Abraham, der Patriarch, der fiaaig« Greis uad Gelehrte .der Weise in mystisch» (? Reo.) Sprüchen, doch voll Lebensweisheit redrad, der Stammvater «tr.es edlsn Volkes, er konnte unr t» Morgenland«, nur tu dies» Gegrüben Hans«. Zeit« babca fich geändert. Reltgt««

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