Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 7.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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r L. onnt^vnt jn wollen, auch auf die Bestrebungen der Anti. semiten-Frartion zu sprechen, welche sich de» Bereit»« als eine« Mittel« für die Verbreitung ihrer Tendenzen zu bemächtigen besttebe. Schon da zeigte sich Aufregung nn Saale, Al» aber zur Wahl geschritten werde« sollte, oerwchrte sich die. selbe. Auf allen Tischen waren Stimmzettel der deutsch, nationale« Antisemiten-Fraclion autgrlegt.' E« wurde nun dir Bekanntgabe der Liftt der alte« Tmnvereinspartei, welche in einer Boidesprechung festgestellt wurde, verlangt. Ll« der Forderung entsprochen war, fiel die Aenßernng, man vermöge nicht mehr den Freund vom Gegner zu unmesch-iden, und eö wurde an olle vorgeschlagrnen Kandidaten die Aufforderung gerichtet, zu erklüren, ob sie gesonnen seien, im Turnverein zu Innsbruck da« deutsche Turnwesen in der bisherigen weise zu pflegen, oder ob sie beabsichtigen, konfessionelle Zwietracht in den Verein hinzutrage« und sich von der bi«, der geübten konfessionellen Gleichberechtigung abzuwenden. Neue Aufregung. Man suchte einzuwenden. daß rin solche« Verlangen nach einem „GlaubrnSbekenntniß" unberechtigt sei, es blieb aber bei der Forderung, denn danach werde man di« Wahl ein richten und auch da« künftige verhalten zum Verein. Herr Epp, welcher zum Vorstand vorgeschlagen war. gab nun eine freimüthige Erklärung ab, dahin gehend, daß er mit aller Kraft die consissionelle Gleichberechtigung wahren und n keiner Weis« den Antisemitismus großziehen werde. Die von der alten TurnoereinSpanei aufgeftellten Kandidaten schloffen sich dem Herrn Epp an, die Anderen hielten mit ihren antisrmitischm Ansichten zurück und betonten nur ihr demsch-nationales Princip. Bei der wadl erhielt H'ir Epp von 160 Stimmen ISS al« Vorstand, Herr Pro« sessor Menger 89 al« Stellvertreter; Professor v. Monö blieb mit 7V Stimmen in der Minorität. Alle von der alten TurnverrinSpaNei aufgestellten Kandidaten gingen mit großer Mehrheit durch; bei der dritten Wahl erhielt der Wortführer der Auttsemiteu, Herr Franz Thuroer, von 148 Stimmen 52. — Urbrigen« thateu der obtretende Vorstand, Herr Daunhauser, nud der eintreteude Herr Epp, in ihren Schlußreden da« Möglichste, um die hochgeheude Erregung zu dämpfen uud eine friedliche Stimmung zu schaffen. Bei der Abstimmung über den Dank, den die Beriammluuz dem nach fünfzehnjähriger, anerkannt eifriger, umsichtiger uud erfolgreicher Leitung des Vereins scheidende» Borstaud Herrn Dauuhauser durch Erheben von den Sitzen zollte, blieben die Antisemiten fitzen. Ein Bischen Dank für ge» leistete Arbeit wäre doch auch dem Gegner gegenüber wenigstens nicht unartig gewesen. Aber wo hat man je gehört, daß die Aatisemitea einem Juden gegenüber, nud wäre es auch der wackerste» uud tadellosesten Eiuer, wir Herr Dann. Hauser, die verdiente Rücksicht geübt hätten! Frankreich. Wart». Im vorigen Sommer hielt sich der Präsident Sadi Car not, während zweier Moaate, zur Sommer, frische in Fontainebleau auf. Ee besucht« daselbst alle An. statten, du der Kunst uud Wiffeufchaft. de» Unterricht und der Wohtthättgkeit gewidmet waren, Der gleichzeitig sich daselbst aufhattrnd« Redakteur der „Archive« i»r.", H?rr Isidor Caheu, hatte den Einfall; den Präsidenten brieflich auch zu eine» Besuch der Synagoge, die in nächster Xäh« von dem Palais welche» der Präsident bewohnte, sich be. findet. Der Herr Präsident lehnte aber in einem höflichen Schreibe» die Einladung wegen allzu großer Beschäf. tigun g ab. — II» Curiosum erwähnen wir »och, daß eine hiesig« polnische Scharspieler-Truppe auf große« mit hebräischen Buchstabe» gedruckten Theaterzettel, di, «nffiihrung einer Operette' .Raschi", in S Akten und sieben Bilder» ankündigt. (Eine« Commrntar« zu dieser Jnseenirung de« großen Commentator« bedarf es nicht; vgl. da« beiliegend« „Familieublatt".) palLsttwa. £2 Jerusalem. ADie Schemtttah-Frage droht die ganzedA Kolonisations-Angelegenheit, die schon so viele MMonwtxW verschlungen hat, in Frag« zu stellen, «nt nicht nnr für diese« Jahr, sondern, da diese Kalamität all« sieben Jahres wieder kehrt, für immer. Die gelehrtesten Rabbiner sind über diese Frage noch nicht einig, während die deutsche nud russische Orthodoxe da» biblische ( »ach'Liniaen jetzt mrr .j „rabbtnische" R,d.) Gebot einfach außer Kraft setzt, erlassen die beiden hiesigen Oberrabbiner R. Samuel S a l a n t •... und R. G. L. Di«kin eine hebräische .Bekanntmachung" (bano l7ip), welche in deutscher Uebersedung etwa wie folgt * lautet: „Nachdem da« Schemittah - Jahr 5649 heraugrrückt, bringen wir unseren Brüdern, denKolonisten, zur Kennt«; niß. daß er kei n e rlei Erl a u b n i ß gibt, in diese« Jahre zu pflügen, zu säen, zu ernten oder zu pflanzen, mtt Lus- " nähme deffen, was zur Erhattung der Fruchtbäume unerläßlich, worüber die HH. Rabbiner da« Nähere bekannt geben werden. Wir geben un« der frohen und festen Hoff, nung hin, daß die Befolgung diese« Sotte»grb»tr« zu» desonderen Segen gereichen »erde, uid halten rS für über» flüssig, auf die Strafe der Schmittah - Vernachlässigung, sowie auf die Segnungen im Falle der Beachtung hinzu, weisen k. rc.1 Ja Folge dessen fordert ein au» 30 gelehrten Männern bestehrndes Eomitä in Jerusalem zu UnterstütziingS-Beiträgm für die Schemittah-feiernden Kolonisten auf. — Dagegen schreibt eia Herr Vernarb L Freeman in Edinburg im .Jewish Standard" an die Redaktion de« orthodoxe« Blattes wie folgt: ' .Geehrter Herr! Ihr Leitartikel vom 14. v. M. (in demselben wurde für die Feier de« Sabbath-Jahres in Palästiaa plädirt) hat mich unangenehm übirrascht. Sie scheinen eine große Gefahr für da« Judeuthum darin zu erb'ickw, daß die Kolonisten im Sabbatjahr Feldarbeit verrichten. wa« nach eiuer weitläufigen talmnvischen Diakussiou in der hebräischen Preffe, an der Spitz« Herr Rabbiner Jsaac Elchanan, Spektor in Kowno, steht, -erlaubt worben ist. Die einzigen Männer, welche für die drin, genbe Nolhwendigkeit der Beobachtung der biblischen Satzung stimmen, sind die Rabbiner Jerusalem«, welche alle Kolo» nisten, die «m Sabbatjahr arbeiten, in den Bann z» ttzun bereit sind. Lus ihrer Seite steht der Herausgeber de« .Habazeleth" mit seinen Nachtretern. Sie erblicken eine Gefahr für die Juden in Palästina darin, daß die Lolonisteu im Sabbathjahre arbeiten. Ich uud Biele meiner Gefinuagsgenoffeu sehen diese Gefahr nicht, sehen vielmehr in dem Umstand«, daß sie nicht arbette», nicht nnr eine große Gefahr für die Eolouiste», sondern die unausbleibliche Jastrrctton der sämmtlicheu Eolouieu uud aller Eolouisatiousbeftrebungen Palästinas. Wer will die Eolouiste», ungefähr 300 Familien, die nach zuverlässigen Angaben ungefähr 700 000 Francs zu ihrem Unterhalte für ein Jahr bedürfen, unterstützen t Uud werwill die Verluste decken, die ihnen dadurch erwachsen» daß sie ia diesem Jahre ihr Vieh zur Hälft« des Einkaufs, preise« verkaufen und im nächsten Jahre zum doppelten Preise wiederkaufeu müffeu. Die zahlreichen Vereine der .Zimlsftautde' in Ruß. land werden wenig für sie thuu, nachdem sie sich dem willen der russisch« Rabbiner widersetzen, die ihnen ja das Arbeiten erlauben. Sollten aber auch Männer unter uns sein» die groß.' müthig genug wären — was ich aber sehr bezweifle — die müßige« Eolouiste» ein ganze« Jahr zu nutertMlteu, was soll dann später ans der Eoloaisatioa im Ganz» werden? 1 wir dürfen uns nicht damit begnügen, 2 bis 3« 0 Familie» für den Landbau gewonnen zu haben; wir müssen au eine Zeit denken, in welcher raufende fleißiger Hände den Acker, ban pflegen werden; uud wie sollen wir dieses Ziel erreichen?