Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 7.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935066-5956567--7007-5373072- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
er» Blume» kiffen ul Kamelie» »ab Wribümtn, «tat KG«-« der Firm» Itzt,, mb Friedläuder. Auch bk Firma David a. Co. hatte ritte prächtige» Kranz rfaabt. Bo» heroorrage»der Schönheit »ar der ranz, de« da» Personal de» Manhrimrrscheu Hause« »Dem hochverehrten Ches in dankbare» Andenken an seine Gerechtigkeit und Humanitätgespendet hatte. Di« einzelne» Abtheilungen de« Geschäft« hattm außerdem besondere Kränze uiedergelegt. Die Schneider» die vom Hause beschäftigt werden, überbrachten einen mächtigen Kranz, ausschließlich au« Palmen geflochten und mit einem Tuff weißer Blume, geschmückt, die Stickerinnen rhtten da« Andenken de» Heimgegangenen durch eine Kranzspende von seltener Pracht. Au« allen Theilen Deutschland« waren von den Firme», mit denen da« Manhrimer'sche Hau« in Verbindung steht, Spenden ringegangen, nicht minder hatten die humanitären Bieine und Slistungei, de« Heimgegangene» dankbar gedacht. Besonder« schön war der Kranz, den da« Feirratendhau« in Steglitz überreichen ließ. Der Andrang der Leidtragenden war so (gewaltig, daß in der Wohnung selbst nur Wenige Platz avden. Tine halbe Stunde bewegte sich in «nunterblochener Lethe der Zog Derer durch den Trauersaal, welche der Familie persönlich die Thttlnabme auSdrücken wollten. Im Raum selbst verblieben nur die nächsten Angehörigen und die erscknrnenen Deputationen. Von Mitgliedern der städtischen Behörden sahen wir Stadtratl, Kochhann unv die Stadt, verordueten Horwitz, Meyer I. tind Liebermanu, die Aeltesteu der Kaufleutr wurden durch dm Borsitzendm Geh. Frrutzel vertreten. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller, die Gestllschaft der Freunde und viele andere Korporationen waren durch Abordnungen vertreten. Die Innung der Damenmäatrlschnrider war mit umflorter Fahne erschienen. Wir sahen ferner die hervorragendsten Vertreter der Kon. ftktionSbrunche, sowie Männer oller veruf-stände, so dm Generallinrtenant von Rosenberg. die Profkfforen Hennoch und Magnu«. Gymnasialdirektur Friedländer u. A. Der unter der Leitung dr« Dir. Lewaadowrki stehmde Synagogen, chor rröffnete die Feier mir dem Gesang: «Es gleicht da« Menschenleben der Blume", dann nahm Rabbiner Dr. Moybaum da« Wort, um in rrgieiseuder Rede de« Ber» stordmen Leben, Wirken uud Sterben mit dem der Patriarchen zu vergleichen. »Eine hochansehnliche Trauerveisammlung," so begann er, »hat Sh um diesen Sarg geschaart, «m dem so plötzlich Heimgegangenen re Belthslhätzung und Achtung zu bezeugen. Könnten wir jetzt di« wehmüthigen Empfindungen ihre« Herzen« deuten, wir würden zwrifel- IM die einstimmige Klage hören, daß hier der Tod «inen der thatlräftigften und laulersten Männer au« ltnserer Mitte herausgerissen ha», «i»en jener Minner, die durch ihr Leben wie durch ihr Sterben an di« Patriarchen der Borzeit erinnern, die nach einem Leben reich a» Jahren und Thaten von dannen gehen segnend und gesegnet, aber al« Vorbild fortdauern im Herzen der Ihrigen. In dieser Empfindung liegt nicht nur di« Kundgebung tat Schmerze«, sondern auch «in Sr Trost, den wir zur Erhebung und Aufrichtung festhalten wollen, die glücklichen Erfolge, nicht oai gesegnete Leben, nicht die zahl- Famil e, deren Mittelpunkt fi« waren, macht un« da« Äben unserer PaNlarchen so anziehend und lehrreich, die« sind blo« die riänzenden Farben, die den Vordergrund de« Bilde» beleuchten, da« Anziehend« und Lehrreich« lieg» vielmehr im Hintergrund«, in den Grnndsttzen der Lieb« und Gerechtigkeit, in den -impfen und Wider» wäUiakeiten, in denen sich ihre sittlich« -rast bewihrt hat. La« Wort tat Patriarchen : »Zeugen wird sür mich meine Tugend an dem Tage, an dem Du mustern wirst meinen Ertrag vor Dir," kennzeichnet An. fnu und End« de« patriarchalischen Leven«, da« hier vor un» abgeschlossen liegt. Ba« der Heiyigegangene in seinem vernstleben geleistet, wie er durch seine Begabung einen ganz nene, Erwerb»zw«ig «schaffen und zur vlüthe gebracht, wie er dadurch Lausenden von Arbeitern «Ine neue Rabrnngoquelle erschlossen und vielen Rachstreben, den die Bahn geebnet, di« zu Ehr« und Wohlstand führ! — all da« erinnert an da« schön« Wort de« Spimchdichter«: »Durch de» Segen der Redlichen wird der Wohlstand einer ganzen Stadt gehoben.- E» gereicht un» zur innigsten Befriedigung, an dieser Bahre au» ganzem Herzen hervorheben zu dürfe» die Gerechtigkeit und di« Herzendgüte de» heimgegaiigenen Genoffen, seine väterlich« Fürsorge für die Geringste» setn>!r Mitarbeiter, ferne Mildthttigkeit gegen Arme und Dürftige, die dankbare Gesinnung, die er seiner Beyerstadt tewahrt«, leine» klugen und weist» Rath, mit de« er niemal« kargte, und den " denen Sin«, den rr sich trotz seiner glanzend«» Erfolge bi» zu« E letzt unverdorben erhalte». Aber alle« äußerlich« Gelingen ist wie «in Trunk an« salziger Quelle, der stet» neuen Durst to«ft und ein Me«, schenherz nimmer zu befriedige» vermag. Rur der ist glücklich, der -n dem heiligen Friede» der Familie »eilt, and auch diese« Glück ist de« Heirngeganger.en voll und ganz zu Theil geworden," Redner schilderte Kdann da« still« Glück, da« der Entschlafene i« Kreise der Seinen ge» nden, de» Patriarchensegen, der ihm zu Theil geworden, und sein ruhige« und sanfte« End«. »Mild ist ihm der Tod genaht und hak sein« Seele schmerzlo« gepflückt, um sie einzupflanzen in Eden« seligen Gefilden." Der Chor svnq hierauf die Hymne »Wa« Stand, wird zu Staub." Dann trat Herr Justizrath Horwlh «,i den Sora: «Dieselben Räume, so begann er, welch« den Verewigten seit einer langen Reih« von Jahren und au« mancherlei festlichen Anlässen al» den Mittelpunkt eine« gesellig belebten Kreises gesehen haben, dieselben Räume vereinigen un« heut« zu einem letzten Abschied von uaserent theuren Freunde. Was war e«, da» so weite Kreise von Personen au« allen Ständen, au« alle» Kreisen der bürgerlichen Gesellschaft diesem Haufe immer wieder näherte, e« waren n ch' äußerliche Anlässe, e» war nicht die Sastlichkeis, die allerding» in diesen Räumen ihre schöust« Heimstätte gesunden, e» war die wahr« Freundschaft, die un«, seine Freunde, die Seinen mit ihm verband. Run sind wir hier zum letzte» Male versammelt, ober er ist nicht dahlngeschieden in dem Sinne, daß wir ihn verloren haben, sondern wir erinnern un« de« tiefsinnigen Worte«, da« da lautet: Diejenige Zeit gehört un« ganz, die vornbergegangen, und nicht« haben wir sicherer geborgen, al« da«, wa» nicht mehr ist. «Wir alle aber", so Ichlosi er, «wollen den Freunde«- bund festhalten und immer fester knüpfen, in diesem Sinne wollen wir sein Angedenken zu einer pietätvollen «Stiftung machen, die unsre Gene» ration und noch viele überdauern soll." Ein ernster Trauergesong endet« dann den Akt im Hause. In der Bellevuestraße hatte sich inzwischen der imposante Zug geordnet. Al« der Sarg hinausgetragen und auf beu Wagen gehoben wurde, stimmte die Musik de>l Ehopin'schen Trauermarsch an, bann setzte sich ber Zug langsam in Bewegung. Zuerst kam die Innung der Damenmäntelschueider mit bem Mufikkorp« de« Garbe-Füfilier-Regiment«, bann folgten bie 283 Angestellten de« Hause«, denen die Regimen«, mufik ber «Alexander" voranschritt. Zu Seiten de« Leichenwagen» gingen fünf Schneidermeister und fünf junge Kaufleute. hinter bem Wagen wurde von vier Angestellten de« Hause« ber Ricsenkranz de« Personal« getragen. Eine große Zahl Leidtragender zu Fuß und eine unabsehbare Wageureihe beschlossen den Zug, der sich unter den ernsten Klängen von Tranermärschen nach dem alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee begah. Hier langte der imposante Trauerkondukt gegen 1'/, Uhr an. Unter Vcrantrill der Mufikkorp« wurde der Sarg auf dem in der Bethalle errichketen Katafalk niedergesetzt. E« umgaben ihn zahlreiche Kandelaber mit brennenden Kerze», welche vor einem Wald van Lorbeerbäumen. Palmen und Topfgewächsen malerisch gruppirt waren. Die Bethalle war in ihrer ganzen Au-dcbnung schwarz drapirt, auch die Säulim umgab dichter Trauerflor. Nach Vortrag der Lewaudowökischen Komposttiou p Psalm 17, V. 9—11, durch den Synagogenchor ergriff Rabbiner Dr. May bäum nochmal» da» Wort zu ein rr Abschied-rede, in welcher rr, an da« Wort Hiob«: «Der He.r hat e« gegeben, der Herr hat e« genommen rc." erinnernd, den Trost de« Allmächtigen auf Die heradslehte, welche die Bahre de« Heimgegangenen umstehen. Der Gesang Psalm 4L, B. 11, beschloß die Frier in der Bethalle, die Musik stimmte einen feierlichen Choral «n, und langsam bewegte sich der endlos« Zug über die mit Tannenzweigen dicht bestreut«» Pfad« nach der Südsette de« vegräbuißplatze». Dort, gegenüber der Alter«versorguug«aostalt der jüdischen GemeÄre (Moritz und Bertha Manheimer-Stiftung) liegen an der Greuzmauer die Erbbegräbnisse, darunter da« überau« schlichte der Familie Mauhetmer, rm durch ein Ltseugitter abgegrenzter Rau«, dessen Hintergrund die schmucklose Fayade eine« in dorische« Sttl gehaltene« Tempelgiebel« bildet. Hier wurde die sterbliche Hülle de« Berbltcheuen unter Gebet tu die stille Gruft grseutt. Der klriue Raum oermochte die Zahl der gespendeten Kränze, Palmeazweige rc. tan» zu soffen. Gegen zwei Uhr erst war die Beisetzuug«frierlichkeit beendet, und die Lausenb« der Leidtragenden verließen den