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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 7. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 7.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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auch auf sei« Pflicht, währmd der Borstand sich beklagt, der Rabbiner stehe nicht auf der Höh: der Zeit, da er sonst wiffm müßt«, daß Sicht nur die Gesetz« gegebe» worden find u» fie zu umgehen, sondern daß man auch Berpflich« tnug» überviwmt. denen mau «achznkonuueu niemals gedenkt. Der auf der Höhe der Zeit stehend« Vorstand wartet nun, ob der Rabbiaer im Stande ist. sich zu dieser Höhe aufzuschwingen. Sann er es, dann darf er hoffe» auf seinem Posten zu verbleiben; kau» er es uicht, d. h. will er keine Schaukelpolitik treibe», dann kann er nach Abschluß seines Kontraktes eine Gemeinde suchen, die von »es Gedankens Blüffe, daß das Jndenthum keine Religio» des „Fleisches" sei, noch nicht »angekränkelt" ist! Das Komische der Sache (wenn wir fie nicht so tragisch fänden l) tritt erst recht hervor, wenn «au bedenkt, daß derselbe wohllebt. Vorstand nur schwer oder gar uicht zu gewinueu ist, «enu es gilt ein Gebetstück in deutscher Sprache in die Liturgie eiuzufügeu, oder den Prophetenabschuitt in einer Weise zu verlesen, daß die herrlichen Gedanken der Propheten auch von der Gemeinde verstauben «erde«. Da ist wieder eine anderr Gemeinde, welche im Rufe steht, daß fie in religiöser Beziehung die goldene Mittelstraße einhäll, die aber »ur darum einen Rabbiner als »ngeeiguet betrachtet, weil unter sriue« Zeugniffe» sich auch eine Legitimation findet, die da besagt, daß der Rabbiner fich sozuageu auch auf die Schechita versteht und daher in der Lage ist, sein Amt auch nach dieser Seite hin gewiffruhast zu versehen, ohne fich aus jeden beliebig» Russen, der fich als infallibelu Schochet ausgiebt, verlassen zu müssen, vielleicht hätte jener Rabbiner llüger gehandelt, dem Bor. stand« ein Zeugniß von eine» valleimeister zu unterbreiten, der daun möglicher Weise dir Ueberzruguug gewonnen haben würde, daß der Rabbiner uöthigeu Falleauch eine gewisse Elasticität, namemlich in seinem Gewissen, besitzt, daß er manche Sprünge zu machen versteht, besondere Fertigkeit in Bücklingen cm den Tag legt und zuweilen auch die Rolle eines maitre de plaiair zu übernehmen in der Lage ist. Mit Recht schrieb uns vor wenigen Wochen ein sehr gebildeter, nicht unbedeutender jüdischer »rzt: »Ich bin der Ansicht, es sei in heutiger Zeit eines Menschen unwürdig, spezifisch jüdisches Brod zu essen, und ich muß es fast bedauern rmer Gemeinschaft auzugehörea, welche mich durch ihr Treiben und Verhalten ihrem Rabbiner gegenüber anekelt." Fragen wir: Woher stammen diese Schäden, die fich fast in einer jeden deutschen Gemeind«, »on wenigen ähulicheu Nnsuahmeu abgesehen, zeigen? Darüber wollen wir uns in einem besonder« Artikel äußern. Balemti« Manheimer. In der Frühe des 7. Februar ist nach kurzem'Krank»- lager einer der bekannteste» und geachtetsten Berliner Bürger, der Geheime Eomwerzierath Valentin Mauheiwer, »ach einem langen und arbeitsreiche» Leben verschiede». >u de« Namen des Heimgegangenen knüpft fich ei» wichtiger Abschnitt der Geschichte nuferer industriellen Entwickelung. I« Jahre 1836 war der damals stellenlose Handln»gsge» hllfe Meinheimer aus der kleinen sächsische» Provinzial stadt Gommnern nach Berlin gekommen, «ft wenig mehr Mitteln in der Tasche, als für die Rothdnrft oer nächste. Tage ansreiche» mochte. Aber er war ei« jener Naturen, auf die die Bezeichnung »er .selbstgemachten" Männer i» volle» Sin« des Wortes paßt«. Die von ihm gegründet« Firma v. Manheimer hat einen Weltruf und hat im Sanft der Zeit et« Entwickelung genommen, »elchr sich j#t erste» . der ganze» Branche der Dameu-Koufektto» gemacht hat. Der Geschäftsbetrieb der Handln», erstreckt fich nach allen Theilen der kultivirlen.Welt und da« von ihr beschäftigte Personal zählt nach Tausenden. Dieser großartige tzinfschwung ist' einzig auf di« Thatkrast, Umficht und redliche Geschäfts- Praxis des Begründers zurückzuführe». welcher fich erst nach seinem siebzigsten Geburtstage von der Gsschättslettnng zurückzog. die jetzt in den Händen seiner drei Söh« liegt. Der verstorbene hat et» Alter von dreinudfiebztg Jahre» - erreicht. Während einer Reihe von Jahren war er Mitglied des Aeltrsten-Kollegimu« der Berliner Lanfmannschast und legte dies Ehrenamt, als er fich von de» Geschäfte» zurückzog, nieder. Noch am Sonntag hatte er tu bestem Wohlbefinden und heiterster Stimmung seine zahlreichen An- - und Zugehörigen zu einer Familieutafel um fich versammelt und Niemand konnte das schnelle Ende des anscheinend noch so rüstigeu Manne» ahnen. Er hiaterläßt eine Wtttwe. welch« tu jeder Beziehung die Arbeit seines L:beus getheilt hat, und außer de» erwähnten drei Söhnen süuf verhetrathete Töchter, sowie zahlreiche Enkel. Er war zu allen Zeiten bereit, sei« liberale Gesinnung zu beichätigeu, und hatte rin« stets offene Hand für die Noth seiner Mit» mrnscheu. Dies hat er nameutlich bei Gelegenheit der Feier setues fiebenzigste» Geburtstages bekuudet, welche ihm Anlaß z» naa.haften wilden Sttftuagen gab, die das Gedächtuiß seine» Namens dauernd erhalte« werde». Nicht allein in den Kreisen der Famllieuaugehörigrn, sondern auch tu den weiter« Kreise» der Fxeuude und Bekannten wie der gesammten Bürgerschaft wird der Tod des trefflichen Mannes schmerzliche Thelluahme erwecken. Die Trauerfeter, welche gestern, So»»tag,deu 10.,vormittag «m 11 Uhr, im Traüerhause Bellrvuestraße 8, stattfaud, brachte all die Liebe und Achtung noch einmal zum Ausdruck, die der Entschlafe« im Leben in so reichem Maße genossen hatte. Die Theiluahme entsprach gcmz der hohen ' Bedeutung des Welthauses, das «den den 283 männlich» und den 167 weiblich» Angestellten über 8000 Handwerke» Beschäfttgnng giebt. Der Traueraft vollzog fich tu dem groß» Saal des Parterregeschoffes, in dem der Entschlafe« so oft ein» Kreis lieber Freunde um fich gesehen. Der Saal war der Bedeutung des ernsten Aftes entsprechend geschmückt. Bon dm Wäad» hing Flor herab, das Tageslicht war durch schwere Gehänge gedämpft und nur die Kerzen der Krystallustre und der silbernen Limdelaber verbreiteten einen mild» Lichterglanz über den Ramn. Die Ansbahruug bot ein» geradezu brzauberndeu Anblick und doch hatte nur ein kleiner Thetl der vlnmm, Palm» und Kränze im Trauersaal selbst Platz gesund», der weitaus größte Theil war in zwei der vorder» Salons ausgelegt. E« ist thatsächlich unmöglich, anch nur aunäherud der Blumeupracht, di« hier aufgrhäust war, gereiht z» werde». «in herrlicher Dust erfüllte die Räume. A«f dem Sar, selbst lag ei» aus Ros», Kamelien, Hyazinth» und Veilchen gebildetes Gewinde, das «ft schwarz» und weiß« Schleif» geschmückt war. Auf den schwarzen Schleif« las man: „In Liebe gewidmet von sein« drei Söhn»", .Ihrem thenren. unvergeßlichen, best« Vater", die weiß» *.i Schleif» trug» dir Nam« der Söhne, lieber dieser i Spende erhöh fich eine Zusammenstellung der kostbarst« '.a Palmen. Aus einem Fächer von Eykaswede!» stieg« drei mächtige Livtugstoutm empor, zu Seit» sah man kostbare Lutanim, die Mitte aber btldtte ei» Tuff Mi» Lorbeer und Kamelie». Die herrliche Gab« war das letzte Zeiche» de» Liede, welches Lommerztmrath Sptudlrr ft«» Fr»nd« und »cistesgmoff» grrotdmet harte. A» FnßeL« sah

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