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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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auch unter un« die Meisten ihre politische und wissenschaftliche Belehrung au» den Zeitungen und deren Feuilleton»; worum greift «an da zur Belehrung über jüdische Lehren und Verhältnisse nicht zu den jüdischen Zestnngen? Und w«nn nicht um der Belehrung willen, man lallte glauben, um der materiellen Leben»interessen willen würde man die jüdischen Blätter werthschätzen, wie schon die allen Weisen in den Zeiten de» früheren römischenAntisemitismus sagten, mm zu wissen, wo» «an den Feinden der Juden und de« Judenihum« zu entgegnen habe. Die jüdische Religion indeß interesfirt heute die Juden leider sehr wenig, und die Angriffe der Antisemiten suche man dadurch persäulich — um die öffentlichen und gemeinsamen Jntereffen Israel» kümmert man sich nicht, van sich abzuwehren, daß man sich den Judenfeinden onschließt und, w»e bei den Wahlen, mit de« Antisemiten geht. Wie will man da erwarten, daß die jüdischen Blätter gelesen werden und man ihrer zur Ber. lheidigung gegen den Antisemiti»mu« bedürfe? Uebrigrn« ist auch nicht jede: religiöse Gegensatz ans den Antisemiti«. mu« zurückzusühren. Die Berufuna z. v auf specifisch christliche Liebe oder auf die christliche Religion al» alleinige Ouclle aller Moral, Bildung und Erziehung, wurzelt nicht Überall in Judenfeindschoft und ist nicht ausschließlich mit polemischen Waffen zu bekämpfen, sondern au» d<m Wesen und der Geschichte de» Judenthum« heran« al« eine irrige nachzuweisen. In der Thal lehrt auch die Erfahrung, daß jüdische Zeitschriften im großen Publikum wenig bekannt find und fast gar nicht oder nur selten gelesen werden. Unsere Empfehlung der jüdischen Blätter wird darum, fürchte ich, solange unbeachtet bleiben, bi« da» Jntereffe für Judenihum und Juden wieder geweckt sein wird. Wie die» geschaht? Schule» Hau» und Synagoge, al« die ersten und natürlichsten Mittel, siud bekannt; sie werden anderswo empfohlen, und leider nicht mit dem rechten Erfolg. Vielleicht hilft da» Mittel, welche« «au heute zur Verbreitung weltlichen Wrffens inwendet, d»ffen ernste» und mühsame« Studium man fürchtet und meidet, und welche« darum dem großen Publikum in bequemer und angenehmer Weise cntgezen- S-tragen wird, nämlich in öffentlichen Borträgen und in lowanen. Man rege solche Vorträge an und Verbreste solche Romane, — zur Aufklärung und Belehrung über jüdische« Wissen. E« werden so viele antijüdische Borträge gehalttn und so viele judeafeiudliche Romane geschrieben, warum fehlen da zumeist die judeofteundlichen, um Gegner zu überzeugen uud Freunde zu gewmnen. — Wir schließen selbstverständlich die Mitwirkung der jüdischen Blätttr nicht au«, aber für ausreichend halten wir sie nicht. Der Borwurf, daß die Rabbiner uoterlaffen, gegen den Anttfemitt»«u» anzukämpftn, ist ungerechtfertigt; fie werden mdeß oft von ihren Vorständen daran behindert. Diese ratt«n oft mehr al» nöthig nicht nur zur Vorsicht, sondern zu« Schweigen und Dulden. Man glaubt den Antisemitismus todtfchweigen und verleugnen zu lönnen, wie man vielfach da« Judeuthum und jüdische Eonderinteresjen verleugnet. E« giebt Juden genug, die glauben, daß die Juden selbst den AnlisemstiSmus Unschulden, und ratheo, an da» Judenthum nicht zu erinnern, um den Haß dagegen nicht zu provoziren. Man schweige, sagen sie, und der Antisemitismus werde von selbst schweigen. Wir glauben nicht so. Aber die Rabbiner schwngen, west sie nach dem Wunsch der Vorstände nicht reden sollen, weil nach der Ansicht der Vorstände nur sie, nicht die Rabbiner, die Jntereffen der Gemeinden zu vertreten haben. Freilich die Vorstände maßen sich diese Vertretung oft in rein religiösen Fragen an, ohne und sogar gegen die Rabbiner, ohne eigene Intelligenz und Sachkenntniß. Die Rabbiner trage» daher keine Schuld, wenn sie schweigen, auch da, wo die wichtigste» Jntereffen in Frage stehen. -J. Ungar». (Dr.««r-.) Da» ptttzliche Ableben de» so hochbegabten und allgeliebten Kronprinzen Rndolf wirkt jn tief erschütternd auf Alle, welche Herz und Schmer, für» 4 Vaterland und Kaiser« und KlnigShaa» baden. Wie tu der Trauer, so herrscht in Bezug auf patriolische Liebe und Treue in unserem Lande nicht der geringste Unterschied unter ' den Lonfesfiouen. E» Hot sich die» nicht unr bei dem ' vierzigjährige» Jubiläum Sr. Majestät de» Kaiser-König» bewährt, deffen Freude gar zu schnell leider in Schmer, verwandelt wird, sondern auch bei der jüngsten stürmischen vom ungarischen Parlament in die Volk»- und Jugend- Versammlungen gettagenen Wehrgesetz-Debatte, in welcher die Regierung (Ti»za) wiederum pefiegt hat. Beide Parieiew haben im deftigsten wechselseiligen Kampfe mir da« Jntereffe de» Baterlande» im Auge gehabt, vor dem da« confesflonelle , Moment vollständig verschwunden war. 7«ri*. Herr Baron von Hirsch empfing den Besuch de» unvermeidlichen Interviewers, welchem er die Motive für feine großartige Schenkung und seine Aussichten für die Zukunft der rnsfischeu Inden in Folgendem auseinandersetzte: Die Fond«, welche ich Rußland zur vitrfügung gestellt * habe, sind nicht nur kür den Unterricht jüdischer, sondern auch christlicher Kinder bestimmt. Rußland hat 4'/». Millionen Inden,*) welche sich in sehr gedrückter Lage iw« finden. Wenige von ihnen sprechen russisch, aber fast alle bedienen sich einer An jüdischen Jargon«. In dem Kampf um« Leben können sie nur unter den allerqünstigsten Ber» hältniffen da« Dasein fristen, da sie durch eine chinesische Mauer von der menschlichen Gemeinschaft aligeschloffen sind- Meine Absicht geht dahin, den Grundstein dieser Mauer zu zerstöre» und zwar durch Errichtung von Schulen im russischeu Reiche, zu welchen Inden und Christen ans der Bast» vollständiger Gleichberechtigung zngelafsen werden sollen. Ob die Regierung die Errichtung solcher Schulen begünstigen wird, ist eine anbei e Frage. Die russische Regierung ist allmächtig, jnnd unglücklicher Weise scheint sie zn befürchten, daß mein Plan irgend welche politischen Hintergründe verberge. Nicht« liegt mir indessen ferner al» Diefe». Ich besitze vick mehr der irdischen Güter al» ich b.-dacf und habe mir deßhalb die Frage vorgelegt, wie ich meine entbehrlichen ReichthLmer wbhl auf« zweckmäßigste verwenden könnte.. , Ich blickte um unch und fand, daß die Lag,: der Juden in Rußland im Ganzen beklagenöwetther sei» al» die irgend einer andern bettächtlichen Menschnigruppe der rivstistrten Welt. Al« Jude habe ich natürlich eme Sympachie für ■ meine StammeSgenoffe- und mir deßhalb die Ausgabe ge- 's stellt, denselben eine gir-stige Gelegenheit zu verschaffen» an ber Seite ber allgemeinen Landebdevöckernng arbeiteten und sich derselben asstmiliren zn können. Nur durch solche Assi« « milation können wir die Judenfrage in Rußland lösen. Wa» * ich von der rnsfischen Regierung verlangt habe, ist nicht» £ andere» al» die Garantie, daß der ihr «riMitraute Fond . auch zur Erreichung diese» meine» Zwecke» verwendet werde.. Die gewischten Schulen, welche in Oesterreich und Ga- ■;$ lizien errichtet wurden, haben einen guten Erfolg nachge- 3j wiesen und daffelbe wird auch in Rußland der Fall fern»-. y. wenn die Regierung nur den Verdacht wird fahren lasse», . Ä al» sei irgend ein politischer Hintergedanke die Triebfeder. . Z meiner Handlungsweise. _ - . Kumüttim. « Unkareß, im Januar. (O»Cor.) Lnr Ergänzung, jil de» Herrn Dr. Beck iu Nr. 3 Ihre» gefthätzten Blatte» theile Ihnen mit, daß auch in Hnssi unser Glanbentge, E 1 Nicht: »Mische Kinder*, wiel»ach de« lNrin^r orttzod. Btt, da« die grobtzeqiae Gabe de» Bar»» Hirsch eia Da» »er gescheut »eany der o«a -Neutzart Haraldker «Iadipindame Bette* zu» fer»-j fdgaa» gestellte Bettcht lmtte» fall. 6 Nr lUderfttzer ) M

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