Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 6.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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47 -sofft der Stadl- und Gerichtlmtzt Herr Dr. D. >lmögen am dortige» geistliche» Seminar durch 8 Jahre unter Brateauo'- Regiment Professor der Hygiene und populären Medizin war. Rur «ab in Erwägung gezogen werde», daß diese Thatsachen nicht für die Toleranz Vratrano'«, sondern für die Tüchtigkeit der benannten Herren spricht — folgende Episode wird meine Ansicht bestätigen. Bor wenigen Jahren dollführte Dr. Almogen in Hussi unter Assistenz eine« christliche» Eollegen eine der schwierigsten geburtshilflichen Ope» ralionen mit besonderer Fertigkeit, wa» nicht verfehlt hatte gerechte« Aussehen zu machen und die „Romania libera“ seiner Zeit nicht genug rühmen konnte. Ein anderer christlicher Arzt aber ärgerlich übet de» guten Erfolg der so ' schwieriaen Oprratton, machte hierauf dem assistirenden christlichen Eollegen in öffentlicher Gesellschaft Borwürfe darüber: »wie er sich nicht geschämt einem Jtdan (Juden) zu assistiren". — „Jidan h'v, Jidaa her," gab dieser zur Antwort, „ich Hobe vom Jidan wa« gelernt". Und so ist e» auch überall: man will vom Juden nur Ratzen ziehen kaum, wird er durch Concurrenz unbequem, so möchte man gleich „da« Lind mit dem Bade autschütten." Kerimschlr «rrd «eveste KEchrichle». Der hier vor 18 Jahren durch Watt und That Aach de« vour Lassirer de« Verein«, Herrn E. Singer, erstatteten Kaffenbericht beläuft sich da« Vermögen de« überau» segen«reich wirkenden Verein« bereit« auf bö,90b Mart. Die Mitgliederzahl ist *67. — «« wurden im vergangenen Jahre 12 Wittwen und 9 Waisen unterstützt. Ein« Beamtenwittw« erhält alljährlich au» dem dietbe^üglichen stond 696 Mark al« Pension«zuschuß — Möge der so ersprießlich wirkende Verein immer urehr an Mitgliederzahl zunehmen, ihui auch ferner größere Spenden (und Lmate) zugewendet werven, damit er seinem Ziele, Vau eine« i«r. Waisrahause« in hiesiger Veuieinde, näher rücke. Magdehnr,. (Or.<Eorr) An Stelle de« von der hies. Ar» gierung nicht bestäiigten Lehrer« Hering wurde der Kaufmann Maz Nathan, AepräsentaM der i«r. Gemeind« und Mitglied de« Aura» torium« de« obengenannten «Wittwen» und Waisen-Unterstützung«» Verein«" zum Stadtverordneten gewählt. Er ist der fünfte J«raelit in der Stadtvertretung. — Der zum dritten Male wiedergewählte Rabbiner Dr. Rahm er ist von der Stadtverordneten-Versammluug anch wieder in die Schulkommission hineiugewählt worden. >l« Mitglied derselben hatte derselbe jüngst Gelegenheit, vom Slandpunft der Parität sür die hies. k. tholische Schule mit Erfolg einzutrrten. Wir find in der Lage, ein demselben infolgedessen au« der Gemeinde zugegangere« Schreiben hier mitzurheilen: »Geehrter Herr Dr.I Ich hatte heute Gelegenheit, mit einem Vorstandsmitglied« der biefigen katholischen Gemeinde zusammen zu kommen, und kann nicht unterlassen. Ihnen di« große Freude und Anerkennung mitzutheilen. die sie in der katholischen Gemeinde hervorgerufrn haben, daß Sie mit solch großem Interesse und Erfolg für die Gleichstellung der Echuden in der letzten Stadivrrordneten- Sitzung «ingelretcn waren rc. Hochachtungsvoll A J." (Air haben den Abdruck diese« Briefe« zugelaffeu, weil er di« vielfach ventilitte Frage über die Ersprießlichkeit der Wirksamkeit eine« Rabbiner« aus kommunalem Gebiete :m bejahenden Sinne ent» scheidet. _. Red.) Ansprache a«s de« Tod des Kro«pri»ze» A»dols vo« Oefterreich.Ungaru am 5. Februar im Leopoldftädter Teuchel zu Wie«, gehalten vou Rabbiner Dr. Südemauu. In nächtiger Stunde haben wir uns im Gotteshause versammelt, denn nächtig und traurig ist die Beranlassung dieser Andacht, nächtig und traurig die Stimmung, dir unsere Gemüther umfängt. Als vor nahezu acht Tagen die schreckliche Kunde von Munde zu Munde lief: Kronprinz Rudolf, der Stolz des Kaiserhauses, die Hoffnung des Vaterlandes, sei einem plötzlichen Tode erlegen, da erbebten die Herzen Aller in tiefem Weh. Es gab keinen Bürger im Reiche, der den namenlosen Schmerz der erhabenen Eltern, der erlauchten jugendlichen Gemahlin, nicht nach» und mitempfunden hätte, der nicht den unersetzlichen Verlust beklagt hätte, von dem das Vaterland be» «offen war. Denn da» Unglück führt eine Sprache, die Jede« geläufig ist. Sie ist die einzig gemeinsame in dem vielsprachigen Reich«, in welcher Hoch und Niedrig, in welcher alle Böller sich verständigen. Dies« Sprache rührte alle terzen, tönte von allen Lippen wieder. Uno al» dann am age darauf, als wollte das Zichrecklichste sich selbst überbieten, die Todesart bekannt wurde, al» man sich sagen mußte, wie derjenige, dem das Leben seine reichsten Gaben in die Wiege gelegt, sich äraer und verlassener, denn die Aermsten und Verlassensten, gefühlt hatte, weil ihm der Trieb zu leben, die Freud« am Leben entschwunden war —, da that sich vor eines Jeden Auge ein Abgrund auf, in dem Alles, was die Menschen unter dem Namen von Glanz. Hoheit. Glück und Ehre Preisen und beneiden, versinken zu wollen schien. Sprichwörtlich sind die Qualen jenes Helden der heidnischen Sage geworden, der von Hunger verzehrt wird und dem die herrlichsten Früchte vor dem Munde schweben, die aber entschlüpfen, sobald er danach greisen will. Aber wie viel größere Qualen muß er erduldet haben, dem das Leben alles bot und der alles von sich wies, der in der Fülle des Glückes die (Entscheidung traf: »Mir ist der Tod erwünschter, als da» Lebeil." So erscheint derjenige. den wir für den Beneidenswerthesten hielten, als der Bemitleidenswertheste, und weit entfernt, anzuklagen, haben wir nur zu klagen. Und wir haben viel zu Nagen! Man kann die tiefe Wirkung de» entsetzlichen Ereignisses nicht besser schildern, als mit den Worten deS alten Trauerredners: »Es ist, als ob die Sonne um Mittag untergegangen wäre". Es war um die Mittagstunde, als der Tod des erlauchten Kronprinzen bekannt wurde, und in der That schien einem Jeden, der die Kunde vernahm, die prophetische Drohung sich zu verwirklichen : »Ich werde die Sonne um Mittag untergehen lassen und da» Land verfinstern am Hellen Tage." Und auf wen fände das Bild der Sonne und des Lichtes gerechtere Anwendung, als auf ihn, der in den ersten öffentlichen AnHrachen, die er hielt, das schöne Wott verlaute., ließ: »Ein Meer von Licht möge von dieser Stadt ausgeh'l", der überall, durch Wort und Schrift und Ein» fluß, die Erleuchtung förderte und die Männer der Erleuchtung in seine Nähe zog. Er war eine Sonne, welche die Zukunft zu erhellen und zu vergolden verhieß, er war eiu Licht, vor dem die Mächte der Finsterniß nicht bestehen konnten. Darum war 'er der Liebling Aller, denn Me fühlten da» Licht und den Glanz, die von seiner Persönlichkeit ausgingeu, welche die Höhe, auf der er stand, und welche oft nur Kälte ausströmt, mit wohlthuender Wärme umgab. Diese Sonne, dieses Licht — sie sind in ewige Nacht versunken, und uns bleibt nur die Klage. Wir klagen mit den erhabenen Eltern, mit der erlauchten Gemahlin, mit dem Kaiserhause, mit dem ganzen Vaterlande. Alle haben ihn verloren, und wer wollte die Abstufungen des Schmerzes messen, nach welchen dieser Verlust empfunden wird? Er ist eben für Alle unermeßlich, und die Nacht der Trauer, die uns umfängt, sie zieht sick> fort in die ferne Zukunft. In dieser Nacht kann nur Eines uns erhellen, daS ist der Glaube an Den, in dessen Hand das Leven von Hoch und Niedrig ruht und der die Geschicke der Menschen lenkr. Zu ihm wollen wir im Gebete uns erheben, »denn in Deinem Licht schäum wir Licht." Mögest, Du, o Herr, die erhabenen Eltern und die erlauchte jugendliche Gemahlin mit Deinem Tröste stärken, daß sie den schmerzlichen Verlust des Sohnes und de» Gatten zu tragen vermögen. Mögen sie sich aufrichten in dem Bcwusstsein. daß ihre Trauer die Trauer des ganze n Vaterlandes ist, daß wie der Pater und dir Mutter, so das Vaterland selbst seinen besten Sohn beweint. Halte segnend und schützend Deine Hand über dem Kaiserhause und dein Baterlande. und wehre fortan iedem Ungemach. Ihn aber, den Frühvollendeten, nimm aus in das Reich des Friedens und der Gckigkest, wie wir sei» Andenken segnen. Amen! £L-