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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Zweck der t» G*tte«ha«se angebracht« Tafel in finniger, de« leiste unserer Religion entsprechender Weise. Red.) Aerki». Line der Hauptstützen de« Auttsemitenbuude«, der dmch seine Rede» in couservatio-autisemitischm Volk«- «»ersammluogm bekannte Prtoatlehrrr Laugheinecke. ist von der Stiafkammer de« Landgericht« 1 wegen Erpressung zu 6 Monaten Gefäuguiß und 1 Jahr Ehrverlust verurtheilt worden. Der Staatsanwalt hatte nur eine Gefäuguißstrafe von S Monaten beantragt; der Gerichtshof ging weit über diesen Intrag hinan«, indem er auf 6 Monate Gefänguiß uud 1 Jahr Ehrverlust erkaunte. Die Haudlung«w«ise de« Angeklogtm sei eine so verdammen«iverthr und seine Drohungen seien so gefährlich und eine niedrige Gesinnung verrathend, daß bei dem Bildungsgrade de« Augeklagten eine höhere Strafe gerechtfertigt erfchrine. — Herr Böckel hat auf einem Kaisercommer« de« Deutschen Reformveretu« eine Rede gehalten, tu welcher er «einte: Wer kann wissen» »an» endlich der durch die Wühlereien einer internationalen Judenpreffe, durch die Hetzereien vaterlaad«loser Gesellen aufgrhänfte Zündstoff Feuer fängt? In dem Felsen unser« Kaiserhause« uud uaser« Heere« würden die Bestrebung« de« Judenthum« uach der iuternationalen Herrschaft zerschellen. (Phrasendrescherei! Möge Hr. Böck l leb r acht ged n, daß seine Antt-Alimentatiou«- Beitrebungm nicht an dem Felsen de« deutschen Strafgesetzduche« zerschellen. Red.) Schließlich toastete ein Herr Welker auf di« Vereinigung der »erfchiedeueu deutsche« o»ttse«ittschtn Gruppen zu einer großen antisemitischen deutschen volkspartei. — Für die Inden hetze versucht der Deutsche Antisemitmdnnd iu seinen Bersammluugen den Umstand anlzunutzeu, daß Abgeordneter Bamberger gegen die Afrikavorlage aufgetteten ist. Dt« Herren scheinen nicht zu wissen, daß in und für die ostasiikauische Gesellschaft auch Persoueu jüdischer Loufesfiou in hervorragender Stellung thätig find. Werk» 3. Februar. Für di; getauften Jude» tritt »enerdiog« Herr Hofprediger Stöcker ein. So feierte er vor seinen Chriftlich-Sozialm am Freitag August Rrauder al« eine» »rechten J«raeliteu uud rechten Christen*. Iu« de« Zuhvrerkretse wurde verwundert die Frage aufgeworfen, »was will Hofprediger Stöcker mit seinem Vortrag sagen? Die Ausnahme bestätige doch nur die Regel?" Da klagte Herr Stöcker, e« zeigten solche Fragen, daß mit mancher Antisemiten die Verständigung sehr schwer sei. Nun wurde ober au« der Zuhörerschaft die Frage aufgeworfen: »Wo bleibt da« Nattonalgesühl?" Daraus antwortete wieder Herr Stöcker pathetisch: »Da« bleibt tu der Brust iolcher Leute, die wahie Christen find und werten. Ersten« ist e« nicht Reander allein, sondern Stahl und mancher Jude, den ich kenne, der sich aufrichtig bekehrt hat, uud sodann ist doch die welthistoriiche Thatsache nicht wegzuleugueu, daß da« Ehrifteuthum durch die Apostel, die alle bekehrte Jude" waren» auSgebrritet worden ist. Für den Standpunkt de« Fragesteller« fehlt mrr da« Verftändniß. E« ist ein unwahrer, unedler unchnstlcher Standpunkt." — Man steht, die Gefolgjchast Stöcker« hat herauSgefuudeo, daß in dem Ingendlick, wo die Judruhege sich nicht mehr gegen die Abstammung, sondern nur gegen die jüdische Religion kehrt, der Autist mitiSmu« feine letzte Kraft einbüßen muß. Kann alSdaon doch der den Antisemit« nicht «ehr von den »Fremd- Itagrn im Lande und von dem »wahre« Deutschthum" im Gegensätze zu den Juden die Siebe; fein.) Dem protestantischen Geistlichen Stöcker ist ti allerdings vor Allem darum zu chun, jetzt recht viele Proselytm unter dm Judm zu machm; dämm hat er für die Getauftm ein Paar schöne Watte. Do« ist de« Pudel« Kern. Wir güanm ihm da« charakter« lose Gesindel, da«au«K»rcht vor demInt>femiti«m«S,dmtS selbst verabscheut, fahnenflüchtig wird und zu dm Antisemiten überläuft. Mresla», 1. Februar. Der hier seil 30 Jahrm unter dem Protektorat de« Herrn Prof. Dr. Graetz exrstirmde und segmöreich wirtmde Verein ^Liwjath-Thea", dessen Auf- Hab« e« ist, unbemittelte Hörer de« jüdisch-theologsscheu Seminar«- in zartiinnigster Wesse vor dringender Roth zu schützm, erstatttt Bettcht über seine Thätigkeit im abgelaufmm Geschäftsjahre 1888 uud empfiehlt seine Bestrebungen auch künftig der Theilnahm« und der U iterstützung edler Mmschen» frmnde. Wie au« der Ueberstcht über die Einnahmen und Ausgabe" hervorgeh», betrugen di; ersterm im vrrfloffenm J"hre 2743,25 Mk., die Auögabm dagegen 3036,25 Ml., letztere überstiegen also die Eiunahmm um 2S8 Mk. — Rur der Thalsache, daß da« Geschäftsjahr 1887 in Folge ganz besonder» günstiger Umstände mit einem erheblich« Ueberschuß abschloß, ist e« zutuschreiben, daß der dieSjähriae Rechenschaftebericht noch einen Kassen bestand von 316,75 Mark au weist. Der Vorstand, bestehend au« dm Herrm Dr. Betthold Einstein (Borsitzent«r), Max Schönfeld (Kas« firer), Dr. Leopold Goldhammer (Schriftführer) Dr. Mose« Goldberg und Max Bernstein, der «ifriqst bemüht war. die Eiunahmm zum mindesten auf der gletchm Höhe wie im Vorjahre zu erhaltm, sah seine Bestrebungen leider nicht vom Erfolge gekrönt und war darum nicht in der Lage, alle» Anforderungen gerecht zu werde«. Derselbe wendtt sich daher an alle Edeldmkenden, denen da« Gedethm der jüdischen Wissenschaft und da« Wohl ihrer zuküaf« tigm Bettrtter am Herzen liegt, an alle Gönner de« jüdifch» theologischm Seminar« zu Breslau, vor Allem aber an die au« dieser Anstalt hervorgegangenm Rabbiner, welche dr» Vereine« scgm«reiche Wirksamkeit au« nächster Nähe -rkanut habm, mit der dringmden Bitte die Interessen de« verein« nach Kräften zu fördern und besonder» in idrm Gemeinde« dahin zu wi-ke». daß demselben stet» neue dellragmde Mitglieder gewouum werbm. — Allen bisherigen Gönnern uud Wohlthätern spricht der Vorstand besten Dank für ihre edelmüthige Unterstützung au« uud bittet fie, de» Vereine auch ferner ihre Theilaahme zu bewahren. Da« verzeichuiß säwmtlicher bettrageubm Mitglieder wird de« «lljährltch erscheinenden Prograw-u de« jüd-ttieolog. Seminar« betgegebeu. An« Atade» schreibt ei» pmfiouttter prmßtscher Lieutmant Folgmde«: Dem Prinzen vou Preußen, nachmalig« Könige Friedrich Wilhelm II. wklrde 1784 über Rekrutirnng et« Bortrag gehalten dem ich Ruchsteheude« entnehme: »Zu dm stolzmuthigstm Männern gehören von je her die I«- raeliten und haben fie fich al« Krieger sowohl iu eigmm uud altrömische» Heerm, al« auch in »euerer Zeit 1648 gegm die Schweden io Prag, 1686 in Ofm gegm die Türken und 1780 io Holland gegen dt« E"gländer, in eigenen Corps kämpfend, mit Ruhm bedeckt. Jo der preu- , scheu Armee köantm die zahlreichm J«rarlitm de« Staate« beste Verwendung al« Husaren erhaltm. Ihr fmrige« Temperammt würde ihre Angriffe immer erfolgreich machm und ihre kluge Schlauheit und rasche Findigkeit köantm fie im lleiam Kriege al« Husaren vortrefflich anwmden, zumal fie körperlich sehr gewandt fiud und große Zuneigung für Pferde habm. die sie gut reiten, richtig beurthetlm und musterhaft pflegen, wo» fie allein schon zur Eltte-Cavallerie höchst geeignet macht. — Zur Aufflammuug ihrer Ruhmbegierde müßtm fie ein Corp« unter israelitischen Offitterm btldm uud ist unzweifelhaft, daß diese» Wunder der Tapferkeit vollführm würde.* Wie würbe e« unsem jugmdlichm, husarmmuthigm Kaiser erfreum, wmu ihm ermöglicht würde, nn ,J«raelttische« 2. Garde-Leib-Husareu-Regimeut* — ein Herzenswunsch Allerhöchst desselben — zu gründen! Haben die Russen mohamedanische Regiwmter, können wir auch israelitische erhalten. ▼. B. Jha Fitzet«, 1ö. Februar. (Or.-Corr.) Die Empfehlung dn jüdischen Blätter and speziell Ihr.« Blatte« ist gewiß ge« rechtfettigt dmn sie dient hanptsäärl'ch den Joteressm und dem Brdürdniß de« profjm Publikum«. Wenn auch ihr alleiniger Zweck nicht ist, al« Wafstnplotz zur Bettheidigung g gen antisemitische Angriffe zu dimm, so liegt doch dieser Zweck gerade dem großen Publikum besonder« nah«. Welche religiöse Belehrung«- und BettheidigungSguelle hat dmn heute noch die Masse? Gleich dm Inderm schöpf«

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