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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Lehrerstand -«schaffe«, »icht höhnen, nörgeln, da» eutschetdel. Und da» hat die .Wochenschrift' gethan, so lange wir sie kennen: und da» wird der einsichtsvolle Lehrer ihr danken! Wer für den Lrhrerstand wirke« will, maß für de» Religionsunterricht in erster Linie eintretea. Da» ist so natürlich vnd wird doch oft mißverstunden. Und zwar: für den pädag »gischen Religionsunterricht! Wir haben manch' kräftig Wort in dieser Richtung gegen Amt» genoffen de« Herrn ReK-'teur« geschrieben «od nie Refn» erfahre». Uns gilt die Sache, nicht die Person. Damit glauben wir, ist die Lerlenmdang von der .Lehreiftlndlichkeit^ der ,I«r. Wochenschrift' zurückgrwiesen. Wir fühlen uns »icht berufen, andere Melanng». Verschiedenheiten gegen dt« Schrift de» Herrn» Loblenz hier de» Näheren ansznsprechen. Wir find z. B. der Inficht, daß der jüd. Lehrerstand berufen ist. den gesanglichen Theil de» Gette»dienste» zu reorgauifiren, zu vereinfachen, den Gemeindegesavg zu fördern und dahin zu wirken, daß die Synagoge oüht mehr zu« Eoucertsaal erniedrigt »erde. Da» ist so oft der Wille der .schönen, großen Lhasaui«!' Da» kann der Lehrer aber onr ol» Borbeterl Da» verbeterarnt gehört alk» seiner Würde entsprechend zu« Lehramt, nicht zn» Schächter dien st! Wir find ferner der luficht. daß die jüdische Loofesfionsschule prtnctpiell ebenso zn verwerfen ist. wie die christliche. Wir beklagen e» tief, daß dt« traurige Richtung der Zeit die Loufesstoa«schuleu zur Rothwendigkeit macht uud halten e« für eine B^süadigung gegen die Mauen de» in Siegen geborenen großen Manne», daß mau der Trennung in den Schulen auch »ou jüdischer Seite zuftimwt. Wir geben gern zu, daß augenblicklich« Verhältnisse für Beibehaltung der Lonfesstonsfchule spreche». Allein — priucipiell müssen wir zur Lommunalschnle stehen »md Mitwirken, daß die alten Ideale der deutschen Schule nicht vergeffeu werden. *) Ich möchte eine» Preis auf dt« Beantwortung der Frage legen: Wa« kann in der Volksschule in den profanen Uuterrichtsgegeuftäudeu geschehen, wenn man eben nicht an» dem Rahmen derselben heraustritt, für dieLoufesfiou? Ich sage: Nichts gar Nicht»! Einige Kapitel etwa ans der Geschichte, die oia» gut entbehren kann, können consesfionell betriebe« werden. Ich leite seit 14 Jahren eine Klaffe von ca. 80 bi» 70 Schülern aller Loufejfioneu. Ich habe nie mehr als zwei dis drei jüdisch« Schüler in der Klaffe gehabt. In meinem Unterrichte, in meinen Scholgebeten, die dmchweg die Zustimmung der Behörde« gefunden habrn, ist »och kein Wörtchen vorgekommei^ da» erkennen ließ, ob ich ein überzeuguugstreuer Jude oder ei« Lhrist bin. Der grwiffenhafte christliche, selbst der ultramoutane Lehrer kann nicht anders l,andeln und lehren. Man kennzeichne mir doch «imual, woran der konfessionelle Geist in der Volksschule außer am Religionsunterrichte haften soll; ich habe ihn nie finde» können. In meiner Lonfesfiousschule, die ich 18 Jahre leitete, habe ich in profanen Gegenständen nicht um ei« Jota ander» unterrichtet als jetzt. Und behaupten, daß rin« urehrklasfige Schule nicht bester sei. als eine ein- oder zweiklasfige, das soll doch kein Lehrer! Ich laffe ja die prak» tischen Grünte, die für den jüdischen Lehrerstand sehr gewichtig mitsprechen, wohl gelten, aber die Theorie wollen wir nicht fälschen. Das ist unsere Pflicht als Lehrer. Uud nun zu« Schluffe! Einigkeit in unserem Streben uud Wirken thut Noch. Das ist stet« da« Erste uud Wichtigste, darum Danm mtl SV2N. Gerichte ttstb Corresporrderrzen. Dewtfchlawd. IKaßbeönrg. Aus eurer westpreußischeu Gemeinde erhalten «rr solgeud« Zuschrift, die wir aus ausdrückliche» Wunsch de» Betreffenden veröffeuttichea: •) Ja diese» Via»« schrieb ich i» der .Prerchffche» Lehrerzeituua' «usaug» Juli o. I «tue» resp. drei «rtitel: .Die alte» M-al« fin lkaulpse um« Dasei».' K. .Ich erlaube mir Ihne», geehrter H»rr Redaetenr, folgenden Fall vorzntrage» »ud «« Ihre gütige In»kn»ft resp. luficht zu bitte«, «l» grtter Patriot u nl» alter Soldat, der die Feldzüge von 1864, 1866, 1870 mitgemacht und seit einem Jahre Lorsttzeader der hiefigeu Lhewra Kadischah, habe ich bet besagte« Verein augiregt und dieser hat einstimmig beschloffen. der hiefigea Synagogen. Gemeind« eia Geschenk zu machen, «ud zwar eine Gedenktafel, die, in würdiger und künstlerischer Weise hrrgestellt. zu« ewigen Gedächtnis die Namen der beiden hochfeligea Majestäten de« Kaiser« Wilhelm I. «od de« Kaiser« Friedrich (nebst Geburt« «ad Sterbet-, uud entsprechendem Bibelvers) enthalten uud i« Tempel angebracht werden soll, und zwar ganz in derselben weise uud Ausstattung wie schon mehrere Tafeln in uuiere« Tempel angebracht find. Dir Uebergabe ua» Eataülluog dieser Gedenftafel sollte am Sterbetage des Hochset. Kaiser» Friedrich, am 18. Juai, statt finden. Ich halte der entsprechenden Eingabe au den Gemeinde-Vorstand auch eine Skizze der Tafel beigelegt. Nach Verlauf von sechs Wochen erhalte ich nun den Bescheid, daß der Vorstand sich dazu nicht bereit erklären könne, von der Lhewra Kaoijchah ei» derartiges Geschenk anzuoehme» uud den dazu erforderlichen Platz im Tempel auch nicht einräumea würde, »eil der Vorstand stch der luficht nicht verschließen kann, daß damit dem Judeuthu« nach Außen hin mehr Schaden als Eg»e bereue: würde, indem der Antisemitismus dadurch nur neuen Stoff zu gehässigen Seußerungru erhielte. Da ich ober, und mit mir sämmtliche vereiosmitglieder gerade »er enlgegeugesetzteu Anficht find, so ersuche ich Sie, uns Ihre Auficht resp. Ihren gütigen Rath mitzutheilen, denn ich glaub« annehmen zu dürfen, daß wenu ich, unterstützt von rabbiuisheu Autoritäten, den Nachweis liefere, daß das Judenthum durch jene Gedenktafel fich keiner Uaehre und Gehäjfigkeit aussetzt, der Semeinde-Vorstand diese Gedenktafel aanehmen wird. Ich würde auch noch bitten, diese Angelegenheit öffentlich in Ihrer Zeitung zu desprecheu, um auch die Anstchten Anderer zu hören zu bekommen. M. S. (Obwohl wir cs stet« ablehueu, in inneren Angelegen, heilen einer Gemeinde auf Aufforderung von einer Seile, rin Votum abzogebea, so hat doch der in Rede stehende Fall ein allgemeineres Interesse, er berührt weniger religiös« Differeazpunkte, als vielmehr die gegenwärtige Zeitstrvmuag; es »st unseres Erachtens eine Schicklichkeit«- >md Taktfrage, wie weit mau in der Rückfichviahme auf den Antisemitismus gehen soll. Nun müffm wir offen gestehen, daß es uns ganz unerfindlich ist, wie durch Anbringen einer solchen Gedenttafel zu Ehren der beiden ersten deutschen Kaiser im Tempel der Antisemitismus Stoff zu gehäifigeu Bemerkunge» gegeu die Juden finden sollte es müßte denn «in« ganz besondere Abart von Antisemiten in der betr. Stadt fich befinden. die daran Anstoß nehmen sollte. Dem Antisemitismus ist fteilich nicht» heilig, er beschimpft uns wegen mangelnden Patriotismus und beschimpft uns, wenn wir ihm mit unserem Patriotismus ,»Vorkommen; aber daran dürfen wir uns nicht kehren. Etwas Anderes loäre es freilich, wenn aus der Gedenktafel etwa nur öer Name eine» der Kaiser stünde, da» wäre tattlos uud gäbe mit Recht Anlaß zu allerhand gehässigen Deutungen, aber wenn neben der Tafel mit de« HanoMen Dvoononft-Gedet für de» regierende» Kai>er Wilhelm H. die Tafel zum Gedächtuiß seiner beide» großen Ahnen angebracht wird, s» ist das rin Aft patriotischer «ud pietätvoller Gesinnung, vor der jede Kritik verstummen muß. Wir würden, um inseru Rath nun einmal augegangeo, der derr. Lhewra noch nupfehleu, an der Gedenktafel neben den Namen der beiden hochsel. Kaiser zwei Lampen anbringen zu laffen» die au de» betr. Sterbetagen als Sinnbild der Unsterblichkeit (.Ein göttlich Licht ist die menschlich« Seele!' Spr. Salon». L. 20,27) augezüadet werde» müßten. Dan» hängt kas Geschenk mit de» Ziel« der »Lhewra Kadtschah' näher z»sa««e» «ab erhöht de»

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