Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 6. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 6.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5369809-5935066-5956565--6997-5373063
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 42 - Judenthum ist so kühn, ider Erfahrung zu widerspreche». »Ler.uur, ich möchte sagen: lauf Eommaudo der Logik. Di« Logik, di« Eouseqneuz de« Denken», verlaugt unerbittlich Wunder: der allgütige Gott, der die Welt erschaffen, der fie nach seine« freien Wille» beherrscht, sollte er nicht seine Macht über die Natur grbraucheu, m» die Meuschheit zu ihrem Heil im Klauben au Ihn und im Leben nach seinem Willen zu stärken? Die logische Eonsequeuz »erlangt Wunder. Kann aber die »logische Eouseqneuz" je »Mysterien", den logischen Widerspruch, verlangen? So kühn war da» Inder thu« ui«, der Erfahrung und der Logik Trotz zu bieten, so kühn konnte da» Jndenthum nie sein, da e» im Kegrutheil auf Denken und Erkeuntniß nachdrücklichste» Kewicht legt. Da» Jndeuthnm hat die Gottheiten der Natur vom Throne gestoßen, indem r» den Seist auf denselben erhob; e» hat die Herrschaft der Sinne gestürzt, indem e» der Majestät der Vernunft huldigte — »nicht die Kröß« und nicht die Kraft, sondern der Seist", sagt Ihr 8irdliug»pr»ph«t Zacharia» — der Geist und die Vernunft aber postulireu Wuuder gegen den >u»spruch der Gesetz« der »Größe und der Kraft". Aber eben darum ist rin Dogma gegen die Gesetz« de» Geiste» und der Vernunft — ei» Mysterium — für den Juden undenkbar, unfaßbar, unglaublich, unauuehmbar. — vielleicht waren e» die Zeit, in der da« Lhristeu'hnm entstand, und der geschichtliche Beruf, den da» Lhristeulhum zu erfülleu hatte, die da» Ehristenthum zu Mysterien drängten. Di« alten Weltauschauungeu hatten Bankerott gemacht, die Götzen waren in ihrem Nicht» erkannt, dir römische Götterlehre war durch die Logik» durch da» Denken, durch den Zweifel morsch uud ,usamme»gebroche». Nicht eine Ohnmacht de» Denken», nein, die Uebermacht de» Denken», die sophistischen Auöschrettuugen de» Denken» beherrschten die römische Welt, al» da» Ehristenthum seine» geschichtlichen Beruf zu erfülle» begann. Da gatt e» biefir Uebermacht de» Denken» entgegenzulreten, die Krankheit der römischen Denkuüchteruheit zu heilen; da mußte die monotheistische Sedaukcnstreuge dem »Mysterium" Coucesfionen wachen, wem» der Erfolg über die Heideaweft ermöglicht, erleichtert werden sollte. — Diese Eoncesfionen erzeugte» hauptsächlich den Zwiespalt zwischen der Mutter und der Tochter, zwischen dem Jndenthum uud dem Ehristeuthum. Inzwischen hat die Geschichte der Meuschheit ihre ruhmreichen Fortschritte gemacht; diese Eoncesfionen find hrme nicht mehr uöthig, ja im Gegeutheil: fie erschweren, beeinttächtigeu den TiegeSzug de» Mouoth«i»mu». Und jetzt soll da» Judeuthum, die Judeuheit für die Annahme der christlichen Mysterien gewonnen «erden, deren etwaige Berechtigung zur Zeit chrer Entstehung w i r einzig in ihrer temporellen Zweckmäßigkeit erblicken, die aber heme, nach Ihre« eigenen Sestäoduiffe, eine Bürde der christlichen Gläubigkeit au»mache»? »Da» ist ein Mysterium" — sagen Sie S. 49 — »in welche» hinein zublicken die Wonne der Engel ist (1. Pett. 1,12) uud um deffen richtig« Auffaffung gläubige» Nachdenk cu seit Anfang der Kirche fich gemüht hat. Wen» einst J»rael iu diese« Jesu» seine» Ehristu» erkannt hat, daun wird e» mithclfeu, fruchtbare» verstünduiß de» uuergrüudltchr« Mysterium» zu fördern." «so die Ehristenhett müht fich verüben« ab, da» Mysterium zu ergründen, uud darum soll Jörael koume» uud au»- helfeu.*) Die Hilfe, die J»rael hier leiste» »ürd«. wäre stcherlich nur ein« negative. Jörael würde auf Besetttgnng aller Mysterien au» der Glaubtmölehre dringen: sollte da» die Meinung der Judenmisfiou sein? Da« glaube ich nicht; dann wäre e» ja logischer, bei Jörael einzu» treten und nicht: J»r°el» Eintritt zu veranlassen. Aber ohne Zweifel würde die Hilfe de« in» Ehriftenthum eintrrtendeu Jörael» in einer Zersetzung de» spectfischeu Ehristenthum» bestehe». Jörael wagt e» nicht, hat e« nicht gewagt, wird e« nie wage», die» für seinen Beruf zu halten, und sollten Sie, Herr Profeffor, e» wage«?_ (Sin offene* Wort Aber einen Lehrer» Lonferenz-Bortrag. Bon I. Kliugenp ein-vberiageltzei«. Herr Lobtenz. jüdischer Lehrer iu Siegen — den Namen dieser Stadt wird kein braver deutscher Lehrer ohne erhebende« Gedenken anösprecheu oder schreiben; e» ist der Grbartöort des edelsten unie, den deutsch,« Schulmännern, de« Großmeister« der deutschen Lehrer. Diefterweg» — als« Herr Eoblenz iu Siegern hat eine« Vortrag drucke» laffen. den er auf der Eoofermz jüdischer Lehrer Rheinland» und Westfalen» am 21. Mai 1888 iu Düffeldorf gehalten hat. der — wir gestehen da« mit Vergnügen zu — recht viel Gute», Wahre« und Schöne« enthält. Der vorttag muß jedoch die volle Zustiruuung der Eonferenz in allen seinen Thelleu erhalten haben, da fie ihn für wichtig genug hielt, ihn drucke« zu laffen. Die Eonferenz ist daher auch . verantwortlich für da» G,mze — und da finden wir doch so Manche«, wa«, gelinde gesagt, unser Befremden, ja selbst unser« Unwillen erregt. Wir fühle» un» nicht berufen, Alle« zu tadeln, «a» zu tadeln wäre, da wir ja auch nicht da« lobe«, wa« zu loben ist. Wir kvuueu ja die Eonferenz nicht nachträglich zur Ordnung rufen und wollen un« nicht zum Richter über ihre Aufichteu erheben. Ader vor Allem: die Achawa sollen sie lassen stehen! Wohl konnte Herr Eoblenz nicht umhin, derselben auscheinend gerecht zu werden, aber doch fließen einige Sätze unter — gleichsam Nadelstiche, die etwa» bedeuten, und die un» lebhaft an di« dicken vrochüren erinnern, tue ein gewiffer Dr. Kroueuberg au» Rheinlaud - Westfalen au« der Zeit vor 25 Jahre» gegen den »BereinSgrüudling Kliugeusteiu" loögelaffen. Herr Eoblenz sagt: Die beiden Vereine »Achawa" und »RH.-W- Unterstützungökaffe" gewähre» io alle» den Fällen, wo Mitglieder in Folge von Krankheiten, Gebrech:», ferner wegen Alter» oder .sonst unversck,uld«t" dieustlo» geworden find, Pensionen I Er sagt dabei aber nachträglich doch: »den letzteren Fall schließt die Achawa meine» Wissen» au»." Wa» will Herr E. damit scigru? Etwa — wenn der Lehrer in Folge von Stteittgkeite« mit seiner Gemeinde feine» Dienste» verlustig wird? Herr E. kennt unsere Statuten nicht, sonst würde er wiffen, daß wir Jahreöuuterstützung gewähren, »wenn da» dienstliche Einkommen gauz oder^ theilweise aufhört." wa» soll also da»? — Dan» heißt e» wo von der Unterstützung der Wa isen die Rede tst r'Z »Jedoch geht auch hier t«r Verein der jüdischen Lehrer'^ Rheinland» und Westfale»« etwa» »etter al« die Achawa/Z welch' letztere di« Waise» ,«r bi» zur Vollendung de» 18. Ä Lebeuöjahre» unterstützt; wlhreud ersterer di« Unterstützung rrmä ‘«"Ä SÖV3C ÄL ÜK Bafel" Nicht für d« «enschee.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.