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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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kenne biefrl an besten — besteht durchweg au« humanen tmb auch ixn Lehrer - wohlgesinnte» Personen. Dasselbe hat bi« jetzt de» weuig bemittelten Gemeinden eine» erhebliche» Znschrh zum Gehalt ihre« Lehrer« zogeweudet. Nnn aber, da die Gemeinden durch da« Gesetz einen noch größeren Zuschuß von» Staate erhalten, wird wohl da« Borstrheramt seine Zuwendungen den Gemriudeu entziehen. Da wäre e« dev» rin Verdienst unsere« LehrerauSsäiusse«, wen» derselbe bet genannter Be>,drde um Gehaltsaufbesserung der Lehrer «iukommeu würde. Der Erfolg dürfte kaum ansblekben. X Esse», 21. Januar. (Or.-Lorr.) Der hiesige unbedeutende antisemitische Reformoereiu hatte vor Weihnachten in olle Häuser ein „Extrablatt" betitelte« Pamphlet legen lassen, welche« wahrhaft empöreud war. Rach demselben wäre e« ein« Schmach, bei Juden Weihuachtreinkäufe zu machen. Luch find die Waarrn der Juden wenn auch billiger (ahal) doch schlechter u.s. w. Wir Sausleute wußte», daß diese« Geschreibsel uu« bei dem gesunden Ginn und von dem Geiste de« Antisemitismus noch nicht durchsetzten größten Theile unserer Bürgerschaft weuig schaden würden. Und wir können gestehen, daß wir gerade diese Weihnachten bezüglich der Geschäfte keinen Grund zu klagen haben. Weil aber der überaus gehässig; Ton der Schähschrift on« Juden alle beleidigte, stellte Herr Hauptlehrer Graf unserer jüdischen Schule bei der hiesigen Staatsanwaltschaft einen Strafautrag. Obgleich er von vornherein wußte, daß die Fassung de« Blatte« wenig Aussicht auf Bestrafung der Schmähende« bot, so wollte er doch einen versuch machen. Bor einigen Tagen ging ihm dir Antwort der Staatsanwaltschaft zu, welche« die Ablehnung zur strafrechtlichen Verfolgung dahin motivirte. daß d,e Flugschrift sich gegen die Juden in der Allgemeinheit, nicht aber geg » eine individuelle, näher beschriiukte Anzahl derse.bea richtet, eine collective Einheft aber nicht Gegenstand einer Beleidigung sein kann. (Urtheil de« Reichsgericht« vom 6. Oktober 1881.) Außerdem können derartig« Suudgedongeu, da sie bestimmten, au sich nicht gesetzlich untersagten Parteibestrebuagrn in erlaubter Weise dienen» auch nicht unter die Strafbestimmung de« 8 260 H. d. Str.-G.-B. fallen. In einer mündlichen Rücksprache mft de« StaatSanwalte wendete Herr Hauptlehrer Graf hiergegen ei», daß wenn Jemand da« Ganze beleidige, doch avch ei» Theil de« Ganzen — und er als Jude bilde doch eine« Theü der Gesammtjudenheit — beleidigt sei. Hierauf soll ihm der StaatSanwalt bemerkt haben, daß da« ihm nicht unrichtig scheine, e« möge wohl ein Mangel der Gesetzgebung sei«, aber au die Entscheid»»- de« obersten Reichsgericht« sei er gebuuden. Also müssen vir uu« euhig weiter beschimpfen lassen? Giebt'S denn keine Abhülfr? Sollen wir denn ewig ein Märtyrervolk bleiben? (Eine Petition, dem anerkannten Mangel der G schgebung durch einen die-bezüglichrn GesetzeSparaoraphen obzuhelfen, würd bei dieser Hammer nicht« nützen.) Keiktzrau», 22. Januar. Al« ei» sehr günstige« Zeichen, daß die judeufeindliche Sefinmmg in hiesiger Stadt eine Wendung zum Besseren genommen hat," betrachten wir die Wahl de« jüdischen RrchtSauwalt« Dr. Schloß zum Borfitzroden de« BürgrrauSschoffe« (Stadtverordneten), und zwar durch die Auhäuger der deutschen (uatiouallibcralen) Partei. — Der 6. Januar, Todestag Mose« Mendelssohn«, brachte mir die vor drei Jahren stattgefuudeue Feier de» 100 jährigen Todestage« desselben in Erinnerung. Anläßlich derselben wurden zu einem Denkmal für Me»drl«sohu Sammlungen veranstaltet, ohne daß dt« jetzt da« Resultat und die Verwendung derselben bekannt gegeben wurde. Scho» öfter« von Spender» hierüber interpellirt, wäre ich der verehrt. Redaction dankbar, wem» sie Nähere« darüber iü diesen Blättern mittheileu würde. (Siehe unter „Dessau".) — Wie die „Württ. Loudrszeftuug" mittheilt, hat Hr. Bunqufttz ' I. Frutiger au« Jerusalem, welcher in Sachen der Hafer Jaffa-Jerusalem nach Loustautiuoprl und Pari« gereist ist/ ei» Telegramm gesandt, »ach welche« da« zum Bahubaw nüthi^ «apital d-rch da« Hau« Rothschild in Pari« gesichert ist. Ohne Zweifel wird in Bälde schon mit de» Arbeiten begonnen «erbe». Schweiz. Wem Zladeuse«. (Or^Eor.) Die eidgenössische Volk«, zählung, dir in der Regel alle 10 Jahr und zwar immer am Ende eine« Jahrzehnts d. h. in dem mft Rull endende» Jahre stattfiadtt, ist diesmal au« verschiedene, Beweggründen um 2 Jahr vorgeschoben und schon am 1. Deeember 18<K vorgenommen worden. Da« vorläufige Ergrbniß derselben weist eiue Verminderung der Bevölkerung (im allgemeinen sowohl, »lr der jüdischen insbesondere) in den Landbezirke« und eine Vermehrung derselben in dm iadustriellen Städten nach, eine Erscheinung, de bekanntlich aua> anderwärts zu Tage tritt. Vergleichen wir bezüglich dec jüdischen Bevölft» rung da« Heustar Resultat mft drm vom Jahre 1870 (of. Engelbert: Statistik dr« Judenthum« im deutschen Reiche und in der Schweiz 1875) so stellt sich hrrau«, daß inzwischm di« Zahl der J-raeliten in St. Gallen um da« doppelt«,, in Zürich und Basel sogar um da« dreifache zugmommm hat. Basel zählt nämlich 1110 Israelit'» (eqen 409 i. I. 70). Zürich 716 (231). St. Gallen 415 (212) Bern 358 (286). Genf 723 (574). Die G-sammtzahl der Israeliten in de: Schweiz beträgt 8386, gegm 6896 i. I. 70. — , Aer», 22. Januar. (Or.-Cor.) Die israelitische EultuS« oemeinde in Biel ha» sich an die Berner Regierung um Bewilligung der Anlegung eine« eigenm Friedhof» in Mett gewendet uad ist abzewftsen worden, weil da« Begräbaißwesen nach eidgmössischem und kantonalem Rechte jede« konfessionellen Charakter« mtkleidet sei und in Ausführung, dessm da« Dekret über da« BegräbniSwrim die Beerdigung aller Berstorbmen in dem öff ntlichen Begräbnißplotze ver» schreibt. Zn den dabei vorgeschriebenen Ausnahmen gehört di« Anlage eine« nicht öffmstichm, nicht ouSschließlich unter der Orto-Polizei-Lehörde stehmderi, nur kür Angehörige einer einzelmn Eonsession bestimmtm B gftibnißplatzeS nicht Framkreich.?fa,i». Dir „Archive«" erwähne» »l« Lurtosum, daß bei der großm OrdenSvertheiluug am 1. Januar drei pro» testanstsch« Pfarrer uud nicht eia einziger Beamter de» jüdische« Eultu« decortrt wurde. (I>aS find wir in Deutschland schon längst gewöhot.) Der Eomponist Emil Jona« wurde zum Prästdmte» der Jury für Militärmnstker für dt« Ausstellung gewähtt. Zu« Großofficier der Ehreulegto« wurde eruamtt: Der DtvifiouSgeneralLambert, Vorsitzender de« technisch«» Eowttee« der Gendarmerft; zum Offieier desselbe» Orden«: George Hmrich H alp he», E«cadrou«ä»ef der Artillerie. James Darmsteter, Biceprästdevt der afiattsche» Gesellschaft, wurde zum Ritter ersannt. Borvorige Woche starb hier de: Obwrabbiner Michel A. Weil im Alter von 74 Jahren. Mütschüler de« verstorbmm Isidore, dem er »och vor zwei Mooatm die Gedächtuißred« hielt, wurde er gleich nach der Eroberung »a» Algier zum Director der dorttgm S chule ernannt; hftr<u»f wurde er zum Oberrabbiuer der algerisch«» Jude» erwählt, doch konnte er sich auf diese« Posten nicht lauge halft«, und kehrte nach dem Elsaß zurück, um sich ganz wissenschaftlichen Studim zu widmen: er veröffentlichte mehrere umfang«' reiche, von gediegene« Wissen zeugend« Werft, »so denen da« bedeutendste da« in zwei Biftrdäi erslhieuene „La morale da judaüme“ ist; später zurr Raidbftter von To ul ernannt, gab er diese« Rabbiuat vor einige« Jahre» auf und zo, fich nach Pari« zurück, w, er der Pnvatsecretair Isidor« war. N2ATN - ch

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