Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Judenthum ein f)(i['fl(» (Erbe ist. da« er im Herren trägt, «4 auch wohl gut meinen muh mit der jüdischen Schule, mit den Bertretern der Religion und de« Religion«, unterricht», mit de« Lehrerstande im weitesten Sinne de« Worte«. Und umgekehrt. Ohne ReliqionSunterrich: kein Judeuthuw, ohne Lehrer keine Lehre. Und wer r« weiß, wie der jüdische Lehrerstand um seine Existenz zu ringen und zu kämpfen hat, der wird auch shmpatisch den B ranstaltunqen gegenübersteh«», die sich die Lebrer geschaffen haben, um ihr Leb« erträglich zu machen. Oft schon ist die Frage erhoben worden: Ist die Achawa eine Unterstützung« anstatt oder eiue Bersicherunqsanstalt? Wir haben gesagt und wir wiederholen hier: Leine» von beide« au«schließlich und doch beide« zugleich. Wir känueu die« nur mit einem hebräischen Worte verdeutlichen. Un« ist Wohlthätigkeit (Z«dokoh) “ Ger«chtiqkeit. Wir fordern Ver«htiglest für die hilfsbedürftigen Lehrer. Und da die kleinen, armen Gemeinden diese un« nicht bieten können uud keine andere Siätte da ist, von der wir sie zu erlangen hoffen dürfen, so fordern wir sie von den Einzelnen, von den Reichen! Wir fordern sie von dm Rabbinern, al« den Hütern und Wächtern de« Judenthum«; wir fordern die Mithilfe, die Mitwirkung unserer beffer gesteütm Stande«gen ossen. Ich hoff-, die Leser sind hiermit einverstanden. Ich setze die« voiau», weil ich damit andeute, daß auch, fall« wir Nörgelei« gegen der Ichawa zuweilen zu tadeln Hab«, wir doch die scheinbar« Gegner nicht beleidigen wollm. Wie -könnte r« auch grundsätzlich solche gebm? Die« ooraulgesetzt, dürfm wir nunmehr ein offene« Wort »ud zwar über dm »Vortrag" »e« Herrn Lehrer» Lob l« n z in Siegen sprech«. Vof«», im Januar. Der hiesige .«»raelitische Vorschuß- Verein" bat laut seinem jüngst erschi nmen Beacht über die -Gmeral-Bersammlung vom 30. December 1888 ein höchst erfrmliche« Bild seine« Wach«:hum« und segm«reichen Wirken« gegeben. Die Zahl der Mitglieder ist seit dem 10. Januar 1888 von 42 auf 330, die Jahresbeiträge von Mk. 132 auf Mk. 1425,40 gestiegen. >n Darlehen sind im «erwaltuug»jahre 1888 Mk. 4295 ertheilt wordm, während der vorige Jahresbericht nur die durchschnittlich« Summe von Mk. 830 nachweist. Da« vrrmögm beträgt M. 2389,36. Diese gedeihlich« Entwickelung de« Verein» ist der mergischen Thäti^eit seine« Vorstande« zu verdanken, der gleich nach feiner AmUübrruahme bemübt war, ein dem jetzigm verhältuiffm de« Verein« angemessene« Statut zu schaff, u. Der 'Verein sucht in erster Linie dahin zu wirkm, den gefunken« Muttz de« Bedrängt« durch Leistung von Vorschüssen aufzurichten nnd ihm die Betriebsmittel zu geben, um seine Arbeite krift nutzbar zu machm. Dmn r« ist unstreitig viel richtiger und »tüchtiger, einen Menschen vom wirthschastlichm verfall zu retten, al« ihm dann, wmu er bereit« gesunken ist, Almos« zu reichen. Durch die Hilfe resp. da« Dar- 4chen de« Verein« wird dem. der sich in «ommtuner Verlegenheit findet, vor Allem die Menschenwürde erhalten, denn da« Bewußtsein, sich turch et me Kraft wieder oufgrhofm «a habm, ist em sittlich erhebende«. Erfreulich ist e« auch, daß der Bericht >u der La^e ist. zu koustatiren, daß die Abzahlungen im Ganzm regelmäßig geleittet Word« sind vnd di« Lp sie keine Verluste za erleiden gehabt hat. — Au« brr Red« dm Vorsitzen dm de« Verein«, de» Her« Glück stein, laffru wir da» Wesentlich« hier folg«; seine Vorschläge. resp. Anträge zur Elweiterung de« Wirkungskreise« de» Verein« zeigen von eine« überau« praktisch« und gesunden Sinne, sie treffen dm Nagel auf dm Kopf. Redner sagte: »linier dm vorwürfm, welch« dm Juden von ihrm Gegnern gemacht werden, fft wohl der schwrrwiegmdste der, daß st« uustrmgende Arbeit« scheu« und m der Mehrzahl dem leichter« Staude de« Handel« sich »idmm. In dm «ristm Füll« fft e« nicht Abneigung gegm da« Handwerk, welche« mittellose Elte« bestimmt, chrr Söhn« Kauflmte «oerb« zu laffru, vielmehr ist « wohl di« Unmöglichkeit, da« Lehrgeld u>d den Unterhalt während der L'brzeit zu erschwingen, welche« sie den anscheinend bequemeren Beruf de« Hinbel« wähl« läßt. In solchen Filleu soll nun unser, nach der bez-ichneten Richtung zu erweiternde Verein durch mvuattiche Unterstützungen während der Lehrzeit, .durch Nochweisung von Lehrmeistern, zur Verbreitung gewerb«fleißigen Sinne« unter der i«roelitischm Jugend, al« Grundlage einer gesichert« bürgerlichen Existenz, beitragm." Hiernach ,oll der 8 1 de« Statut« nunmehr wie folgt laut«: »Der im Iahe 1855 gegründete J«rael. Vorschuß-Verein, welcher die Tendenz hat, hiesigen i«rael. Gewerbetreibenden und Handwerkern ziu«freieDarlehue zu geben, hat, ermutdigt durch die Opferwilltqkeit seiner Mitglieder in der Seneral-Bersammlung vom 30. December 1888 beschlossen, seine bisherige seg-n-reiche Wirksamkeit dahin zu erweitern, daß derselbe die Förderung de« Handwerk« unter der t«rael. Jugend in den Srei« seiner Thätigkeit zieht. Der Name de« Verein« wird deshalb in: .Verein zur Förderung de« Handwerk« unter den Jud« uud J«rael. Vorschuß-Verein" geändert." Die Ziele de» Verein« giebt 8 * — dementsprechend ab geändert — wie folgt an: ») der Verein unterstützt nach Maßgabe seiner Mttel hier ansässige junge Leute jüdischer Religion, welche Luft und Fähigkeit had.m, rin Handwerk zu erlernen und macht e« sich zur Aufgabe, ihnen tüchtige Lehrmeister nachzuwetsen; b) er ertheilt au seine Mitglieder den verfügbarm Mitteln entsprechende uuoerzin«ltche Darlehue, gegen Wechsel, unter Berücksichtigung der Bonität der angegebmen Bürgen. Die Darlehn«nehmer müffm am hiesigen Platze ansässig sein und ein selbftftäudiq« Gewerbe oder Handwerk betreiben." Di« vorstehenden Anträge warben sodann debattelo« angmommm und werd« zweifel«ohne die Zuftimmunz aller Mttglieder Verhalten. — (Wir haben diese Anträge hier au«führlich mitgetheilt, weil sie recht vielen andern Gemeinden zur Anregung dienen sollen. E« sollte dl keiner jüd. Gemeinde an einem solchen, dm jüd. Hautwerter und Gewerbetreibenden durch zinslos« Darlehen auf* helfenden Vorschuß-Verein fehlen, da« ist im Geiste de« Mosaiimu«, der da lehrt: »Wenn dein Bmder neben dir zu fink« aufäugt. so sollst du chn kräftig unterstütz«, ab«, so. daß er al« »dein Bruder" — und nicht al« Bettler uud Almosenempfäuger — neb« dir leb« kann." Damm wird der Appell de« Vorsitz«»« au den WohlthärigkeitSfinn der Poseuer Gemetudrmit,lieber, sich an dem humanen Werke zu betheilig«. sicherlich nicht ungehört verhallen. (**W Zu» de« 9UfUr»H4«le|icft -assek, 25 Jan. (Or^E.) Die Communeu tu Preußen, besonder« die klemm Gemeinden auf dem Saude, haben durch da» Schuleutlastuug»g setz emeu weserttltch« Betttag zu ihren Schulausgaben erhalten. Ddffer Beitrag wirb, wie bered» in der Lroureb« «gekündigt ward« ist, vom 1. April d. I. au noch erhöht aerdeiu Selbstverständlich haben auch die jüdisch« Gemeinden, soweit bieselb« staatlich anerkannte Schulen haben, den Staauizuschuß erhalt« bezw. die Erhöhung »««selben noch zu erwarten. Wa« sie also noch za» Lehrergehalt aufzubrtugen haben» wirb i« Durchschnitt uar noch 350 bezw. 25V Mk. (außer Wohuuug uud Feuerung) betrag«. Da dürft« n denn die Lehrer gewiß hoff«, baß nun auch die Gemein»«« ihrerseits ihn« ihr kärgliche« Einkommen durch eiue Zulage erhöh« werd«. Doch »urd« sie — einige AuSnahnun abgerechnet — arg enttäuscht. Wohl versprach« die Mitglieder der Gemeind« beim Bekannt werd« de« Gesetz« de» Lehrer bedeutende Erhöhung ihre« Gehalt«, aber al« letztere mit der Sach« E«ft macht« uud um Zulage etukameu, wurbm sie einfach abgewreseu. Da warm sonstige Awtab« Vorhand«, die dringender waren »l« Aufbeffernug d« ehrergehalt«, da hieß «. wer giebt un« Zulage uud w«l« dergleichen nichtssagend« uud thöricht« Worte »ehr wäre», von dm Gemeind« Hab« die Lehrer also nicht« zu hoffen. Eine Aufbeffernug ihre« Gehalt« ist viel «her vom Borsteheramt zu erwarten. Da« Borsteheramt tu L a s s e l — rch