Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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reicher Beteiligung statt. Der schöne Tempel war ebmfall« 1» Trauersiil reich dekorirt und mit zahlreichm Candelaber» Mich erleuchtet. Die Feier selbst wurde eingeleitet durch ein Trauervorspiel der Orgel und den Gesang „Weh. e« chut sich auf die Erd« für einen unserer Weisen heut! E» schied «in Hirt von seiner Heerde, Er zieht in» Reich der Ewigkeit." Der Borbeter der Gemeinde rezttnte daun unter Einstimmung der Gemeinde den 90. Psalm »Herr. Zuflucht warst Du nn« von Geschlecht zu Geschlecht." Rach dem vom Chor sehr gut und feierlich »orgetrageneu Psalmgesang „WaS ist der Mensch, Allmächtiger, daß Du seiner gedenkest" hielt Herr Prediger Dr. Leimdörfer vom Altar au« die ergreifende TrauerrÄe über Spr. 3,13. (»Heil dem Manne der Weisheit gefunden und Vernunft ausströmcn ließ'.) Der gesegneten Wirksamkeit de» Entschlafenen al» Hirten u. Lehrer» ferner Gemeinde während ferner 31 jährigen treuen Amtsführung rübmlichst gedenkend, führte der Redner mit tiefempfundenen schwungvollen Worten au», das Amt und Leben de» Heimgegangenen sei von so weitverzweigter segenSretcher Wirksamkeit gewesen, daß daS Andenken diese» Hirten nicht bloß iu seiner Gemeinde, sondern weit über deren Grenzen hiuau« tu dankbarer Erinnerung fortlebe» werde. Such auf dem Gebiete der Wissenschaft sei der verewigte mit seinen hervorragenden Geistesgabeu und seinem unrrmüdlicheu Fleiß »o» besonderer Bedeutung gewesen, und seine Vertiefung in die Wissenschaft und die Schriften des klassischen «lterthum» dürste al» bewunderungswürdig bezeichnet werden. Noch in seinem Alter habe er ganze Kapitel und Hauptsätze au» den griechischen und arabischen Schriftstellern au« de» Gedächl- »iß recitiren können. Sein WohlthätigkeitSsiun und die Hingebung, mit welcher er allen zum Wohl der leidend nr Menschheit dienenden Veraastaltungen zugewandt gewesen, eien Züge de» vortrefflichen Charakter» eine» theuren Manne» gewesen, der in seinem glücklichen Familienleben immer die Quelle und de» Antrieb »u neuen LiebeSthaten gefunden habe. Der Bertiefnng der GotteSerkenvtniß durch die Lehren der Bibel tm eigenen Herzen und in den Herzcn seiner Gemeind« habe seine ernste eindringliche AmtSwnksamkeit ge» gölten, und waS er an Samen dieser Art au»g« streut, werde über sein Grab hinan« zum iSegen fortwirken. So habe denn auch der Herr diesen treuen Knecht mit den rrfteutichen Erfahrungen seines Amtes und Familienlebens reich gesegnet. Sowohl bei Gelegenheit der Feier seiner silbernen Hochzett, al» auch bei seinem 28 jährigen Amtsjubiläum habe die reiche Belheiligung der Gemeinde vielfache Zeugniffe ihrer Verehrung gegeben und dadurch zum Ausdruck gebracht, daß ilienlebrn und Amtswirksamkett des Entschlafenen bei der eiude hochzeehrt und in allen Wegen vorbildlich seien. Rn» habe der Herr ihn zu seiner Ruhe eingehen heißen, «nd au dem Lage, der die Ruhe nach de» Werktage» Last «rd Arbeit bringe, heimgrführt zu dem Ruhejahr, da» er Denen verheißen, die hier in seinem Dienste treu befunden werden. — Mit Einsegnung der Leiche unter Gebet und Segentwort, bei welcher die Gemeinde stehend sich betheiligte «ud einstimmig da» Amen sprach, schloß der feierliche Act. — Nach dem Lhorgesaog: »Leele, wa» betrübst du dich", schloß die Feier unter Orgelklang im Tempel. Dann wurde tar Sarg vom israelitischen BrerdiguugSvereiu in den Leichenwagen gestellt «ad unter dem Gefolge einer großen Reihe vov Equipagen nach dem israelitischen Friedhof tu OhlSdorf geleitet, wo die Bestattung nach dem einfachen jüdischen Rttn» stattfaub. In der FriedhofSkapelle sprach der Präses der Gemeinde, Herr Josef Schönfeld, Worte de» Danke« und derAnerkenuuvg und bat Namen» der Gemeinde de« verblichenen »ach «ltjüdischim Brauch um Verzeihung für etwa zugefügte» Leid, wie auch Alle ihm Bersöhunag zuriefra. Die Worte de» Präs«» machten einen tiefe» Eindruck. Hierauf widmete Herr Aug. Ara hold dem Freunde , eine« Nachrns. Diese» folgte der Deputirt» d» Wohlthätigen städtische» Schnlvereiu», Herr N. Mg her, mtt einigen ehrende» Worten, worauf sich der Zug unter Gesang znm Grade bewegte. Dort aal,m noch einmal der Amt«, brnder Namen« de» Deutschen Rabbiuerverbande» da« Wort und spendete die letzten Segnungen. D. H. Jona» ist 62 Jahre alt geworden und hinterläßt eine Wittwr mit 8 Kinder». Gr. Gkoga«, 19. Januar. (Or. - Corr.) In der jüngsten Sitzung de« Stadtverordueten-Collegium» wurde der bisherige Stadtverordneten-Vorsteher Herr Banqnier Immanuel Landsberger einstimmig wiederum mtt derselben Würde brtraut. Diese» Zeichen unbegrenzten Bertraueu» bedarf wohl keine» weiteren Eommeatar». Zu Ehren diese» Herr«, der nicht nur Stadtverordneten- Vorsteher, Kreistag« - Abgeordneter u. f. w.. sondern auch Vorsitzender de« Synagogen-Gemeirde-Borstaude» ist, wie auch zu Ehren der beiden Sya.-Gem-Vorsteher Herren E. Weisstein und E. Friedländer fand am verflossene» Sabbath in würdiger Anerkennung der 28 jährigen Dienstzeit eine» jeden der eben Genannten in der hiesigen Synagogen- Gemeinde im RathhauSfaale ein große» Festessen statt, an welchem an 100 Gcmeindemitglieder und sämmtliche Gemeiudebeawten theilaahmen. Die vortreffliche, solenur Feier, welche Abend» 8 Uhr ihren Anfang genommen hatte, endete mtt dem erst gegen 3 Uhr Morgen« gesprochenen Tischgebet. ES läßt sich denke», welch' eine große Anzahl geistsprüheuder Toaste da« Mahl würzten, wir können fie unmöglich alle aufführen. Die Reihe derselben ervffnete Herr Rabbiner Dr. B. Rippner mit eiuem tn gebundener Rede gehaltenen Kaisertoast (den wir im „Familienblatt" wiedergeben). — Mit Dank und unbegrenztem vertrauen blickt die ganze Gemeinde zu ihrem Vorstände ans, der aber auch diese« vettrauen durch sein weise» Regieren fich wohl erworben hat. Me find von dem Wunsche beseelt, daß e» dem Jubeltrifolinm noch recht lange beschiedeu sei, zum Wohle und Ruhme der Gemeinde, sowie zur Ehre de» israelitischen Namen» an der Spitze der Verwaltung so segensreich zu wirken» wie bisher. Merdiug« ist e» auch wohl erleichternd für die Grmeinde- Berttetung, iu einer Gemeinde p regieren, in welcher solche Einigkeit nach jeder Richtung herrscht, wie in der hiesige», wo die Gesammtgemeinke da» vom Jubilar Herrn Landsberger iu seinem Toaste auf die Gemeinde ausgesprochene RegtrruugSprograom de» Vorstände»: „Ordnung und Friede nach innen, makellose» und bescheidene» Sein nach außen innerhalb der Gemeinde zu pflegen" stet» gern und freudig unterstützt. E» ist ferner auch wohl «leichternd für die Gemeindeverwaltung, in welcher ein so innige» Berhältuiß herrscht zwischen dem Rabbiner und sämmtlichen Beamten einerseits und der Grsammtgemeinde aaderersett», wie die» Herr Stadtrath Holl ft ein iu seinem geist- und humorvollen, zündenden Toast auf unfern aübeliebten Rabbiner treffend a«»- führte. Wo ein Vorstand soll,' goldene Worte auf seine Fahne schreibt, wo da« Berhältuiß der Grsammtgemeinde «ud ihrer Vertretung zu dem Rabbiner, den Lehr«« und de» übrigen Beamten derart ist, wie hier, daß diese Gott sei Lob im ganzen Jahre keine trübe Stnude kennen, da muß da» Gemetndewrsen gedeihen, da bleibt Gotte» Segen nicht au», da blüht Israel» Religion. Möge die alte klassische Gemeinde Glogau, au» der Männer wie Michael Sach» und Prof. Munk, Zedner, Cassel u. A. hervorgegangea find, stet» blühen und gedeihe«! K. Gffe», 6. Januar. (Or.-Corr.) Au» dem soeben verthetttru Jahresberichte dr» „Eeatral-Armeu-verbaudeS" der Shaagogeugemeiadea Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Äelsenkircheu, Haqe», Hörde, Mülheim. Ruhrort, Strele und Witten, mögen die bewerkenr werlhefte« Punkte hi-r Platz staden. Nach de« Geschäftsbericht für da» Jahr 1887/88 erhielten 889 Personen (736 Männer »ad 183 Frauen, unter letztere« befanden fich