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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 4. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 4.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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stet« ab, ohne daß jedoch der oder die Leiter der Blätter auf meine fernere Mtarbeit verzichteten. Ich Hab« einen zemlich reichhaltigen, litterartschen Briefwechsel wa» de» Leitern de« der hervorrcigmdstm Fachzeitschriften gesammelt, und könnte manche« hieran« veröffentliche», wenn e« nicht eben meine eigenste, pädagogische Mitarbeit berührte. Wa» folgt daran«? Die christlichen Herren Brruf«genoffe» sehen ein, daß auch «in jüdischer Lehrer dentsch denken, deutsch fühlen und deutsch schreiben kann, ja oftmals noch wärmer fühlt und schreibt, noch klarer und richtiger denkt, al« Urtrutoaen. — Und wenn ein jüdffcher Mitarbeiter unabsichtlich die Gelegenheit benutzt, in seinen Arbeiten die Frage de« Antisemitismus zu berühre», den Standpunkt der reinen Menschlichkeit und Gleichberechtigung mit lKftr zu vertheiligen thut und da nicht auch «in gvte« Werk .zur größeren Ehre Gottes?" — Darum tautet meine fünfte Forderung an die jüdischen Lehrer: Leset fleißig Fachzritungen, Fachschriften, machet euch fleißig Auszüge und übet Eure Kräfte in fleißiger Mitarbeit an diefenFachzettschriften. —Daß das Lesen jüdischer Zeitfchriften und Werke und die treue Mitarbeit an denselben nicht leiden darf, versteht sich wohl von selbst; denn da» er» fordert schon die Pflicht der Selbsterhaltung. Hiermit wäre eigentlich meine Aufgabe gelöst und ich könnte mich xuhig von meinen Lersern verabschieden. Allein, wie ich bereit« in der Einleitung meiner Arbeit sagte! Zu denjenigen, die durch ihren Verkehr mit staatlichen Bebörden und christlichen Vorgesetzten zur Bekämpfung de» Antisemitismus etwas beitragen können, gehören auch: Die Herren Rabbiner. Ueber diese nod> ein kurze« Wort. _ (Schluß folgt.) Gerichte intfe Gorrefpo«den-e«. Demtschlamd. Mngdetrrrg. Durch die Zeitungen geht wieder einmal «ine echt-amerikanische Humbugsnachricht, nach welcher von den dorttgen angesehensten orthodoxen jüd. Blätter» eine Bewegung zur Verlegung de« Sabbath» auf den Sonntag eingeleitet sem soll. Es heißt da: .Bis jetzt hatten viele orthodoxe Israeliten jeden Sonnabend al« Ruhetag gefeiert und auch Sonntag» ihre Läden nicht geöffnet, obschon die Gesetzgebung sie daran nicht hätte hindern können, weil sie nicht gegm dir Gebräuche »er aus orthodoxen Protestanten und Presbyterianern bestcheuden Mehrheit drr Bevölkerung verstoßen wollten. Di« zwei Ruhetage in der Woche waren selbstverständlich mit großen wirthschastlichen Nachtheilen für die orthodoxen Israeliten verbunden. Nua ist die gedachte Reform angeregt worden, und zwar von Organen orthodoxer jüdischer Theologen. Dieselben sagen, daß die heilige Schrift einen Ruhetag in der Woche onbefehle, ohne diesen Tag ausdrücklich zu bezeichne«. Es sei nun nicht abzusihm, warum drr Ruhetag der Joden nicht mit dem der Ehristeu zusammenfallen und warum nicht sartab der Sonntag als jüdischer Ruhetag gellen sollte, weun die Voisicht gebraucht würde, eiumal den Sonnabend und Sonntag hintereinander als Ruhrtag zu feiern, so daß der nächst« Tag der Wochenruhr wieder auf den Sonntag fallen könnte. Ü'brigrn» bestehen su Amerika schon längst Simultao-Gotteshäuser, wo verschiedene Korfejltonen und Sekten zu bestimmten Tagen und Stunde» ihr« Gottesdienst feiern, weil durch dt« gemeinchaftlich« Benutzung eine« und deffrlben Gebäudes dir Kosten ihre« Kultus wesentlich verringert werden." Wir erh alten fast alle Mischen Blätter, die in Amerika erscheinen, ha»« aber in keinem von .orthodoxen Theologen" heraus^egrberm etwa« von einer geplant« Verlegung de« Sabbath auf dm Sonntag geles«. Im Gegenthell, selbst dem durchweg reeormffttfch gesinnt« Redactmr de« .Americ. Jöraelite", Ra. I. Wise, der jüngst einen christlich« Prediger m einer Kirche vertrat, fällt r« nicht ein, in seiner Gemeinde (m Twctnnatt) dm Sabbath auf dm Sonntag zu verleg«; er hält vielmehr am Freitag>Abmd erbauliche und beehrende Borträge, die von «inem zahlreichen Publikum besucht werden. — Wenn H in dem obigen Bericht ferner heißt, daß die heil. Schrift keinen bestimmten Tag i» der Woche al« Ruhetag bezeichne, so ist da« wiederum falsch. Die h. Schr. bestimmt ausdrücklich dm .siebenten Tag" al« Sabbath und daß der .siebente Tag" der Soanabmd ist, kann sich jede« Kind, daß dm Mittwoch! als Mitte der der Woche anfzuführen versteht, an dm Fingern abzählm. UkberdieS weiß jeder nur einigcrmaßen in der jüdische» Geschichte Bewandert«, daß die Ehristenheit bi» in» vierte Jahrhundert hinein ebeufall« den Sonnabend alt Sabbath beging und daß dieKirchmfürstm erst auf dem erste» allgemeinen Loncil zu Ricäa (325) die Verlegung auf dm Sonntag gerade damit motivirten, daß man mit dm Juden den Tag des Herrn nicht gemeinsam begehen wolle.") Aus demselben Grund« würden sie vielleicht consequenter Weise, wmi die Juden dm Sonntag zum Ruhetag erwählten, ihren Ruhetag auf dm Sonnabend zurückverlegm, um ihn mit den Juden nicht zusammm zu begehm. — Bekannt ist eS auch, daß der erst« Rabbiner der Berliner Reform, der den Zrabbath auf dm Sonntag verlegte, die» in einer seiner letzten Predigtm schr bedauert hat, well der SoaotagSgottesdimst noch weniger besucht wurde, al« der sonnabendliche. Magdetnrg. ES wird un« folgende .offene Anftagr" aus einer wrstpreuß. Zeitung zur Beantwormng zugesandt: .Da« auch in dieser Zeitung «itgeiheilte Bemüh« jüdischer Rabbiner, chre Pflegebefohlenen gegen Uebertretung de» Sabbathgebot» bei einttetmdm Abitu rientexamina zu schütz», liegt wohl in der« Amt. Mau HItt aber nicht« davon, daß Warnung» gegen Uebemahme öffentlicher Aemter gegen jüdische GlaubmSgmossen verlautbar «erden, in dmm Schreiberkien am Sabbath nicht zu umgehen sind, und doch sind jene Prüfungen nur Vorbereitungen zu diesen Aemtrm. Liegt darin nicht ein Widerjpmch, welcher der Aufklärung bedürftig ist?" Drr scheinbare Widerspruch löst sich sehr einfach. So lange ein Kind die Schule besucht, haben Ettern und Religioa«- lehrer für seine religiöse Erziehung rinzustehea, später im Lebm trägt jeder selbst die Verantwortlichkeit für sei» Thun und Lasten. Kamönrg» 16. Januar. (Or.-Lor.) Dr. Herrmaon Jona« kam vor 31 Jahrm v«n Neumbui-g-Wpr.. wo er als Lehrer wirkte, nach Hamburg. Sein Studium absolvtrt« er in Berlin. Tr fungirtr nach Dr. B. Salomou« Tod« au der Seite dreier Seelsorger de» Temprlnerbaude«, zuerst «ebm dem sel.Dr. Naftali Frank f vr ter, dawi nebm Dr. Max Sänger, s. A., und seit 6 Jahr« neben dem früher« Rabbiner zu Nordhausm, Dr. David Leimdörfer, der chm die letzt« Ehren spmdete. Der Heimgegangme wandte sich der mtschtedm religiösen Reform zu «ad gelangte dadurch oft zu eine« Gegensatz« zu der gemäßigtm Richtung de« Dr. Säuger und zu der mehr konservativen, die jetzt unter Dr. L. vorherrscht. Daß die von Letztere» «tage« schlagme Richtung «ach Recht« di« Tempelgemeinde religiös und geistig gehodm, ja daß sie ihr ein« bedeutend« Zukunft sichert, davon ist die Gemeindevertretung überzeugt. Nichtsdestoweniger wurde der Frirdm nicht gestört. Dr. Jona« hat auch viele edle Anregungen gegeben, die der Hamburger Gemeinde zum Nutz« gereichten, so ist da« Altenhan« der Gemeinde seiner Anregung zu verdank«. Ueber die Trauerfeier, die auf Wunsch de« Lollegm hier zum ersten Mal, im Tempel stattfaud, belichtet da« .Hamb. Fremdmblatt" falzende«: Die Trauerfeier für Her« Dr. Jona« fand in de» Tempel der Poalstraße, wo die Leiche unter de« Schmuck prachwoller Ehrenkräaze vor dem Altar (x: hell. Bunde«» lade) aufgebahrt war, in würdiger Weise »nd bei sehr'zahl» ") Dl» tim. «dch» wufu ihn au» antiMshen «ränd»» tum FapNw». — Lmher bat betannuich de» «adbach Ix, Inden «I» de» wahren Ruhetag anerkanm.

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