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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 4. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 4.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— »7 — btc Fürstenkinder heranwachsen zum Stolz und zur Freube der Eltern, zum Hell und zur Ehre de« Vaterlandes; das Volk blickt auf seinen Kaiser hoffend und vertrauend! Gteb « Gott ihm die Kraft» das Glück seines Volkes aufzurichten auf den festen Säulen der Gerechtigkeit, der Weisheit und des Frieden». Tröste die Kaiserinnen August» und Friedrich durch den Glanz, den ihr Sproß dem deutschen Kaiserthume verleiht, über den Verlust und die Trauer, die sie erduldet haben, dem Könige Salomo wurde einst au« der Fremd« da» Lob: > »Weil Gott da» Volk Israel lieb hat auf ewig, darum hat er dich zum König eingesetzt, daß du Recht und Tugend übest". So mög« auch einst ftemde Völker vom Reich und feinem Kaiser reden: weil Gott die» deutsche Land lieb hat, dämm hat er chm diesen zum Fürst« gesetzt, daß er Recht und Tugend übe. _ Mai kam» der jüdische Lehrer z«r ve- Umpf««- de» Antisemitismus thu«? ln H. B. i* S. (Fortsetzung.) d) im mündlichen und schriftlichen Verkehr mit unseren Vorgesetzten. So unbedeutend manchem Leser diese« Mittel gegenüber de« groß« Kampfpreise erschein« mag, so wenig ist es dennoch außer Acht zu laff«. Unsere Borgesetzt« find Mmsch« gleich dem Samuel, d« Gott bet der Salbung David« zurechtweiset mit d« Worten: »Denn der Mensch stehet nach den Augen, aber der Ewige fiehet nach dem Herz«." Wen» wir Misch« Lehrer unser« Vorgesetzten »nd dm Behvlden gegenüber auch unzählige Male unser Dmtschthum beton« während unsere Sprachweise nachlässig, nicht lautrein ist und durch ihr« Tonfall an den Gesang des Psalm» erinnert: „An dm Bächen Babylon« saßen wir »nd weinten", daun wird es selbst dem vorurcheilslosestm Christ« schwer, au unser Dmtschthum zu glaub«. Bon jedem Lehrer erwarten wir eine lautreine »nd mustergiltige Aussprache (hierüber habeich »ich au anderer Stelle eingehend au»gesproch«), um wie viel mehr von einem jüdischen Lehrer, dessen Deutschthum tu Frage gestellt wird. E» ist ja in letzter Zeit auch hierin bei uns vieles besser geworden, seitdem nicht mehr so viel Ausländer unsere Seminare be- »ölkern, wir früher; allein ein Rest von »Semtroth" ist bisweil« selbst noch tu der Sprach« uuferer de nt sch« is« raelittschm Lehrer zu bemerken. Soll aber unser Deutschthum nicht schon äußerlich tu Frage gestellt werden, so gehört dazu nicht uur eine lantrichtige, sondern auch eine sprachlich-richtige Ausdrucksweise. Wir wiffm, daß dtejentgen die grvßtm Lacherfolge bet unser« Feind« erreg«, welche in Laut und Form scheinbar „den Juden" darstellm »der wie der bekannte Ausdruck lautet »in jüdischer Mnndart" vl»rträge halten. Und wenn die Herr« lutisemttm uns nicht Laster und verbrech« Nachweis« kvuu«, so weis« st« stets auf „die jüdisch« Mundart" hin und sprich«: „Sind Menschen, die so reden, mit Recht Deutsche §ß netnun?" Darum soll« wir jüdisch« Lehrer auch in dies« äußer« sprachlich« Form« unser« Schülern und unserer Gemeinde mustergültig sein. I» schriftlich« Verkehr aber mit dm vorgesetzt» Behördm soll« wie möglichst die Fremdwörter vermeid« Nichts klingt oumaßmder, als Fremdwörter zu gebrauch«», «elche re«ht gut durch deutsche Wörter zu ersetzen find. Wer Fremdwörter statt deutscher Worte gebraucht, ist entweder nicht in den Geist der deutschen Sprach« etngedruugeu, und deswegen also kein guter Deutscher zu uenue», oder er ist rin eitler Geck, der sich durch fremde Ausdrücke einen wissenschaftlichen Anstrich zu gebe« sucht. Vor mehrer« Jahr« <st durch ein« Fachgrlehrt« eine Untersuchung augrstellt worden über dm Mißbrauch von Fremdwörtern in Berliner Zettungm, und-die „Jüd ische Presse" hatte »« zweifelhaften Ruhm erworben, in diesem Mißbrauch unübertroffen zu sein. Allein auch unsere übrig« jüdisch« Zeitungen finv nicht sehr sparsam im Gebrauche der Fremdwörter und selbst unsere „Wochenschrift" ist — namentlich im Litteraturblatt — nicht davon befreit und w«u die aufmerksam« Leser daraufhin unsere jüdische» Zeitung« durchsuch«, so werd« sie die vollste Bestätigung für meine Behauptung find«. Run ist allerdings nicht zu lmgum, daß gewisse Bezeichnung« sich thalsächlich garnicht oder wmigstm» nicht völlig entsprechend in dmtscher Sprache wiedergeben laff«, z. B. Charakter, Genie, Talmt u. dgl. m. Wir aber wollen wir e» z. B. begründen, daß man statt „Hands vrift" „Maauscript" oder, wie es i« »Litteraturblatt" oft abgekürzt heißt: M.S. sagt? Weswegen schreibt da» »Litteraturblatt" bezw. die Herren MUarbeiter statt »Lesart" regelmäßig — &•>%.?**) E» ift doch wohl dieHanptaufgabeeiner volk»thümlichen Wochenschrift, daß sie die Geschichte und die hervorraamdsten Männer unsere» Volkes und ihre Werke, eben diesem Volke »ur Kenntuiß bringt? — Allein ganz merkwürdig ist e», daß gerade die Herren nichtdeutschen Mitarbeiter unserer Zeitung« am wmigsteu Gewissensbisse beim Gebrauche der Fremdwörter empfind«; ist da« nicht Waffer auf die Mühle der Herren Antisemit«? Meine vierte Forderung an die jüdischen Lehrer lautet also. Im mündlichen und schriftlichen Verkehre mit den Vorgesetzten Behörden befleißiget Euch einer deutlichen und lautreinen Aussp rache, einer sprach richtigen Form und vermeidet vor Allem die Fremdwörter! — ») durch unsere M itarbeit an Fachzeitschriften' „Nicht au» jedem Holze kann ein Merkur geschnitzt werden", so sagt« die alt« Römer, d. h. es ist nicht Jedermann» Sache, sein« Empfindung«, Gedanken und Erfahrungen schriftlichen Ausdruck zu geben. Allein da» Lesen guter Fachzeitschrift« und Bücher, da» Unfertig« von Auszügm und Inschriften kann jeder Lehrer, also auch jeder jüdische Lehrer fertig bringen. Ich selber besitze zehn dicke Hefte, enih>rlt«d von mir gefertigte Auszüge au» Fachschriften und ich kann das Geheimniß verrathe», daß ich e» nur auf diesem Wege zu einer gewiffm Fertigkeit im schriftlichen Ausdrucke gebracht habe. Ich bin tit Folge dessen seit zehn Jahren Mitarbeiter recht verbreiteter Fachzeitschrift«, wie mir der geschätzte Letter der »Wochmschrist" bezeug« kann, ich habe meine gesammelten Aussätze bei einer bekannt« Schulbuchhandlung herausgegeb«, di« zu meiner Freude von der Kritik recht anerkennend besprach« ward« sind. Allein, da» ist nicht die Haupssache; was für die jüdisch« Beruf-geuossen wichtiger ist, da» ist bi« Erscheinung, daß jahrelang kein Letter einer Fachzeitschrift mein Bekenntnis ahnt« und einige e» hmte noch nicht ahnen, daß mir ferner oftmals «vangrlssche RellgiouSbücher und Schrift« utt Beurtheilung zuging«, weil man nach Styl, Form und Stoff meiner Arbeiten, »ich unbedingt für ein« evangelische« Lehrer hielt. Selbstverständlich lehnte ich die Bmrtheilung religiöser Schriften •) Auch wir sind den Fremdwörtern durchaus abhold, aber wir laff« diejenigen, die sich in Deutschland ein Bürgerrecht erworben haben, »der «inen toeuüuu» toebrüou, bezeichnen, oder endlich solche, mit deren Wiedergabe im Deutschen sich ein Rebenbeariff oder ein« Zweideutigkeit verbindet, durchgehen. Zur letzter« Gattung gehört I. v da» lateinische „Manuskript"; da» deutsch« „Handschrift" bezeichnet »wohl di« Art und Weise, wie Jemand schreibt, al» auch da» .Ae» chrieoene" (im Gegensatz zu Gedrucktem). Um dieser Zweideutigkeit zu entgehen, bedient mau sich im letzteren Fall« de» lat. „Manuskrwt". (Er besitzt ». B. eine »schön« Handschrift", sagt durchaus nicht dasselbe wie: er besitzt ein Zchöne« Manuskript".) Ked. **) Demrttge »dkürznugen komme» doch wohl in allen Sprachen vor! sie».

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