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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 4. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 4.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 26 können. nein, der Fürst auf dem Thro« hat in jedem Falle ei» Recht auf unsere Hingebung, weil er hie Verkörperung de» Semeinweßm» darstellt, da» uns den sichern Genuß der Segnung«» der Lultur gewährt. Go genießt der Kaiser, der in diesem Jahre zu« ersten Mal seine» Geburtstag aus dem Throne Deutschlands feiert, unsere Ehrfurcht als der oberste Leiter de» Staates, dem wir die wichtigste» Güter, die Sicherung unseres Besitzes, unseres Lebens, unserer He«ligchümer sanken, der ua« von Jugend an in Zucht und Schulung annimmt, daß Geist und Herz gebildet werde; und sodann hot der Fürst nicht nur das Erb« des Scepters angetreten, sonder» auch das Erbe im deutschen Bolksgewüth«, das den Vater und den Sh» so hoch verehrt und so innig geliebt hat. Der Kaiser empfindet sicherlich iu d»r Trauer über de» Verlust, der ihu und das Vaterland getroffen hat, de» Segen, der ihm daraus erwächst, daß er der dritte deutsche Kai ser nach solchen zwei Vorgänger» ist. Aber sollte es den höchsterbenden jungen Fürste« nicht anch einige,maßen bedrücken, wenn er das fertige Werk betrachtet? s)abea die Vorfahre« nicht Alles herrlich vollendet? Haben st« aicht Deutschland zu veltbeherrscheuden Höhen erh ibea? Habe» sie nicht ewigen Kriegsruhm erworben; ist dieser Ruhm der Ahn« nicht auch eiue Bürde für den Eproffm? Welcher Edle fände daran Genüge, nur vom «erbten Besitz« zu leben, nur als d« Enkel des Shnen, al« der Soh» les Vater« gefeiert und geliebt zu werden? Soweit hat sich sch in die Eigenart des junge» Kais«» im öffentlichen Lebe» ausgeprägt und bekundet, all« Welt »raut chm den Wille» zu nicht auszuruhen auf dem von de» Vorfahre» aobrrten Lorbeer, so»d«a in edlen Wrtteif« mit diesen zu treten, um auch seinerseits ewige Spuren de» Erfolge» und de» Segen » in d« Geschichte seines Landes znrückzulasien. In chm lebt «in Zug von jenem hohe« Math Alexander» des Großen, d«, wie die Geschichte berichtet, betrübt wurde, wam Siegesbotschaft vom Bat« kam, weil chm d« Vat« «ich» zu chun übrig lasse. Ab« d« Sproß Friedrichs weiß es, daß d« Lorbe« des Herrsöi«» nicht nur auf dem Schlachtfeld« blüht, daß « «och herrlicher gedeiht auf den Gefilden d« Friedensarbeit. Dir lesen iu dem dieswöchentliche« Schriftwort das Do« Gottes an Israel: »Sieh, ich sende einen Engel vor dir h«, dich zu hüten auf dem Wege, dich zu bringen zu dem O«e, jo, ich dir bereitet habe". Di« Alten füge» Hinz«: Sr, d« die Väter behüt« hat, « wird auch die Kinder behüten. Das ist anch ein Verheißuugswort für unser» jungen Kais«. D« religiöse Sin», d« seinen Vorfahren die Festigkeit verlieh, daß sie d« Gefahr ruhig ins Ange blickten, ist auch ihm eigen, und wenn auch Kirchlichkeit häufig unduldsam ist und Unfrieden io die Lolkskretsr trögt uul nicht Stand hält io d« Roth, Religiosität ist stets ruldsam gegen jede Ueberzmgung, gegen jedes Bekemuniß und ein stark« Halt in allen Stürmen. D« Kais« ist fest iu dem Glauben, daß Sott seine» Engel vor ihm hersend«, daß rin Höh«« den König auf seinen Degeu hütet und ihn z« dem Ziele füh«, das göttlich« Weit heit ihm bestimmt. Wahrlich, di« Segeuva« stellt au einen Friedensfürst«» -och Höhe« Aufgaben, al» an einen Krieg »fürsten. Die große Mehrzahl des Volke», die Jahrhunderte hindurch i» dumpf« Roth dahin brütete, ist g«ade, »eil sich d« Wohlstand in allen Volksschichten gehoben hat. zu» Bewußtset» gelangt, daß ihr noch Vieles fehü zu eine« menschenwürdig» Dasein; ab« auch d« deutsch« Staat hat in ein« Zeft schwer« Prüfung vor et»«« Jahrzehnt sich die hellige Aufgabe gestellt, d« Ho« d« Arm» und Elmden zu sei», ihr Loos zu «leichtern, und dadurch di« Unzufriedenen zu entwaffn«. So unübersehbar grob ist da» mensch'iche Elend, daß auch eia Tapfer« eutnntthigt w«d«l könnte, d« mit diese» Feinde den Kampf aufnimw^ Hbw bedarf es eiues höhnen Grades von Muth und Geduld, als auf dem Schlachtfeld. Uns« Kats« hat bewiese», daß a auf diesem Gebiete; wo die frühere« Reg-ntt» «st die Arbeit begonnen Hab«, den Erfolg uud den Glanz seiner Regierung sucht. Im alte» Israel folgte auf die ki-ftgerisihe Reginung des David die friedliche des Salomo; haben nicht beide ein» Glanz gewonneu, d« bis zu diesen Togen leucht«? Zu fernen Eiland« fuhr« Salomo's Schiffe und das vordem arme Land wurde überschwemmt mit den Schätzen da Freude; warm nicht auch diese friedliche» Eroberungen ci« Segen? Salomo pflegte als König, Weisheit und Wisse»- schast und gab dadurch westhiu Anregung zu befruchtend« Arbeit. Wohl soll der Fürst «nes groß« Lande» auch Kriegsgeübt sei». Deutschland ist zu mächtig, in» nicht Feind« uud Neid« zu Hab«, die nur auf den Augenblick lauern, wo uns«« Hände schlaff werden, dämm freut sich das Volk des Eiftrch mst dem d« junge Fürst bei all« Lieb« zu« Fried« d» Werk« de» Krieges sich widm«; d« deutsche Kais« muß vor Allem Soldat sein; ab« wenn auch nicht zu ermeff» ist, ob nicht uns« Kais«, d« mit Gott,» Hilft vieft Jahr» - zehnte d« Regierung «hoff« darf, einmal gezwuvg« wnd« könnte, in blutigem Kampf die Wucht tieutsch« Waffen zu «prob«, heute fühlt « sich als d« Ho« de» deutsch« Friedens, als den Ho« de» Weltfriedens, und vertraumsvoll erwart« d« bi»h« durch Krie,»»furcht eingeschüchterte Gvwerbfleiß «ne lange A«a ftiedlichm Schaff«». Und besondnS vertraueu«>n«ckeud ist dft Achtung, mit d« d« Kais« dm bishnigm bemüh«« Di««» des Throues und des Reiches begegnet. Die Schrift «zählt von Rehabeam» einem jung« König i» Israel, »ft « Einbuße «litt m Macht und an Ehre, weil n, als « zur Regierung gelaugte; die alt« Räthe außer Acht ließ und nur »it jung« ihm gleichaltrig« Kamnad« Rath pflezft, die seinem Ueberuruch schmeichelte». Die» ist ein Zeichen d« Weisheft, wenn dft Jugend auf d« Rath uud dft Erfahrung d« Alt« acht«; «U Fr«d« sieht da« Volk die Einttach! zwisch« dem jung» Kais« uud de« greisen Kanzl« und steht darin eine Bürgschaft ftoh« Zukunft' Darum ist nach dem vieft» Schmirzlicheu, das wft er» fahr«, d« Geburtstag des Kaisers ein Freudeutag für das > ganze Volk. — Sende Gott Deinen Engel vor ihm h«, hüte ihn auf dem gefahrvoll« Wege, d« « zu wandeln hat Utzt v( bringe ihn zu dem hohm Ziele, daß dneiust in d« flfe j schichte des Vaterlandes sei» Rame so glorreich leuchtet, »ft?. der des Ahns und des Vaters; möge sei» weises uud, go« rechtes Wall« die Wund« schließ«, »ft des edftu Vetter» allzufrüh« Heimgang dem deutschen Volk geschlag» Schütze unser» erhaben« Fürst« das reiche Fauriltenglü«, daß . /.Jb

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