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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 3.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Reiz für begabte Nature» barm, mit der gauzeu Welt, ja mit dem gesuube» Meuschenverstaub« selbst de» stampf aufzuuehme». Hirsch hat diese» Reiz »icht wiedersteheu könne»; ei» schriller, schäfa Protest gegen die Gegenwart, gegen de« Geist der Zeit, ja gegeu de» Seist überhaupt ist die Suanne der Arbeit diese« glänzeude» Geiste«; Hisch schilt oft a»f „faselnde« phantastische« Träume»"; aber da« unbefangene Urthell wird den größte» Theil seiner literarische» Thätig. feit unter diesem Begriff oder unter dem de« mehr oder weniger witzigen Einfall« zusammenfaffen. und damit hängt e« zusammen, daß er meistentheil« mit achtzig Worten gesagt hat, wa« ein Anderer mit einem Worte «»«gedrückt hätte. Seine reiuen Absichten sollen nicht in Frage gestellt werden. Aber ist e« nicht bezeichnend, daß keiner der Frankfurter Rabbiner au seiner Bahre zu Wor»e kam, während doch die würdige» Herren »ft genug schon au dem Grabe von Männern der strengsten Richtung gesprochen habe», daß die Unduldsamkeit so weit ging, um hier noch die Trennung iu der peinlichsten Weise aller Welt kund zu thuu? Hirsch war e« Vorbehalten, Frankel al« einen Berfüherrr der Jugend hiuzustelleu; er hat e« al« eiu gottgefällige« Werk betrachtet — im Gegeusatz zu H i 1111 — überall zu predig«,: treuue dich von der G e - sammtheit. — 8a«ker hatte Recht: der Staat darf steinen iu eine kirchliche Gemeinschaft hioeiuzwiugeu, aber Hirsch hatte Unrecht, al« er die gewonnene Freiheit mißbrauchte. Auch weuu der Staat deu Wucher nicht bestrafte. wäre er noch nicht erlaubt. Gewiß, Hirsch hatte eiue große rednerische straft und er war ei» deutscher Mann; während bei viel«, andern orthodox«, Rabbiner» die deutsche Bildung nur die Schminke ist, bildete sie bei chm deu steru der Persönlichkeit. Dagegeu köuuen wir kaum ein« Sette iu seiueu Büchern lesen, ohne hochkomischen Dinge» zu begegnen, die noch obendrein wunderbar wie tiefsinnig sein solle»; so z. B. em (DM) Mutter hängt zusammen mit ttn (0tt) weuu, dem» die Mutter ist die Grundbedingung, die oonältio oino qua non be« Hause«. — Unleugbar ist seine große Bedeutung für Frankfurt a.M.; obgleich er auch dort nicht die Gesammtgemeinde für sich gewinnen konnte und die Hoffnung bestcht, daß auch dort dtt verschiedene» Richtung«, fich wieder zu einer Hauptgemeinde zusammeuschließeu werden. Daß er da« Gute gewollt hat, Mächte» wir gern glauben, wir würden w>« aber selbst in« Gesicht schlag«», wem» wir feine schriftstellerische und praktische Thätigkeit al« einen Segen bezeichnet«,. •*• Gerichte «rd Eorrespendenße«. Deutschland. Wagdeßurg. Auf die uu« von vielen Seiten zugegangeneu Bemerkangm gegen den iu Rr. 1 unter „Frankfurt a. M." gebrachten Nekrolog über S. R. Hirsch, und den Hinweis auf da« «nqualifizirbare der otthodoxen Blätter dem Direktor Frankel gegenüber, dem sie Schmähungen in da« offene Grab nachsandtev, haben wir nur zwei. Worte zu entgegnen: TO JTIC30 „der Tod sühnt". Wir werden die Richtung de« Verstorbenen Wetter bekämpfe», auf die unseligen Folge« seiner Trennung«, und A»«trittsparole sttt« Hinweisen, und diese selbst aus« Schärfste verurtheilen, aber — lassen wir den Loten ruhe». Im lledrigen verweisen wir auf den vorstehenden Lettartikel. Aerli«, 12. Januar. (Or.-Corr.) I« letzter Woche fand die dritte Sitzung der sogenannten 78 er Commisfioa statt, über dar» erste Sitzung in d. Bl. Anfang« Decrmder beruhtet worden. I« der zweiten Sitzung wurde ein geschäftSführmda Ausschuß von 1k- Mitgliedern gewählt, welch« eine Petition a» de« Gemeiudevorstaud anSarbetttte. worin demselben da 24 — Mangel an Synagogen- und Religion «schule» vor die Auge» geführt und um Abhilft gebeten wird. In da letzte» Sitzung vmde nun diese« Gesuch vorgelefe» und zur Absendung angenommen. Da» ist also bi«ha dtt ganze „Thätigkeit" da mit so große» Apparat' und «och grüß««, Hoffnungen und Erwartungen gewählten Commission! Wen» man geglaubt hat» die Haren würden nach den vielen Klagen tmb Beschwaden über den Rothstand in hiesiga Gemeinde mm ihrasett« mtt praktische» Borschlägen oda geeigneten Plänen zur Beseiti» gung diesa Rothlage havortreten, daun mau fich gründlich getäuscht! Parturiont montea, nasostor ridioolos mos! („Die Berge kreißten, aba wa« kam Haan«? 'ne Mau«".) Nachdem sett 15—20 Jahren in alle» große» und kleinen Wahlversammlungen über deu Maigel an Synagoge» und Schulen genügend geklagt, sowie auf die uu» würdigen Tavz-BelloKrle u. gotteädienstl. Billet-Annoacen zu den hohe» Festtagen hingewiese» wurde — nachdem auch noch Hen Weiuberg (da Ucheber da letzten Agttcttiou) in seinem Circular vom September so sympathisch zur Beseitigung diesa unhaltbare« Zustände aufgefordert IMe» und die 75 a Commission schließlich zu dem Zwecke zewählt worden war, Mittel und Wege anzugeben, wie diese« Mißstaude abznhelfe« sei, hat man sich endlich zur Abseuduag rinn „Petttiou" aufgerafft, ohne jedoch deu leisesten Vorschlag zu machen, aus welche Weise geholfen und etwa« Bessere« geschaffen werden könnte k Tadeln allein Hilst euch hier nicht«, sondern nur praktisch« Vorschläge, wie e« beffer zu machen ist. Glauben den» die Haren, daß da Borstand nicht allein weiß, welch« .Rochstand" harscht, und wi« unwürdig die jetzige» Zustände für die Baliua Gemeind« sind? E« ist nur allzu wahrscheinlich, daß diesa selbst keinen Rach weiß, wie und wo mtt Abhllfe vorgegangen »al>en soll? Die Aufgabe ist mtt den Jahren eine zu große geworde», und läßt sich vttlleicht nur bewältigen, wenn «nte: Haanziehuug von würdigen thatkräftigeu Männan au« den verschiedenen Stadttheilen eiue Decenttalisation geschaffen wird, durch welche dem Gemeinde-Vorstand die durcham» nöthige Hilft bei seinen Besttebungen erwachsen kann. E« scheint jedoch, al« wenn die Haren t>a Commission fich absichtlich nicht mtt Rathschlägea befasse» wollte», um daun desto leicht« auf die Unthätigkeit da Gemeiude-vatretung Hinweisen und diese bet den nächste« Repräseutanten-Wahlen für ihre Zwecke beffa au«beuten zu können! Denn daß die« da eigentliche Hauptzweck da 75 a stommission ist, darau« macht ein groß« skhell derselben (kci»e«weg« alle) durchaus kein Hehl! Im lliegenthell, man baeitet sich bei Zeiten auf eine große Wahl-Agitation vor, um im Herbst die jetzige Rcpräsentanteu-B nsammluua zu sprenge»; man wjll da« Pulva nicht zu früh vaschießm und wenn daun mögllcherweise einige Wortfiitzra da 75 a Commission die Repräseatantenstühle einnehmen, daun erst solle mau sehen, wie sie e« bessa machen werden. vielleicht werde» die Haren dann beffere Vorschläge machm ktmnen al« jetzt; sie scheinen ihre „Thätigkett" für die heißersehnteu Ehrenamt« i» Baeitschaft zu halttn und au« biefirr klugen „Reserve" jetzt nicht haauttreten z, wolle« — oda zu können? (Wtt meinen, wa eine« guten Vorschlag hat, um dem Rothstaude abzuhelfen, da rücke bei Zette» damit davor und 'Helle chn dem Vorstand« mtt, weuu ihmwirklich die Verbesserung der nach Abhllfe schreienden Zustände die Hauptsache ist und »icht dtt Erlangung eine« Repräsrutautensitze«. Wozu also da« Bersteckmspiel? Warum sei» Licht jetzt «ula de» Scheffel stelle», um e» «ft an „grünen Tisch" leuchten zu lasse«? Wa e« ehrlich «tt de» Wohle da Gesaarmthett meint, da kann für daffttbc: wirken, auch ohne die Sturmglocke zu läute», und auch ohne eine« Ehreusttz^im Rache da Gemeinde eiuzuuehmeu. Dcc« Sprichwort: „Wem Gott ei» Amt giebt, de« giebt a uuh Bastaud"

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