Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 3.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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hat sich »übt als unfehlbar serwstsen.1—^Wir sind gern bereit. praktische Vorschläge in «ns. Bl. discutsten zu kaffen.) Merkt». Steig* Spülwrlle» der autisemitischen Bewegung stad bekanntlich auch bi» nach Frankreich hin vorgedrungen, wo der Pawphlettst Drumont e« sich angelegen sein läßt, durch Broschüre» und Zeitung-artikel in dem nämlichen Rollenfach zu glänzen, da» in Deutschland von den Stöcker, Ltebermann und Bvckel auSgesüllt wird. Ueber eine lttterarische Spielerei ist der Drumont'sche Hetzversuch indeß «och nicht hioouSqekommeo. In Pari» finden diese Nach» ahmungcn der Stöckrreieu keine ernsthafte Beachtung. Wohl aber befassen ich dort zwei Gesellschaften, die „Söhne Zion«" und di« „Emavz'patiouSgesellschaft". mit dem phantastische» Gedanken der Rückführung der Jude« nach Palästina Die Tendenz dieser Gesellschaft ist zwar keine au- ^semitische, sondern «ine philosemitische. doch find ihre Bestrebungen deshalb nicht minder abgeschmackt. Die »Sühne Zions" können sich für ihren Liebling-gevanken zwar darauf berufe». daß auch die englische Dichterin George Elliot in ihrem Roman „Daniel Deroado" demselben da» Wort geführt hat. Schwerer ins Gewicht fällt aber die verständige Abfertigung, »»Id* ihnen der große Gelehrte Ernest Renan hat zu Theil toerden lasse», al« er im »Figaro' um sein« Meinung über dnsr» Projekt beftagt wurde. Nachdem er die proftischrn ^Schwierigkeiten hervorgehoben Hute, die sich einer vollständM« Reubevölkerung des dem türkische» Reiche aagehürigen Po lästina's entgegen stellen, fuhr er fort: „Und dann kann man auch nicht eine ganze Ration zurückverpflanzen. Da» würde eine Ungerechtigkeit sein. Aufiedrlunaen stad möglich; die Neubegründung eiue» Staate» ist chimärisch. Man hätte auch ein Heer, einen König und wahrscheinlich eine Verfassung nöthig. Bor allem giedt rü aber Folgendes zu bedenken: Da» semitische Element hat sich zu sehr den Nationen, unter denm es sich auSbreürte, in Sitten und LevenSanschauungen assimilirt, als daß e» em andere» Dasein führen künme. Die Israeliten würden Pari«, London, Wieu nicht verMm können. Da« Heimweh würde sie bald wieder zerstreuen. Wenn deshalb selbst eiue Ausführung des Gedanken« versucht würde, so würde di« Erfal>rung bald dessen Haltlosigkeit beweisen." ließlich plälirt Renan für Die unbedingte Gleichberechtigung der Judm und verweist auf da» Beispiel Frankreich», welche» durch die Annahme diese» Gruodsotzr» eiue viel westrrgehrode Sssimilirung der Juden mit der übrigen Bevölkerung erzielt Hab», al» sie in anderen Ländern gelungen sei. In Franlreich genießt Renau solchen Ansehens, daß seine Wortr auch bei den »Söhnen Zio»»' der Beachtung sicher sind. Für unsire heimischen Antisemiten werden sie urdeß eben so in den Wind gesprochen sein, wie gleichantge Aeußerungrn deutscher Autoritäieu. — Soweit die „Bolts- Zrttang." gvtereflaut find die betr. Aliußeruogeu jüdischer Autorität«« über dies« Frage, des Herr» Professor Adolph Fran ck uud des Graudrabbm Zadeck Lahn, die wir in nächster Nr. »ittheilen wolle». »Figaro" selbst schließt diese ganze ernste Debatte mtt folgendem Witz: Eiu pariser jüdischer Baukier wurde geftagt, was er thuu würde, wenu das Königreich Palästina wieder hergestellt würde? eutgegurte: »Ich würde sofort weiueu jüdischen König alleruuterthäuigst bitten, »ich zu sei»cm Botschafter tu Paris zu erneooeu." Warsurz, V. Januar. «Segen Herrn Dr. Böckel stand am Freitag Termin vor dem hiesigen Amtsgericht an. Herr Dr. Böckel war von seiner ehemaligen Haushälterin Eva Hilaert auf Zahlung vou Alimeuten, die er in Höhe vou 3V Mark per Monat bis zum 14. Lebensjahre des Kinde« versprochen hatte, verklagt worden. Herr Dr. Böckel war nicht erschienen, sondern ließ sich durch sei« Gattin Vertreten. Die Vertreterin gab Namens ihre» Maudantea au, das Versprechen set in Unkenntniß des Gesetzes gegeben worben. - Behrf» Bernehmnug weiterer Zeugm wurde die Verhandlung » rtagt. So melder die .Polt", die man doch wahrllch nicht für eia „Judenblati* halten wirb. Zwei Punfte find in dieser Mittheilung jedem einigermaßen anständigen Mmschen auffallend, erstens, wie man in einem Alimenten-Prozeß seine legitime Gattin al» Vertreterin senden kann — wo bleibt du die Moral? und zweitens, wie ein Landtagsabgrordaeter, d. h. ein Mitarbeiter an der Gesetzgebung, sich mit „Uukenntniß des Gesetze«" entschuldigen kann. \ Un» dauert das kleine Böckel. Modenfekde, 7. Jan. (Or.-L) Die Eonferenzrede de» Lehrers Felix Eoblenz habe ich eingehmd durchgelesen; mir fiel beim Durchleseu sofort eiue Jueonsequenz de» Verfasser» auf. Der jüd. BolkSschullehrer wird in dem Vorträge kaum gestreift, und wird da» damit begrüadet. daß für eine jüdische Lonferenz sich eigentlich nur jüdische Zustände al» Gegenstände der Besprechung eignen. Diese Zustände sollen aber beseitigt werden. Mithin müßten dann die jüdischen Coafermzeo liquidsten; daß überhaupt noch jüdische Schul« inspectoren Lokal- oder Kreisinspeftoreu existiren könnten, dies nur zu denken, ist demnach schon ein Saccilegium. Rein! Stolz lieb ich den Spanier, und der jüdische Lehrer, selbst dcr an der öffentlichen Schule drfinittv angestellte, e« ist da» auch mein Fall, soll nicht eine so geringe Meinung von seinen Glaubensgeaoflcn hegen. . W.g. Luxemburg. e£nxmt«rf, 12. Januar. In der heutigen Sitzung -rsolgce das Eckenntniß de» Obergerichtsdofe» ,n der Vorfrage, welche in Sachen oontra. „Luxemburger Wort" vom Beschuldigten Wetter oufgeworf.n und bernt» vom ersten Richter zu dessen Gunsten entschieden worden war. In der Begründung des ergangenen Eikrnntaiffes führt der Appelrichter de» längeren au», der maßgebendm Gesetzgebung zufolge stehe e» unstreitig fcst, daß da» israelitische Lonsistorium eine juristische Person bilde und in der That auch immer al» solche anerkannt worden sei. prinzipiell könne ihm mithin da» Recht nicht abgespcochen werden, in einer Sstaffache al» Cioilpaitei aufzutreten. Im vorliegenden Falle jedoch enthielten dir inlriminirlen Schriften eine durchaus allgemein gehaltene dogmattschr Besprechung der jüdischen Glaubeu»- und Siitrnl-Hre, wie dieselben im großen (?) und kleiaen (?) Talmuv niedergeschriebeu sei; da» luxemburgische Lonsistorium könne durch diese allgemeioe Abhandlung weder moralisch noch materiell verletzt werden und sei miihin die Eivilpakt-i, welcher au« den beregteu Schriftru ja keinerlei Schaden erwachse» könne, auch nicht zulässig, al» solch« iu da» geg,u da« „Lux. Wort" angesstenqte Strafverfahren einzugreise^. Da» rrstgerichlliche Urtheil wurde bestätigt und dir Eio>^- Partei d. h. da» i«raelitische Eonsistorium iu die Koste n beider Instanzen vermthril«. ®rtfibrii*unlen, Londou, 13. Jan. (Or -Corr.) Die hiesige Gemeinde hat etaen großen Verlust erlitten durch den Tod de» Gemeindesikretär« Dr. Asher, der im V3. Lebensjahre starb. Derselbe gehörte zu den äußerst wenige« jüd. Gelehrte« iu England, die Sinn und Geschmack für die hebr. Litteratur haben. Seinen großen Einfluß in der Gemeinde benutzte er oft zum Borthril bedürftiger jüd. Gelehrter, denen er immer mit Rath uud That beistand. Al» Mediziner von Profession «achte er sich auch «Igemeia unter den Armen und Kranke» nützlich. Sein Andenken wird lange hier fortlebeu im Herze« zahlreicher Verehrer. TCTtrn. Au« MoMengkanö. Die großherzigen Stiftungen uusrre» GlanbenSbruder» Baron Hirsch imponiren auch denjenigen Juden, dst sooft vou Juden uud Judenthum nicht viel wiffea wolle«. Leider sindrt es sich so häufig, daß, wem» (besonder» deutsch«) Jude» hstr reich werden, sie mtt aller Macht danach stredeu, eaglisch-ckrisütche« Umaung zu bekommen. Da ist es «uu gut, daß me große Wett wieder einmal von Jude« hört, dst stotz ihre» Retchthums gust