Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 3.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5369809-5935066-5956562--6971-5373040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lehr««, »er da sagt«: »Gedockt der Lag« der Vorzeit, «erlr imf dt« Jahr« v«ga»g«»« Geschlecht«! Frage deiarn Beter und er »trd dir künde», det»e Greise uud sie »erde» «A dir sage»!» Ich umßte al« jüdischer Lehrer zeigen, deß euch «et» Gla»b« »ich z»r Pflichttreue «nd zur gewiffruhafteu Arbeit i» der Schule verpflichtet, deß euch «eine jüdische» Schüler t» de» Grundsätzen der Tugend »ob Sittlichkeit erzog«» »erde», daß auch «et»e Schüler zur Baterlcmd«ltebe, zur »chtuag vor de» «««setze» und den Eiurichtuugeu de« Staate« «»leite, kurz, daß auch ich eiu deutscher Lehrer bi», der die Collegialität und die Ste»de«iuteresse» pflegt, der uur durch den Glauben »ou da» christlichen Berufsgeuosse» unterschiede» ist uud u»terschiedru sein will. — Uud gerade diese allzu»eiueu aber freie» Lehrervereiue schließ«» religiös« uud politische Fragen laut veretussatzuugeu völlig an«, ja io deu Besprechungen »mb au deu Verrinsabeuden überhaupt vergessen wir völlig, daß wir oerschtedeueo Glaubeu« find, und daß wir nur grmeiosam an dem Wahle unser« Schult und unseres Staode« uud damit auch au de« Wähle unsere« gemeiusameu Bat«, laude« arbeiten. Wem» ab« die jüdischen Lollegeu sich »ou dieser» Bei einen feruhalte», »euu fie tu den amtliche» C»»- sereuzeu nur al« stumme Waudverzieruugeu dafitzea, wn lerut sie und wer laut ihre» Glaubeu kennen? Wer klärt die christlichen Lallege» durch Wort uud Thal üb« deu A»tisel»iti«aut« auf, wer enthüllt all' die bodeuloseu Lügen »md Schändlichkeit«», die ohoe Prüfung — uur, »veil e« so Made ist uud gen» gesehen wird — uachgespracheu werde»? Darum kautet «eiue zweite Forderung a» die jüdische» College»: SchlirßetCuch den besteheude» allgemeine» Lehrerveretuen an, »der reget selber die Gründung solcher Vereine da «», wo st« »icht besteh«»». Denn: wer die Schule hat, der hat die Zukunft! «) bei öffentliche» Prüfung«», Sch»lfestlichleite» »»d Sch»lsp«ztergä»geu. Die öffentliche» Schnlprüfnnge» w«de» in der Regel »o» geistUche» Vorgesetzte» geleitet, nur zwei od« drei Lalal-Echultuspectorr» find, so viel mir bekannt, jüdischen Glaub«»«, uud «ich i» diesem Falle wird dir Vorgesetzte Arei«sch»li»sp«k1«r od« doch der christliche Bürgermeister, der ja Vorsitze»»« de« Schnlvorstaude« ist, bi«weileu zugegen sei». — Ich hade daun iam« Gelegenheit genommen, a»ch die Prüfung d» Religion, uaweutltch in d« Sittenlehre od« i» biblisch« Geschichte abwechselud Jahr um Jahr a»f die Tagr«vrd»»»g zu setzen. Ja, e« ist mft schon de -eg»et, daß ein geistlich« Schulüffpector selb« einmal tu biblisch« Geschichte, da« andere Mal 1» Religio» prüfte, und mir ei» dritte« Mal sogar für die amtliche Toafereuz eine biblische Gesihichtblection mit den Schülern mein« Klaffe auftrng. Welch' herrliche Gelege»heit bietet sich da für »»«, den Aotisemitibm»« zu bekämpfe», ihm mit scharfen Waffe» z» Leib« zu gehe», iudem wir die Reinheit unsere« Glaube»« >md »nsrr« Sttte»1ehrr de» christlichen Zuhörer» oorführe» k Und doch giebt e« viel« mtt« de» jüdischen Be» »fDgenoffe», die e« ängstlich vermeiden, bei öffentliche» Prüf»»,« de» jüdische» Charakter d« Schule zu kenn« zeichuen od« ihr jüdische« Bekenntnis» — wenn fie zufällig a» Sinoultanschuleu aogestrllt fi»d — merken zu lassen. »Da« strd je« Thräneu', sogt d« alte Röm«, und wir füge» Hinz», je« blutige» Thräneu, die jed« tm« Aoh ä»g« de« J»d«llhu»M wck»e» muß, vm» « fleht, wie gerade die Brntfeuen «m Schwäche ^« Streberthum fich abselt« halte» m»d kalt«» Herze»« Schimpf und Schande üb« »»« «»d üb« fich selbst «gehe» laste». Freilich müssen da» a»ch die Schüler eine» gründliche» stzstemattschen Rrltgi»»«mtterricht ,e»»ff«» haben: t» klare», knrzgefaßteu Erklärungen, Frage», Antworten »nd entsprechenden Bibelsprüche». Auf diesem Wege können »vir »seren christliche» Zuhörer» i» ei»« Stmrde eine» klar««» Begriff vom dem i I» — Wese» utffer« Religio» geben» als dickleibig« Büch«. Dutzend« von Streitschrift«» »^ herrlich« Rede«. U»d »a« da« wichtigste ist, die Herren müssen höre», während sie fich s»»st wohl kaum die Mühe «hmen werden, jene Schriften zu lese». Jene Her«» wüste» ferner höre» bet Schulfesten, z. B. Kats«« Geburt««»,. Lag von Seda», Fei« der kürzlich ei»gesührteu vier Gedenktage zur Erinnern», an die Kaffer Wilhelm I. und Friedrich III. a. ». m. Auch hier bietet sich reichliche Gele^nheit, durch scheinbar unwillkürliche Redewendungen »nd Erörterungen in nicht verletzend« Weise den Antisemiti««»» zn bekämpfen; ebenso ist d« feurige Bortraa vaterländisch« Gedichte durch unsere Schüler eia vortreffliche« Mittel zn unserem Zwecke. Nur muß die Gelegenheit wie gesagt, scheinbar unwillkürlich benutzt werden, die Ansprachen dürfen nicht beleidigend »rrdrn und di« Frage de« Antisemiti«»»« nicht geradezu au den Haar« hnbeigezogeu »«den. Dadurch, daß auch andere christliche Zuhör« al« die Vorgesetzten erscheinen, wirken wir in weiteren Kreisen. «braso «scheinen bei Schulspaziergängeu recht oft! christliche Theiloeho« und auch hi« können wir durch eine I vaterländische Rede, durch Vorträge von Baterlaudöliedern, durch Vorführung vo» militärische» uud turnerischen Uebungrn unter Begleitung eine« Reigen« zeigen, daß auch wir — trotz unsere« Glauben« od« vielmehr gerade wegen unsere« Glauben« —recht gute Deutsche find uud da« Deutschthum allezeit pflege». Reine dritte Forderung an die jüdische» Lehrer lautet als«: Bei Schulprüfungeu.Schulfeteru uud Schulfesten nehmet die Gelegenheit wahr, deu Antisemiti«»»»« zu bekämpfen! _ .lstonsetzua, solgt.) Samss« Nckphael Hirsch.! Ci» Man», der nahezu sechzig Jahre im öffentlichen Leben wirkte uud dem da« Mt« die rüstige Schaffeuökrast nicht raubt«, »nr minderte, kau» »icht vo» der Lrde scheide», ohne daß die Botschaft von seinem Tode einen weiten Rach» hall findet. So hat der Tod Hirsch« dt« jüdisch« Welt «rqt; al« « zum ersten Male da« Wort «griff und die Gedanke», die « »»» Bernay» lHamburg) empfangen, hinan«trug auf deu Markt de« Leben«, da hat « eine «lösende Lhat vollzogen; die Allfromm«» bildete» damal» in Deutschland die große Mehrzahl der Jndeuheit, dennoch hatte e« de» Anschein, al« ob einige reform-torische Stürm« mit ihre» Länntrompeten die Mauer» de« coaservativeu Judenthum« nie der Kürzen werden, wie einst« al« die Posaunen Josua « di» Mauern »ou Jericho. Di« Btld»»g«feiudschast der Altfrommeu würde hart destraft; sie wahren unfähig, fich zu wehren; fie verstanden weder deutsch »och hebräisch; sie wäre» auf de» armseligsten Zustiutd zmückgesuukeu. daß fie absolut keine Sprach« hatte», tu der st« fich ««drücke» konnten. Daß ei» gebildet« Jude sich diese» trümmerhafteu Vertreter» de« Alten -»schließe, wer ganz »»wahrscheinlich. So schien da« konservative Judenthm» «ff de« Auösterbeetat zu stehe». Da trat Hirsch auf den Kampfplatz, eise seltsame Sprache, verschnörkelte Gedanke», ab« die Lhatsache, daß et» Mau» von Bildung »ud Geist für da« alte Indeuthu« i» Worte» tief« Empfindung eftttrat, war an fich schon erstaunlich «rö erweckend genug. Hirsch hat seitdem keine litterarffch, Lhat vollbracht, die uur irgendwie mit dieser erste», ich« die schau »«ehr al« ei» halbe« Jahrhundert hi»»^g«M«ge» ist, fich »«gleichen ließe. Auch auf de» Boden der christliche» Kirche wäre» e» hochbegabte Mämier, di« fich tu deu schroffste» Widerspruch zur Auskläru»g«th«ol»gie setzten. Hengsteuberg uud Stahl waren hochgelehrte Mäuuer; e« liegt ei» besonder«