Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 3.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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ihre Mitarbeiterschaft, oder durch ein Engagement au derartigen VUttern ihre Finanzen verbefferten; dazu gesellten sich vielleichi universitdt»- lehrrr, denen da» Malheur passtrt, daß ei» von ihn» herautgeaebeue» Buch von überlegenen Gelehrte», unglücklicherweise »Söhnen Sem»', al» wissenschaftlich unbedeutend gekennzeichnet wurde. (Stürmischer Beifall.) Dana bekennen sich wohl al» Antisemiten .stolz« Söhne Germania»', Aristokraten und Angehörige der dort«, bie sich bei ihren Versuchen, ein« jüdische Mitgift zu «rheirathen, eine« Korb zuaehooe». (Große Heiterkeit. Ja, m H., da» ist da» Merkwürdig«, bah bei solchen Gelegenhriten der christlich-germanische Stolz vor dem Metall» klang in nicht» verfliegt. (Sehr richtig!) Endlich stellen da» Lauptconnngenr zu den Antisemiten solche £eutc, die schon von der Schulbank an die Beberlegenheit fleißiger und strebsamer jüdischer Mitschüler zu fürchten Ursache hattm; dieser Theil findet seine stärkst« Vertretung rn unserer studirenden Jugend, di« sich dabei in eine« klüglichen Lirkelschlufi bewegt. Die Herre« Lommilitoaea z. v, die ihre lleberlegen heit über die übrige Menswheit durch bunt« Bänder dokumentireu, sind di« Etsirn, wenn «» gilt, den jüdischen ikommilitone» gejellschastlich zu ächten. Diese» rächt sich dann nothgedruvgen dadurch, daß er, während Jen« die kostbare Studienzeit auf dem Fechtboden und in de» Kneipen zu« .Ablausen der Hörner' vergeuden, fleißig arbeitet. Kommt die Zeit der Examina heran, so ist er gerüstet und gewappnet uud besteht die Prüfungen ohne Schwierigkeit nicht selten glänzend, «ährend di« Blüthe der christlich-germanische» Jugend häufig genug nur mit Ach und Krach sich durch die Examina -durchpreffen läßt. Sehr richtig!) Dann ruft sie ängstlich nach dem Staat, daß er den den den Eintritt in die Staatöämter vnffage, auf den sie fich durch ihre Krnntniß den begründetsten Anspruch erworben haben. Daun verkriechen sich die stolzen Söhne Germania'» hinter Antisemiten-Petitioueu, die die Macht de» Staat» gegen die jüdischen Mitbewerber in die Schranken rufen sollen. Darum hat Karl Schurz Recht wen» er neulich in Amerika in einer Rede de» Antisemitilmu» al« Feigheit gebranb» markt Hot. (Lebhafter, laugandauernder Beifall) Und dieser Lirkelschluß, daß man di« Juden erst aurschlietzt, um ihnen hiaterher Vorwürfe zu mache», daß sie, auf eigen« Fühe gestellt und ganz auf sich angewiesen, e» zu etwa» bringen; der Eirkelschlnß, daß »au fie al» etwa» .Fremde»', nicht zu uu» Gehörige» behandelt, um ff« hinterher in der gehäsfigsten Weise zu schmähen, daß fie sich nicht gehörig .asfimilirt' hätte», dieser Eirkelsaluß ist ein« Jahrhunderte alle Sünde, ein Jahrhundert« alte» Verbreche» am Geiste der Humanität (stürmffcher Applau»), da» «an endlich, in den erleuchteten Zeiten de» neunzehnte« Jahrhundert», gut mache» sollte Und «eil man die» nicht au» der Geschichte gelernt hat, «eil man die» nicht einfieht, darum ist der Antisemi i»mu» nicht blo» eine Feigheit, sonder» auch «in« grenzenlos« Dummheit.' (Abermaliger, langandauernder Beifall.) Da» -Resultat der Wahl am 14. zeigte, daß trotz der vo» den Karftllpartrien eingeleiteten und glpfleaten antisemitische« Agitation »eder der Kandidat der ftaitrOparlttrn «och der der Soz'alrrformrr, sondern der jüdische Stadtrichter Friedläoder in die engere Wahl mit dem Caodibaten der Sozioldemakratie kam. Bei der Stichwahl wird «» sich ja zeigen, ob den KarteLiften, die dabei de« Ausschlag za geben habe« werden, der Pa tri ot i<m «» höher steht al» der Racenhaß, ob sie dem preußtscheaStadtrichter oderdemSozialdemokratev ihre Stimm en zuweudeu werde«. tt«l taut -er jiidifch« Lehrer z«r Ve» U«Pf«iO deS Vlutisemitis«»- th««? Von H. V. in S. (Fortsehuag.) b) j« Lehrervereiu;». Neulich wurde i, der .Schlesischen Schulzeitung', der Zeitung der Proviazial-Lehrer-Bereine in Schlesien uud Posen, berichtet, daß dem ganzen großen Provinzml-Lehrer- Vereine in Cxblrfien. der ungefähr 4000 Mitglreder zählt, mt 26 jüdische Lehrer angehören. Wer aber weiß, daß gerade i« Regicruagsbezirk Oppeln oder Obrrschlesir» «in« ganze Anzahl «in- und uuhrklassiger jüdischer Elementarschule», sawie Simultonschuleu mit jüdisch« Lehrer» bestehe«, fcs Wird sich gewaltig wundern über rie geringe Anzahl der jüdischen Theiluehmer an diesem allgemeinen, d. h. aus Mitglieder» aller Bekenntnisse bestthenden Peovinzial-Lehrer- Berm«. I» der Proviuz Pos en ist die Anzahl der jüdisch« Mitglieder au dem dortigen Provlnziai-L Hrrr-Bereiu wahrscheinlich «ach geringer, obwohl die Lehrrrsteüeu au jüdischen öfferrtliche» Elementar- oder Eimulianschulrn bei größer ist, als in Oberschlesien. Wie viele oder eigraslich »sie wenige, an öffentliche» jüdischen Elementarsch »len a»gestellte Lehrer wöge» in Hesse». Sachsen, Hannooer, Rheinland und Westfalen de» dortige» Provinzial-Lehrer-Berrtne» angehöreu? Mancher Kollege »sich sagen: .Zu welchem Zweck sollen w°r diese« Vereinen beitreten? Wir haben unsere jüdischen Provinzial-Berrine vo« Kultuabeam'eu, dort ist d'e geeigneteste Stätte nuserer Wirksamkeit." Ich erwidere darauf: .Um den Autisemitismu» zu bekämpfen, müssen wir jüdische« Lehrer uns den alllgemeiueu Orts-Lehrer- Vereine« und damit auch den Provinzial- Lehrer-Bereineu anschlirßen!" Siebt es dma evangelische oder katholische Provinzial-Lchrer-Vereiae in Pceußm? E» girbt wohl eine» evaug,tischen Ledrerbuud, einen Verein für Erhaltung der evangelisch« Volksschule, auch au zwei oder drei größeren Orten getrennte kacholische «ad evangelische LehrernBereine, aber auch d>efe letzteren schließ« sich in neuester Zeit dea Provinz al-Lehrer-vereine« an. — Welchen kläglichen Eindruck macht es bei unseren christlichen Kollegen, wenn sie bisweilen von Vereine« jüdischer Lehrer für zwei Provinzen oder aar für zwei bis drei Staaten lesen und daun erfahren, daß die Anzahl der Theiluehmer oft nicht einmal, bis zum dritten Zchaer. sehr selten aber dis zum fünfte» Zehner heraareicht? Uud dabet sind nicht eiumal all« Th-ilurhmer dieser Bersammlungea Lehrer an öffentlichen Volksschule»! Da lese, wir von Kautorr», Rabbiuera, Predigern, Religionslehreru uad Lehrer» in bunter Reihe uad grade die letzteren sind in geringer Anzahl vertreten. Ich frage: W« bleiben die übrigen jüdischen Lehrer? Dm allgemeinen Lchrerverdäadea gehöre» sie nicht an. in jüdischen Lehrer-Versammlamgeu sind sie nicht sichtbar. — Ich will keineswegs das vevürfaiß jüdischer Bereinigungen völlig leugnen. allein erstens stad di« bestehmdm sograauutm jüdischen Lehrervereiaiguvgen in Wirklichkett keine Lehrersereiue uad zwetteus gilt es heute für uu». mit alle» Mitteln die größere Gefahr abzuwrndeu. Die jüdische Schule wird hoffentlich noch recht lauge bestehe» uud «iue besouder« jüdische Pädagogik giebt es nicht; allein »er Autisemitis«»» droht unsere besten Männer uni abwendig z« mache«, er sucht uu« vo« Amt uud Würden und Ehre» ruszuschlteßeu — da ist der Anschluß jüdischer Lehrer au die allgrmetue» Orts- und Praviuziallehrrrvereiue em vorzügliche« Mittel zur Bekämpfung dieser uulauteren Abfichteu unserer Gegner. Wen» auch einzelnen Mischen Beretueu dalmrch Abbruch geschchen sollte, da» größere Ziel muß »us da« höhere sein: ,E« giebt eine Zeit, zu zerstören und ein« Zeit, aufzubauen; eine Zeit — zu pflanze» uud eine Zeit — etuzureißen!" — Ich selber Hab« tu meiner auitliche» Wirksamkeit stets dieses Ziel im Auge ^hab', ich Hab« au »erschiedeueu Orten allgemeine Lehrer oern ne gegründet, tu denen ich da« einzig« Mische Mitglied war »ad in de» Vorstand gewählt wurde, ich Hab« zur Srüuduag aaderer Bereise, in andere» Orte» die Auregnng gegeben, ich habe Pestalozzi- Verein« znr Unterstützung »ou Lehrer-Bittmeu (ohne Unterschied des Glaubeu») ins Leb« gerufen, ich Hab« die Bildung eine» Lehrer-Ganverbaades angeregt und überall zu » tner Freud« gefunden, daß dt« Auregnng ans srnchtdarea Bode» gefallen ist; denn diese Lehrerveretne bestehe» hcntr »och als Bilder deschöusteu Eintracht unter Lehrer» etues jede» Lekemüuiffes. Habe ich dies« Serrine gegründet zur Befriedigung «eines persönliche» Ehrgeizes? Feh hoffe, kein Lehrer wird mir nach meinen Nuss ührmrgeu dies m unlautere» Grund unterlege», «et», als Jude, als Israelis, als Nachkomme Abrahams, der de» Glaube» an de» alemige», einzige» und einige« Gatt, an den Gatt Israels, in finsterer «acht oerbreitet har und der di« Verbreitung dieses Gtaadeus seine» Nachkomme», »ns Allen, z«c heilige» Pflicht gewacht hat, fühlte ich «ich dazu vcranlaßt. Mich leitäe bet »einem Werke das Wort eines anderen, eiöies göttliche»